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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-05-01 · 5 (Mayo, 1961) · p. Seite 6

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIII (1961)
Issue
5 (Mayo, 1961)
Date
1961-05-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 BOLETIN INFORMATIVO Mayo 1961 GESTALTUNG JUEDISCHEN LEBENS EME FRONT M DER (Fortsetzung von Seite 1) brechung zu erfahren, da sein Bruder Salomon Maguenzo seinen Kurs uebernahm und die Arbeit mit gleicher Liebe und Pflichtbewusstsein fortsetzte. Auch in diesem Jahre war es uns wieder moeglich, dank eines besonderen Entgegenkommens der Firma Juan Wiener y Cia. den Religionsunterricht nicht nur im Gemeindehaus, sondern auch im Barrio Alto durchzufuehren, was fuer viele .Eltern und Kinder eine spuerbare Erleichterung bedeutet. Wenn man beruecksichtig, dass dieser Religionsunterricht nur in ein bis zwei Stunden der «Woche erteilt werden kann — nicht etwa, weil es an Lehrern fehlte, sondern weil den Kindern bei dem hiesigen staatlichen Schulpian nicht mehr Zeit zur Verfuegung steht, kann man die Ergebnisse des Unterrichts als geradezu erstaunlich bezeichnen. Wir sind etwas neidisch darauf, dass in anderen Laendern Suedamerikas, besonders in Uruguay, es moeglich ist, den Unterricht an mehreren Stunden der Woche erteilen zu lassen. Dann kann natuerlich das Wissen das sich die Kinder aneignen, ein viel groesseres sein. Biblische und juedische Geschichte, wenigstens Anfangsgruende in Iwrith, Kenntnisse des Gebetbuches um an den Gottesdiensten teilnehmen zu koennen, juedische Lieder, Feiertagskunde: das soll in ein bis zwei Stunden mit Erfolg Kindern beigebracht werden koennen? Hoffentlich wird es moeglich sein, den Unterricht zu erweitern. Hierzu gehoert dass Eltern und Kinder ein kleines Opfer bringen. Eine Stunde mehr in der Woche und die Teilnehmer am Unterricht werden sich das juedische Minima 1-W i s s e n aneignen koennen, das wir von ihnen verlangen duerfen. Es bedrueckt uns der Gedanke, dass nur eine verhaeltnismaessig geringe Anzahl Kinder von unserem Schulwerk erfasst werden und sehr viele ohne ausreichenden Religionsunterricht bleiben. Hier muss Abhilfe geschaffen werden. Auch hier sind wir von der Mitarbeit der Eltern abhaengig. Und nicht nur das. Sehr viele unserer Freunde glauben, dass mit der Barmizwab oder neuerdings der Bath- Mizwah die Jugendlichen alles gelernt haben, was notwendig ist, um als Juden zu leben, um zu wissen, was es bedeutet, Jude zu sein. Vergessen wir nicht, dass jeder Jude sein Leben lang ein Lernender bleibt und dass der Unterricht, den wir in der Religionsschule erteilen oder den die Kinder in den Vorbereitungsstunden gemessen, nicht mehr als die rudimentaersten Grundlagen juedischen Wissens vermitteln kann. Erinnern wir uns, dass die juedische Tradition die Barmizwa im Sinne etwa einer Abschlussp r u e f u n g nicht kennt. Sie ist der Beginn der religioesen Pflichten. Der Beginn einer jeden Pflichterfuellung aber ist immer mit dem Lernen verbunden. Und nur dann wird der junge Jude seinen Pflichten mit dem Ernst und der Liebe nachkommen, die sie verdienen, wenn er die Materie, die er als Kind spielend erlernte, sich als reiferer Mensch weiter erarbeitet. Die Teilnahme an den von unserer Gemeinde eingerichteten Post-Barmizwah-Kursen ist daher unumgaenglich. Zwar hatten wir die Freude, in diesem Jahre in zwei Kursen 15 Schueler —Jungen wie auch Maedchen— bei uns sehen zu koennen, jedoch ist diese Anzahl laengst nicht genuegend. Neben Religionsschule und Post-Barmizwah-Kursen veranstalteten wir einmal monatlich Jugendgottesdienste, an denen 30-50 Jugendliche teilnahmen. Diese Feierstunden wurden von den Jugendlichen selbst fuer ihre Altersgenossen unter Aufsicht und Anleitung unserer Rabbiner und Lehrer durchgefuehrt. Wer diesen Gottesdienst besucht hat, wer sah, mit welchem Emst und Koennen unsere jungen Menschen im Kreise ihrer Freunde die religioesen Funktionen ausuebten, hat mit Stolz und Freude das Gefuehl mit sich nehmen koennen, dass es einen Nachwuchs gibt, der das fortsetzen wird, was wir hier begonnen haben. Der Erfolg der Jugendgottesdienste, die wir im vergangenen Geschaeftsjahre neunmal durchfuehrten, ist ein lebendiger Beweis dafuer, dass unter unserer Jugend religioeses Interesse besteht und dass es nur notwendig ist, den hier aufgewachsenen Jugendlichen den Gottesdienst verstaendlich und anziehend zu gestalten, um ihres Kommens gewiss zu sein. An den Hohen Feiertagen fanden Sonder-Jugend-Gottesdienste in unserem Gemeindehaus statt, ebenso auch eine Feierstunde fuer die Jugend im Teatro Marconi. Bei dieser Gelegenheit amtierten Jugendliche. Junge Menschen predigten und beteten vor, im Marconi sang ein aus Schuelern unserer Religionsschule geb i 1 d e t e r Chor und der Gottesdienst wurde nach einer besonders fuer die Jugendlichen von den Herren Rabbiner Loewenstein und Abraham Maguenzo vorbereiteten Gottesdienstordnung durchgefuehrt Die Tatsache, dass, wie allgemein festgestellt wurde, in diesem Jahre bedeutend mehr junge Menschen an den Gottesdiensten teilna h m e n als im vergangenen und dass vor allen Dingen der Gottesdienst fuer viele von ihnen ein wirkliches Erlebnis darstellte, weil sie sich im eigenen Kreise wohlfuehlten, sich ihrer Pflicht bewusst waren, die Gebete zufolge der spanischen Uebersetzungen und Erklaerungen verstanden, beweist, dass wir uns auf dem rechten Wege befinden. Wir bemuehten uns, der Jugend unserer Religionsschule viele frohe Stunden zu verschaffen: bei Schulfeiern anlaesslich des Jaum Haazmaut, Simchat-Tora und Chanukka. An dieser Feier, die wir gemeinsam mit der A. T. I. veranstalteten, nahmen etwa 200 Kinder teil. UNTERSTUETZUNG DER JUGENDORGANISATIONEN Davon ueberzeugt, dass es im Leben eines jeden jungen Menschen eine Zeit gibt, in der er den Kontakt mit seinen Altersgenossen ausserhalb des festen Gefueges der bestehenden allg emeiner Institutionen sucht, haben wir wie stets Alle Jugendgruppen unserer Kollektivitaet nach Massgabe unserer Kraefte unterstuetzt. So erhielten neben Sonderhilfen, die wir in dringenden Faellen bewilligten, auch in diesem Jahre wieder 5 Jugendorganisationen erhebliche Beihilfen zur Durchführung ihrer Sommerlaeger. Zur besonderen Freude gereicht es uns, dass zwei Jugendgruppen, die uns besonders nahe stehen, sich im abgelaufenen Jahre weit ueber unsere Erwartung hinaus entwickeln konnten. So trifft sich seit etwa Mitte 1960 allwoechentlich in unseren Raeumen ein Kreis von etwa 40 jungen Menschen im Alter zwischen 19 und 25 Jahren, die den Wunsch haben, in juedischem Kreise auf geselliger Basis zusammen zukommen. Es handelt sich hierbei nicht eigentlich um “Jugendliche” sondern um juengere Erwachsene, die teilweise schon im Berufsleben stehen und deren Wunsch, ihre Freizeit im juedischen Rahmen zu verleben, von uns freudig begruesst und unterstuetzt wird. Wir hoffen, dass sich dieser Kreis vergroessert, dass er von der geselligen Basis ausgehend sich zu juedischer Kulturarbeit zusammenfindet und den Kontakt mit der Gemeinde auf nimmt. Wir reichen diesen jungen Freunden gern unsere Hand. Die Jugendorganisation “Barcai”, die einen ausserordentlich erfreulichen Aufschwung genommen hat, liegt uns sehr am Herzen, und dass diese unsere Bemuehungen von den Jugendlichen in ihrem ganzen Wert anerkannt werden, wird dadurch bewiesen, dass “Barcai” sich als unsere Jugend betrachtet. Der Grundstein ,zur Entwicklung der “Barcai” wurde auf dem von der “Centra” organisierten Sommerlager von Campo de Jordao gelegt, zu welchem die Gemeinde die Jugendlichen Tomás Reichmann, Harry Schanzer, Daniel Jacusiel und Eva Klein entsandte, dieselben, die spaeter zu Fuehrern der “Barcai” werden sollten. Auf Grund der im Campo de Jordao gefassten Beschluesse und unter dem Eindruck des Lagers gingen diese jungen Menschen sofort nach ihrer Rueckkehr nach Santiago daran, den Kern einer Jugendgruppe zu bilden, deren endgueltige Festigung auf einem im September 1960 durchgefuehrten Winterlager erfolgte, welches zum groessten Teil von der S. C. I. finanziert, in Barnechea in einem von Herrn Francisco Friedmann freundlicherweise zur Verfuegung gestelltem Hause stattfand. Die geistige Leitung des Lagers lag in Haenden der Herren Rabbiner Loewenstein und Abraham Maguenzo. Zu dem parallel mit der Tagung der Centra in Montevideo im Oktober 1960 laufenden Jugendtreffen entsandten wir als Delegierten der Gemeinde Herrn Tomás Reichmann, der wertvolle Anregungen zurueckgebracht hat und sich bemueht, diese in die Tat umzusetzen. Mit Erfolg wurde im Februar 1961 ein Sommerlager der Barcai durchgefuehrt, an welchem rund 30 Jugendliche teilnahmen. Acht der Fuehrer der Barcai beteiligten sich an dem von der Centra veranstalteten Seminar in Mar del Plata Anfang dieses Jahres, zu dessen Gelingen auch die Arbeit unseres Herrn Rabbiner Loewenstein viel beitrug, der an der geistigen Leitung des Lagers erheblichen Anteil nahm. Wir koennen mit Stolz sagen, dass wir die Arbeit der Barcai materiell und ideell gefoerdert haben und dass wir kein Opfer scheuten, um den Erfolg dieser Initiativ*' zu sichern. Eine besondere Freude ist es fuer uns, dass das Ergebnis unseren Erwartungen vollauf entspricht, ja. mehr noch, sie uebertroffen hat, zaehlt doch der Kreis der Barcai jetzt schon fast 80 Jugendliche in verschiedenen Altersstufen, sodass daran gedacht werden muss, mehrere Gruppen zu bilden, um eine Gewaehr zu geben, dass die Teilnehmer den Kursen geistig folgen koennea. Wie bei allen Jugendbewegungen 'gilt auch hier das Motto “mens sana in corpore sano”. Durch Lernen und iSport sollen unsere jungen Menschen erzogen werden. Stark an Geist und Koerper. Von dieser Jugend, die auf dem besten Wege ist, erwarten wir ausserordentlich viel. Sie soll all denen ein Beispiel geben, die noch abseits stehen. Sie sollen ihnen ein Vorbild fuer juedisches jugendliches Leben sein. Die sogenannte “Base ideológica”, die die Jugendlichen entworfen haben berechtigen zu den groessten Hoffnungen. Was uns besonders freut, ist die Tatsache, dass diese jungen Freunde in ihren Resoluciones zum Ausdruck bringen, dass sie den Weg zur Gemeinde suchen, dass sie eine Front fuer die Gestaltung und Zukunft des juedischen Lebens auf diesem Kontinent bilden wollen, dass sie auf Grundlage der religioesen, nationalen, kulturellen, ethischen und traditionellen Werte des Judentums arbeiten und eine enge Identifizierung mit dem Staat Israel und seinen Werten suchen, und dass sie in den juedischen und religioesen. Inhalten und in der Gemeinde die Erfuellung juedischen Lebens ausserhalb Israels sehen, wir hoffen, dass diese Jugendlichen diesen Weg finden, dass sie mit uns gemeinsam arbeiten, dass wir von ihnen und sie von uns zum Wohle der Zukunft unserer Gemeinschaft lernen koennen. Die Gemeinde organisierte zusammen mit der Barcai einen Jugendseder, der grossen Anklang unter den Anwesenden gefunden hat. ANALYSE EINER RUNDFRAGE Wenn sich die Leiter der Barcai auch die erdenklichste Muehe geben und die vollj ste Anerkennung fuer ihren Idealismus verdienen, so koennen sie rein zeitlich die Organisationsarbeit nicht allein bewaeltigen. Es fehlt ein hauptamtlicher Jugendfuehrer, der ueber die noetigen Faehigkeiten und Erfahrungen verfuegt, um sich dieser schweren Aufgabe so zu widmen, wie es noetig ist. Trotz eifrigster Bemuehungen ist es leider nicht gelungen, eine derartige. Persoenlichkeit zu finden. Wir stehen in Verbindung mit den dafuer in Frage kommenden' internationalen Institutionen und scheuen keine Muehe, um die Loesung dieses unaufschiebbaren Problems eventuell in Zusammenarbeit mit unseren Dachorganisationen zu erreichen. Wie ungeheuer dringend diese Angelegenheit ist, beweist am besten der von unserer Gemeinde durchgefuehrte “Censo Juvenil”. Wenngleich die Arbeiten des Censo noch nicht abge— schlossen sind, beweisen doch schon die bisher vorhandenen und ausgewerteten Daten, dass unsere jungen Menschen viel staerker gefaehrdet sind, als wir gemeinhin angenommen haetten. Gleichgueltigkeit, Unkenntnis der Probleme, Verflachung, dies sind die bedauerlichen Ergebnisse unserer Rundfragen, Aber dennoch gibt es einen Silberstreifen. Fast alle der befragten Jugendlichen fuehlen sich irgendwie uns zugehoerig, legen Wert darauf, sich in irgendeiner Form in juedischen Kreisen zu bewegen. Was wir tun koennen, um diesem Wunsche entgegenzukommen, geschieht und wird weiterhin geschehen, Aber, meine Freunde, machen wir uns keine Illusionen. Nur das Elternhaus kann die Basis geben, auf der wir weiter bauen koennen. Und dieses Elternhaus ist in Gefahr. PROBLEME DER ZWEITEN GENERATION Unsere zweite Generation, die jungen Vaeter und Muetter, besitzen mit wenigen Ausnahmen leider nicht mehr die Grundlage, von der aus sie ihren Kindern juedisches Wissen und Liebe zur Tradition vermitteln koennen. Diese zweite Generation, eine Generation von Menschen, die nicht mehr in Europa wurzelt und die hier zu spaet ankam, um Wurzeln schlagen zu koennen, is<- gleichgueltig geworden. Gewiss, es gibt einige unter ihnen, die strebend sich bemuehen, das zu erlernen, was sie in ihrer Kindheit durch die Not der Zeit nicht lernen konnten. Wir versuchen, den jungen Eltern ihre Erziehungsarbeit zu erleichtern, denn wir haben das Gefuehl, dass wenigstens ein Teil von ihnen es begruessen wuerde, wenn ihre Kinder eine gewisse juedische Grundlage erhielten. So gab die Gemeinde im vergangenen Jahre ein Handbuch heraus, eine Anleitung zur Feier des Freitag Abend, das an alle jungen Ehepaare mit Kindern verschickt wurde. (Fortsetzung Seite 7)

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