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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-04-01 · 4 (Abril, 1961) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIII (1961)
Issue
4 (Abril, 1961)
Date
1961-04-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Abril 1961 BOLETIN INFORMATIVO S BEGEGNUNG MIT ISRAEL Von Heinz Fluegef Ain 19. Oktober 1960 sprach in Santiago Herr Heinz Fluegel, Leiter der Evangelischen Akademie Tutzing ueber das oben genannte Thema. Dieser, jetzt im Druck vorliegende Vortrag erschien in der Zeitschrift “Eckart”, aus der wir folgende Auszuege wiedergeben: Eine Reise nach dem heutigen Israel bedeutet nicht etwa im traditionellen Sinne eine Pilgerfahrt ins Heilige Land. Von unmittelbarer religioeser Bedeutung ist nicht die Besichtigung zum Teil verkitschter christlicher Heiligtuemer, sondern die Begegnung mit dem Volk, von dem es in der Bibel heisst: “Den sie sollen wieder wohnen in dem Lande, dass Ich meinem Knechte Jakob gegeben habe, darin ihre Vaeter gewohnt, sie und ihre Kinder und Enkel ewiglich”. Wer aber sind die, denen Gottes Politik verheisst: “sie sollen wohnen in dem Lande ewiglich...?”. Diejenigen denen der deutsche Besucher zuerst und im Verlauf der Reise uebeaall begegnet, sind die Reste des europaeischen Judentums, die Hinterbliebenen ausgerotteter Familien, die Geretteten, die ihr Leben der unbegreiflichen Gnade Gottes verdanken. Man wuerde sich indessen ein voellig falsches Bild von Israel machen, wenn man sich unter den Israelis von heute vor allem diese aus Europa stammenden und zum groessten Teil europaeisch assimilierten Juden vorstellte. Wohl trifft man diese deutschen, polnischen, russischen, rumaenischen Juden allenthalben in den fuehrenden Positionen der Verwaltung, der Wirtschaft und der Kultur. Doch machen die aus anderen La endern und Erdteilen, aus Asien und Afrika eingewanderten Juden etwa 50% der Gesamtbevoelkerung aus. Und allein aus diesen nichteuropaeischen Laendern ist noch eine groessere Einwan derung in Zukunft zu erwarten, waehrend die Einwanderung aus Europa fuers erste abgeschlossen scheint, es sei denn, dass die Staaten hinter dem Eisernen Vorhang eines Tages doch noch den Juden die Ausreise nach Israel freigeben, was bisher am Einspruch der arabischen Staaten gescheitert ist. Der zivilisatorische Niveauunterschied zwischen den europaeischen und den asiatisch - afrikanischen Juden faellt, jedem Besucher auf, und die Frage, was eigentlich diesen verschiedenen Gruppen gemeinsam ist, und was sie zu einem Volk macht, ist gar nicht leicht zu beantworten. Diese Frage bildet, abgesehen von den aussenpolitischen Problemen zusammen mit dem technisch— w i rtschaftlichen Programm der Beschaffung von Wasser und der Urbarmachung des Bodens, die zentrale Aufgabe, die bewaeltigt werden muss. Fuer den aus der europaeischen Geschichtswelt hervorgegangenen Juden bedeutet es den Bruch mit seiner bisherigen kulturellen Vergangenheit. In seinem 1949 veroeffentlichten Roman “Unambo” schildert Max Brod ohne Beschoenigung diesen inneren Kampf, diese seelische Spaltung. “Israel schwankt” heisst es da, “es unternimmt hier den nie in solcher Schaerfe gemachten Versych. sich als Volk von Grund her aus sich selbst neu zu gebaeren. Ich habe mir eingebildet, ich koennte beides zugleich sein, der alte und der neue Jude... Die Zweiheit verschwindet nicht”. Fuer die Zukunft Israels ist also der Prozess der Verschmelzung und des Ausgleichs der Gegensaetze von schicksalhafter Bedeutung. Hierbei spielt die Armee, indem sie sich wahrhaft als Schule der Nation erweist, eine paedagogisch und soziologisch wesentliche Rolle, ohne dass die fatalen Begleiterscheinungen des Militarismus zu bemerken waeren. Die Leistung, die mit der Eingliederung der Neueinwanderer vollbracht wird, ist umso bemerkenswerter, als dieses soziologische Experiment angesichts einer staendigen politischen militaerischen Bedrohung durch die arabischen Staaten durchgefuehrt werden muss. Grundsaetzlich steht Israel jedem einwandernden Juden offen, woher er auch komme und wer er auch sei. Als Siedlungsraum stehen in erster Linie die anbaufaehigen Gebiete in der suedlichen Haelfte des Staates Israel, im Negev, zur Verfuegyng. Ein Teil des Negev ist echte Wueste, ein anderer grosser Teil dagegen urspruenglich kultivierter, fruchtbarer Loessboden, der sich aber im Laufe der Jahrhunderte, von den Tuerken vernachlaessigt und verlassen, in wuestes Land zurueckverwandelt und nunmehr erneut gewonnen und, wie man in Israel zu sagen pflegt, “erloest” werden muss. Dies ist im Grunde nicht allein eine wirtschaftlich politische Frage; die Erloesung des Bodens ist, wenn sich dessen auch nur wenige im Vollsinn bewusst sind, von religioeser Bedeutung. Denn das eigentliche Geheimnis der Existenz Israels ist die sakramentale Verbindung von Volk und Land, entsprechend jenem biblischen Satz: “Sie sollen wieder wohnen in dem Lande, dass ich meinem Knecht Jakob gegeben habe”. Die Erloesung des Bodens heisst zugleich die Erloesung der Juden aus der Fremdlingschaft, aus der Verbannung, aus der Bodenlosigkeit und damit die Volkwerdung Israels. Auch das Pflanzen von Baeumen, von gangen Waeldern. was am meisten in Judaea, in der Umgebung Jerusalems ins Auge faellt, ist nicht allein praktisch oekonomiscb zu werten, sondern hat einen hintergruendigen mystischen Sinn. Man spuert darin etwas von einem messianischen Enthusiasmus. Die Mutation, die Verwandlung des Juden, die sich in Israel nicht ohne die sakramentale Wirkling des Bodens vollzieht, muss vor allem diejenigen in Erstaunen versetzen, die den Juden bisher nur als den Haendler, den Bankier, den urbanen Intellektuellen, den extremen Individualisten kennengelernt haben. Nach wie vor lebt eine Elite von Idealisten in jenen fast legendaeren Genoss e n s c haf tssi edlungen, den Kibbuzim, deren Mitglieder wie die Essener zur Zeit Jesu auf privates Eigentum verzichtet haben. Die Kibbuznik waren die ersten, die, laengst bevor an einen autonomen Staat zu denken war, sich dem Land zum Opfer brachten, indem sie die versumpften, malariaverseuchten Boeden Galilaeas urbar machten. die man den tuerkischen Effendis abgekauft hatte. Auch heute, in einer veraenderten Umwelt, wirken die Kibbuzim trotz einzelner krisenhaften Erscheinungen als Zellen van hoher Symbolkraft - primaer freilich aus sozialem, nicht so sehr aus bewusst religioesem Geiste So wird man auch das Credo des Ministerpraesidenten Ben Gurion, der selbst Mitglied eines Kibbuz im Negev ist, zu verstehen haben: “Die Rueckkehr der Juden in ihr Land ist Beginn der Verwirklichungen der messianischen Vision”. Die Rueckkehr nach Zion ist ein zentral juedischer Gedanke. Die Bestimmung des Judentums ist nicht nur, eine freischwebende Religion oder Konfession zu sein, sondern meint die Einheit von Glaubensgemeinschaft und Volksgemeinschaft, die Bindung eines prophetischen Auftrags an einen sakramentalen Boden, an dieses juedische Land, das voll biblischen Geistes ist. Das Land ist heilig als der Schauplatz des Dramas, das zwischen Gott und diesem Volke spielt, das nach wie vor mit der Bibel und aus der Bibel lebt. Die Bibel wird allerdings von den meisten nicht ajs Gotteswort gelesen und studiert, sondern als Urkunde juedischer Geschichte, als Dokument juedischen Bewusstseins. Fuer den Besucher Israels ist es ueberrachend, ja uefoerwaeltigend zu erfahren, wie die Bibel bei jeder Gelegenheit unmittelbar praesent ist, wie die grossartigen prophetischen Passagen im Munde des Reisebegleiters auf der Fahrt durch die strenge, monumentale Gebirggwelt Judaeas Leben gewinnen und wie einem an den Ufern des Sees Genezareth die Botschaft Jesu auch aus dem Geiste der Landschaft heraus glaubhaft wird. Dieser religioese Hintergrund ist da, ja, er durchbricht immerfort das vorder - gruendige profane Sein in Israel. Das religioese Problem liegt in der Luft. Auch im Atheismus, so wurde mir gesagt, ist man religioes. Der Staat als solcher ist zwar eine durchaus weltliche Demokratie weltlicher Praegung. Infolgedessen wird er auch von den kleinen mystischen Gruppen der Strengglaeubigen, die ihrerseits nur 5-6% der Gesamtbevoelkerung bilden, zum Teil kompromisslos verneint. Die israelische Jugend wiederum, die sehr aktiv, kraftvoll und nicht ohne das stolze Selbstbewusstsein eines in Freiheit aufgewachsenen Geschlechtes ist, lehnt die Orthodoxie mit ihrer der modernen Welt voellig unangemessenen erstarrten Gesetzgebung entschieden ab. Der Gegensatz zwischen der hochmodernen Universitaet von Jerusalem, wo sich die junge juedische Intelligenz formiert, und dem orthodoxen Stadtviertel von Jerusalem, ist so gross wie etwa die Differenz zwischen dem 20. und dem 13. Jahrhundert, in Mea Shearim, dem Wohnviertel der Orthodoxen, lebt man auch heute noch wie im Ghetto einer polnischen Kleinstadt. Fast in jeder Strasse, ja an jeder Ecke findet sich eine kleinere oder groessere Synagoge, wo sich am Sabbat namentlich die maena liehe Bevoelkerung zum Gebet und Thoralesen versammelt in der gleichen Tracht, wie man sie etwa im 18. Jahrhundert trug. Wer indessen an der Erscheinung dieser Ultra-Frommen nur ein folkloristisches, touristisches Interesse naehme, wuerde den Ernst der religioesen Frage unterschaetzen. Gewiss, die Hueter der Stadt-, wie sich die Strengglaeubigen von Mea Shearim nennen, leben in einer petre - fakt gewordenen religioesen Gesetzlichkeit. Nicht vergessen sollte man jedoch, dass gerade diese Treue zum Gesetz, dieses strenge Festhalten an der Ueberlieferung das juedische Volk durch alle Jahrhunderte, durch alle Progrome hindurch bewahrt hat. Freilich, die Liebe zum Gesetz wurde zu einem “Leiden am Gesetz” (Martin Buber). Zwischen Ehrfurcht und Erschrecken schwankend, wenn man diese noch immer in der A b s o n derung beharrenden Frommen sieht, ist man sogar geneigt zu sagen, dass hier die Treue zum Gesetz zu einer sublimen Suende geworden ist. Es liegt eine gewisse Tragik, ein vielleicht unausweichlicher Widerspruch darin, dass gerade von der Synagoge im modernen Israel keine Strahlung, keine Kraft der Erneuerung ausgeht. Der Einfluss des Oberrabbinates ist zwar auf einigen Gebieten, zum Beispiel in der Familiengesetzgebung, nicht gering. So werden auch in der Armee die rituellen Speisegesetze beachtet. Fuer manchen ist es jedoch ein schmerzlicher Widerspruch, dass die juedische Diaspora vielfach religioeser ist als Israel selbst. Die skeptische Bemerkung ist daher nicht unmotiviert, ob man denn nach Israel gegangen sei, um dort weniger Jude zu sein als in der Diaspora. Wer koennte in Israel heute ueberhaupt genau definieren, wer ein Jude ist? Ist man Jude auch ohne dezidierte religioese Bindung, was doch fuer den groessten Teil der Israelis zutrifft? Oder ist juedisch nicht eben die exemplarisch sakramentale E x i stenz,-— um mit Martin Buber zu sprechen— die dialogische Existenz vor Gott? Juedisch ij,t sicherlich seit je gewesen die Erinnerung an Zion und die Sehnsucht nach Zion, das Warten auf den Messias und das messianische Reich, das Bewusstsein, ein von Gott erwaehltes Werkzeug bei der Verwirklichung der Koenigsherrschaft Gottes auf Erden zu sein. Man wird nicht zu behaupten wagen, dass Gott das juedische Volk aus seinem Plan entlassen habe. Die Kontinuitaet der juedischen Geschichte besteht ja einzig in diesem goettlichen Versprechen, in diesem Worte Gottes an sein Volk. Und wie sehr auch jeder Freund Israels dem juedischen Volk und dem jungen Staat Normalisierung wuenscht und ein Ende der Exponiertheit erhofft —die Zeit der Pruefung und Praegung ist offensichtlich noch nicht vorbei. Man braucht dabei nicht nur an die finsteren Drohungen des Chefs der Vereinten Arabischen Republik zu denken, an die Exponiertheit Israels innerhalb absurder politischer Grenzen. Es bleibt das Gesetz und das Leiden Israels am Gesetz, an der auch in den Augen Hugo Bergmanns anscheinend unloesbaren religioesen Problematik, es bleibt das Postulat der juedischen Diaspora, ja, auch der christlichen Welt, die die messianische Funktion Israels nicht zu vergessen, nicht zu leugnen vermag und von Israel etwas Exemplarisches erwartet, naemlich inmitten einer feindlicher. (Fortsetzung Seite 6) Kreuz und Halbmond: Im Lande ihrer juedischen Mutterreligion koennen heute Islam und Christentum friedlich nebeneinander existieren. mm MM 'MMi SÄ: :;SSí:

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