Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 7 (Julio, 1961)
- Date
- 1961-07-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 BOLETIN INFORMATIVO JULIO 1961 GEDANKEN ZWISCHEN 2 UND S Sie ist also wieder da, die ekelhafte, deprimierende und so unkleidsame Zeit des verflixten Schnupfens; in Bus und Kino, in Schulen und Restaurants, ueberall sitzen Geplagte mit traenenden Augen und roten Nasen; ueberall wird geniest, gehustet, geraeuspert. Zarte Frauenstimmen toenen wie rauhes Gekraechze und muessen sich am Telefon erst ausweisen, da sie mit konstanter Bosheit fuer die des Hausherrn gehalten werden. Man fuehlt sich krank und elend, ist moralisch total unterminiert und wird dazu noch ironisch belaechelt oder als Hypochonder verachtet. Von Gespraechen bekommt man nur die Haelfte mit, der arme Schaedel brummt, die schmerzenden Ohren sausen, man wird voellig asozial und selbst der beste Charakter kriegt einen Dreh ins Boesartige. Das raffinierteste, feinste Essen schmeckt wie Stroh, der ausgesuchteste bouquetreichste Wein nacjh laeppischem Spuelwasser. Mit obsessioneller Intensit a e t denkt man nur an reine Taschentuecher, deren zarte, frische Batistweichheit die igequaelte, entzuendete Nasenpartie beruhigend erleichtern moege. Und somit waeren wir beim Thema angelangt, naemlich dem Nasentuch und seiner Entwicklung zum funktionellen Gegenstand. Der Schnupfen ist eine uralte Geissei der Menschheit. Vermutlich hat schon der Steinzeitmensch, der Pharao, der olle Germane, der Mandarin der Ming-Feriode und der Ritter hinter seinem Visier dem unwiderstehlichen Drang eines heftigen Niesens nachgeben muessen. Der Schnupfen kennt keinen Unterschied in Rang, Stand, Rasse, geographischer Lage oder sozialer Lebensform seiner Opfer. Er war und ist auch heute noch eines der grossen medizinischen ungeloesten Probleme. Es existieren vielfache Paliative dafuer, aber nicht ein einziges Mittel gegen seinen Ursprung. Noch immer ist “die gemeine Erkaeltung'’ the common cold) der groesste Ausfallfaktor in der Bilanz der Arbeitskraft und Leistung; seine Schaedigung im Wirtschaftsprogramm geht in fantastische Zahlenhoehen, die man als Laie kaum glaubhaft findet. Die eigene, dezimierte Leistungsfaehigkeit ist man geneigt, fuer eine Ausnahme zu halten. Befaellt uns dieses gemeine Uebel, haben wir es heutzutage verhaeltnismaessig leicht; wir laufen zur naechsten Apotheke und kaufen schachtelweise Papiertaschentuecher, 'die unsere Spur wie eine Schnitzeljagd markieren. Wie halfen sich aber unsere armen, verschnupften Vorfahren? Soweit ich unterrichtet bin, kommt in der Bibel von Schnupfen oder Taschentuch nichts vor. Im neuen Testament ist das Schweisstuch der Veronika erwaehnt; es handelt sich dabei aber um eines der mehr oder weniger feingewebten Tuecher, die Frauen damals als Brust— oder Kopftuecher gegen Sonnenverbrennung trugen. Im Mittelalter schneuzte Koenig wie Buerger sich ungeniert durch die Hand, nur die mehr oder weniger gezierte Fingerhaltung dabei bewies den Grad de besseren Erziehung. Fuer drastische Fa eile benuetzten die Damen ihre vielfachen Unterkleider. Dieses reizende, vereinfachte Verfahren blieb bis ins 17. Jahrhundert erhalten, wo am franzoesischen Hof als Sensation das Spitzentuechlein erschien, das Kavalier und Dame gleicherweise grazioes als kokettes Spielzeug handhabten. Es spielte ungefaehr die Rolle des verfuehrerischen Faechers, den der spanische Hof lanciert hatte. Liest man in den Briefen Mozart von seiner Reise- Waescheausstattung, bei der Galauniform und Spitzenhemden, trotz Geldknapph e i t, selbstverstaendlich sind, staunt man ueber die Wichtigkeit, die seine Constanze den zwei mitgegebenen “Sacktuecherln” beimisst. Das Taschentuch wird populaer erst im 19. Jahrhundert. Um seine Eleganz zu dokumentieren, gehoerte es zum Stempel des “Beau”, des “Gecken”, des “Dandy”, der es provokativ in der aeusseren Jackenbrusttasche zur Schau stellte. In winzigster, kostbarster Spitzenprach wird es das weiblichste Attribut, das kokett aus dem Pompadour lugt. Es wird ein wichtiger Gegenstand, der in Literatur und Musik eingeht, wie zum Beispiel in der Oper “Othello”. Rueckblickend und eigentlich an verkehrt e r Stelle, sei noch als Kuriosum erwaehnt, dass aus altpuritanischer Zeit, in der Niesen nicht gesellschaftsfaehig war. des heute noch in Amerika ueblicbe, laecherliche “sorry” datiert, das dort nach jeder derartigen Nasen-Untat gesagt werden muss. Auch Taschentuecher waren und sind einer Mode unterworfen. Die Aussteuer unserer Grosseltern vererbte uns deftige, unverwüstliche Leinwand-Tuecher in praktischer, zweckentsprechender Groesse, die natuerlich immer und nur weiss waren. Das Brauttuechlein, das heute als wertvolles, Andenken unsere Vitrine ziert, war wohl das einzige fantasieerlaubte. Die uebersteigerten 20er Jahre brachten die ersten bunten Herren-Taschentuecher mit ueberbetonten Monogrammen. Fuer Damen waren sie gebatikt besonders chic. Heute bieten uns unsere Taschentuch-Schatull e n Bluetenstraeusse, Cocktailrezepte, Kopien beruehmter Gemaelde, Landkarten und Automodelle in zierlichstem Kleinmass fuer das verwoehnte Naeschen. Zum Kleid das richtige Tuch zu waehlen gehoert zum Toilette-Programm jeder Frau; das kleine Viereck in Farbe und Dessin, sportlich oder habillé, kann, falsch ausgesucht, einen ganzen Eindruck verderben. Aber das reizendste Muster nuetzt nichts, wenn unsere Nase zum Brunnen wird und reumuetig greifen wir zum biederen, 50 x 50, weissen, geraeumigen Maennertuch aus dem Schrank des Ehemannes, Vaters oder Bruders. Bei besonders lebhaftem Verbrauch richtet sich dann das Wut- Vokabularium des vor dem leeren Fach Ueberraschten nach dem Grad der Verwandtschaft. K. Temperament, Komfort, Sicherheit und Wirtschaftlichheit ...alles in dem neuen TAUNUS 17-M ist die Stromform — Linie der Vernunft. Sie verwirklicht die Wünsche aller Autofahrer: mehr Kilometer im Tank, mehr Temperament unter der Haube, souveräne Strassenlage, dazu Fahrkomfort für sechs Personen Ganz klar: die glatte, strömungsgünstige Karosserie des neuen Taunus 17-M spart dem Motor Kraft und damit Kraftstoff. Mit einer Tankfüllung fahren Sie viele hundert Kilometer weit. n* FORD TAUNUSZZ^ Zum Fahren geboren - zum Sparen gebaut... MAURICIO HOCHSCHILD Y CIA. LTDA.