Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 5 (Mayo, 1961)
- Date
- 1961-05-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/8553624-8558034-9194483--3142-8558133- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mayo 1961 BOLETIN INFORMATIVO 17 HA CHTUEBERNAHME t Ich künde es vernehmlich der schaurigen Nacht: Allein übernehm’ ich die teuflische Macht. Ich spreche nun mehr den Goettern Hohn, Den Engeln des Himmels, und dem Erdensohn, Der Sonne, dem Mond und deren Trabanten Und allen, die sie die Heiligen nannten. Verbannt sei für immer Freiheit und Recht, Mir jeder unterworfen, mein alleiniger Knecht, Aus der Menschheit ich mir bild’ eine Herde Blutrünstiger Jaeger zu Fuss und zu Pferde Und so geformt die schrecklichste Meute Weck’ ihre Gier ich auf Raub und auf Beute. PR QL OG Sturm auf dem ganzen Erdball, Der Himmel bedeckt mit schwarzen undurchdringen- (den Wolken. Donner und Blitz folgen einander abwechselnd In markerschütternder Art. Alle Elemente sind entfesselt und kuendigen den Weltuntergang an. Im Chaos der aus dem Droehnen des Donners und dem (Heulen des Sturmes gebildeten Disharmonie vernimmt man die Stimme aus (dem Himmel: Es sei, es sei, wir sind dabei Wir geben dem Teufel die Macht nun frei, Zu sengen, zu brennen ohne alle Schranken, Das Weltall zu erschüttern, es bringen zum Wanken, Den Geist zu drosseln, die Welt zu vergiften, Mit teuflischen Mitteln, Unheil zu stiften; Gegeneinander die Menschen zu hetzen, Durch Myasmen von Gift den Geist zu ersetzen, Aller menschlichen und goettlichen Tugend zu spotten, Sie hoehnisch betasten mit tierischen Pfoten. Die Welt von Oberst zu Unterst zu kehren, Das kein heilige Macht dies koennte verwehren Kurz, es sei ihm die Macht verliehen Den Planeten mit Feuer und Schwert zu überziehen, die Herrschaft des Teufels aufzupflanzen Zur Luft, zu Wasser und am Erdball dem ganzen. Tugend auszumerzen und heiliges Walten, Bestialische Instinkte dafür einzuschalten. Verdeckt sei der Himmel, verscheucht das Licht, Die Finsternis herrsche, der teuflische Wicht Dem Dunkel der Macht sei die Raubgier gesellt Und alles Mephysto anheimgestellt, Zu führen den Erdball in Teufels Zeichen, Dass ihn goettlich Ideale nicht mehr erreichen. Recht und Friede und menschliches Glück, Wir nehmen sie all in den Himmel zurück. Mit giftigen Gasen die Erd’ sei umgeben, Mord und Vernichtung ihr einziges Streben. Nun raset, Ihr wütenden Stuerme und Foehn, Die Welt mag erzittern in Tiefen und Hoehen Vorbei jede Hemmung, die Gesetz’ der Natur Verwüstet, vernichtet Mensch und Kultur. Die Totenmusik der Hoelle erschalle Und künde es mit Blut dem Erdbälle Von den hoechsten Bergesspitzen und Zinnen: Das schaurige Drama, es kann nun beginnen. Dr.\ CHAIM SCHEUERMANN 1942, KZ. TRANSNISTRIEN PANTALONES CHAQUETONES NUEVO LOCAL NUEVOS MODELOS NUEVO CORTE NUEVAS TELAS HUERFANOS 1055 LOCAL 328 FONO 61998 (EX PERFUMERIA PQTIN) Ein Streiter fuer Israels Vergangenheit Betrachtungen zum Werke des Münchner Assyriologen Fritz Hommei anlaesslich seines 23. Todestages Von GERD LEISERSOHN Wir Juden haben nicht allzu viel Glueck mit den Geschichtsforschern und Geschichtsphilosophen. Gerade unter den meistgelesenen gibt es eine ziemliche Anzahl, denen entweder das Judentum wenig sympatisch ist oder die Juden oder beide. Toynbees antijuedische Vorurteile sind erst vor kurzem besprochen und von nichtjuedischen Gelehrten gebrandmarkt worden. Treitsch ke im Deutschland des 19. Jahrhunderts hat derart gegen das Judentum gehetzt, dass ein bedeutender Historiker, der selbst kein Judenfreund war, Theodor Mommsen, sich genoetigt sah, dagegen Stellung zu nehmen. Im 18. Jahrhundert sind bei Herder und bei seinem Lehrer Hamann judenfei/ndliche Aeusserungen zu finden Selbst Hegel aeussert in seinen Jugendschriften starke Abneigung gegen Juden und Judentum, hat aber spaeter seine Meinung radikal geaendert. Uber Marx schweigt man besser in diesem Zusammenhang. Der so angehaeufte Berg von judenfeindlichen Aeusserungen und Standpunkten ist von jeher ein gefundenes Pressen fuer antisemitische Politiker gewesen, die auf diese Art “wissenschaftliche Rechtfertigungen” fuer ihre Massnahmen vorweisen konnten. Es ist noch gar nicht lange her, dass der Botschafter der Vereinigten Arabischen Republik in Santiago eine Rundfunkansprache hielt, bei der er sich auf Toynbees Ausführungen stuetzte, und man kann ihm nicht einmal vorwerfen, er habe Toynbees Ansicht entstellt. Es ist daher nicht mehr als recht und billig, dass diejenigen Gelehrten nicht in Vergessenheit geraten, die oft ihre persoenliche Bequemlichkeit und berufliche Vorteile aufs Spiel 'gestellt haben, um im Namen der historischen Gerecht i g k e i t dem pseudowissenschaftlichen Antisemitismus entgegenzutretfen. Ein solcher Gelehrter ist der Muenchner Orientalist Fritz Hommei (1854-1938) gewesen. Er ist zu Unrecht wenig bekannt, und es soll hier versucht werden, ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Fritz Hommei ist als Sohn eines Bezirksgerichtsrates in- Ansbach geboren. Schon mit 23 Jahren erhielt er das Diplom der Universitaet auf Grund seiner ausserordentlichen Kenntnisse der akkadischen (assyrisch-babylonischen), arabischen, hebraeischen und altaegyptischen Sprachen. Mit 38 Jahren war er ausserordentlicher Professor der semitischen Sprachen. Sein Interesse beschraenkt sich nicht etwa auf die Sprache der Semiten, es ist das Denken, das Leben, die ganze Weltanschauung und Kultur dieser Voelker, die ihn wie ein Magnet anzieht und ihn veranlasst, schon im Jahre 1883, also mit 29 Jahren mit der Veroeffentlichung seines ersten grossen Werkes zu beginnen. Diese Arbeit traegt den Titel “Die semitischen Voelker und Sprachen als erster Versuch einer Encyclopaedie der semitischen Sprach— und Altertums-Wissenschaft”. In seiner 6 Jahre spaeter veroeffentlichten “Ge schichte Babyloniens und Assyriens” schreibt er, warum er sich diesem Gebiet widmet. “Was ist es aber, das dennoch unser Herz hoeher schlagen macht, wenn die babylonischassyrische Geschichte ihre Blaetter uns zu entrollen beginnt? Was die Ursache, dass keiner ohne Spannung das darin Berichtete anhoeren kann, dass von Anfang bis zu Ende, auch wenn hie und da in monotoner Weise eine Zeit lang Unbedeutendes den Fluss der Entwicklung zu hemmen scheint, dennoch jeder wieder von Neuem gefesselt wird? Woran liegt es dass trotz der vielen neu auftauchenden Namen, Gestalten und Orte, uns fast ueber - all heimische Luft anweht dass alte laengst vergessene Erinnerungen sich frisch beleben und neues Interesse erwecken? Die zahlreichen Beziehungen zur biblischen Geschichte, zur Geschichte Israels sind es, die solches bewirken. Auch fuer diejenigen, welchen dieselbe laengst den Schimmer des Heiligen, den frommer Kindesglaube einst um sie gewoben, verloren hat, ist doch der Reiz nicht entschwunden, den alles, was von den Jugendtagen zu uns herueber klingt, unvergaenglich in sich traegt und auch bis ins spaeteste Alter beibehaelt. Um wieviel mehx aber muss der, dem die moderne Kultur und ihre falsche Aufklaerung noch nicht den letzten Rest des Glaubens an ein goettliches Walten genommen und der also auch in den Geschicken Israels eine besondere Fuegung Gottes und in seiner Geschichte eine einzigartige Geschieht0 erkennt, es freudig begruessen, wie nun ploetzlich ein neues Licht auf viele Partien derselben faellt. Mit welcher Begeisterung muss er sich in die durch die Denkmaeler aufgedeckte gewissermassen frisch nach Jahrtausenden aus dem Boden gegrabene babylonisch-assyrische Geschichte versenken, durch die fast jedes Blatt der Bibel Alten Testaments Erklaerung, Ergaenzung, Erweiterung, Bestaetigung empfaengt”. Diese Begeisterung des jungen Assyriologen fuer Israels Geschichte stoesst nun mit der antijuedisehen Einstellung des etwa gleichaltrigen von der Aegyptologie herkommenden Histo r i k e r s Eduard Meyer zusammen dessen “Geschichte des Altertums” kurz vor Hommeis Geschichte Babyloniens und Assyriens erschienen war. Meyer entwickelt in seinem Werk ein Bild vom semitischen Charakter, in dem den Semiten “entsetzliche Nüchternheit des Denkens” vorgeworfen wird. Dieselbe sei verantwortlich fuer die Menschenopfer der Kanaanaer. aber auch der Religion Israels und dem Islam werden vorgeworfen, dass ihr Ver haeltnis zur Gottheit verstandsgemaess und rechnend” sei, waehrend “ein ethisches oder mystisches Verhaeltnis zur Gottheit den Semiten voellig fern” liegt. Hommei reagiert hierauf mit der ihm eigenen Heftigkeit. Er, der Nichtsemit scheint persoenlich getroffen zu sein: “Wo denn Meyer auf Einzelheiten zu sprechen kommt... wird... er von so einseitiger, fast persoenlicher Antipathie geleitet, dass man wirklich sagen muss, die Semiten, die doch so eine grosse, ja eigentlich die Hauptrolle in seinem Werk spielen, sind von ihm darin gründlich verzeichnet worden”. Wir werden sehen, wie Meyer sich spaeter hierfuer geraecht hat. Nun tauchte ein zweiter Feind am Horizont auf. Der Theologe Julius Wellhausen hatte ein Jahrzehnt vorher eine zwar nicht neue, aber unvoll staendige Theorie ueber die Entstehung der Bibel und der Religion Israels, sowie ueber seine Geschichte neu bearbeitet und gruendlich fundiert. Nach dieser Theorie sollten die biblischen Berichte von der Zeit vor den Richtern erst Jahrhunderte nach den beschriebenen Ereignissen verfasst sein. Wellhausen selbst hat trotzdem jenen biblischen Berichten Glauben geschenkt, waehrend sein Schueler Bernhard Stade mit einem Federstrich die ganze aeltere Geschichte Israels beseitigte und zum Maerchen erklaerte. Hommei nahm zunaechst zu Stades Geschichte Israels Stellung und zeigte, dass selbst juengere Berichte wertvolles Material aus alter Zeit enthalten koennen, was uns heutzutage selbstverstaendlich erscheinen mag. aber damals wie eine Neuentdeckung wirkte. Mit der Zeit begann aber Hommei ueberhaupt Zweifel an der Theorie Wellhausens zu hegen und so entstand sein 1897 gleichzeitig in einer deutschen und in einer englischen Ausg a b e erschienenes Buch “Die Altisraelitische Ueberlieferung in inschriftlicher Beleuchtung. Ein Einspruch gegen die Aufstellungen der modernen Pentateuchkritik” In diesem Buch wird gezeigt dass die Personennamen der aeltesten biblischen Zeit auf aehnliche Art gebildet sind wie gleichzeitige Namen aus anderen Voelkern, die durch Inschriften belegt sind. Da spaetere Namen ein ganz anderes Aussehen habenkoennen die Namen aus der Zeit der Stammvaeter, aus der Zeit Moses und Josuas nicht erfunden sein, sondern sind als echt anzusehen. Erst heutzutage beginnt man diese Betrachtungen zu wuerdigen. Eduard Meyer war ein bedeutender Historiker und ein Salonamtisemit, Wellhausen hat wenig Sympathien fuer das nachprophetische Judentum gehabt, aber sich immerhin eines korrekten Tons befleissigt. Dies gilt aber nicht von Hommeis Kollegen Friedrich Delitzsch. Dieser war der Sohn des (Fortsetzung Seite 21),