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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-05-01 · 5 (Mayo, 1961) · p. Seite 18

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIII (1961)
Issue
5 (Mayo, 1961)
Date
1961-05-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 BOLETIN INFORMATIVO Moyo 1961 EIN MEISTERSPION Von Dr. ABNER NECHUSCHTAN (Tel Aviv) In unuebersehbar vielen Gespraechen jener Alteingesessenen, die hier in Israel Beziehungen zum “Apparat” der Behoerden, der Gewerkschaft, der Regierungsaemter unter Einschluss des Sicherheitsministeriums haben, in den Ministerien selber, sogar oeffentlichen Orts in jenen verschwiegenen Cafés, die von diesen Kreisen bevorzugt werden, war seit etwa 10 Tagen halblaut die Reddavon gewesen, dass nach den Vorfaellen der soeben halbvergessenen “Affaire Lavon” des Winters mit einer neuen Sensation zu rechnen sei. Es gehe diesmal, verlautete im Fluesterton, um Jemanden, der zu den guten Bekannten, wenn nicht gar den Vertrauten keines Geringeren als des Regierungschefs BEN GURION gehoere, statt zu seinen Widersachern, wie Herr LAVON, der inzwischen kaltgestellte fruehere Generalsekretaer der Zentralgewerkschaft. Ueberhaupt stuenden diesmal keine Innenpolitiker, keine Funktionaere oder sonstigen Zivilisten zur Debatte, sondern ein Mann von betraechtlicher militaerischer Geltung. Wie konnte es ausbleiben, dass diese Geruechte bis zum “Presseraum’' des Jerusalemer “Volkshauses” drangen, in dem jetzt das Strafverfahren gegen Adolf EICHMANN stattfindet? Inmitten des Geklappers von mehreren hundert Schreibmaschinen und der “Laermhoelle” die von den Lautsprechern der Telephon- und Telegraphenaemter mit ihren schrillen Rufen nach den Korrespondenten verursacht wird, befragten die Auslaender unter ihnen ihre hiesigen Kollegen nach Dr. Israel alias Georg BAER und den Umstaenden seiner p 1 o e t z 1 ichen Verhaftung. Mehr oder weniger waren die Israelis schon im Bilde, aber ihre Lippen waren versiegelt. Den Redakteuren der Tagespresse in Tel-Aviv und Haifa war Verschwiegenheit in dieser Sache zur Pflicht gemacht worden und ueberdies haetten sie es sich mehr als einmal ueberlegt, Aussenstehenden solche Geheimnisse vor ihrer amtlichen Bekanntgabe anzuvertrauen. HOCHBEGARBT UND DUNKLER HERKUNFT Nachdem es einigen dieser Auslaender dennoch gelungen war, sich zu orientieren und nachdem sie die Sachs ihren Zeitungen aus dem Gerichtsgebaeude fernmuendlich mitgeteilt hatten, obwohl sie sich unterschriftlich verpflichtet hatten, nur ueber den Prozess gegen Eichmann zu telephonieren oder zu kabeln, entschloss sich der zustaendige Abteilungsleiter des Landespolizeistabes soeben, das amtliche Schweigen zu brechen. Was dabei herauskam, laesst erkennen, dass der Staat Israel dem offenbar schwersten Fall militaerischer Spionage seit seiner Gruendung vor 13 Jahren gegenuebersteht. Vom Verhafteten ist —mit einer jeden Zweifel ausschliessenden Gewissheit— nicht einmal genau bekannt, ob er tatsaechlich als Sohn einer begueterten und entsprechend hochassimilierten juedischen Familie in Wien geboren wurde, wie er eridaert. Da er juedischem Brauch zuwider nicht beschnitten ist, muss es auch nicht unbedingt wahr sein, dass es ploetzlich entflammte Begeisterung fuer die zionistische Idee des juedischen Palaestinawerkes war, die ihn im Jahre 1938 hier einwandern liess, wie er behauptet; es waere denkbar, dass er als Nichtjude hierherkam im Auftrag von Agenten des Staates, fuer den er als Uebermittler von strategisch wichtigem Material der israelischen “Verteidigungsarmee” in den letzten Jahren t a e t i g gewesen zu sein scheint. Auch ob er heute 49 Jahre alt ist, wie er angiebt, oder nicht vielleicht 53, ist ungewiss. Denn er wanderte so gut wie ohne Personalausweise in das Palaestina der englischen Mandatszeit ein. Er habe in seiner Jugend, berichtete er, im linksgerichteten oesterreic hischen “Schutzbund” am Arbeiteraufstand gegen DOLLFUSS teilgenommen, sich gleichzeitig als Eleve der Wiener Dramatischen Schule Reinhards auszubilden versucht, sei eine Zeit lang sogar als Regie-Assistent des Burg- Theaters t a e t i g gewesen, haette sich 1936 indessen, seiner sozialistischen Gesinnung folgend, zur Internationalen Brigade gemeldet und es waehrend des Spanischen Buergerkrieges zum Range eines Obersten gebracht. Bei dieser Gelegenheit, so pflegte er sich in Unterhaltungen mit seinen vielen Freunden aus dem hiesigen Offizierscorps zu rpehmen, habe er enge Waffenbrüderschaft mit keinem Geringeren als dem jetzigen sowjetrussi Marschall ROKOSSOWSKY geschlossen. Rokossowsky sei es auch gewesen, durch dessen Vermittlung er nach dem Ende des Buergerkrieges in Moskau als Kadett der FRUNSE - Militaer-Akademie aufgenommen worden sei; aber dazu habe auch der Umstand beigetragen, dass ihm der Lenin-Orden verliehen worden war. Wie dem auch immer sei; Bald nach seiner Einwanderung fand er eine Vertrauens* Stellung im hiesigen englischen Geheimdienst, nutzte die Kenntnisse, die ihm dort zukamen, in der Folge jedoch mehr und mehr dazu aus, sich mit den Leuten der HA- GANAH in Verbindung zu bringen, des juedischen Selbstschutzes jener Jahre, dem die englische, Mandatsverwaltung alles andere als gewogen war. Zwischendurch tat er auch als Rekrut der von den Englaendern halb und halb gefoerderten juedischen Hilfspolizei Dienst. Bald aber war man im Fuehrungsstab der HAGANAH nicht nur von der leichten Auffassungsgabe und Beredsamkeit dieses neuen Ankoemmlings. sondern auch von seiner Zuverlaessigkeit so ueberzeugt, dass ihm nach und nach immer bedeutsamere Funktionen uebertragen wurden. Er nahm, als der juedische Staat gegruendet wurde, im Jahre 1948 am Krieg zur Abwehr des arabischen Ueberfalls teil und brachte es zu einer militaerischen Charge, die etwa dem Range des Oberleutnants entspricht. In der gleichen Zeit schloss er sich einer links von der mehrheitssozialistischen MA- PAI stehenden Gruppe an, der “Vereinigten Arbeiterpartei” (Mapam) die damals, staerker als heute, bei aller Verwurzeltheit ihrer Mitgliederscharen in den Gemeinschaftssiedlungen, den Kibbuzim, dennoch die Verbindung zur Sowjetunion und ihrem System zu verstaerken wuenschte. Doch verliess er die MAPAM spaeter - Wie er schon damals erklaerte und heute in den Vernehmungen unterstreicht— aus Bewunderung fuer die Persoenlichkeit DAVID BEN GURIONS. Er trat in Ben Gurions MA- PAI ein - und damit begann die letzte, glanzvollste Etappe seiner Laufbahn. Zwar schuf er sich in der Folge mit der scharfzuengigen Arroganz, die ihn kennzeichnet, auch genug persoenliche Feinde im' Bannkreis des “Alten mit der Loewenmaehne”, so vor allem den einflussreichen frueheren Generalstabschef Mosche DAJAN, den Sieger des Sinai- Feldzuges, der ihm niemals ganz traute. Aber das erwies sich nicht als Hindernis, als ihm schriftstellerische und Forschungsaufgaben h o c hvertraulicher Natur vom Sicherheitsministerium uebertragen wurden. Er gruendete an der Tel-Aviver Volksuniversitaet einen Lehrstuhl fuer Militaerwissenschaf t, schuf sich mit seinen Beitraegen in der hiesigen Fachpresse, wie in den Tageszeitungen und spaeter auch in auslaendischen Zeitschriften den Namen eines Militaerkorrespondenten von ersten Rang, begab sich zu Vortragstourneen und moeglicherweise auch in halbamtlicher Mission wiederholt nach Europa. So fuhr es in die Bundesrepublik, wo er ein vielbeachtetes Buch des Titels “Der Nahe Osten im Kalten Krieg” veroeffentliohte, und hatte als einer der wenigen Aussenstehenden sogar Gelegenheit, in Paris, mit dem Oberkommando der NA¬ TO - Streitkraefte Fuehlung zu nehmen; kurz, sein Stern stand im Zenith. Erst seit etwa einem Jahr verdichtete sich in Tel Aviv der Verdacht, dass dieser profunde Kenner der militaerischen Geheimnisse des Staates Israel in Verbindung mit gewissen, übrigens durch ihre diplomatische Immunitaet gedeckten Persoenlichkeiten einer fremden Macht stehe. Er hat es nach anfaenglichem Zoegern zugegeben, nachdem er schliesslich verhaftet worden ist. Keine Geldgier habe ihn zum Informanten gemacht, erklaerte er auf die Vorhaltung, dass der letzthin auffallend luxurioese Zuschnitt seines Lebens nicht in Einklang mit seinen Einkuenften stehe; vielmehr habe er sich von dpr Ueberzeugung lenken lassen, dass es dem internationalen Frieden nur foerderlich sei, praktische Schlussfolgerungen daraus zu ziehen, dass der Nahe Osten der westlichen Welt ohnedies frueher oder spaeter verlorengehen werde. Das sei die weltanschauliche Grundlage seiner Taetigkeit als Landesverraeter gewesen. Dr. Baer —dessen akademischer Titel jetzt so umstritten wie alle sonstigen von ihm behaupteten Einzelheiten seines Lebenslaufes ist gleicht nach seinem aeusseren Habitus dem Filmschauspieler Yul Brynner erstaunlich. Mit seinem scharfgeschnittenen Gesicht und der Glatze ueber der einpraegsam hohen Stirn sitzt er soeben Tag um Tag vor den Beamten des politischen und militaerischen Geheimdienstes, die sich bemuehen, das Gespinst seiner Verbindungen und den Umfang dessen, was er angerichtet hat, zu durchdringen. Er weiss, dass ihm nach den Bestimmungen des israelischen Strafrechts lebenslaengliches Gefaengnis droht. Aber er ist von unerschuetterlichem Gleichmut. V¿e ¿o/tœetàc/ie Tfawe L f EIN BUCH UEBER DIE "AFFAERE" ENTWEIHUNG DES SCHABBATES Hazofeh sieht mit schmerzlichem Bedauern die immer weiter um sich greifende Gewohnheit, den Schabbat zu entweihen. Die Zeitung kritisiert das Arbeitsministerium, das aus “wirtschaftlichen” Gründen, das Orangenpflücken auch am Schabbat vorschreibt u. hier und da sogar mit Entlassungen droht, wenn religioese Arbeiterinnen keine Schabbat- Arbeit leisteh wollen. Nach Ansicht des “Hazofeh” ist aber das Verkehrsministerium wegen seiner Anti-Schabbat-P o 1 i t i k am meisten zu tadeln. Im Haifaer Hafen und auf dem Flugplatz in Lud wird aus eben denselben “‘wirtschaftlichen” Gründen der Schabbatverkehr zugelassen. Wie unerhoert sei es, solche Art von Motivierungen gegenüber der Heiligkeit des Schabbates ins Feld zu führen, die zum Sinn u. Wesen des Judentums gehoert, und die aus der Lebensführung in einem Staate der Juden nicht hinweggedacht werden darf. DIE WISSENSCHAFT UND DER BUERGER Jerusalem Post teilt mit, dass der Kongress der Vereinigung für die Foerderung der Wissenschaft in Israel, der in Rechowoth eroeffnet wurde, der Vierte seiner Art ist u. diese Konferenzen zu wichtigen Ereignissen des oeffentlichen Lebens des Landes geworden sind. Er gibt den Wissenschaftlern Moeglichkeiten der Kontaktaufnahme, der Aussprache und des Austausches von Erfahrungen. Ausserdem bringen diese Tagungen das breite Publikum in Kontakt mit der wissenschaftlichen Arbeit im Lande. Das Studium der Wissenschaft soll ermutigt werden. Man ist sich darüber klar, dass heute in d. meisten Laendern der Welt der Unterricht in Wissenschaftsfaechern nach veralteten Methoden vor sich geht und nicht den modernen Erfordernissen unserer Epoche Rchnung traegt, “Jerusalem Post” widmet seinen Leitartikel dem' neu erschienenen Buch von A. Chassin und D. Horowitz über die Affaere Lavon und stellt diesem Leitartikel gewissermassen als Motto folgendes Zitat voran: “Lavons erstes Ziel war zweifellos die Reinigung seines Namens; diesem persoenlichen Ziel aber ging eine politische Praeventiv-Kampagne parallel, deren Ziel es war, die Aussichten von Dajan und Peres im Kampf um die Macht, in dem Kampf um die Nachfolge zu untergraben”. Lavon war also nicht ein “kleiner Mann”, dem Unrecht getan worden war, und der gegen eine maechtige Organisation kaempfte sondern ein gerissener Politiker, der eine Kampagne führte, um einen Einfluss auf die künftige Führung des Staates zu gewinnen. “Haboker” bemerkt zu diesem Buch, dass nun die Zeit gekommen ist der Oeffentllchkeit zu empfehlen, sich nicht laenger mit der Affaere selbst, also mit der sicherheitspolitischen Aktion zu beschaeftigen, welche sechs Jahre zurückliegt und gescheitert ist Sicherheitsaktionen misslingen manchmal, auch wenn sie mit Vernunft und auf Grund genügender Kenntnis geplant würden. Jene Aktion war nach dem volkstümlichen Ausdruck “idiotisch”, vielleicht noch mehr in der Absicht als in der Durchführung. Je schneller wir sie vollkommen vergessen umso besser für uns alle. DIE NEUEN ARCHAEOLOGISCHEN ENTDECKUNGEN “Dawar" schreibt, dass die israelischen Bürger und eben so die Juden, überall auf der Welt mit Begeisterung die Entdeckungen aufnehm e n, welche die archaeologische Delegation in der Wüste von Judaea macht.

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