Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 8 (Agosto, 1961)
- Date
- 1961-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO Agosto 1961 GEDANKEN ZWISCHEN 2 UND 3 Das Paradies, mit seiner ueppigen Vollkommenheit, seinem grenzenlosen Reichtum, seinem heiteren Frieden, waere fuer Eva schwerlich eines gewesen, haette sie nicht ihrem allerweiblichsten Urtrieb folgen und ihre Schoenheit im kristallklaren Wasserspiegel eines Waldsees pruefen koennen. Aller Wahrscheinlichkeit nach war es auch fuer diese Dame schon lebenswichtig, sich ab und zu eine kleine, aufmunternde Bestaetigung zu holen. Unser weiser Schoepfer sorgte in einfuehlendster Voraussicht dafuer, dass unsere Vormuetter, lange, lange bevor der eitle Mensch den Spiegel “erfand”, im reinen, klaren Wasser ihr Antlit“ pruefen, Wohlbefinden oder verbessern konnten. Haeuser ohne Telefon, Waserleitung, Heizmoeglichkeit, ohne Blumen, Fensterscheiben, Tueren sind vorstellbar; aber selbst in der primitivsten Huette, in jeglichem Erdteil, wird kaum ein Spiegel fehlen, und wenn es auch nur ein zerbrochener Scherben sei. Der Spiegel, dieses zugleich grausame wie liebenswuerdige Ding, das unsere intimste Persoenlichkeit unbestechlich widergibt, ist ungeruehrt, kalt, glatt, erbarmungslos aufrichtig. Das polierte Metall konterfeite in alter Zeit den aengstlich suchenden oder kalt-selbstbewussten Blick der Eitelkeit; es verschoente durch seine Toenung, betrog durch seine Waerme, war nie ganz ehrlich. Der unpersoenlich starre, rein funktionelle Glasspiegel ist, wie sein Material, hart, unbequem, konzessionslos. Er verbirgt, vertuscht nichts. Das sueffisant falsche Gesicht wird vor ihm zur laecherlichen Maske, die bare Verzweiflung ein Schreck ihres Traegers. Kuehle Schoenheit wird dumme Leere, Waerme und Guete ueberstrahlt aeusserliche Maengel. Nie ist ein Mensch so absolut und bedingungslos ehrlich, wie vor seinem Spiegelbild, denn dann erst ist er de facto mit sich alleine. Es ist verstaendlich, dass die menschliche Schwaeche auch da oft einem Selbstbetrug bereitwillig zum Opfer faellt, doch kommt man sich schnell hinter die Schliche und gibt die Komoedie auf. Die Pose wird meistens vor dem Spiegel geboren oder zumindest vor ihm geprueft. Ein kluger Selbstkritiker entdeckt rasch ihre Laecherlichkeit. Hinter dem Schreibtisch des Personalchefs einer Firma sollte ein grosser Spiegel haengen; aus der Reaktion eines Anwaerters vor seinem eigenen Bild sind treffliche Schluesse auf seinen Charakter zu ziehen. Der Spiegel entlarvt den Hochstapler, nimmt dem BJtrueger die aufgeblasene Selbstsicherheit. Ein Hauptmann von Koepenick kapitulierte erst richtig vor seinem laecherlichen Spiegelbild. Ein Kleinkind, das sich zum ersten Mal im Spiegel entdeckt, erkennt, ist ein bezauberndes Studienobjekt. Schuechtern und staunend besieht es das Gegenueber, bis es den Mut fasst, es zu beruehren. Kind zieht es zu Kind; es bringt ihm ruehrend seine Zuneigung entgegen, reserviert oder stuermisch, je nach Veranlagung. Und da steht nun ein gleich grosses, gleich staunendes, gleich sich bewegendes Geschoepfchen ihm gegenueber, dem sein kleines Herzchen entgegenschlaegt, dem es schliesslich in bezaubernder Narzissus - Reinheit, durch kaltes Glas getrennt, die Lippen bietet. Lange -bleibt dies fuer ein Kind ein suesses Raetsel, ein faszinierendes Spiel. Ein junges Huendchen, ein Kaetzchen vor dem Spiegelglas ist reines Entzuecken fuer den Beobachter. Wer hat sich nicht mit schallendem Lachen in Messebuden vor seinem konvexen oder konkaven Zerrbild gedreht, lang und duenn oder unfoermig verbreitert? Wer nicht voll Schrecken im Vergroesserungsspiegel winz i gste Unregelmaessigkeiten gro tesk vergroessert entdeckt? Zu den huebschesten harmlosen Jugenderinnnerungen fast eines Jeden gehoert der kleine Taschenspiegel, heimlich ins Sonnenlicht gehalten, der Ahnungslose blendete oder vor unseren staunenden Augen Papier zum brennen brachte. Unsere Grossmuetter sassen hinter Gardinen am Fenster und registrierten durch den “Spion” mit Ausdauer und Malice die Ereignisse der Strasse; er war oft ein besserer Nachrichtendienst und Posaunenengel als ein modernes Skandalblatt. Ein dekoratives Zierstueck und wieder sehr en vogue, ist der alte, sogenannte ame rikanische Wandspiegel, der in winziger, aber scharfer Widergabe einen ganzen Raum in seinem Rahmen zeigt. Mit all seinem ueberladenen Barockzauber, seinem ausserzeitgemaessen Prunk, ist auch heute noch ein Versailler Spiegelsaal imponierend, besonders fuer amerikanische Touristen, die damit ungekannte Geschichtsepochen kennenl e r n e n. “Spieglein, an der Wand”, wie wichtig warst und bleibst Du immer und wie viele Abarten hat Dein Namen gezeitigt. Das Auge wird der “Spiegel der Seele" genannt. Sie koennen strahlend glaenzen, trueb verhangen sein. — Wenn man jemand mit ehrlicher Rede den “Spiegel vorhaelt”, kann er sich das meistens nicht “'hinter den Spiegel stecken”. — Ob bei Ebbe oder Flut, in Windstille oder Sturm, man liegt hoch oder niedrig oder sogar unter dem "Meerespiegel”, was man bequem an fast jeder Bahnstation ablesen kann. — Selbst in Kleiderfragen spielt der Spiegel eine Rolle. Der elegante Herr traegt ihn an seinen Smokingaufschlaegen, der arme Teufel an seinem Hosenboden. “Spiegelige Redensarten” sind gefaehrlich glatt und veranlassen zu Entgegnungen mit spitzer Zunge. Das “Spiegelei” ist ein Leckerbissen, der, zu oft genossen, den “Blutspiegel” fatal beeinflussen kann. — Sich in “Etwas oder Jemandem zu spiegeln”, bezeugt wenig eigene Persoenlichkeit. Wohingegen der “Spiegelmensch” nur und ausschliesslich sich und seine Belange sieht und anerkennt und alles auf sich bezieht. Seine Saetze fangen meistens mit “ich” an und langweilen auf die Dauer masslos. Man ist dann geneigt, die Raueber zu zitierend und ihm mit “Spiegelberg, ich kenne Dich” die Rede zu verkuerzen.— Ein “Spiegelkarpfen” schmeckt blau oder polnisch so verzueglich, dass man gerne seinen Teller “spiegelblank” leer isst. Trinkt man dazu einige Glaeser guten Weines zu viel, sollte man auf "spiegelglattem” Parkett vorsichtig gehen. — Bei Schiffen nennt man irgendetwas, was auf englisch "stern” heisst, “Spiegel”, das entweder hinten oder vorne ist. Die voellige Unbildung auf diesem Gebiet bittet man zu verzeihen. — Man kann ein “Spiegel der Ehrsamkeit” ebenso wie der Hoeflichkeit sein. Letzteres dient zum Anlass, mit dieser “Spiegelfechterei” Schluss zu machen. K. KAUF oder BETEILIGUNG an erstklassigem Unternehmen (Geschaeft oder Fabrik) sucht Kaufmann mit Kapital. 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