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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-05-01 · 5 (Mayo, 1961) · p. Seite 13

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIII (1961)
Issue
5 (Mayo, 1961)
Date
1961-05-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Moyo 1961 BOLETIN INFORMATIVO 13 -í*5>0 Wfo ie/re*t. I JUEDISCHE ERZIEHUNG EINST UND JETZT Von JOSE TICHAUER IUER FUND ge nach dem Synagogen brand. von Herrn Karl Oppenheimer aufgefunden und nach Israel gebracht. Sein Bruder. Herr Friedrich Mosche Oppenheimer übergab die Baende jetzt freundlicher weise den Jewish Historieal General Archives in Jerusalem, zum Andenken an seinen Vater. Herrn Salomon Oppenheimer der viele Jahre lang als Beamter und Sofer (Torahschreiber) an der Mannheimer Gemeinde taetig war und seit dem Jahre 1890 die Eintragungen in dem Memorbuch gemacht hat. Er wurde spaeter nach Gurs deportiert. Das Memorbuch ist von grosser Wichtigkeit fuer die Erforschung der Geschichte der Juden Badens, der Pfalz und Umgebung. In den Yewish Historieal General Archives in Jerusalem befinden sich bereits über 1000 Archive oder Archivreste jüdischer Gemeinden aus aller Welt, sowie auch die Mehrzahl der geretteten Memorbücher, etwa 40 an der Zahl, darunter eines der aeltesten, das Koblenzer Memorbuch, das die Jahre 1580 bis 1850 umfasst. ERFOLG LILLIANETTES EIN WICHT Das verloren geglaubte “M e m orbuch” (Maertyrer- und Seelengedaechtnisbuch) einer juedischen Gemeinde Deutschlands ist kuerzlich in Israel wiederaufgef unden worden. Es handelt sich um das Memorbuch der bekannten “Klaus”-Synagoge, die in Mannheim im Jahre 1708 von dem Hofjuden Ascher Lemle Reinganum gegründet wurde und die spaeter, bis zu ihrer Zerstoerung durch die Nazis im Jahre 1938, der orthodoxen Gemeinde als Synagoge diente. Bis zu seiner Auswanderung nach Israel amtierte Dr. Yizchak Unna 40 Jahre lang als Rabbiner an dieser Gemeinde. Ascher Lemle Reinganum hinterliess bei seinem Tode im Jahre 1724 aus seinem Vermoegen eine Summe von 100.000 Gulden zur Gruendung einer Stiftung zum Unterhalt von 10 Gelehrten und 3 Dozenten. Im 20. Jahrhundert gehoerte die Verbreitung juedischen Wissens unter der Jugend zu den Hauptaufgaben des “Klaus”-Lehrhauses. Die zwei auf Pergament geschriebenen Baende des Memorbuches umfassen die Jahre 1711-1938. Sie wurden im November 1938, einige Ta- EI LILI ANETTE, unsere bekannte Diseuse, ist eben von einem Gastspiel in Sao Paulo zurueckgekehrt, wo sie mit beispiellosem Erfolg auftrat. Die Künstlerin gab 6 Abende bei PRO ARTE BRASIL (Theodor Heuberger) und einen Abend im grossen Saal der CONGREGACACO IS- RAELITA PAULISTA. Auf Grund ihres aussergewöhnlichen Erfolges wurde Lilianette von PRO ARTE zu einer grossen Tournée für den Mo- KAMMERKONZERTE Gemeinsam mit dem Mercaz Letarbut Israel wird die Gemeinde in diesem Jahre erstmalig eine Serie von zwei Kammermusikkonzerten veranstalten, die am 30. Mai und 13. Juni Abends 9 Uhr im Gemeindehaus stattfinden werden. nat August verpflichtet, die sie nicht nur wieder nach Sao Paulo, sondern auch nach Rio de Janeiro und den Südbrasilianischen staedten wie Porto Alegre Curitiba, Blumenau ,etc. führen wird. In den Monaten Juni und Juli gibt die Künstlerin Gastspiele in Montevideo und Buenos Aires. Wir hoffen Lilianette Ende des Jahres hier in Santiago in ihrer neuen “EIN - PERSON - REVUE 1961” bewundern zu dürfen. Im Verlauf dieser Konzerte werden das Cuarteto Santiago, Herr Pedro Cocchiararo (Oboe), Herr Hanns Stein (Tenor) und Herr Jaime de la Jara (Violine) auf treten. Programme und Platzreservierungen im Gemeindebureau, Avda. Portugal 810. Im Judentum wurde der Erziehung und Schulung schon seit den aeltesten Zeiten eine besondere Bedeutung beigemessen. Das historische Bewusstsein war im juedischen Volke bereits am Beginn seines Weges wach, und es ist anzunehmen, dass es vor allem die Erziehung und die Schulung waren, die wesentlich dazu beigetragen haben, das Geschehen (und damit die Geschichte) bewusst zu erleben. Und frueh waren Erziehung und Schulung der Juden zielgerichtet: durch sie soll der Monotheismus in den Mittelpunkt des Menschen gestellt und das heranwachsende Kind zur Treue fuer sein Volk und seine Lehre befaehigt werden. Dies gilt noch heute. Aber die Erziehungs- und Unterrichtsmethoden koennen nicht mehr die gleichen seinsie der veraenderten materiellen und geistigen Umwelt anzupassen, war stets ein besonderes Anliegen des Judentums, das groessten Wert darauf legt, eine Jugend heranzubilden, die aus wissenden Juden besteht, die ihr Judentum und Judesein bewusst erleben und bekunden. Ein kurzer Rueckblick soll zeigen, dass man sich im juedischen Volk von jeher mit den Problemen der Erziehung befasst hat. In biblischer Zeit lag die Erziehung vor allem in den Haenden. der Eltern. Vater und Mutter erscheinen gleichgestellt, doch ist die Verantwortung fuer die Verwirklichung des Erziehungszieles dem Vater auf erlegt. Aber auch Lehrer werden schon frueh erwaehnt nicht nur, um das Schriftwort zu verkuenden und zu erlaeutern, sondern auch als Handwerkslehrer. Es wurde aui strenge Zucht geachtet und wenn noetig, auch die Pruegelstrafe angewandt. Hauptziel war die Formung eines sittlichen Menschen, die Erweckung des Wissensdurstes, die Kenntnis der geschichtlichen Vergangenheit und der religioesen Tradition. Neben diesen geistigen Faechern wurden . aber auch praktische Kenntnisse fuer den Ackerbau und fuer den Kriegsdienst vermittelt. Eigentliche Schulen sind fuei die biblische. Zeit nicht nachzuweisen, es sei denn, man rechne die Prophetenschulen dazu, in denen Juenger ausgebildet wurden, die gleichzeitig Diener und Schueler ihrer Meister waren. Eine beachtliche Institution war auch “der Levite in deinen Toren”, in welchem wir den Hauslehrer der auf ihren verstreuten Hoefen siedelnden israelitischen Landwirte zu erblicken haben. Die Erziehung der Maedchen war ganz der Mutter anvertraut. Die Toechter blieben bis zu ihrer fruehen Verheiratung in deren Obhut. Eine anschauliche Schilderung, zu welcher Unabhaengigkeit und ©elbstaendigkeit die juedische Frau der biblischen Zeit heranwachsen konnte, vermittelt uns Kapitel 31, 10-31 der Sprueche Salomos. In talmudischer Zeit (100 bis 500 n. Christi) erfaehrt die juedische Erziehung eine Ausgestaltung, ueber die wir durch das umfangreiche Werk des babylonischen Talmud sehr eingehend unterrichtet sind. Das Erziehungsziel besteht weiterhin in der Hauptsache in der Heranbildung eines sittlich hochstehenden Menschen, der den reinen Monotheismus nicht nur als Glaubensakt annimmt, sondern ihn im Alltag bekundet und verwirklicht. Noch immer liegt die Hauptverantwortung bei den Eltern, die aber in zunehmendem Masse Berufserzieher, man darf sagen: geschulte Paedagogen zuziehen. Wie hoch die Rolle des Erziehers eingeschaetzt wird, geht aus der Feststellung hervor, dass “nicht der Erzeuger, sondern der Erzieher Vater genannt” werden sollte. Vom füenften Lebensjahr an wurde das Kind dem Thoralernen zugefuehrt, und vom 13. Lebensjahr an . lastet die Erziehungspflicht nicht mehr bei den Eltern, sondern bei den Lehrern. Frueh schon in vorchristlicher Zeit waren Schulen entstanden, zunaechst noch ohne allgemeine Schulpflicht (Dubnow, Bd. II, S. 199), und hundert Jahre spaeter soll es allein in Jerusalem 480 Schulen gegeben haben, die meistens einer Synagoge angegliedert waren. Der Talmud befasst sich eingehend mit paedagogischen Fragen' und zeichnet sich durch Einsichten und Erkenntnisse aus, die wir ausserhalb von Israel erst mehr ere tausend Jahre spaeter antreffen. Der Lehrer muesse sich bewusst sein, dass das ihm anvertraute Kind “wie Wachs in der formenden Hand” sei. Seine Aufgabe bestehe nicht in erster Linie darin, dem Schueler rnoeglichst iviel Wissen teinzutrichtern, sondern dessen geistige Faehigkeiten zu entwickeln und ihn instand zu setzen, selbstaendig weiterzuforschen. Der Lehrvortrag muesse praegnant, oh n e Weitschweifigkeit sein, und die Lehrmittel sollen vor Gebrauch sorgfaeltig geprueft werden. Anfangs lag kein eigentlicher Stundenplan mit abgeteilten Faechern vor. Der Lehrer ging von einem Bibelvers aus ‘und zog assoziierte Gebiete heran. Von Fremdsprachen wird besonders das Griechische erwaehnt. Im vierten Jahrhundert wurde festgesetzt, dass in der Regel pro Tag fuenf Lektionen zu erteilen seien. Eine Klasse soll durchschnittlich 25 Schueler zaehlen, sobald sie auf 40 Schueler angewachsen ist, muss eine neue Klasse gebildet werden. Das Elternhaus hatte die Aufgabe, den Lerneifer nach Moeglichkeit zu foerdern und dafuer zu sorgen, dass das Leben im Alltag mit den ethischen Forderungen der Religionslehre in Uebereinstimmung stand. Grosser Wert wurde auch der Erlernung eines Handwerks beigelegt. Jeder Vater war verpflichtet, seinen Sohn ein Handwerk erlernen zu lassen. Dass dies nicht nur Theorie war, sondern wirklich befolgt wurde, belegen die zahlreichen Beispiele von Talmudgelehrten, die sich von einem Handwerk ernaehrten. Im Mittelalter liess man sich in der juedischen Erziehung weiterhin von den Gedankengaengen des Talmud leiten. Waehrend die Erziehung im juedischen Haus auf hoher Stufe stand, sank das Schulwesen in den meisten Laendern auf ein bedenkliches Niveau. Zwar war der erste Gang zur Schule mit einer synagogalen Feier (meist an Schawuoth) verbunden, wobei die fuenfjaehrigen Kinder festlich gekleidet ins Gotteshaus gefuehrt wurden und dort die Verlesung der Zehn Gebote -anhoerten und auch im Elternhaus wurde der Tag gefeiert. Aber der Unterricht war nicht geeignet, die Begeisterung der Jugend wachzuhalten. Die Unterrichtzeiten waren zu ausgedehnt, ein geordneter Stundenplan bestand meist nicht mehr, der Stoff wurde eintoenig vorgetragen, und auf die Äüswahl der Lehrer wurde nicht genuegend Sorgfalt verwendet. Auch war der Schulraum — “Cheder” (Stube) oft voellig unzulaenglich, eng, finster, muffig. Einzig in Spanien (und zeitweise auch in Italien), wo sich die Juden unter der arabischen Herrschaft und in den ersten Jahrzehnten der christlichen Herrschaft (12. bis 14. Jahrhundert) frei entfalten konnten und ein fruchtbares geistiges Leben entwickelten, stand das juedische Schulwesen auf höeherer Stufe und umfasste dort auch profane Faecher. Auch im deutschen Sprachgebiet gab es schon im Mittelalter hochstehende juedische Paedagogen. Juda ben Samuel, Leiter eines juedischen Lehrhauses in Regensburg, stellte im 12. Jahrhundert Erziehungsregeln auf, die sechshundert Jahre vor Pestalozzi erstaunlich modern anmuten. In seinem “Sefer Chassidim”, das heisst Buch der Frommen, lesen wir: “Ein Kind, das noch nicht versteht, weshalb man es zuechtigt, soll man nicht anschreien oder heftig schlagen, wenn es sich ungehoerig auffuehrt. Man erteile Schuelern keine Aufgaben, deren Ausfuehrung ihnen zu schwer faellt. Wer reich ist und Kinder hat, bringe sie sobald als moeglich in eine Lage, dass sie ihr Brot selber durch ihrer Haende Arbeit verdienen muessen, sollte dies aber nicht fruchten, dann wende man sich ihnen wieder mit Liebe und Geduld zu. Man soll Kindern nicht viel Geld in die Hand geben, selbst nicht fuer einen guten Zweck. (Fortsetzung Seite 23) Fristablauf fuer die ' " von Gesuchen an die Claims Conference Der Stichtag fuer die Unterbreitung von Gesuchen an die Claims Conference fuer Organisationen, Institutionen und Gemeinde, die um die Zuteilung von Geldern fuer das Jahr 1962 ersuchen wollen, ist der 30. Juni 1961, wie die “Conference on Jewish Material Claims against Germany’ in New York mitteilt. Gesuche muessen in 20 Kopien an die Conference on Jewish Material Claims against Germany, 3 East 54th Street, New York 22, N. Y., USA gerichtet werden- Die Gesuche muessen eine detaillierte Beschreibung der Taetigkeit enthalten, fuer die die Gelder benoetigt iverden. Die Organisationen, dAe Gesuche einreichen, muessen ebenfalls ein genaues Budget und Auskunft ueber andere Einnahmequellen vorlegen, die den Antragstellern fuer die betreffenden Projekte zur Verfuegung stehen. Die Claims Conference ist auf Grund des Abkommens. das sie mit der Deutschen Bundesrepublik geschlossen hat, nur in der Lage, Gelder fuer Taetigkeiten zur Verfuegung zu stellen, die zur Unterstuetzung, Rehabilitierung und Wiederansiedlung von Opfern der Naziverfolgungen dienen, welche mit der Dringlichkeit der Beduerfnisse in Einklang stehen. 6074

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