Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 5 (Mayo, 1961)
- Date
- 1961-05-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Moyo 196Í BOLETIN INFORMATIVO 19 PRO WOCHE EINE SENSATION Schon seit sehr vielen Jahren haben sich die Sensationsmeldungen nicht so gejagt wie in dem vergangenen Monat April. Kaum hatte sich der Zeitungsleser darauf eingestellt, die Fortsetzung der ¡am Vortage begonnenen Episode zu sulchen, als auch schon —wie auf einer rasend gewordenen Drehbuehne— eine neue Kulisse die Aufmerksamkeit auf eine anderes, grell beleuchtetes Blickfeld lenkte. Ereignisse wie die Explosion einer franzoesischen Atombombe in der Sahara, die angeblich die wenig beruhigende Eigenschaft haben soll, transportabel zu sein, nahmen kaum eine knappe Spalte ein. Die fuenf Akte des Dramas aber, dessen Buehne dieser geplagte Planet ist und die einem guten Teil seiner nunmehr 3 Milliarden Bewohner —waren es nicht erst gestern noch zwei?, werden es wirklich nach nur einer weiteren Generation bereits 5 sein?— buchstaeblich den Atem verschlug, hiessen: Eiehmann, Gagarin, Kuba, Algier und Laos. DIE BESTIE IM GLASKASTEN Chronologisch stand also, wie gesagt, der Prozess gegen Eiehmann am Beginn dieser fast unglaublichen Fuelle von Ereignissen. Wenn er auch von den ihm folgenden manchmal ueberschattet wurde, so befindet er sich doch noch stark im Zentrum der oeffentlichen Aufmerksamkeit, sowohl durch die Fortdauer der Gerichtstagungen selbst wie durch den unleugbaren emotio n e 11 e n Effekt, den er ausstrahlt. In anderen Spalten dieser Ausgabe versuchen wir unseren Lesern direkte Eindruecke von dem Prozess gegen den millionenfachen Moerder zu vermitteln, wobei wir vor allem auf die Berichte unseres eigenen Vertreters Dr. Abner Nechuschtan hinwelsen. Wenn auch das “B. I.” in Ermangelung eines Kabeldienstes und durch die Schwierigkeiten, welche die Fremdsprache bei der Drucklegung verursacht, in Bezug auf die Ereignisse mit nicht unbetraechtlicher Ve r s p a etung erscheint, so hofft die Redaktion doch, dieselbe dank Unmittelbarkeit des Eindrucks, Bewertung der Folgen und Beachtung der uns als Betroffenen eigenen Gesichtspunkte wettzumachen. DER MENSCH IM RAUMSCHIFF Die mit phantastischer Praezision durchgef u e h r t e Reise des sowjetrussischen Astronauten Juri Gagarin war, wie gesagt, das erste Ereignis, das die Anklageschrift des israelischen Staatsanwalts Gideon Hausner von den Schlagzeilen der Tagespresse verdraengte. An Stelle der Radiofotos von dem Unhold in der Glaskabine traten die vom Menschen in der Stahlkapsel. “Und das mit Recht”, wie Mephisto, sagte, denn tatsaechllch ist mit dem Eindringen des Menschen in den Weltenraum eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte angebrochen. Die wissenschaftliche, technische und leider auch strategische Bedeutung des Ereignisses ist absolut noch nicht zu uebersehen und sprengt auch in ihrer gedraengtesten Betrachtung den Rahmen eines Kommentars wie des vorliegenden. Nur drei Dinge seien kurz gestreift. Das erste betrifft die Tatsache, dass mit dem Beginn dieser neuen Epoche die Probleme der alten —die wir in der Schule als Neueste Zeit kennen lernten und die unser Denken und Fuehlen geformt hat— noch keineswegs geloest und ueberwunden sind. Wenn im gleichen Moment, da der erste Astronaut die Erde in 90 Minuten umkreiste, eine chilenische Expedition zwei Wochen brauchte, um der Kordillere die Opfer einer Flugzeugkatastrophe zu entreissen, oder eine Spezialkonferenz der UN resigniert zugeben musste, dass einer weltweiten Geburtenkontrolle unüberwindliche politische und religioese Hindernisse entgegenstehen, so unterstreicht das nur in dramatischer Form, dass der Mensch beim Vorstoss in den Raum die ihm von der Natur gestellten Aufgaben auf dem eigenen Stern noch nicht geloest hat. Ferner ist es aus Gruender klaren Denkens nicht unbedeutend, sich gegen die leichtfertig propagierte Vorstellung zu wehren, Gagarir sei ein “Kolumbus des Raums”. Der Genuese unternahm aus eigenem Antrieb den abenteuerlichen Versuch die in seinem 15. Jahrhundert wiederentdeckte Idee von der Kugelgestalt der Erde —eine Idee, die alles andere als Allgemeingut der gebildeten Menschheit war—. durch eine ebenso muehselige wie kuehne Tat unter Beweis zu stellen. Unser russischer Zeitgenosse dagegen trat seine Reise praktisch als Teil einer Maschine an. Das ist eine Tatsache, die garnicht zu vermeiden ist und die daher auch nicht dazu missbraucht werden soll, ihm seinen Mut, eiserne Gesundheit, Vaterlandstreue und andere von der Tass-Agentur verbreitete ¡hoechst lobens— und beneidenswerte Eigenschaften abzusprechen, wenn auch sich manchmal der Verdacht aufdraengt. dass seine fanatische Ergebenheit in die Kommunistische Partei, die er so sehr zur Schau traegt, bei der Wahl seiner Person eine nicht unbetraechtliche Rolle gespielt hat. Die wahren Helden des Abenteuers aber sind doch wohl die Sedow, Blagonrawow und ihr wissenschaftlicher Stab, die dieses Wunder an Praezision und Potenz zu bauen imstande waren. Schliesslich sei noch darauf hingewiesen, dass die Wissenschaft keine politische Domaene ist. Wenn die Amerikaner den Russen in der Entwicklung der Kernergie um Jahre voraus waren und vielleicht auch noch sind, so ist das kein Beweis fuer die Ueberlegenheit des Kapitalismus, sondern fuer den fast zufaelligen Umstand, dass ein visionaerer Praesident in den entscheidenden Jahren des 2. Weltkrieges die Geschicke des Landes leitete Und ebenso ist der ¡nicht hinwegzudiskutierende V o rsprung der Russen in den Fragen der Raumschiffahrt kein Beweis fuer die Ueberlegenheit des Kommunismus, sondern fuer das katastrophale Interregnum 1952-1960 das die USA zumindest zeitweilig die Vorherrschaft nicht nur auf wissenschaftlichem, sondern auch auf politischem, strategischem und weitgehend auf wirtschaftlichem Gebiet gekostet hat. DER GROSSE RECHENFEHLER Ebenso wie der Anbruch der neuen Epoche noch nicht die Loesung der Probleme der vorhergehenden mit sich bringt, so hat auch der Beginn der Praesidentschalt Kennedy noch keine Ueberwindung des Erbes der vorangegangenen Administration mit sich gebracht: weder ihrer Methoden, noch ihrer Fehler. Noch vor Ablauf der von William Schlamm als kritisch bezeichneten ersten hundert Tage seiner Amtsausuebung hat der junge und dynamische Praesident eine Niederlage einstekken muessen, von deren Folgen er sich nur mit viel Geschick, Fleiss, Intelligenz und... Glueck wird erholen koennen. Zusammen mit .der strategischen Bedeutung der russischen Raumkapsel hat die klaegliche Niederlage der Invasion von Kuba das Zuenglein an der Waage der Macht nach Osten geneigt. Wie letztere zustande kam, welche Fuelle von Ignoranz, Infantilismus, erbaermlicher Improvisation, Niedertracht und Leichtsinn dabei im Spiele waren, gibt zweifellos Stoff fuer ein ganzes Buch. In unserer schnellebigen Zeit ist das aber bereits Praeteritum.! Worauf es jetzt ankommt, ist die Alternative, ob Kennedy akzeptiert, von Florida aus bei Nacht die Scheinwerfer des kommunistischen (Heerlagers zu betrachten oder ob er, um es auszumerzen, das Risiko eines Krieges akzeptiert und bereit ist, das Odium eines Interventionisten, der die Selbstbestimmung kleiner Staaten missachtet, auf sich zu laden. Alles andere, wie wirtschaftlicher Boykott, kollektive Sanktionen, oder amerikanische Kanzlerkonferenz kann an dieser tatsaechlichen spannungsgeladenen Alternative nichts, aber auch absolut nichts, aendern. DER GROSSE MANN IN PARIS Mit ihm hatten die aufstaendischen Generaele von Algier nicht gerechnet, ebensowenig wie mit der spontanen Solidaritaet des franzoesischen Volkes, das seine Bereitschaft unter Beweis stellte, dem Faschismus enigegenzutreten. Aber zweifellos waren bei dem ueberraschend schnellen Zusammenbruch des nunmehr dritten Aufstands auch andere Faktoren im Spiele, die sich heute noch der Beurteilung des Beobachters entziehen. Wie dem auch sei, de Gaulle hat nun, auf der Hoehe seiner Macht, den Ruekken frei, um mit den algerischen Rebellen im Sinne des letzten Referendums zu verhandeln. Wenn man auch nicht die Dauer und der. Gang der Verhandlungen prophezeien kann, so zweifelt doch niemand daran dass sie nur ein Ergebnis, werden zeitigen koennen: die Unabhaengigkeit der ehemaligen Kolonie. Die Sicherheit und Interessen der europaeischen" Siedler moegen noch so sehr Gegenstand der Besorgnis der franzoesischen Unterhaendler sein, die Erdoelvorkommen in der Sahara noch so schwer in der franzoesischen Wir t s c h a f t wiegen oder die strategischen Gesichtspunkte in den Plaenen der NATO, so gibt es doch nur eine Frage, die fuer Paris auf Leben und Tod ist: die Befriedung Algiers. Da die unumgaengliche Bereinigung des nordafrikanischen Konflikts mit ziemlicher Bestimmtheit eine Entspannung in den franzoesischen Beziehungen mit den Arabern im allgemeinen, also auch mit der VAR, mit sich bringen kann, draengt sich die Ueberlegung auf, ob und wie weit diese an und fuer sich nur begruessenswerte Entwicklung die Freundschaft Frankreichs zu Israel trueben koennte. Indem man die Berechtigung dieser Frage zugibt, nimmt man auch bereits einen Teil der Antwort in dem Sinne vorweg, als die besonders guten Beziehungen, soweit sie auf dem franzoesisch-arabischen Konflikt fun diert sind, Einbusse erleiden koennen. Zum Glueck ist aber dieser Konflikt bei weitem nicht das einzige und wohl auch nicht das wichtigste Fundament der fränzoesisch-israelischen Freundschaft, und wer weiss, ob ei es jemals war. Auf alle Faelle gibt es heute einen solch regen menschlichen, kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Austausch, das Israel der die"- bezueglichen Entwi c k 1 u n g mit Vertrauen entgegensehen kann. Auch die durch den Regierungswechsel in USA zu erwartende wachsende Unterstuetzung seitens Washingtons kann, indem sie unsere relative Abhaengigkeit von Paris mindert, nur guenstigen Einfluss auf den Dialog zwischen Jerusalem und dem Quai d’Orsay haben. Wenn also im Verlaufe einer franzoesisch-arabischen Annaeherung, die in der naeheren oder ferneren Zukunft entstehen kann, manche aeussere Merkmale von Frankreichs Freundschaft zu Israel weniger Publizitaet erfahren sollten, so ist dies noch kein Grund zu Alarm. Worauf wir schliesslich am leichtesten verzichten koennen, ist, dass Frankreich alles, was es fuer uns tut, an dio grosse Glocke haengt. WENN HINTEN WEIT IN LAOS... Der unaufhaltsame Vormarsch der kommunistischen Rebellen in diesem asiatischen Koenigreich birgt nicht weniger Gefahren fuer den Weltfrieden in sich, als di"« seinerzeit in Korea und Indochina der Fall war. Zur Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, machten die Aufstaendischen des Pathet Lao und des Kapitaen Kong Lee noch keine Anstalten, das britisch-russische Abkommen ueber einen Waffenstillstand ernst zu nehmen. Der Verdacht, dass Moskau sie hatte wissen lassen, dass man es dort auch nicht ernst genommen hatte, liegt nahe. Jedenfalls steht der Westen in Suedost-Asien vor einem neuen Dien-Bien-Phu und der um seine Sorgen nicht zu beneidende Praesident Kennedy vor der Frage, in letzter Stunde zu versuchen, dies unter ganz besonders unguenstigen strategischen Umstaenden zu vermeiden. Zu letzteren gehoert u. a. die Gefahr einer neuen chinesischen Intervention. Neu scheint jedenfalls ein solches Dilema nicht zu sein, wusste doch schon Macchiavello; “Aus keiner Gefahr rettet man sich ohne Gefahr”. ATSCHEKA.