Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 8 (Agosto, 1961)
- Date
- 1961-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Agosto 1961 BOLETIN INFORMATIVO 5 A r Die Araber als Bundesgenossen Hablb Bourgiba galt bis zu dem Tage, an dem er ebenso ueberraschend wie unmotiviert die Krise um Bizerta heraufbeschwor, als der zuverlaessigste Alliierte des Westens innerhalb der arabischen Welt. Je weniger sich die Kommentaristen von dieser Voraussetzung gedanklich frei machen konnten, desto schwerer musste es ihnen fallen, seinen theatralischen Gewaltsstreich gegen die franzoesische Luft- und Plottenbasis vernuenftig zu erklaeren. Mario Planet, Korrespondent von “Time” in Chile, sieht in “Ercilla” hinter seinen Mlannoevern den Plan der Aufrichtung eines neuen Weltreichs von Karthago, auf den Truemmern des einst von Rom vernichteten. Enrique Gajardo, der abgeklaerte internationale Fachmann von “EI Mercurio”, erwaegt die Moeglichkeit, dass der Praesident von Tunis von juengeren und fanatischen Elementen ueberspielt worden ist, deren ueberstuerzte Aktion er nicht zu kontrollieren vermochte. Im Gegensatz dazu laesst wenige Tage spaeter die Associated Press zwischen den Zeilen der Vermutung Raum, dass die aelteren und gemaessigten Elemente in der Regierung von Tunis sich durch Ruecktritt von Bourgibas ueberstuerzter Aktion zu distanzieren wuenschen. Der eine sieht in dem plötzlichen Angriff ein Zeichen des Missmuts ueber die festgefahrenen franzoesisch algerischen Verhandlungen und den Versuch, Frankreich unter Druck zu setzen und nachgiebiger zu machen. Der andere verbindet ihn mysterioes mit der Krise von Berlin, die den taktisch guenstigen Moment dazu abgegeben haben soll. Eine Hypothese, die noch in dieses abstrakte Gemaelde wirrer Ideen passen wuerde, besteht darin, den wenig beachteten, aber zeitlich synchronisierten Einmarsch tunesischer Truppen in die Sahara als Hauptziel anzusehen und dies sogar im Rahmen eines tunesisch-algerischen Konflikts "um die Erdoelfelder, der dem von beiden ersehnten Moment des franzoesischen Rueckzugs vorgreift. Dieser Unterstellung zufolge waere Bizerta nur die Nebelwand fuer diese viel wichtigere Grossoperation. DAS SCHWERT DES ISLAM Was diese und unzaehlige andere Vermutungen an Wahrheit oder Phantasie enthalten, wird natuerlich erst die Zukunft zeigen. Einstweilen steht nur fest, dass keine von ihnen viel erklaert, selbst wenn sie stimmen sollte. Wenn der Westen Klarheit ueber diesen scheinbaren Widerspruch in der tunesischen Aussenpolitik gewinnen will, dann muss er sich erst zu einer Neubewertung des arabischen Faktors durchringen, von der er heute noch sehr weit entfernt ist. Aus dieser Neubewertung wuerde sich dann zwangslaeufig, kraft einer anderen Logik, ergeben, dass Dinge, die der Westen als Widerspruch empfindet, fuer Araber folgerichtig sind, Intrigen koennten als Buendnispolitik verstanden werden und Meuchelmord als Ausdruck des —arabischen— Parlamentarismus. Das ist gar nicht so hart und ironisch gemeint, wie es klingt; damit soll einfach festgestellt werden, dass in diesem Teil des Orients ein Menschenschlag lebt, der nicht nur anders denkt und fuehlt und handelt, wenn er trachomakrank in den Bazaren hockt und bettelt, sondern auch, wenn er in Harvard oder in Oxford studiert hat. De Gaulle ist der einzige Staatsmann, der sich darueber klar ist und dementsprechend handelt. Das ist kein Zufall. Waehrend die Englaender als Kolonialmacht ueberall nur durch eine relativ duenne Beamtenschicht vertreten waren, die sie mehr oder weniger schmerzlos zur u eckzuziehen vermochten, nachdem sie noch obendrein ihre wirtschaftlichen Belange im Sinne einer Fortdauer der “Kooperation” geregelt hatten, sind die Franzosen m i t ihrem Kolonialbesitz —vor allem in Nordafrika— durch bodenstaendige Siedler verbunden Dadurch faellt es ihnen einerseits so viel schwerer, die zweifellos anachronische koloniale Bindung zu Ioesen. Andererseits kennen sie ihre Leute richtig ... und behandeln sie danach. Keine 48 Stunden waren noetig, um die Belagerung von Bizerta nicht nur zu brechen, sondern die ganze Hafenstadt —mit Ausnahme der Casbah— zu besetzen. Wenn die franzoesischen Truppen sich wieder auf ihre Ausgangspositionen zurueckziehen werden, so mag dies vielleicht auf diese oder jene politische Konvenienz oder Druck zurueckzufuehren sein: das Schwert des Islam wird es jedenfalls nicht fertigbringen. Und dies, obwohl saemtliche Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga von Hilfsangeboten nur so trieften, “Freiwillige” organisierten, militaerische Ausrüstung an ihre tunesischen Bruder schickten und den “Heiligen Krieg” nur deswegen nicht erklaerten, weil sie trotz ihrer anderen Empfindung (siehe oben!) fuer die Laecherlichkeit sich davor sogar in den letzten Jahren etsers Ziel besteht darin, nach den wieder holten Fehlschlaegen der letzten Jahre einen Mehrheitsbeschluss zuwas gescheut haben. Kurz, sie taten, was in ihrer Macht stand. Den militaerischen Wert dieser Macht schaetzt De Gaulle ein wie ein ausgeblasenes Ei. Und er ist, wie gesagt, der einzige Staatsmann des Westens, der diese Dinge richtig einschaetzt. WAS MAN NICHT LERNEN WILL Zwei Lehren koennte der Westen aus dieser Affaere ziehen: Erstens: Traue keinem Araber, auch nicht, wenn er Bourgiba heisst. Zweitens: Ueberschaetze sie nicht. Es steckt nichts dahinter. Auf diesen zwei Praemissen liesse sich eine ganz neue Nordafrika— und Nahostpolitik aufbauen. Sie muesste darauf basieren, ihnen bei der Hebung des Volkswohlstands zu helfen, im mer dann und insofern sie selbst daran Interesse haben. Ihre Stimmen in den UN sollte man nicht kaufen, denn schlimmstenfalls kann man waehrend der Abstimmungen, wie dies der franzoesische Delegierte tut, Kaffee trinken gehen. Gewiss sollte man sie nicht mit Waffen kaufen. Im Ernstfälle werden sie die Waffen doch nur gegen den Westen richten oder davonlaufen. Taugen wuerden sie so und so nichts. Wenn es darauf ankommen sollte, muesste man die Wuesten und Gaerten von 1001 Nacht besetzen, so wie De Gaulle Bizerta besetzt hat und wie Khruschev das auch tun wuerde. Es eruebrigt sich, hinzuzufuegen, dass man in Washington und London weit davon entfernt ist, eine solche oder aehnliche Lektion lernen zu wollen. So wie Kennedy nach den ersten Monaten Zaudern, Verwirrung und Widerspruechen in B e r li'n und in Kuba, in Laos und in Alabama nun anfaengt, Eisenhowers Arzneien aus dem Apothekenschraenkchen z u holen, so versucht er sich auch an den arabiscen Fiebertraeumen m i t Beruhigungspillen, die seine stoerrischen Patienten nicht schlucken wollen. Es ist bekannt, dass sich der Praesident der USA bemuessigt gefuehlt hatte, vor der Audienz, die er Ben Gurion sozusagen zwischen Tuer und Angel in New York vor seiner Abreise nach Paris und Wien gewaehrte, sich in Schreiben an alle arabischen Nahost-Potentaten gleichsam fuer dieses Treffen zu entschuldigen. Er ging darin sogar so weit, einem jeden Einzelnen die besonderen Verdienste ins Gedaechtnis zu rufen, die sich die USA um sein Land erworben habe und zitierte im Briefe an Nasser sage und schreibe die Intervention zu seinen Gunsten waehrend der Suez-Kampagne. Wie verlautete, antworteten die verschiedenen Briefpartner je nach Stand und Erziehung teils kuehl, teils frech ablehnend. Kassem antwortete gar nicht, weil er der Ansicht war, d^s sei die Antwort, die Kennedy verdiene. METEOROLOGIE UND POLITIK Was dem Praesidenten im Grunde genommen vor Augen schwebt, ist eine Vermittlerrolle im israelischarabischen Konflikt. Soweit die Oeffentlichkeit ueber seine Unterredung mit Ben Gurion unterrichtet ist, hat er einen Plan zur Loesung des a r a bischen Fluechtlingproblems, demzufolge ungefaehr ein Drittel nach Israel “repatriiert” ein Drittel von ihren a r a b ischen Zufluchtslaendern endgueltig assimiliert und das restliche Drittel von ueberseeischen Laendern, auch den USA, auf dem Wege der organisierten Auswanderung aufgenommen werden soll. Auch diesen Plan haben die Araber a priori abgelehnt und wiederholt, dass sie nur an einer hundertprozentigen Repatriierung, die sie nach der Vernichtung Israels vorzunehmen gedenken, interessiert sind. Die Logik der israelischen Position, dass man ueber die Fluechtlingsfrage erst im Rahmen eines allgemeinen Friedensabkommens verhandeln kann, erscheint durch diese sture und provokative Antwort erst im richtigen Lichte. Es stimmt aber nachdenklich, dass auch ein Mann wie Kennedy, der in seinen Aeusserungen als Kandidat so viel Verstaendnis fuer dieses Problem an den Tag legte, den Fehler begeht, das arabische Pferd vom Schwanz der Fluechtlingsfrage her aufzuzaeumen zu versuchen. Ob er dabei nur der persistenten nasseristischen Propaganda auf den Leim gegangen ist, den Erdoel-Lobbys im State Department nachgegeben hat oder seinem aussenpolitischen Berater Adlai Stevenson, der sich die Fluechtlinge schon lange sehr zu Herzen genommen hat, bleibt noch dahingestellt. Jedenfalls oeffnet diese Einstellung dem arabischen Plan, die palaestinensischen Fluechtlinge in der bevors t e henden Hauptversammlung der UN weidlich auszubeuten, Tuer und Tor. Nasgunsten der Rueckehr der palestinensischen Araber zu erreichen. Je undurchfuehrbarer dieser Beschluss im Ganzen und in jedem Detail ausfaellt, desto besser, ist doch sein Ziel nicht, den Fluechtlingen zu helfen, sondern Israel in eine Position hineinzupiannoevrieren, aus der es einem UN-Beschluss zuwiderhandeln muss. Dabei kommen ihm eine Unmenge Faktoren zu Hilfe. Dazu gehoeren das Liebeswerben des State Department um die arabische Freundschaft, die wachsenden Erfolge des “Neutralismus” und der aus ihm resultierenden Erpressertaktik, die rapid sich veraendernde Kraeftekonstellation in der UN, die der Fluechtlingsfrage eigene Dosis von berechtigtem menschlichen Mitleid und schliesslich die Erfolge seiner Propaganda, die selbst in dem bisher traditionell pro-israelischen Lateinamerika zu spueren sind. Es ist also nicht schwer, vorauszusagen,, dass Israel auf der diesjaehrigen UN- Versammlung —und darueber hinaus —einen sehr schweren politischen Stand haben wird. Es wird noetig sein, dass aus den Wahlen eine starke Regierung hervorgeht und es wird noetig sein, dass dieselbe neue Ideen entwickelt. Die bisherige Araber- Politik Israels bestand darin, die Hand zum Frieden darzubieten und fuer alle Eventualitaeten gewappnet zu sein. Der Moment mag nicht fern sein, da dies nicht mehr genuegt. Eine Neu-Orientierung im Sinne der Lektion von Bizerta ist fuer Israel leider nicht moeglieh. Wir trauen den Arabern zwar sowieso nicht und ueberschaetzen tun wir sie auch keineswegs. Aber was fuer Frankreich richtig ist und was fuer die Vereinigten Staaten die rettende Einsicht waere, trifft fuer das kleine Israel noch lange nicht zu, vor allem nicht, solange die Grossen das Gegenteil tun. Die technischen Erfolge Israels illustrieren das. Man hat dort im Laufe dieses Jahres einen Kernreaktor und eine kosmische Rakete mit Erfolg gebaut. In der gleichen Zeit haben die Aegypter ersteren von den Russen, letztere von den Amerikanern geschenkt bekommen. Wenn Schawith II, die meteorologische Rakete, aueh Beobachtungen ueber das politische Wetter am israelischen Himmel haette anstellen koennen, dann haette sie so manche schwarze Wolke verzeichnen muessen. ATSCHEXA