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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-07-01 · 7 (Julio, 1961) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIII (1961)
Issue
7 (Julio, 1961)
Date
1961-07-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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JULIO 1961 . BOLETIN INFORMATIVO 5 i r DIE DRITTE ALTERNATIVE VOR DEN NEUWAHLEN “Ueber den Graebern der Millionen... stieg dieser monatelange Prozess als das zentrale juristische Nachspiel auf, und die Geister der Toten zogen anklagend durch diesen Raum. Ich danke, dass man mir die Moeglichkeit einer Verteidigung und damit einer Rechtfertigung gegeben hat zu den Belastungen, die gegen mich vorgebracht wurden. Ich denke dabei an alle diese Opfer von Gewalt und Grauen,... Mussten doch Millionen vergehen, ungefragt und ungehoert. Im Zeugenstand habe ich die Verantwortung fuer das uebernommen, fuer was ich einzustehen habe. Ich habe auch jenes Mass vom Schuld anerkannt, das auf mich... trifft’'. Nein, das erklaerte nicht Eichmann, sondern Hans Frank, der Schlaechter von Polen, in seinem Schlusswort im Nuernberger Prozess. Ganz im Gegensatz dazu stehen die folgenden Schlussworte : “Meine Herren Anklaeger! Dieses Urteil steht nicht Ihnen zu, das steht einem anderen Richter zu!”. Und: “... es war mir vergoennt, viele Jahre meines Lebens unter dem groessten Sohne zu wirken, den mein Volk in seiner tausend jaehrigen Geschichte hervorgebracht hat. Ich bin gluecklich zu wissen, dass ich meine Pflicht getan habe meinem Volk gegenueber, meine Pflicht als Deutscher, als Nationalsozialist, als treuer Gefolgsmann meines Fuehrers. Ich bereue nichts”. Aber auch sie stammen nicht von dem Mann, der die “Kindertransporte roll en” liess, von dem Herrn der Todesmaersche, von dem Verwalter der “Sonderbehandlung”, von dem Buerokraten, der “die ganze Aktion schneller” vorwaertszutreiben wusste. Ihre Autoren sind Franz Papen, ungebrochen in seiner Arroganz und Rudolf Hess, fanatisch bis zum Ende. Wer sich vorgestellt hatte, Eichmann haette zwischen diesen zwei Moeglichkeiten —der menschlichen der Reue und der maennlichen der Konsequenz— zu waehlen, der hat sich geirrt. Und wer gar gefuerchtet hatte, auf dem einen dieser Wege koenne es ihm gelingen, einen Maertyrerkranz zu winden oder auf dem anderen vermoege er, die blutbesudelte Hakenkreuzfahne fuer eine neue Generation von Besessenen wieder emporzuschwingen, der hat weit gefehlt. Nichts von alledem! Keine Reue, Einkehr, Busse; keine “Ideale”, “Glaube”, Ueberzeugung. Er hat, im Verein mit seinem Verteidiger, eine dritte Alternative gewaehlt, armselig, feige, charakterlos. Sie besteht darin, bei Gott zu schwoeren, dass er nur ein Zahnrad in dieser Maschine des Todes gewesen war, ein Zahnraedchen, ausschliesslich mit “transporttechnischen” Fragen betraut, wie wenn es sich darum handeln wuerde, festzustellen, wer hier Zement zu einem Bau gefahren hat. Dieser To e t u ng sb e f ehl? Jener Transport nach Auschwitz? Die Jagd nach Juden in den besetzten Gebieten? Der Druck auf die franzoesische Regierung, um die Auslieferung der Juden zu erlangen? Ja, das waren Richtlinien, “Fuehrerbefehle”, Weisungen von oben. Letztere waren natürlich in der Regel von Mueller, dem Chef der Gestapo erteilt worden, da es wohl am sichersten erscheint, telefonische Anrufe eines Mannes vorzutragen, der seit 1945 verschollen ist. Koennte man Mueller vor Gericht zerren, er wuerde wohl stammeln, dass Kaltenbrunner ihn angerufen hatte und waere Kaltenbrunner nicht in Nuernberg gehaengt worden, so wuerde er sein stereotypes “das ist unwahr” wiederholen und Himmler als den einzig Verantwortlichen nennen und Himmler, Hitler, von dem ein betraechtlicher Teil des deutschen Volkes lange Zeit sagte: “Von solchen Exzesen hat der Fuehrer nichts gewusst”. Gewiss, sie waren alle nur Zahnraedchen oder Zahnraeder, denn nie istr behauptet worden, dass ein Mann allein so viel Unheil angerichtet hat. Er hatte Helfer und Helfershelfer, Schergen und Wuerger, Richter und Henker, die ihm in Treue fest zur Seite standen. Eichmann war einer von ihnen, etwas weniger wichtig, wie er —um seip Leben winselnd— vorgibt oder weit wichtiger, wie ihm dies die Sta atsanwaltschaft im Kreuzverhoer sicher noch unter die Nase reiben wird: was tut es zur Sache? Das Zahnrad steht nicht allein vor Gericht, an ihm wird demonstriert, wie die ganze Hoellenmaschinerie funktionierte, SA und SS marschieren noch einmal im Geiste mit. Denn schliesslich handelt es sich nicht nur darum, diesen Satan der Strafe zuzufuehren, die in letzter Instanz nicht “gerecht” sein wird, weil sein eines kleines Leben in keine Proportion zu dem millionenfachen Tod und Leid gebracht werden kann. Nein, sein Weg zum Galgen wird ausserdem dazu dienen, eine Vergangenheit ins Gedaechtnis zu rufen, die nicht so rasch und leichtfertig vergessen werden durfte, den Leidensweg unseres Volkes unter der braunen Schreckensherrschaft zu beschreiben und Jugend zu warnen —die Jugend Israels, die Jugend Deutschlands, die Jugend der ganzen Welt— vor dem Schreckgespenst des Antisemitismus. Mit dem Naeherruecken des Termins der Wahlen zur- Knesset steigt naturgemaess die politische Temperatur in Israel. . Wie erinnerlich, fuehrte die unselige “Affaire Lavon” bereits vor Monaten zum Bruch der Regierungskoalition und vorzeitigen Aufloesung des Parlaments. Obwohl die Oeffentlichkeit von dieser Angelegenheit, die mit soviel Geheimnistuerei, persoenlichem Ehrgeiz und Hass und kleinlichem Hader verbunden war, nichts mehr wissen will, versucht die Opposition weiter, politisches Kapital aus ihr zu schlagen. Besonders die links von Mapai stehenden bisherigen Koalitionspartner Mapam und Achduth Awoda versuchen, aus Lavon einen Heiligen zu machen und die letztere der genannten Parteien ist in der Hitze des Wahlgefechts so weit gegangen, ihn aufzufordern, sich an ihre Spitze zu stellen. Ebenso versucht die Opposition. vor allem -Cheruth, wo man der Ansicht ist, besonders qualifiziert zu sein, um in Verteidigungsangelegenheiten mitzureden, die leidige Spionage-Affaire Israel Baer weidlich auszubeuten. Natuerlich ist auch die Mapai, die weder traege noch unerfahren im edlen Wettstreit der Parteien ist, nicht um Gegenzuege verlegen und hat sich nicht gescheut, Erfolge wie die letzthin bei Staatsbesuchen Ben Gurions in Kanada, USA und Frankreich oder von Golda Meir in Skandinavien erzielte direkt auf das Parteikonto zu buchen. Trotzdem wird es ihr wohl nicht gelingen, den ganzen Prestigeverlust, den die “Affaire” mit sich gebracht hat, wieder wett zu machen und die relative Mehrheit, die sie seit Staatsgruendung bei allen Wahlen genossen hat, muss eine dementsprechende Einbusse erleiden. Gewiss ist es nie leicht zu prophezeien und auch in diesem Fall kann niemand wissen, wer aus diesem unvermeid lieh scheinenden Stimmenverlust der israelischen Sozialdemokratie Profit ziehen wird. Die bereits erwaehnten beiden linkssoz i a 1 i s tischen Arbeiterparteien? Die immer noch mit hohlen Schlagworten operierende extreme Rechtspartei Cheruth? Es ist mehr als unwahrscheinlich,' dass der relative Wohlstand, den man in Israel erreicht und konsolidiert hat, seinen Ausdruck in irgendwelcher Radikalisierung der Waehlermassen finden sollte. Der Religioese Block? Nichts deutet darauf hin, dass die Ereignisse, die zu den Wahlen gefuehrt haben, ihren Niederschlag in jenen Sphaeren zutage treten lassen sollten, die als Domaene der Orthodoxie gelten. D i e einzige tatsaechlich neue Alternative, die sich dem traditionellen Mapai- Waehler bei frueheren Wahlen nicht geboten hatte und jetzt existiert, ist die durch den Zusammenschluss der Allgemeinen Zionisten und der Progressiven gegruendete “Liberale Partei”. Die israelische Oeffentlichkeit erwartet daher mit Spannung, wie diese neue politische Gruppierung bei dieser ihrer ersten Feuerprobe abschneiden wird. Wenn es ihr auch nicht gelungen ist, ihren Mann “Nr. 1”, Dr. Nahum Goldmann, der sich im Lande niederlassen wird, dazu zu bewegen, schon jetzt an der Spitze ihrer Liste mit Ben Gurion um die Fuehrung des kuenftigen Kabinetts zu kaempfen, so fehlt es doch nicht an anderen Truempfen. In erster Linie bestehen diese in der Verwundbarkeit der “Flanke” der Mapai, das heisst, jenes Sektors ihrer etwas lauen Anhaengerschaft, die aufgrund ihrer sozialen Struktur —Beamten, Lehrer, fortschrittliche Akademiker— Die Krise, die der Diktator von Irak ausloeste, als er die Annektion des Sultanats von Kuwait zu einem Bestandteil seiner Politik erklaerte, ist dazu geeignet, einige Mythen zu zerstoeren, die trotz ihrer Fadenscheinigkeit zu Axiomen und Dogmen der Weltpolitik erhoben worden sind. Der eine Mythos, von dem ein Genie der Weltpolitik wie Foster Dulles so ueberzeugt war wie von der Unfehlbarkeit Eisenhowers, lautet, dass die Entstehung des Staates Israel den Vorderen Orient zu einer Konfliktzone gemacht hat. Keine Intrige Nassers, kein Mordanschlag auf Hussein, kein Sklavenhandel Sauds konnten den Glauben daran erschuettern. Ebenso wenig wollte jemand einsehen, dass ganz im Gegenteil nur gemeinsame Gegnerschaft zu Israel einen aeusserst duennen Verputz ueber die tiefgehenden Risse in der vielgeruehmten “arabischen Einigkeit” abgibt. Der nunmehr ausgebrochene Streit um den fetten Brocken Kuwait, wo sich sage und schreibe ein Fuenftel der gesamten Erdoelreserven der Erde befinden, zeigt jedenfalls wieder einmal, dass die grossen Friedensfuersten und Neutralisten von Allahs Gnaden sich in den Gaerten von Tausendundeiner Nacht auch in die Haare geraten wuerden, wenn der einzige Staat, der friedlich und neutral geblieben ist, Israel, nicht existieren wuerde. Das andere stumpfsinnige Dogma ist das von der Notwendigkeit der sofortigen Aufgabe allen Kolonialbesitzes. Wo die Umstaende und viel mehr zum Kleinbuergertum gehoert als zum “Proletariat”. Sollten die Liberalen die richtige Sprache finden, um sich an diese Kreise zu wenden —und es darf keineswegs die von Manchester sein, welche die ehemaligen “Allgemeinen” im Munde fuehrten—, dann muesste es ihr gelingen, beim moeglichen Abbroeckeln der Mapai- Festung Moertel auf die eigene Kelle zu bringen. Wenn die bisherigen linken Koalitionspartner der Mapai vorwerfen, insgeheim bereits mit dem Gedanken einer neuen Koalition mit der Liberalen Partei zu spielen, so tragen sie im Grunde genommen nur dieser Tatsache Rechnung. Es ist aber wohl noch verfrueht, durch den Rauch hindurch der beim taeglichen Abfeuern des schweren Geschuetze der Wahlpolemik aufsteigt, die milde Sonne der zukünftigen Koalition erblicken zu wollen. Voelker noch nicht reif sind, wie dies im Kongo der Fall war, ist eine voruebergehende Fortdauer des schlechten alten Zustandes einer revo- 1 u t i onaeren Veraenderung zugunsten eines neuen, noch s c h 1 echteren, vorzuziehen. Dies gilt ebenso fuer Gebiete, die durch ihren grossen Reichtum ein gefaehrliches Machtvakuum schaffen koennen, wie dies bei der ploetzlichen Aufgabe des britischen “Protektorats” ueber Kuwait der Fall war und zeigt, wie recht de Gaulle hat, wenn er versucht, fuer die phantastischen Erdoelvorkommen der Sahara mit den Algeriern einen Sonderstatus herauszuhandeln. Schliesslich wird als weiterer gewaltiger Irrtum das Bestreben offenbar, mit dem W a s h ingtön unermuedlich versucht hat, sei es im Zuge der Interessen der Petroleum-Gesellschaften, sei es aus ehrlicher Ueberzeugung, die Araber in die Front der westlichen Verteidigung einzureihen. Dass die Fundamente dieser Allianz auf Wuestensand gebaut waren, wurde bereits offenbar, als der heutige Premierminister, der Honorable Kassem, seinen Vorgaenger und Koenig Feisal in Bagdad ermordete; was aber der Westen seitdem an Rueckschlaegen, Beleidigungen und Intrigen hat einstecken muessen und fuers Erste in der Krise von Kuwait gipfelt, ist ein einziger Beweis dafuer, dass es nicht sinnvoller ist, Demokratie in Arabien zu predigen als Monogamie in einem Harem. ATSCHEKA DIE KRISE UM KUWAIT

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