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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-06-01 · 6 (Junio, 1961) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIII (1961)
Issue
6 (Junio, 1961)
Date
1961-06-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 BOLETIN INFORMATIVO JUNIO T961 DER FALL WALLENBERG Von HERBERT FREEDEN (Jerusalem) Wer war der Mann, der Adolf Eichmann so sehr in Wut brachte, dass er von ihm in einem Protest beim internationalen Roten Kreuz als dem “Judenhund” sprach — mit dem Resultat, dass das Auswärtige Amt sich deshalb beim schwedischen Botschafter in Berlin entschuldigen musste und beteuerte, die Worte “waeren garnicht so gemeint”? Im Juli 1944 sass dieser Mann im ueberfuellten Zuge von Berlin nach Budapest und liess nicht fuer einen Augenblick einen Rucksack aus den Haenden, der Listen von Juden und Nazigegnern in Ungarn enthielt. Sein Name war Raoul Wallenberg, Abgesandter der Kriegsflueehtlingszentrale der Vereinigten Staaten, im Range eines Sekretaers , der Schwedischen Gesandtschaft, ein Amateur- Diplomat mit einer besonderen Mission — bis zu seine: Berufung war er Architekt in Stockholm. Seine Aufgabe war, die Juden Ungarns zu retten; sein unmittelbares Ziel: Admiral Horthy, den damaligen ungarischen Reichsverweser, dazu zu bringen, die Deportationen zu verhindern. Das Drama nach seiner Ankunft in Budapest entwikkelte sich zu einem “Duell” zwischen ihm, dem Repräsentanten des Schwedenkoenigs Gustav, und Herrn Veesenmayer, dem deutschen Botschafter in Budapest, der von Eichmann sekundiert wurde. Wallenberg setzte in der Schwedischen Gesandtschaft das sog. “C - Department” ein, das Schutzpaesse ausstellte, deren Traeger die Protektion der schwedischen diplomatischen Vertretung genossen. Es gab im internationalen Recht keine Vorlaeufer fuer jene Dokumente, aber sie wurden damals von den deutschen und ungarischen Behoerden anerkannt. Man hielt die Fiktion aufrecht, dass die Eigentuemer jener Paesse so bald wi’ moeglich in ihr “schwedisches Vaterland” repatriiert wurden, und in kurzer Zeit standen mehr als 10.00C Menschen unter schwedischem Schutz. Wallenberg hatte zweiunddreissig grosse Haeuser gemietet und ihnen “exterritoriale” Rechte gegeben. Sein Beispiel ermutigte andere neutrale Gesandtschaften in Budapest, und besonders die Schweizer uebernahmen seine Methoden. So wurde das “Internationale Ghetto” geschaffen, in dem voruebergehend mehr als 40.000 Juden Zuflucht fanden. Die Ausdehnung "seiner Organisation wird klar, wenn man sich vor Augen haelt, dass sie gegen Ende 600 Menschen als Beamte beschaeftigte. Generalstaatsanwalt Hausner wie? in seiner Anklagerede darauf hin, wie Eichmann gegen Wallenberg tobte und Beschwerden an die Schwedischen und Schweizer Gesandtschaften losliess, in d°- nen er gegen die Auswanderung von Juden aus Ungarn protestierte. Wenn in diesen Tagen die Tragoedie der ungarischen Judenl^eit vor Gericht aufgerollt wird, duerfte der Fall Wallenberg noch einmal zur Sprache kommen Alle Rettungsversuche jedoch waren seinerzeit wertlos gewesen, haette Wallenberg nicht immer wieder persoenlich interveniert, selbst auf die Gefahr hin, seinen diplomatischen Status, ja sein Leben zu verlieren. Die Ungarn wie die Deutschen merkten bald, dass jene Schutzpaesse auf einer sehr d u e n n e n Rechtsgrundlage standen. Die ungarischen Beamten Hessen sich ueberreden, dass sie sich und ihr Land retten koennten (damals war die deutsche Front schon im Zusammenbruch) wenn sie seine Aktion tolerierten. Argumente und Versprechungen, Drohungen und Intrigen waren seine Waffen. Oft konnte er Tausende von Juden befreien, die schon zur Deportation! zusammengetrieben waren, indem er die wachhabenden Beamten mit Schutzpaessen fuer sie selbst, und ihre Familien bestach Einmal kam Wallenberg auf den Bahnhof, als eine Gruppe von Juden unter Begleitung von deutschen Soldaten verschickt werden sollte Wallenberg merkte bald, dass die Soldaten kein Un¬ Schlaflied fuer Daniel Wir fahren durch Deutschland, mein Kind. Und es ist Nacht. Die Scheiben klirren im Wind, da sind die Toten erwacht, Die Toten von Auschwitz, mein Sohn. Du weisst es nicht und traeumst von Sternschnupp’ und Mohn und Sonn und Mondgesicht. Wir fahren durch Deutschland, mein Kind. Und es ist Nacht. Die Toten stoehnen im Wind: viel Menschen sind umgebracht. Du darfst nicht schlafen, mein Sohn, und traeumen von seliger Pracht. Sieh doch! Es leuchtet der Mohn wie Blut so rot in der Nacht. Wir fahren durch Deutschland, mein Kind. Und es ist Nacht. Die Toten klagen im Wind— und niemand ist aufgewacht... SIEGFRIED EINSTEIN (1945) garisch verstanden und rief den Gefangenen zu: “Alle mit Schutzpaessen in ungarischer Sprache hierher”. Man verstand den Wink, und jeder der ein offizielles ungarisches Dokument wie Geburtsschein. Impfzeugnis oder Steuerquittung besä ss, war gerettet. Die Situation wurde kritischer, als Horthy abgesetzt wurde und Szalasi an seine Stelle trat. Die Deportationen nahmen immer groesseren Umfang an und wenn keine Eisenbahnzuege mehr aufgetrieben werden konnten, inszenierte man die beruechtigten “Todesmaersche”. Selbst Has “Dorf der... (Schluss von Seite 7) den. Es gibt genuegend Wasser und der Boden traegt zwei Ernten im Jahr. Aber das herrlichste in dieser Siedlung sind die Kinder, deren aeltestes 14 Jahre ist. Sie sind alle hier geboren und keines von ihnen hat an dem Schicksal teilgenommen, das das Leben ihrer Eltern gezeichnet hat. Sie wissen nichts von den hunderttausend Kindern im Warschauer Ghetto, die mit Wiegenlie-, dern in den Tod getrieben wurden. Sie sind in den Wiesen und Hainen ihres Dorfes im Galil zu Hause und ihre Welt sind die Kuhstaelle und das Huehnerhaus, der Spielplatz und die Berghaenge. Das Museum am Dorfeingang ist fuer sie ein Stueck Geschichte, das sie nicht fassen koennen und von dem sie hoeren, wie von einer fernen,. furchtbaren Maer. Manchmal erzaehlt ihnen jemand von jenen juedischen Waisenkindern in Warschau, die in einer Prozession Zum “Umschlagplatz” barfuss gefuehrt wurden, da man ihnen nicht einmal Zeit liess, sich Schuhe anzuziehen. Die Erzieherin Stepania Gilzinska ging mit ihnen und sagte ihnen, dass sie auf einen Ausflug fahren-dass sie endlich einmal die Felder, die Waelder, die Blumen sehen wuerden, die sie im Ghetto nie zu sehen bekommen hatten, und ein leichtes Laecheln spielte um ihre Lippen.1 Einige Stunden spaeter wur-] den sie alle in die Todeswag-, gons geworfen, die letzte “via1 dolorosa” der Kinder und ih-J rer Begleiterin... i Nichts stoert die idyllische, Ruhe des Kibbuz “Lochamai Hagethaoth”, mit seinen weissen leuchtenden Haeusern und schmucken Gaerten, seinen Weinbergen und] Bananenhainen. Es ist ein Dorf wie andere - man spricht ueber die Saat und Ernte, ob es genuegend Regen gab und ueber Probleme der Vermarktung - nichts stoert seine idyllische Ruhe bis auf .'die Erinnerung, die Erinnerung an die Unmenschkeit des Menschen. Erst in ihren Kindern sehen jene Siedler sich frei und erloest von den tragischen Exzessen einer Zeit, deren Opfer sie waren. dann versuchte Wallenberg zu helfen, wo noch zu helfen war. Er fuellte Lastautos mit Kleidern, Schuhen, Essen und Medizin, fing die marschierenden totmueden, erschoepften und frierenden Kolonnen auf der Landstrasse ab und erleichterte ihr Los. Sogar im St. Stephans Park, dem “Umschlageplatz” vor der Verschickung, gelang es ihm, einige Opfer zu retten. Ende Dezember 1944 begannen die Russen ihren Frontalangriff auf die Stadt. Im Januar 1945 stellte Wallenberg im Aufträge des schwedischen Gesandten Kontakt mit dem russischen Befehlshaber, Marschall, Malinowski, her. Er begab sich nach dem russischen Hauptquartier | in Debrecen, um dem Marschall gewisse Vorschlaege hinsichtlich der im Ghetto zusammengepferchten Juden zu unterbreiten. Noch einmal suchte Wallenberg sein Buero in Begleitung russischer Wachen auf, um seine Mitarbeiter zu informieren, dass er nach Debrecen zurueckkehre, er wisse nicht, ob als Gast oder als Gefangener. Am 14. Januar gaben die Russen bekannt, dass sie Raoul wallenberg in Schutzhaft genommen haetten, was ein paar Wochen spaeter von Maiinowski bestaetigt wurde. Inzwischen wurde die Strasse in Budapest, die seinen Namen trug, umbenannt; seine Statue, die kurz vorher im St. Stephans Park aufgestellt worden war, verschwand ueber Nacht, der “Eiserne Vorhang” schloss sich hinter ihm schwedische Noten und Anfragen blieben unbeantwortet: das grosse russische Schweigen hatte ihn begraben. Ein kleiner Kreis, unter Fuehrung seiner alten Mutter,- kaempfte unermuedlich um seine Befreiung Albert Einstein schlug ihn fuer den Friedens-Nobelpreis vor. Im Jahre 1957 erreichte den schwedischen Botschafter in Moskau eine offizielle Note, in der es hiess, dass Raoul Wallenberg vor zehn Jahren, im Jahre 1947, in einem russischen Gefaengnis gestorben war. Trotz Eichmann, trotz Stalin: Raoul Wallenberg hat bewiesen, was selbst in unserer Zeit ein Einzelner fuer die Sache der Menschlichkeit tun kann — mit Mut, Klugheit und einer flammenden Idee der Humanitaet. SCHATTEN DER BRAUNEN VERGANGENHEIT IN WESTDEUTSCHLAND Waehrend die Propagandastellen der Bonner Regierung unter dem Druck def Eichmann-Prozesses die. auslaendische Oeffentlichkeit zu überzeugen versuchen, das' das heutige Deutschland nichts mehr mit dem nationalsozialistischen zu tun habe, bemühen sich die politischen Honoratioren des niedersaechsischen Staedtchens Gifhorn, für ihr Teil das Gegenteil zu beweisen. Sie haben ausgerechnet 'jetzt einen ehemaligen braunen Bonzen, den letzten Stabschef der SA, Wilhelm Schepbann, zu ihrem Bürgermeister geWaehlt. Schepmann gehoert zum früheren BHE, der Vertriebenenpartei, die heute in der “Gesamtdeutschen Partei” aufgegangen ist. Seine Mehrheit verdankt er jedoch der CDU und den anderen bürgerlichen Gruppen, die auf dem Wege eines Kuhhandels dafür die BHE- Stimmen für ihren Oberbürgermeisterkandidaten e i n - handelten. Fraktionsführer der CDU im Gemeinderat ist kein anderer als der Sohn des frühe r e n Oberbürgermeisters von Leipzig, Goerdeler, des politischen Hauptes der Widerstandsbewegung gegen Hitler, der nach dem 20. Ju- Wo kann man billig lesen und auf der Hoehe sein? in FISCHERS LIBRERIA, da Koenn' se ILLUS leih'n! li 1944 hingerichtet worden war; Goerdeler junior hatte sich zwar im Wahlgang der Stimme enthalten, jedoch das Vorgehen seiner Partei oeffentlich verteidigt und dabei auch Schepmanns Verdienste um die Vertriebenen, ferner auf die “natürliche Bindung des BHE an die Führung” des früheren SA-Gewaltigen hingjewiesen. Die schreckliche Alternative zu dieser Wahl, die weit herum. Aufsehen erregt hat haette für die CDU nach Goerdeler in der Wiederwahl eines sozialistischen Stadtoberhauptes bestanden, das sich angeblich nicht bewaehrt hatte; der nationalsozialistische Wuerdentraeger erschien demgegenüber als das “kleinere Uebel”. Vor einigen Monaten war in Rheinland-Pfalz ein aehnlicher Fall mit umgekehrtem parteipolitischem Vorzeichen zu registrieren gewesen; damals hatte sich ein sozialisticher Politiker mit den Stimmen der . rechtsradikalen DRP zum Vorsitzenden eines Kreisparlamentes waehlen lassen, was bei der CDU Empoerung ausgeloest und in der SPD zu heftigen Eroerterungen bis in die Parteispitza hinauf geführt hatte. Der BHE seinerseits stellt auf der Insel Sylt einen Bürgermeister in Gestalt des ehemaligen SS-Generals Reinefahrt, dessen Name mit der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes verbunden ist. (“Neue Zuercher Zeitung”) n/CTGBrr£Ämtaemt

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