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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-03-01 · 3 (Marzo, 1961) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIII (1961)
Issue
3 (Marzo, 1961)
Date
1961-03-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 BOLETIN INFORMATIVO Marzo 1961 EINEM UNVERGESSENEN DAS ANNE FRANK-HAUS IN AMSTERDAM Wenn das Schicksal es gewollt haette, waere der Rabbiner und Schriftsteller Dr. Emil Bernhard Cohn am 18. Februar 1961 achtzig Jahre alt. Es sind dreizehn Jahre vergangen, seit dieser ungewoehnlich vielseitig begabte Mann am 28. Februar 1948 bei einem Strassenunfall in Los Angeles auf tragische Weise umkam, als er im Begriffe stand, die neue Bibliothek des “Jewish Community Centre”, deren Leitung er uebernehmen sollte, feierlich zu eroeffenen. Im Alter von 26 Jahren stand der damals religioes liberale Rabbiner auf den Kanzeln Berliner Gemeindesynagogen, ein hinreissender, fesselnder, Redner, der juedische Menschen zu begeistern verstand. Im Jahre 1907 vor aller Oeffentlichkeit ein gluehendes Bekenntnis zur nationalen Renaissance des juedischen Volkes in Erez Israel und zur zionistischen Bewegung abzulegen, was fuer ihn unloesbar verbunden war mit dem Gedanken der Erwaehlung Israels, sollte damals zum Zusammenstoss mit den assimilatorisch-eingestellten Gemeindeaeltesten von Berlin fuehren, unter deren Druck der junge Prediger sein Amt nie- Von Curt Wiik derlegen musste. Sein um zehn Jahre “aelterer Amtskollege, der 1955 verstorbene Gemeinderabbiner Dr. Malvin Warschauer hatte den Mut, jene “Gemeindegewaltigen” von der Kanzel herab heftig zu kritisieren, die es nicht fuer noetig gehalten hatten, dem jungen Rabbiner Gelegenheit zur Darlegung seiner Auffassung in Gegenwart von Amtskollegen zu geben. Der “Fall Emil Cohn” wuehlte die juedische Oeffentlichkeit auf, vertiefte die Kluft zwischen Zionisten und Antizionisten bezw. Nichtzionisten und veranlasste Dr. Cohn, die Geschichte seiner Amtsenthebungen der Broschuere “Mein Kampf ums Recht” darzustellen. Der trotz scharfer Proteste entlassene Rabbiner ging dann, nach kuerzerer Amtszeit in Kiel und Essen, nach Bonn, wo er von 1916 bis 1926 amtierte. Waehrend dieser Epoche vollzog sich in ihm ein geistiger Wandel, und er, der bis dahin den gemaessigten Liberalismus vertrat, wurde ein konservativer ■ Rabbiner, der nun dem “Misrachi” nahestand, dessen religioes-nationales Ideal ihn stark beeindruckte. Rund zwanzig Jahre nach dem LUFTHANSA Konflikt machte die Berliner Gemeinde, inzwischen von Zionisten mitgeleitet, das alte Unrecht wieder gut, waehlte Dr. Cohn zu ihrem Gemeinderabbiner und uebertrug ihm die Synagoge zu Berlin-Grunewald zum Wirkungskreis, den er vorzueglich ausfuellte, bis das “Dritte Reich” seine Taetigkeit unmoeglich machte. Unter der Herrschaft der Gestapo machte der Rabbiner eine Leidenszeit durch, an deren Ende das “K. Z.” stehen sollte; doch er entging seinen Haeschern und entkam nach Holland, und dann, rechtzeitig vor dem Einmarsch der Nazis, nach Amerika, wo er bald in San Francisco eine rabbinische Taetigkeit fand. Emil Bernhard Cohn war nicht nur ein grossartiger Kuender religioeser Wahrheiten, sondern auch ein leidenschaftlicher Volksredner. Er, seit der Jugend der zionistischen Bewegung tief verbunden, hatte in den letzten Jahren vor der Hitlerepoche die juedische Jugend gewarnt vor dem Anschluss an linksradikale politische Verbaende in Deutschland, sie beschworen, zu Volk und Lehre zurueckzukehren. Ihm ging es immer um das Ganze im Judentum, dessen Seele, uncj, so wie er mit tiefer Wirkung zu sprechen vermochte, so war - er auch ein Meister des Geschriebenen.' Schon in jungen Jahren schrieb er juedische Legenden und uebersetzte Gedichte von Jehuda Halevy. Aufwuehlend war seine Schrift” Judentum, ein Aufruf an die Zeit”. (1923) Ein kleines Lehr buch “Neuhebraeisch, schnell gelernt” erfreute sich einer gewissen Beliebtheit bei den unvorbereiteten Einwanderern in Erez Israel nach 1933, und vor allem sei seiner Dramen gedacht, die ueber viele Buehnen gingen; “Die Jagd Gottes”, “Das reissende Lamm”, “Edenhotel 1919”, Seine Biographie “David ■Wolffsohn”, mit unendlicher Verehrung fuer den Nachfolger Theodor Herzls geschrieben, ist ein unvergaengliches Denkmal dieser zionistischen Fuehrerpersoenlichkeit. Des Dichters letztes Werk, der Roman “Das Panterfeü”, ist ein hell-aufleuchtendes Sinnbild reinster Menschlichkeit inmitten der Tragoedien des Zweiten Weltkrieges. Der grosse Menschengestalter Emil Bernhard Cohn, identisch mit dem weisen Lehrer des Judentums, dem b e g n a deten Kanzelredner, war befreundet mit Grossen wie Albert Einstein, Thomas Mann und. Albert Schweitzer, die seinen Bekennermut und seine Ueberzeugungstreue zu schaetzen wussten. Er war selbst ein Grosser von mehrender Bescheidenheit, hochgebildet und weltoffen, “eine reine Seele”, wie Heine von Jehuda Halevy, sagt. Nur 67 waren seine Lebensjahre, aber immer lebt er in den Herzen derer, die ihn kannten. An dem Tage, an dem er achtzig Jahre geworden waere, mag ein wehmuetiger Gruss gerichtet sein an seine Gattin, Frau Greta Cohn, die in Los Angeles lebt, an seine Toechter und den Sohn, der auch Rabbiner ist. Kaum zehn Minuten vom koeniglichen Schloss in Amsterdam entfernt, an der Prinsen Gracht, befindet sich das “Anne Frank Huiss”. Fast jeder Amsterdamer scheint es zu kennen. Die “Westerkerk”, von deren Turm Anne die Glocken hoeren konnte, bis sie 1943 von den Deutschen weggeschafft wurden, ist ganz nahe. Sie ertoenen wieder. Die Tür des Hauses oeffnet sich, und die Führerin (eine junge hollaendische Studentin der Kunstgeschichte, wie ich spaeter erfahre) geht uns auf der steilen Treppe voran. Vor dem drehbaren Bücherregal, das den Eingang zum Versteck der Familie Frank (und spater des Ehepaars van Daan, ihres Sohnes Peter und des Zahnarztes Düssei j verbarg, halten wir an. Der Raum, in dem Annes, Eltern wohnten, ist voellig kahl — bis auf horizontale Bleistiftstriche, mit denen Vater Frank das Wachsen seiner Tochter von Zeit zu Zeit markierte. Noch eines sieht man an der weissen Wand: eine primitiv gezeichnete Landkarte, auf der der Vormarsch der Englaender von Cherbourg bis suedlich von Le Havre mit roten und die Stellung der Deutschen mit blauen Knoepfen eingetragen sind. Zwei Monate vor der Befreiung Hollands wurden die geheimen Insassen des Hauses verraten. Ich frage die Führerin, ob man weiss, wer es war. “Nein”. Ob es viele Besucher gäbe? “Viele aus Israel und America. Die Amerikaner denken, dass Anne eine Heilige ist”. Auch Deutsche? “Nicht sehrviele”. Wir stehen in dem kleinen Zimmer, in dem Anne und der Zahnarzt Düssei zwei Jahre lang lebten. Auch hier gibt es keine Moebel aber an der Wand hat Anne eine Menge Ansichtskarten und kleine Bilderangebracht; den Hermes des Praxiteles, ein Detail der Pieta des Michelangelo, Leonardo da Vincis Selbstbortraet, Rembrandts Alten Mann, die Engelskoepfe von Reynolds, eine Mühle von Hobbema “Sie hat sich sehr für Kunstgeschichte int e r e ssiert”, sagt die Führerin Aber nicht nur mit diesen Reproduktionen hat Anne Frank den Raum geschmückt, sondern auch mit Photos, die sie entweder mitbrachte oder die sie aus Zeitschriften ausschnitt, die treue Seelen ins Hinterhaus an der Prinsen Gracht schmuggelten. Da gibt es Bilder der hollaendischen ¡Koenigsfamilie, von Prinzessin Margaret, viele Kinderbilder, eine Polderlandschaft, eine farbige Ansichtskarte mit kleine Engeln, die um einen Blumentopf tanzen. Photos von Deanna Durbin “in ihrem neuesten Film First Love”, weiter Greta Garbo, Heinz Rühmann, Ray Milland, Simone Simon, Sonja Henie, Ginger Rogers, und zwei Zeichnungen von Annes Hand: eine Mitschülerin, leicht karikiert, darstellend! Auf meine Frage, wem das Haus jetzt gehoere, erfahre ich, dass es Eigentum der “Anne Frank-Stiftung” ist. Die Raeume, in denen die “Untergetauchten” (wie sie sich und ihre Leidensgeno’- sen in ihrem Tagebuch nannte) vegetierten, werden unveraendert, ohne jede Einrichtung, erhalten bleiben. Der Rest des Hauses wird als internationale Jugendherberge dienen. In der Ecke von Annes Zimmer traegt einer von zwei Lorbeerksanzen die Inschrift: “Jugendbund. Hamburg-Eidelstedt. In stillem Gedenken”. Beim Fenster, das zum Teil noch schwarz verdunkelt ist —es ging, wie die andern Raeume des Verstecks, nicht auf die Prinsen Gracht, sondern auf Hinterhaeuser hinaus, und niemand vermutete, dass es sich um etwas anderes als einen unbewohnten Speicher handelte—, sieht man eine schwarzrot-goldene Schleife mit den Worten: “D. G. B. Gewerkschaftsjugend”. Eine Karte mit blau-weiss-roter Schleife stammt von der Maria Ward- Schule in Mainz. Die Führerin hatte mich allein gelassen, damit ich mir Notizen machen konnte Als sie wieder erschien, war sie von einer Gruppe aus einer Maedchenschule im Ruhrgebiet begleitet. , Millionen haben das Theaterstueck “Dass Tagebuch der Anne Frank” gesehen (allem auf deutschen Bühnen gab es mehr als dreitausend Aufführungen). Allein von der deutschen Ausgabe des Tagebuchs (das Original ist hollaendisch gesohrie b e n) sind bisher 154.000 Exemplare verkauft worden. Die Führe rin hatte mich auf ein Buch aufmerksam gemacht, das ich nicht kannte: “Anne Frank, Spur eines Kindes” von Ernst Schnabel, ebenfalls in der Fischer-Buecherei erschienen. In der ersten Amsterdamer Buchhandlung, die ich betrat, erstand ich es. Der Autor hat alles zusammengetragen, was er aus Dokumenten und in Gespraechen mit noch lebenden Freunden und Bekannten Anne Franks -einem halben Hundert Menschenerfahren konnte. Es ist eine peinlich genaue, schlichte Berichterstattung über das Leben und Sterben dieses Kindes, “das für viele zum Symbol des- Guten in einer Epoche des Schreckens und der Finsternis geworden ist”. W. V. t (“Neue Zuercher Zeitung”) [in schoenes Heim fuer junge Maedchen in Santiago Fuer Studentinnen, Schuelerinnen oder berufstaetige junge Maedchen, bietet das Haus von Eva und Joaquin Macias ein schoenes Heim. Eva war Lehrerin an American College in Rio de Janeiro, Joaquín Zeichenlehrer an der Universidad Santa Maria. Gemuetliches zu Hause, schoene Zimmer, grosser Garten, volle oder halbe Pension, nach Wunsch. Es wird englisch und deutsch gesprochen. Anmeldungen: Francisco de Aguirre 3788, Santiago-Vltacura oder: Viña del Mar, Casilla 480, Tel. 81240

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