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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-03-01 · 3 (Marzo, 1961) · p. Seite 6

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIII (1961)
Issue
3 (Marzo, 1961)
Date
1961-03-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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_ _ _ BOLETIN INFORMATIVO "DIE ANFRAGE'' Marzo 1961 ZWEI BERICHTE... (Schluss von Seite 5) In Deutschland ist ein Buch erschienen, unter dem Titel -‘Die Anfrage” (Claasen Verlag, Hamburg), dessen Bedeutung weit über die literarische Zone hinausgeht. Hier hat ein Dreissigjaehriger, Christian Geissler, die grosse, entscheidende Frage gestellt: die Anfrage der Generation jener, die 1933 noch im Kindergarten waren, an ihre Vaeter. Es ist die Frage nach der Verantwortung der Eltern, der Lehrer, der Priester, der Aelteren überhaupt, für die Morde, für die Indifferenz, für die Tatenlosigkeit selbst jener, die guten Willens waren. Das Buch hat die Romanform gewaehlt. Der Physiker Kohler, offenbar mit dem Autor Geissler identisch, kommt der Vernichtung einer jüdischen Familie auf die Spur, und aus diesem Erlebnis heraus beginnt er seinen Kampf gegen die “unbewaeltigte Vergangenheit”, seinen Kampf gegen Falschgedachtes und Halbgedachtes, von dem ein ganzes Volk sich einlullen liess, gegen jene nebelhaften Schlagworte und heldische Sentimentalitaet, die heute von neuem üppig und gefaehrlich zu wuchern beginnen. •‘Wenn Ihr es ablehnt, die Schuldigen festzu stellen, dann kann es Euch passieren, dass Ihr am Ende selbst die Schuldigen seid”, sagt der Autor bedeutungsvoll. Das Problem der Schuld wird immer wieder, von allen Seiten, beleuchtet. “Was ist Schuld? Wenn man keine Ausrede mehr hat!”. Der Zufall wollte es, dass das Buch gerade in jenem Augenblick in meine Hand kam, als der Generalsekretaer der UNO, Dag Hammarskjöld, den Bericht der Unterkommission der Vereinten Nationen veroeffentlichte, die sich mit der Verhütung von Diskriminierung und dem Schutz der Minderheiten befasst. In diesem Bericht wird den Deutschen vorgeworfen, dass sie versuchen, ihre Vergangenheit zu verbergen und zu unterdrücken. Es besteht die Notwendigkeit, heisst es darin, die junge Generation Diesmal handelt es sich garnicht um fantasievolle Erzaehlungen, B e lehrungen oder philosophisch angehauchte Gedanken, sondern ganz einfach um einen nackten, allerdings mit Baendchen und Schleiern verzierten Tatsachenbericht. Bei den Maennern ist es aeusserst wichtig, was sie IM Kopfe haben; bei den Frauen oft von ausschlaggebender Bedeutung, was DARAUF sitzt. Diese eigenartigen, Hut genannten Gebilde aus schlichtem oder buntem, aus gediegenem oder frivolem Material, mit Schick oder Untam auf die kokette oder —zwecks Verbergungsmanoever— auf die unordentliche Frisur gestülpt, sind Ausdruck von Persoenlichkeit Ch a r a k t e r, Lebenseinstellung. Stimmung und Bankkonto. Sicher kommt uns heute ein Mann mit breitranvor der Gefahr des Antisemitismus zu warnen. In Deutsch, land jedoch haetten sich “Interessen-Koalitionen” gebildet, die eine “Inventur” der Vergangenheit verhindern und zunichte machen. Die systematische Vernichtung der Juden, so liest man in dem Bericht weiter, bleibt unbekannt, was nicht verwunderlich ist, nachdem ein Drittel der Maenner und Frauen, die heute Schullehrer sind, bereits das gleiche Amt im Dritten Reich Hitlers innegehabt hat. Keine Schulbücher behandeln dieses Problem klar und aufrichtig: statt dessen ist die populaerste Lektuere, sowohl in den “Illustrierten” wie in Buchform, die biographische Hinterlassenschaft prominenter Nazis und ehenjalig-r Generale. Der Bericht der Vereinten Nationen nennt diese Geisteshaltung “Passiven Nazismus”, der hier und da, wenn bisher auch nur vereinzelt, in aktiven Antisemitismus übergeht. Es ist gerade dieser “Passive Nazismus”, der in Geisslers Buch entlarvt wird. “Man hoert heute anlaesslich von Prozessen haeufig von Exzessen aus der Nazizeit. Man hoert hingegen oeffentlich nie, wie es eigentlich den deutschen Normalverbrauchern, unseren Eltern und Patenonkeln, passieren konnte, dass sie, zwischen Hilflosigkeit und Borniertheit eingeklemmt, die Unfreiheit selber wollten. Wie war das moeglich? Darüber spricht man nicht. Man gibt sich verfuehrt, traurig und tuechtig”. Geissler geht weiter als es die “Kollektivscham” fordert. “Scham und Entsetzen allein führen zu keinen Resultaten. Es muss schon eines Tages weitergefragt werden, z. B.: wie konnte man meinen, so etwas sei bei uns nicht moeglich ... Weiterfragen, weiterfragen, schamlos weiterfragen... Scham allein ist wie ein stehendes Wasser: es wird Sumpfland”. Daher kommt der Autor zu folgender Konsequenz: “Kein Mensch ist allein schuldig, sofern es überhaupt einen Sinn Eins Wohlbe-Huetete Affaire dig— altmodischem Hut komisch vor, aber wir achten ihn als konservativ, sparsam und stilbewusst. Eine Frau in vorjaehriger Behu tung ist ganz einfach unmoeglich. Um dieser Klassifizierung zu entgehen, hat sich die vernünftige Frauenwelt entschlossen, garkeine Hüte mehr zu tragen. Damit waere also, sehr zum Entsetzen der Modistinnen, dieses Problem kleidsam, sparsam und gesund geloest. Es gibt aber leider Gelegenheiten, wo ein. kesses, apartes Hütchen fast ein “Muss” ist. Da beisst man halt in den sauren Apfel und schafft sich so ein Ding an, das man meistens nach ein bis zweimaligem Tragen mit Schaudern zu der angesammelten Kollektion verjaehiter Kopfbedeckungen raeumt. Denn zum Wegwerfen sind diese Kunstwerke zu teuer und zum Verschenken zu laehat zu sagen, er hat einen Mitmenschen. Es ist nicht Deine Schuld und nicht meine, was an faktisch Vergangenem vorliegt, aber es ist sehr wohl unsere Schuld, was in Zukunft mit dem, was war, geschieht. Man kann nicht vorwaertslaufen, ohne zu wissen, woher man kommt! Man kann, ja, aber man sollte nicht, sofern vorwaertslaufen nicht, heisst: sich selbst davonlaufen”. Warum? Geissler gibt die Antwort: “Man hat die ganze Familie vergast und verbrannt. Leute, die in deutsche Schulen gegangen sind, haben sie gefangen und verschleppt. Leute mit deutschen Examen haben die Kammern und die Oefen konstruiert. Leute, die deutsch gedacht haben, haben die Theorie dieses Unternehmens geliefert, und Millionen Deutsche haben diese Theorie volkstanzenderweise breitgetreten... Hast Du vergessen, dass man die ganze Mordbrennerei auch in Deinem Namen angestellt hat? Man hat im Namen der Zukunft unseres Volkes, man hat für das heranwachsende freie Geschlecht, man hat zur Eroberung neuen Lebensraums für die deutsche Jugend Millionen Menschen gemordet!”. *■ Wie gesagt, dieses Buch ist mehr als ein Roman, mehr als eine literarische Aussage: hier spricht ein junger Deutscher zum Thema seiner Generation, und schafft eine Kampfschrift, eine Dokumentation. Die Anf rage wird zur Anklage. Die Tatsache, dass es ein Deutscher ist, der hier anfragt, birgt schon zu einem gewissen Teil die Antwort in sich. In dieser Anfrage allein liegt ein Stueck Zukunft, Menschen tums, herrlichen Willens, dem niemand vorkann und vorbeidarf. Dass ein deutscher Schriftsteller die grosse Anfrage stellt, ist ein Zeichen, dass die Sache des Humanismus noch nicht verloren ist. Der Name Christian Geissler verdient, ein Programm zu werden. Z UND 3 cherlich. Man kann sie auch nicht gut zu Hause auftragen, wie ein nicht mehr ganz modisches Kleid. Ihre einzige Chance und Zukunft besteht in einem Maskenball in 10 bis 20 Jahren. Auch als Spielzeug für Enkelkinder, die man an einem regnerischen Tag im Zimmer beschaeftigen muss, sind sie beliebt. . Da steht nun also so ein Cocktail oder eine tolle Riesenhochzeit auf dem Kalender und man fühlt sich nackt und elend ohne neuen Kopfschmuck und entschliesst sich, etwas Schickes, Einmaliges, Gewagt-Verrücktes anzuschaffen. Das Probieren kostet Nerven und viel Zeit und ruiniert für Tage die Frisur, Man kauft etwas viel Teureres, als man anfangs wollte, findet sich aber femme-fatalisch wunderbar aussehend und kommt mit volder juedischen Frau zukommt, weitgehendst unterstrichen. 5) Die Zionistische Bewegung wird in Zukunft ihre ganze Aufmerksamkeit auf die Loesung dieser praktischen Fragen zu lenken haben. Der Kongress hat ohne Zweifel erwiesen, dass die Zionistische Bewegung noch immer ein positiver Faktor und eine lebendige Bewegung ist. Sie muss es auch bleiben, weil sie einer Notwendigkeit des juedischen Volkes entspricht, um den geistigen und ideelen Zusammenhang zwischen den juedischen Gemeinden in der Diaspora und dem Staat Israel zu sichern Abschliessend erzaehlt mir Herr Dr. Weintraub von den erhebendsten Momenten dieses 25. Kongresses. Man spuert, wie der Eindruck noch immer in ihm nachwirkt. Da war die Eroeffnung, in der versucht wurde, die traditionelle Feierlichkeit aller frueheren Kongresse zu wahren. Da gab es die Hoehepunkte, die Reden von Ben Gurion und Nahum Goldman. Ein Abend war der 50—jaehrigen Bestehen ler Tüte und leerem Geldbeutel strahlend nach Hause. Dort wird man erst einmal von Mann und Kind ausgelacht und vom Dienstmaedchen fassungslos angestarrt Man rafft allen Mut zusammen, strafft den. Rücken mit leicht laedierter Selbstsicherheit und stürzt sich ins mindestens ebenso laecherliche Hutgewühle der ebenso verkrampften Geschlechtsgenossinnen Solange man dann in der Masse untergeht, ist die Sache ja gut zu überstehen, aber und nun wirds Ernst mit der Erzaehlung. Als Mit-Gastgeberin fand der eitle Ehemann es für seine Frau notwendig, dass sie sich für die grosse Gelegenheit eines hoechst offiziellen Cocktails einen neuen Hut anschaffe. Um der leicht ratlosen Gattin zu helfen, liess er ihr aus einem exklusiven Salon drei Zaubergebilde, beileibe nicht billig, ins Haus schicken, wovon unsere Freun din das originellste, unerhoerteste, teuerste und als kopiertes Modell angespriesene Wunderwerk von zart-duftigem Hütchen aussuchte. Sie sah bezaubernd darin aus. Kokett thronte das schaumhafte Etwas, wie eine seltene Blüte, auf ihrem Koepfchen. Ihre sie begleitenden, unbehueteten Freundinnen bekaempften tapfer den blassen Neid und betraten beschaemt an ihrer Seite den von Menschen wogenden Saal Ein schneller Blick über die Menge gab ihnen ihren moralischen Halt zurück, —es gab keine andere behütete Frau! (Spaeter tauchten zwei oder drei mutige “Vorjaehrige” auf die sich so schnell wie moeglich von ihrem Kopfschmuck trennten). Verzweifelt suchten die Augen unserer Freundin in der Menge der eleganten, dekolletierten Frauen nach einer Leidensgefaehrtin und siehe da, sie tauchte auf und ging ihr mit leicht verzerrtem Laecheln tapfer entgegen, Auf ihrem Haar thronte kokett ein duftiges Etwas, wie eine seltene Blüte, des Kibbuz Degania, des aeltesten aller Kibbuzim, gewidmet. Es war ergreifend, als Joseph Barak, einer der wenigen Üeberlebenden der Gruendergeneration des Kibbuz, seine Geschichte und seine Kaempfe noch einmal in der Erinnerung vorueberziehen liess. An einem anderen Abend wurde der. 100 Geburtstag von Henrietta Szold, der grossen juedischen Frau, die ihr Leben Israel gewidmet hat, gefeiert. Unter den Veteranen * der Zionistischen Bewegung, die am Kongress teilnahmen, ragte der 85jaehrige Jizchak Gruenbaum hervor, einstiger Fuehrer des polnischen Judentums, der mit der Vitalitaet eines 50jaehrigen Chaluz auf trat. Damit ist unser Interview beendet. Man spuert, wie gluecklich Herr Dr. Weintraub ist, dass er erneut an einem Zionistischen Kongress —diesmal als Vertreter des Jischuw von Chile— teilnehmen durfte. Wir unsererseits freuen uns, dass wir unseren Lesern einen Bericht aus erster Hand ueber dieses wichtige Ereignis im juedischen Leben geben koennen. originell und teuer—, das exakt genau gleiche, nie kopierte Modell, aus dem exakt genau gleichen exclusiven Salon. Beide Damen hatten sicherlich auch die exakt genau gleichen liebevollen Gefühle; j 748 Festteilnehmer trennten die beiden Erschütterten im Laufe des bezaubernden Abends. Spaeter wur den alle 750 zu einer Privatshow eingeladen, wo sich das Publikum zwanglos in einem Riesensaal verteilte, den wir schon dunkel betraten. Die erste hellerleuchtete Pause brachte ein schmunzelndes Vergnügen für allerdings nur 748 Beobachter. Exakt genau voreinander sassen die beiden exakt genau elegant Behüteten! Zum Tröste der Enttaeuschten beschloss man nach der Vorstellung noch auszugehen. Nein, Du irrst, lieber, Leserfreund, die andere Dame tauchte nicht im gleichen Restaurant auf. Trotzdem hat diese kleine Hutplauderei noch nicht ihren effektvollen Abschluss gefunden. Gutes Esen und feurige Getraenke hoben die Stimmung und der mittlerweile in eine Plastikhülle verbannte, und zur Zurückgabe verurteilte Hut, lag verlassen und resigniert auf dem Rücksitz des Autos. Müde und vergnügt wurde in früher Morgenstunde die er ste Gruppe Mitgenommener vor dem schlafenden Hause abgesetzt, —als ein Schrei die Stille zerriss!! Zu einer formlosen Masse zerdrückt, durch den erschwerenden Sitz einer nicht ganz leichten Dame bru— und total verdorben und getoetet, lag in der Ecke, was einst ein schaumiges Etwas, eine seltene Blüte ,ein einmaliges Gebilde von exklusiver Originalitaet, der liebevolle Beweis eines stolzen und aufmerksamen Ehemannes und der heitere Gespraecrisstoff eines lustigen Abends war. Nicht wahr dieser Hut War für soviel Spass nicht zu ^euer? K..S Herbert Freeden GEDANKEN ZWISCHEN

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