Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 8 (Agosto, 1961)
- Date
- 1961-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Agosto 1961 BOLETIN INFORMATIVO 7 ADOLF EICHMANN SUCHT SICH REINZUWASCHEN Von Dr. ABNER NECHUSCHTAN, Tel-Aviv Wer Tag fuer Tag, von einer Sitzung des Gerichts zur anderen beobachtete, m i t welch betraechtlichem Aufwand von Zungenfertigkeit, aber auch von Geistesgegenwart, Eichmann wieder und wieder Rede und Antwort stand, musste die frueher waehrend dieses Prozesses gebildete Meinung revidieren, dass hier im Glasverschlag jemand sitze, der kaum noch mehr als ein Schatten seines frueheren Selbst sei und sich mit seinem Schicksal apathisch abgefunden haette. Zwar zeugt die letzthin zu einem fahlen Grau gewordene Farbe seines Gesichts davon, dass die nun schon ein Jahr waehrende Gefaengnishaft nicht spurlos an Eichman voruebergegangen ist; und auch der Umstand, dass ihm sein kuenstliches Gebiss genommen wurde, um entsprechenden Selbstmordversuchen vorzubeugen, hat dies Gesicht noch staerker verkrampft, als es anfangs der Fall gewesen ist, da er d i e ersten vernichtenden Vorstoesse des Staatsanwalts ueber sich ergehen lassen musste. Umso erstaunlicher ist es, wie akzentuiert er —auch ohne diesen Behelf— seine Worte mit dem schauspielerisch gerolltem R. zu artikulieren weiss. Dass er sich in diesen Saetzen haeufig verhedderte, steht dazu gewiss in keinem Widerspruch. Die Richter, aber auch Dr. Servatius selbst, sehen sich Dutzende Male genoetigt, seinen Redefluss nach Möglichkeit einzudaemmen. EIN STRAFVERTEIDIGER VON FORMAT Der koelner Anwalt hat sich in dieser Phase des Prozesses zweifellos die volle Achtung derer erzwungen, die ihm vorher Entgleisungen von der Art seiner Bewertung Eichmanns als “friedlichen Buergers seit 1945” mit Recht als Taktlosigkeit veruebelt haben. Er erwies sich als Strafverteidiger nach der altbewaehrten deutschen Tradition; mit Bienenfleiss bezog er sich auf viele Dutzende neuer, irgendwie von ihm “ausgegrabener” Dokumente, und setzte den Scharfsinn eines geschulten Juristen darein, den vielen Schriftstuecken, die die Anklage dem Gericht schon vorher praesentiert hatte, wo irgend moeglich Deut ungen abzugewinnen, die seinen Mandanten, sagen wir, in weniger unvorteilhaftem Licht erscheinen liessen. Auch wo diese Interpretation e n nicht ueberzeugten, machte die gelassene Sachlichkeit, mit der er sie vortrug, darum nicht weniger Eindruck. Hier stand ein Jurist von Format, der im Bewusstsein seiner unerhoert schweren Aufgabe etwaige Beweisluecken so ueberzeugend wie moeglich aufzudekken suchte. Es war fuer einen Mann in den hohen Sechzigern zudem sicherlich rein physisch eine Strapaze sonde rgleichen, waehrend dieser zwei Wochen taeglich vom fruehen Morgen bis in die spaeten Mittagsstunden stehend auszuharren. Der w i ederholten Aufforderung des Vorsitzenden, dass Verh o e r Eichmanns sitzend durchzufuehren, hatte er widersprochen und nur um ein Stehpult fuer seine Papiere gebeten. UNDURCHSICHTIGE INSTANZENZUEGE So oft Dr. Servatius und sein Mandant zu beweisen versuchten, dass dem Angeklagten ¡hinreichende Vollmachten gefehlt haetten, bemaechtigte sich der Richter iedesmal eine gelinde Verwirrung; so unvorstellbar kompliziert war dieser Apparat nach der Darstellung sowohl des Anwalts wie seines Zeugen aufgebaut gewesen. Immer wieder —entweder der Gestapo— Chef Mueller, oder nach Heydrichs Tod Kaltenbrunner vom Reichssicherheits-Hauptamt, lieber ihm Himmler und vor allem das Auswaertige Amt mit Ribbentrop an der Spitze: sie seien neben wer weiss wie vielen Mittelspersonen sonst noch von den Diplomaten Hitlers in den Besatzungsiaendern bis zu allerlei obskuren Polizeioffizieren die wirklichen Befehlstraeger des Verderbens gewesen. Ihm, Eichmann, sei, wie gesagt, nur die Sorge fuer den Fahrplan der Gueterzuege mit ihrer ungluecklichen Men'- schenfracht ueberantwortet gewesen. Ribbentrop stand aus Ressortgruenden zwar in unentwegten Streitigkeiten mit Himmler; aber wenn einer der unlaengst in Deutsch- 1 a n d vernommenen Zeugen, von Thadden, erklaert habe, dass Kaltenbrunner in der Lage gewesen sei, den Reichsaussenminister zu ueberspielen, sei das eine glatte Luege. Und nicht nur das! “Meine Wut kannte keine Grenzen”, so schilderte der Angeklagte seine Stimmung, als er davon sprach, wie ihm der jetzige Bremer Grosskaufmann Kurt Becher seinerzeit in Budapest “ins Handwerk gepfuscht” habe. Becher, der m i t Auswanderungsdingen nie zu tun gehabt hatte, und der nicht einmal im tPolizeidienst stand, betrieb die Ausreise ungarischer Juden, um die ich mich vorher bemueht und so verdient gemacht hatte, um sich fuer jede Bewilligung enorme Valutenbetraege zahlen zu lassen, die zumeist in seine eigene Tasche flössen. Ihm, Eichmann, sei die “Schmutzarbeit der Deportation” ueberlassen geblieben —und so, um den Rivalen schachmatt zu setzen, sei ihm der Gedanke gekommen, 100.000 Juden gegen Lastkraftwagen usw. “auszuhandeln”. Als daraus nichts wurde, “kehrten die Wucherer (lies Becher) schadenfroh zu ihrem Geschaeft zurueck, schnoeden Mammon zu erpressen und beiseite zu bringen”. Ob bei seinem beruehmten Vorschlag Motive der Menschlichkeit mitgespielt haetten, fragte Dr. Servatius den Angeklagten —und gab ihm damit eine von ihnen beiden vorher wahrscheinlich genauest geplante Gelegenheit, seine sozusagen unbeirrbare Wahrheitsliebe unter Beweis zu stellen. “Da ich unter Eid stehe, kann ich nicht anders als zugeben, dass von Empfindungen des Erbarmens bei mir nicht die Rede gewesen ist”, erwiderte Eichmann mit geradezu biedermaennischem Augenaufschlag. U e b erzeugender war, als er in seiner reichlich urwuechsigen Sprache hinzufuegte: “Waere ich meinem Vorgesetzten mit solcher Begruendung gekommen, so waere ich ja in hohem Bogen aus ihren Amtszimmern herausgeflogen”. WAHRHEITSLIEBEND ODER NICHT? Kein Zweifel, dass er damit die Wahrheit sagte Umso fadenscheiniger wirkte dafuer die dauernde Mischung von exaktem Erinnerungsvermoegen und akuter Gedaechtnisschwaeche. An so belanglose Einzelheiten wie, daran vermochte er sich genau zu erinnern, ein Polizeihauptmann in Lublin vor mehr als einundeinhalb Jahrzehnten seine Uniform ausgezogen und die Hemdsaermel aufgerollt hatte, oder dass er selber zu ungefaehr der gleichen Zeit in Minsk einen langen Ledermantel getragen haette. Aber wenn ihm die Richter die Dokumente oder auch Dr. Servatius mit verfaenglichen Fragen auf den Leib rueckten, kam es stereotyp zu der Antwort: “Nach 18 Jahren kann ich mich daran nicht mehr erinnern”. Gelegentlich variierte er diese Entgegnung etwa so: “Das soll ich angeordnet haben? Mag es auch schriftsaetzlich niedergelegt sein, es kann nicht stimmen, denn dann wuerde ich mich daran erinnern”. Versteht sich, dass er sich dieses Argumentes mit Vorliebe dann bediente, wenn ihm Massnahmen im Sinne der Anklage aus Dokumenten vorgehalten wurden... EICHMANN ALS REPRAESENTANT Dann wich er aus, wie gesagt, und verwickelte sich mehr als einmal in flagrante Widersprueche. Und dennoch sei um der Objektivitaet willen festgestellt, dass seine langatmigen und in der Regel verworrenen Erklaerungen diesen Mann in einem etwas anderen Licht erscheinen lassen, als es vorher der Fall gewesen ist. War er gewiss auch viel mehr als nur das einflusslose “Raedchen im Getriebe” als das er sich hinzustellen versucht, so draengte jetzt andererseits glaubhafter als frueher der Eindruck sich auf, dass es ein Irrtum waere, ihn gleichsam zu diabolisieren. Er scheint vielmehr einer von der Schar der verrueckten Helfer des Systems gewesen zu sein, die sich —sei es aus Karrieresucht, aus fehlgeleiteter “Weltanschauung”, aus unmenschlichen Instinkten oder haltloser Servilitaet— in ihren Schlüsselpositionen dazu hergaben, die moerderische Maschine in Gang zu halten und immer wieder zu oelen. Er war so gesehen ein unverfaelschter Repraesentant der braunen Schreckensherrschaft. Vielleicht war er darueber hinaus wirklich, wie der Londoner “Daily Telegraph” es dieser Tage formuliert hat, ein Repraesentant jenes dekadenten Menschentypes von heute, dessen Inneres ein grauenhaftes Vakuum ist, weil ihm Tradition, Gewissen, religioeser Glaube und Gesittung fehlen. Als Dr. Servatius seine Vernehmung beendet hatte, ward die Szene am 7. Juli unversehens zum Tribunal. Denn nun war die Reihe an Generalstaatsanwalt Hausner gekommen, und in unerhoert dramatischer Steigerung leitete er sein Kreuzverhoer mit der Frage ein, ob Eichmann zu der in der Gefaengniszelle abgegebenen Erklaerung stehe, er fuehle sich so schuldig, dass er bereit waere, sich oeffentlichen Orts zu erhaengen, um symbolisch zu suehnen. Der Angeklagte bestritt zwar, im strafrechtlichen Sinne schuldig zu sein, aber, fuegte er in die Enge getrieben hinzu, “menschlich bin ich schuldig geworden... ” Federación Sionista de Chile—Keren Kayemeth Leisrael Comité Especial pro Bosque de los Mártires Santiago, August 1961 Mit 100.000 Baeumen wird der chilenische Jischuw sich am Wald der Maertyrer in Israel beteiligen, einem ewig gruenenden Mal zur Erinnerung an die sechs Millionen unserer ermordeten Brueder. Ein Baum fuer jeden Toten, ein neues Leben, verwurzeh in israelischer Erde, so hat es Julio Barrenechea, der grosse chilenische Dichter ousgedrueckt. Dies ist nicht nur eine Baumaktion mehr. Hier handelt es sich um die Erfuellung einer heiligen Pflicht, der sich kein Jude entziehen dar*. Alle haben wir Angehoerige hergeben muessen und kaum einem unter uns ist es vergoennt, an ihren Graebern ihrer zu gedenken. Und sollte es doch einen geben, der von der Katastrophe des europaeischen Judentums nicht direkt betroffen wurde, so hat dieser Glueckliche eine umso groessere Pflicht zur Dankbarkeit. Im Einverstaendnis zwischen der Federación Sionista und dem Direktorium der S. C. I. "B'ne Jisroel" ist beschlossen worden, die von den Mitgliedern der S. C. I. gezeichneten Baeurne in einem besonderen Teil des B'ne Jisroel Waldes zu pflanzen. Wir richten an Sie den dringenden Aufruf, sich der Erfuellung dieser Ehrenpflicht nicht zu entziehen und uns Ihren Beitrag baldmoeglichst an die Casilla der Gemeinde, Nummer 2487, einzusenden. Wir sind davon ueberzeugt, dass Sie uns nach Massgabe Ihrer Moeglichkeiten bei der 'Erfuellung dieser Mizwa helfen werden und danken Ihnen schon jetzt fuer Ihr Verstaendnis. Mit herzlichem Schalom Samuel Gleise» David Renner* Jaeobo Pilowsky Leitender P r a e si- Vorsitzender des Vorsitzender des dent der Federa- K. K. L. Dezernats 'Sonderausschusses don Sionista de Chile