Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-07-01 · 7 (Julio, 1961) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIII (1961)
Issue
7 (Julio, 1961)
Date
1961-07-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/8553624-8558034-9194487--3190-8558179
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

JULIO 1961 OAiivwHOdNi Niinoa 7 ZUR LAGE DER JUDEN IN DER WELT Mit dem folgenden Bericht beginnen wir die Veroeffentlichung einer Serie ueber die Lage der juedischen Gemeinschaften in verschiedenen Laendern. Es gibt bekanntlich ¡keine nationale, religioese oder sonstwie definierte Gruppe, die auf Veraenderungen der Struktur der Umwelt so sensibel reagiert wie wir Juden. In einer Zeit wie dieser, bewegt von Krisen, sozialen Erschuetterungen, Wanderungen, Unabhaengigkeitskaempfen junger Voelker, Kriegen und aller Arten von Auseinandersetzungen, ist es daher von stets aktuellem Interesse, unser Augenmerk auf die Situation und die spezielle Problematik unserer Brueder in fernen und nahen Laender zu lenken. Dabei sind wir bemueht, bei der Auswahl der Berichte immer diejenige vorzuziehen, die uns ein Hoechstmass von Zuverlaessigkeit und Objektivitaet zu gewaehrleisten scheinen. Wir hoffen, damit unseren Lesern wesentliche Information zum Verstaendnis der Lage des juedischen Volkes in unserer Zeit zu vermitteln. DIE SITUATION IN DER SOWJETUNION Die sowjetische Politik gegenueber der juedischen Minderheit ist in den letzten zehn Jahren vielfach Gegenstand von Kritik gewesen, selbst in den juedischen Sektionen der kommunistischen Parteien Frankreichs, Englands und Amerikas. Seit 1948 war es bekanntlich der juedischen Minderheit in der Sowjetunion nicht gestattet, Buecher und Zeitschriften in jiddischer Sprache zu publizieren, und das juedische Theater in Moskau war geschlossen worden. Die offizielle sowjetische Erklaerung war dass kein Interesse mehr fuer eine Literatur in dieser Sprache existierte, nachdem die sowjetischen Juden sich kulturell voellig assimiliert haetten. Dies war jedoch im besten Falle eine Halbwahrheit: bei der letzten sowjetischen Volkszaehlung vor einem Jahr haben immerhin etwa 500.000 Menschen Jiddisch als ihre Muttersprache angegeben; die Zahl derjenigen, die Jiddisch verstehen, ist natuerlich weit groesser. Wenn man bedenkt, dass Minderheiten in der Sowjetunion, die weit weniger zahlreich sind, Zeitschriften und Buecher in ihrer eigenen Sprache besitzen, wird es klar, dass es sich bei dem Verbot des Jiddischen um eine politische Entscheidung handelte. In Moskau musste man sich bald darueber Rechenschaft ablegen, dass dieses Verbot der Sowjetunion erhebliche Sympathien innerhalb der auslaendischen Linken kostete. Daher entschloss man sich 1959, wenn auch anscheinend widerstrebend, gewisse Konzessionen zu machen. So erschienen in der sowjetischen Hauptstadt drei Buecher in jiddischer Sprache. Allerdings war kein le- DIE REDAKTION. bender juedischer Schriftsteller darunter; es handelte sich lediglich um Neuauflagen von gewissen Werken der Klassiker der juedischen Literatur wie Scholem Alejem. Ausserdem wurde mitgeteilt, dass vom Juni 1961 an wieder eine Zeitschrift in jiddischer Sprache erscheint, von Aron Vergelis redigiert Wenn man sich auch hueten wird, in der Veroeffentlic h u n g einiger jiddischer Klassiker und einer literarischen Zeitschrift eine Loesung der Frage der juedischen Minderheit in der Sowjetunion zu erblicken, so ist es doch interessant, dass in der Sprachfrage die oeffentliche Meinung des Auslands eine wenn auch nur geringfuegige Konzession der sowjetischen Politik bewirkt hat. Man sollte freilich in diesem Zusammenhang die Stimmung innerhalb der sowjetischen Intelligenz nicht ganz ausser acht lassen. Es gibt begruendete Anzeichen dafuer, dass man innerhalb dieser Intelligenz das Fortbestehen eines alt-neuen Antisemitismus in einflussreichen Kreisen von Partei und Staat m i t Missbehagen verfolgt hat. Anders laesst es sich kaum erklaeren dass II ja Ehrenburg dessen Memoiren zurzeit in der Monatsschrift “Novi Mir” veroeffentlicht werden in unmissverstaendlicher Weise auf das Fortleben von solchen Vorurteilen und Diskrimination hat hinweisen koennen. POLEMIK MOSKAUS GEGEN DEN “JUEDISCHEN NATIONALISMUS” Wenn man in Moskau in der Sprachfrage gewisse Konzessionen gemacht hat, so geht die Polemik gegen den “juedischen Nationalismus” unveraendert weiter. Diese Propaganda wird auf verschiedenen Ebenen lanciert. Wenn das intellektuelle Niveau dieser Kontroversen gelegentlich etwas hoeher ist als zu Stalins Zeiten, so laesst es doch immer noch sehr zu wuenschen uebrig. Das neue Standardwerk ueber die juedische Religion, verfasst von M. I. Schachnowitsch, erwaehnt immerhin bereits Martin Buber, der freilich als “finsterer Reaktionaer und Obskurant” bezeichnet wird, und Franz Rosenzweig, dessen “Bekehrung” als Folge seiner Krankheit dargestellt wird. Der bekannte amerikanische protestantische Literaturkritiker Van Wyck Brooks wird dem sowjetischen Publikum aus unerfindlichen Gruenden als rabbinische Autoritaet vorgestellt; diese und viele andere Schnitzer, von boeswilligen Entstellungen ganz abgesehen, zeigen, wie wenig ernst diese Art von Literatur genommen werden kann; dass sie im Verlag der sowjetischen Akademie der Wissenschaften erscheint, ist immerhin erwaehnenswert. Dabei ist Schachnowitschs Buch den Dutzenden von Zeitungsartikeln weit ueberlegen, die jetzt jede Woche in der sowjetischen Provinzpresse erscheinen und in denen zur Schliessung der Synagogen aufgefordert wird, und zwar unter Berufung auf irgendwelche angebliche Missetaten der Rabbiner und Gemeindevorsteher. Zwar handelt es sich dabei um eine allgemeine Erscheinung, von der besonders in den letzten Monaten alle Konfessionen betroffen werden. Anderseits aber sind die sowjetischen Juden solchen Angriffen gegenueber bedeutend exponierter; niemand hat etwa bisher armenische Geistliche in der gleichen Schaerfe angegriffen. Abgesehen von der atheistischen Propaganda gibt es nun auch Buecher und Pamphlete gegen den “juedischen Nationalismus”, d i e nicht selten der Auseinandersetzung mit den Linkssozialisten gewidmet sind, wie zum Beispiel das Standardwerk der antiisraelischen Propaganda von Konstantin Ivanov und Z. Scheinis. Die Autoren versuchen darin, vom marxistisch-leninistischen Standpunkt aus zu beweisen, dass die israelische Regierung sowie die Kibbuz-Bewegung reaktionaer seien, waehrend gleichzeitig halbfascistische und selbst, absolute Monarchien im Nahen Osten von der Sowjetpropaganda als BLINDE KINDER IN ISRAEL bedürfen Eurer Freundschaft und Hilfe Unlerstuetzi das Blindenheim in Jerusalem Asociación de los Amigos de los Ciegos Israelitas "TORMEI - OR" Portugal 810. Casilla 2487 4 “fortschrittlich” d e k lariert werden, wenn es gerade in das Konzept Moskaus passt. Die Geschichte dieses Buches ist von einigen Interesse; es erschien 1959 in einer zweiten Auflage, und man hat sich in Moskau sehr bemueht, Uebersetzungen dieses Werkes auch in den “Volksdemokratien” erscheinen zu lassen. Wie die kommunistische “Unitä” Ende Februar aus Warschau meldete), erschien das Buch von Ivanov und Scheinis vor ein paar Wochen in Polen im Verlagshaus der polnischen Armee, nachdem sich kein anderer Verlag dazu bereit gefunden hatte. Nach derselben Quelle soll jedoch das Buch bereits nach ein paar Tagen aus den Warschauer Buchlaeden verschwunden sein. Die ostdeutschen Kommunisten hatten jedoch keine solchen Bedenken, und die Ivanov-Scheinis-Polemik gegen die juedischen Linkssozialisten —von denen es kaum viele in Ostberlin geben duerfte— ist jetzt in einer grossen Auflage in der deutschen Sowjetzone erschienen. Das hat jedoch die Kommunisten Pankows nicht davon abgehalten, das Gericht, das Eichmann aburteilen wird, zu ersuchen, einen Juristen aus Ostberlin als Mitvertreter der Anklage zuzulassen. RITUALMORD - PROPAGANDA Waehrend bei dieser Art von Literatur die Grenze zwischen Atheismus, Antizionismus und Antisemitismus nicht immer klar ist, hat es in der letzten Zeit noch einige Vorfaelle gegeben, die keinerlei solche Zweifel zulassen. In diesem Zusammenhang sei auf die Ritualmordlegende hingewiesen, die in einer Zeitung in Buinaksk, einer Stadt in Daghestan, veroeffentlieh wurde. Die Juden, so hiess es in diesem Artikel, benutzen das Blut von Muslimen fuer rituelle Zwekke an ihren Feiertagen. Die Redaktion der Zeitung musste sich zwar wegen ihres “politischen Fehlers” entschuldigen; das Erscheinen des Artikels war jedoch gewiss nicht zufaellig. Wieviel aehnliche Aeusserungen anderswo erschienen sein moegen, ist nicht bekannt; die sowjetische Provinzpresse ist im allgemeinen in Moskau nicht erhaeltlich, und auch der Artikel aus Buinaksk wurde ganz zufaellig in der sowjetischen Hauptstadt bekannt. Kurz davor hatte das Verlagshaus fuer orientalische Literatur der sowjetischen Akademie der Wissenschaften die Uebersetzung eines Romans des englischen Schriftellers Desmond Stewart angekuendigt, und einige sowjetische Zeitschriften haben bereits Auszuege, daraus veroeffentlicht. Stewart war bis in die allerjuengste Vergangenheit einer der engsten Mitarbeiter von Sir Oswald Mosley, dem ehemaligen Fuehrer der British Union of Fascists und dessen Zeitschrift “The European”. Man kann sich leicht vorstellen, wie die juedischen Figuren in dem Roman eines solchen Verfassers geraten sind. DAS SOWJETISCHE INTERESSE AM EICHMANN-PROZESS Schliesslich sei auf die sowjetische Reaktion auf den Eichmann-Prozess hingewiesen. -Nach der Verhaftung Eichmann veroeffentlichte die Moskauer “Novoje Vremja” einen Artikel, in dem sie ausnahmsweise die Aktion der israelischen Behoerden gutheisst und dann sensationelle Enthuellungen ueber den Fall Eichmann fuer die naechste Nummer versprach. Diese Enthuellungen kamen jedoch erst nach etwa zehn Wochen; sie waren nicht sensationell, und sie befassten sich nicht mit Eichmann, sondern mit Dr. Globke, an dem man im sowjetischen Block anscheinend bedeutend mehr interessiert ist als an Eichmann. Dann erschien ein weiterer Artikel, in dem die israelische Regierung beschuldigt wurde, nicht die ganze Wahrheit ueber Eichmann an den Tag bringen zu wollen, um nicht fuehrende Staatsmaenner der Bundesrepublik dadurch zu kompromittieren. Diese Beschuldigung entbehrt nicht einer gewissen Komik; denn die sowjetische Regierung hat sich geweigert, bei der Vorbereitung dieses Prozesses irgendwie mitzuwirken, und hat zum Beispiel die mehrfache Bitte um Aktenunterlagen aus sowjetischen Archiven nicht beantwortet. Dgs mag vielleicht damit zu tun haben, dass einige der gesuchten Kriegsverbrecher in der Vereinigten Arabischen Republik Zuflucht gefunden haben, was im Hinblick auf die militaerische und wirtschaftliche Unterstuetzung. die man Kairo angedeihen laesst, als peinlich empfunden worden waere. Die Sowjetunion ist zweifellos an dem Eichmann-Prozess i n t e r essiert, jedoch nur unter dem Aspekt, Belastungsmaterial gegen die Bundesrepublik zu sammeln. In diesem Zusammenhang sei uebrigens darauf hingewiesen, dass das Dritte Reich nicht nur in in Deutschland zur “unbew a e 1 tigten Vergangenheit” gehoert. So merkwuerdig es ist —seit dem Zweiten Weltkrieg ist kein einziges Buch ueber Hitler und das Dritte Reich in der Sowjetunion erschienen. Das erste Buch, das sich mit dieser Periode deutscher Geschichte befassen soll, ist fuer Ende 1961 angesagt. Es duerfte interessant sein, bei Gelegenheit Nachforschungen anzustellen, was einer solchen Auseinandersetzung bisher im Weg gestanden hat. (“Neue Zuercher Zeitung”) Estación de Servicio "Seminario'1 GerardoBraunschweig Mecánica en General SEMINARIO 634 Soldadura Engrase Desabolladura TELEFONO 460057 Electricidad Afinación Pintura

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.