Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 5 (Mayo, 1961)
- Date
- 1961-05-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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12 BOLETIN INFORMATIVO Mayo 1961 tii&i jcbneídm urfa cum NACH 16 JAHHEN Adolf Eichmann steht alleine in seinem Kristallkasten, aber jedermann weiss, dass es nicht nur seine Hand war, die den Massenmord begangen hat. Deutsche geben Eichmann die schrecklichen Befehle und andere Deutsche fuehren sie aus. Adenauer, der seit mehr als 10 Jahren sich bemueht, den Respekt der Welt fuer Westdeutschland zurueckzugewinnem, behauptete kuerzlich, dass 'nur ein “relativ kleiner Prozentsatz” der Deutschen ueberzeugte Nazis gewesen waeren. “Ich befuerchte” so fuehrt er im Zusammenhang mit dem Eichmannprozess aus, dass die oeffentliche Meinung Deutschland verurteilen wird. Wir Deutschen sind nicht beliebt. Es -wird 100 Jahre dauern, bis wir es sein werden. Dies ist eine Tatsache und wir muessen damit fertig werden, so gut wir es koennen”. Die geeignetste Methode aber, mit diesem Problem fertig zu werden, war und ist die Verfolgung der fluechtigen Nazimoerder, die noch am Leben sind. Am Vorabend des Eichmannprozesses erklaerte das deutsche Bureau fuer Kriegsverbrechen, dass ungefaehr 80.000 Deutsche am Mord teilgenommen haben. Die meisten von ihnen .sind lange tot, aber Deutschland hat ungefaehr 5.000 Nazis abgeurteilt. Weitere 150 schwer Belastete stehen vor Gericht, einschliesslich dp" ehemaligen Kommandanten Richard Baer und weiterer 28 Offiziere aus Auschwitz. Von ungefaehr weiteren 150 Schwerverbrechern weiss man mit Bestimmtheit, dass sie irgendwo in Deutschland in Freiheit sich aufhalten und weitere 700 werden noch vom Staatsanwalt gesucht. Das Grundproblem aber, das der Eichmannprozess wieder aufwirft, ist das Problem der Millionen von Deutschen, die selber keine Verbrechen begangen haben, die aber zu der Frage, der Schuld Stellung nehmen muessen. Dies betrifft sie alle. Aber viele sehen so ausschliesslich ihren wirtschaftlichen Reichtum, dass sie vollstaendig an die Nazizeit vergessen haben und scheinbar an kollektivem Gedaechtnisschwuind leiden. Die deutsche Presse hao tausende von Spalten dem Fall Eichmann gewidmet und deutsche Jornalisten werden in groesserer Zahl bei dem Prozess anwesend sein als die irgendeines anderen Landes, mit Ausnahme der Vereinigten Staaten. Aber wie weit beeindruckt dies alles den einfachen Mann auf der Strasse in Deutschland? D. Martin, ein Journalist der Zeitschrift NEWSWEEK berichtet, dass viele von Ihnen auf Befragen erklaerten, dass ihrer Ansicht nach eine Verurteilung Eichmanns sie nicht betrifft. Einige wenige stellen sich sogar auf die Seite von Eichmann. Die “Deutsche Soldatenzeitung” erklaert, dass Kriegsverbrechen auch von den Alliierten begangen worden sind. Die allgemeine Reaktion ist aber Unkenntnis vorzugeben. Unter den Deutschen jedoch, die etwas mehr Verantwortung zeigen, hat man das Gefuehl, dass der Eichmannprozess Deutschland bei dem langen und langsamen Prozess der Selbst-Reinigung helfen wird. (Auszugsweise uebersetzt Aus “Newsweek”.) DEUTSCHE STIMMEN ZUM PROZESS GEDANKEN ZWISCHEN 2 UND 3 “Und wie wuenscht der Herr die Kartoffeln serviert? Gekocht, geschmort, gebraten, gebacken, Souflée, Purée, Princesse, â la crème, geschlagen, Bechamel, gtfuellt, in der Schale, als Chips, in Brueh-oder Stroh- Form, mit Petersilie oder Kaese?” “Ach was”, war die ungeduldige uund ungebildete Antwort, “Kartoffel ist Kartoffel ¡“Und das war sonst ein ganz lieber Mensch! Dieselbe Meinung haben andere vom Rotwein und viele vom Witz. Sie machen sich tatsaechlich niemals recht klar, dass zwischen Witz und Witz ein ganz gewaltiger Unterschied ist. Weshalb sind uns manche Leute nur wegen ihrer Witze geradezu veraechtlich, fast verhasst? Und zu anderen fuehlen wir uns in Sympathie hingezogen, nur durch ihre charmante Erzaehlung einer gut pointierten Anekdote. Ein guter Witz ist fast immer sprachgebunden; er leidet an Schlagkraft und Schaerfe durch Uebersetzung oder Milieu-Verlagerung. Man koennte fast peremptorisch behaupten, dass jedes Volk, ja fast jede Rasse, ihre eigene Witzform besitzt. Der englische Witz ist trocken, selbstgeiselnd; der franzoesische, charmant gewagt. Die juedische Witzform, in vielen Sprachen und Jargon-Abarten, bleibt immer art-und volksverbunden, geistr eich und mit leise wehmuetiger Untermalung, die in ihrer Totalitaet nur von Juden voellig begriffen wird. Der deutsche Witz ist derb, direkt und unverbluemt, meist dialekt-bedingt und um imaginaere oder effektive Persoenlichkeiten aufgebaut. Der Koel’sche Tuennes ist der Berliner Schnauze so wesensfremd wie der schottische Kilt dem juedischen Kaftan. Witze gut wiedergeben zu koennen, ist ein beglueckendes Talent, das, wie jedes andere, duenn gesaet ist; Witze zu machen, ein begnadeter Zustand. Ein Mensch, der krampfhaft immer versucht, witzig zu sein, ist bald alleine und gemieden. Ein naturwitziger Mensch ist ein Gewinn in jeder Gesellschaft; er reisst mit, ruettelt auf, steckt an. Nichts zerstaeubt und zerreist “dicke Luft” so schlagkraeftig, wie ein guter Witz zur rechten Zeit. Ein witz-und humorloser Mensch ist eine armselige Kreatur, der unendliche Kraeftequellen und waermste Freuden versagt bleiben. Der direkte Impakt einer gutgezielten Pointe laesst herzlich lachen, aber leicht vergessen, waehrend der feine Nadelstich des geistreichen Wortspiels behagliches Schmunzeln erreicht, das man gerne mit nach Hause nimmt. Recht amuesant und interessant ist die etymologische Erklaerung des franzoesischen “Fachausdruckes” Calembourg, der den schlagfertigen, leichten Genre des wortverdrehenden Humors bezeichnet. Viele glauben, dass ein witziger Apotheker gleichen Namens dazu Pate stand; andere identifizieren ihn mit dem gleichlautenden Ort bei Dietenhofen. Beide Erklaerungen stimmen nicht. Die Wahrheit kommt aus dem huebschen Weinort Kahlenbergerdorf bei Wien, wo um das Jahr 1340 ein wegen seiner Schnurren und Spaesse beruehmter Pfarrer, namens Wiegand, seinen Heimatort mit dem Begriff “Wortspiel” oder “Witz” (gleich “Wissen”) zu identifizieren verstand. Dieser lustige Geistliche, im Stile des spaeteren Abraham a Santa Clara, wurde von Otto dem Froehlichen als “Pfaffe vom Kahlenberg” wohl . gelitten und lanciert. Seine lustigen Anekdoten und Scherze wanderten ueber die .europaeisehen Hoefe und sind sogar in einer Sammlung erschienen. Sie wurde ein vielgelesenes und vielgedrucktes Buch, das auch in Frankreich Furore machte. Dort wurde das aus “Kahlenburg” entstandene “Calembourg” identisch mit burleskem Wortwitz. Bei der Rueckwanderung nach Deutschland verballhornte der Berliner das nunmehr franzoesierte Wort zum bekannten Ausdruck “Kalauer”, eine lustige Laune der sprachlichen Veraenderlichkeit durch ihre dreieckige Wanderung: Wien- Paris-Berlin. Der “Galgenhumor” hat seinen. Ursprung in Frankreichs blutigster Zeit, als die tapferen Klienten der Guillotine nichts Sublimeres fanden, als ein noch im letzten Moment gepraegtes Bonmot, um der Revolution und ihren Henkern ihre Verachtung zu beweisen. Der “Treppenwitz”, der im Kurse seines Umlaufes der Inbegriff des hinter der Hand gesprochenen, malitioesen Klatsches wurde, ist eigentlich der verspaetet (schon auf der wegfuehrenden Treppe) gekommene Einfall eines wenig schlagfertigen Verabschiedeten, dem die treffende Antwort nicht rechtzeitig eingefallen war. Die Treppe wird somit synonym mit “langer Leitung”. Unsere bewegte Zeit hat den politischen Witz geschaffen, der oft dem Galgenhumor fata’ verwandt scheint. Er geiselt Staatsform, Oberhaupt und Erlasse und ist in' seiner Form manchesmal bibelhaften Gleichnissen aehnlich. Um dieser Plauderei einen geeigneten Abschluss zu geben, soll ein solches “Gleichnis” sie enden. In einer Tageszeitung wird ein Leser auf folgende Annonce aufmerksam: “Hund zu verkaufen. Preis: 100.000. Dollars”. Neugierig besieht sich der Mann den ueberbepreisten Koeter. Der Verkaeufer besteht auf der Hoehe des Wertes. Vierzehn Tage lang erscheint die Anzeige in gleicher Weise, dann stoppt sie. Wieder geht der Leser zur angegebenen Adresse und hoert voll Staunen, dass der Hund tatsaechlich verkauft würde. ■ “Wieviel haben Sie dafuer letzten Endes bekommen?” “100.000,— Dollars” “100.000,— Dollars??? Effektiv?” “Nein, “war die Antwort”, nicht effektiv. Ich musste 2 Katzen zu je 50.000 dagegen in Zahlung nehmen”. Ueberschrift: “Mercado común”. K.g Dr. Adenauers Erklaerung vor dem Bundestag war nicht sehr passend. Er meinte, dass die Nazis immer eine sehr kleine Minderheit gewesen waeren, dass sie Deutsche mindestens in gleicher Weise verfolgt haetten wie Juden und dass die meisten Deutschen im Grunde genommen den Juden gegenueber freundlich gesinnt gewesen waeren. Dies sind gewiss nicht Argumente, die die Weltmeinung zu Gunsten der Deutschen beeinflussen koennen in einem Moment, wo anklagende Finger auf sie zeigen aus Anlass von Eichmanns Anteil am Massenmord, einem Mord, der von den schlimmsten Bruta- 1 i t a e t e n gegen wehrlose menschliche Wesen begleitet war, wie sie die moderne Zeit noch nicht gekannt hat. Nur ein fuehrender westdeutscher, Staatsmann hat oeffentlich erklaert, dass der Eichmannprozess der Bundesrepublik keinen dauernden Schaden zufuegen werde Das war Herr Willy Brandt, der sozialdemokratische Kandidat fuer die Wahl im naechsten Herbst zum Bundeskanzler. Herr Brandt hat die Qualitaeten eines Stoikers. Seine Meinung ist, dass der Prozess aussergewoehnlich unangenehm ist, aber dass man da durch muss, dass der Prozess dem deutschen Volk helfen wird, die Nazivergangenheit zu verstehen und dass er auf die Dauer gesehen, gute Folgen haben wird. (Auszugsweise uebersetzt aus dem “Manchester Guardian Weekly”) Tapicería de Bertoldo Schlesinger 10 de Julio 357 Fono 397282 7I/I7VGBIT Ll_ 474206