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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-03-01 · 3 (Marzo, 1961) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIII (1961)
Issue
3 (Marzo, 1961)
Date
1961-03-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Marzo 1961 BOLETIN INFORMATIVO ZWEI BERICHTE VOM ZIONISTISCHEN WELTKONGRESS IN JERUSALEM 5 Wie den Lesern des Boletín Informativo bekannt sein duerfte, hat vom 27. Dezember 1960 bis 10, Januar 1961 in Jerusalem der 25 Kongress der Zionistischen Bewegung stattgefunden, an dem dieses Mal erfreulicher weise zwei Mitglieder des deutschaprachigen Sektor in Chile teilgenommen haben: Herr Hans Aufrichtig, Vorstandsmitglied der Gemeinde in Valparaiso als Delegierter der Mapam und unser Mitglied Herr Dr. Emil Weintraub, der durch seine lang jaehrige Taetigkeit im Dienst der Zionistischen Bewegung, als energischer Praesident des Comité de Intercambio Económico Chileno-Israelí und als Schatzmeister des Vaad Hajinuj bestens bekannt ist. Die Redaktion des B. I., in dem Bestreben ihre Leser ueber den Verlauf des Kongresses eingehendst zu informieren, hat diesen beiden Delegierten fol genden Fragebogen zukommen lassen: 1) Welches waren die Hauptprobleme, mit denen der Kongress sich beschaeftigt hat? 2) Waren die Debatten mehr ideologischer oder praktischer Natur? 3) Kam der Gegensatz Ben Gurion und Nahum Goldmann auf dem Kongress zu einem spuerbaren Ausdruck? 4) In welchem Ausschuss haben Sie mitgearbeitet und welches waren die Ergebnisse seiner Beratungen? 5) Worin sehen Sie die Resultate des Kongresses fuer die kuenftigen Arbeiten der zionistischen Bewegung? Herr Aufrichtig (Valparaiso) liess uns seine Antwort schriftlich zukommen: 1) Die Hauptprobleme, mit denen sich der Kongress beschaeftigte, waren die Erziehung der Jugend in der Galuth und die Verbreitung der juedischen Kultur einerseits, und die Foerderung der Mittelstandseinwan derung andererseits. Die beiden ersten Punkte beziehen sich natuerlich auch auf den Unterricht des Hebraeischen. der juedischen Geschichte und des Zionismus und dies nicht nur bei der Jugend; waehrend das gesamte Kulturprogramm der Foerderung der Beziehungen zwischen Israel und der Galuth dienen soll. Es wurde immer wieder betont, dass die bisher geleistete Arbeit, so anerkennenswert sie sei, in keiner Weise genuege, und dass z. B. an Stelle reiner Sprachkurse in Nordamerika juedische Vollschulen, aehnlich unserer Schule in Macul tre ten muessen. Die Frage der Mittelstandseinwanderung ist auf diesem Kongress in ein neues Stadium getreten. Waehrend diese bisher zwar auf dem Programm der Zionistischen Bewegung stand, aber in der Praxis nicht vorhanden war. sind jetzt nicht nur neue Mittel dafuer bewilligt worden, sondern durch die sehr starke Industrialisierung des Landes ist die Moeglichkeit der Unterbringung solcher Familien in Arbeitsplaetze geschaffen worden. Natuerlich gehoeren dazu gewisse Voraussetzungen, wie Umschulung der nur kaufmaennisch vorgebildeten Einwanderer, ein Minimum von he braeischen Sprachkenntnissen und eine gewisse Altersgrenze, aber diese Dinge sollen eben von der Sochnut in die Wege geleitet werden. 2) Ideologische Probleme hat es auf diesem Kongress kaum gegeben, da ueber di3 zu behandelnden Fragen vom ersten Tage an Einigkeit bestand. Nach den einleitenden Referaten der ersten Tage kamen kaum neue Gesichtspunkte zu Tage, sondern es wurden fast ausschliesslich praktische Fragen eroertert. 3) Der Gegensatz zwischen Ben Gurion und Nahum Goldman war bereits vor dem Beginn des Kongresses verschwunden. Das kam ir. der grossen Rede Ben Gurions am zweiten. Tage klar zum Ausdruck. Natuerlich sind auch heute noch Gegensaetze zwischen diesen beiden Fuehrern vorhanden, aber sie wurden nur kurz in der ersten Debatterede Goldmanns erwaehnt und bezogen sich mehr auf den Akzent als auf grundsaetzliche Fragen. 4) Ich seljast habe in dem Ausschuss fuer Erziehung und Kultur mitgearbeitet, deren Ergebnisse ich bereits oben erwaehnt habe. Es gab dabei ausser technischen Fragen nur einen, wenn auch nicht unerheblichen Streitpunkt. Naemlich die Forderung der Misrachi, die Haeifte der Fonds fuer religioese Erziehung bereit zu stellen was von den anderen Parteien scharf abgelehnt wurde. Im Endergebnis kam wie immer ein Kompromiss zustande, dass zwar den Anteil der religioesen Erziehung beschraenkte, aber immerhin ihr erheblich groessere Summen zusprach, als dem Prozentsatz des religioesen Sektors entspricht. 5) Das Ergebnis des Kongresses fuer die zukünftigen Aufgaben der Zionistischen Bewegung scheint mir zunaechst darin zu liegen, dass die Ansicht gewisser Kreise, die Zionistische Bewegung sei tot, aufs klarste durch die Haltung der Kongressteilnehmer wiederlegt wurde. Der Versuch, die Juedische Agentur durch Aufnahme bisher aussenstehender Organisationen zu erweitern scheiterte an der ablehnenden Haltung derselben. Es waere dies nach meiner Ansicht nur eine Verwaesserung der Zionistischen Weltorganisation gewesen, da die finanzielle Mitwirkung dieser Organisationen in der Praxis bereits vorhanden ist, waehrend eine ideelle Mitarbeit schon daran scheitert, dass z. B. die Synagogenverbaende in Nordamerika garnicht das Menschenmaterial haben, um eine zionistische Erziehung der Masse durchzufuehren. Wenn ich persoenlich auch der Ansicht bin, dass die Parteien in der Galuth kaum eine Bedeutung in politischem Sinne haben, so sind sie doch das Werkzeug, mit dem der Zionismus seit den Zeiten der Chowewe Zion die Massen zionistisch erzogen und beeinflusst hat. Und diese fast 80-jaehrige Tradition laesst sich nicht durch Beschluesse oder Anordnungen von oben einfach beseitigen; laesst .sich auch nicht durch neue Organisationen ersetzen, solange solche nicht ihre Wirksamkeit erwiesen haben. Die Zionistische Bewegung ist stets ein Organismus gewesen, in dem einige Wenige, die mit dem Zustand der Dinge nicht zufrieden waren, die Mgsse durch Vorbild, Opfermut und neue Ideen mitgerissen haben. Diese, sagen wir einmal, Aufruehrer, gibt es heute genauso wie frueher, nur dass ein grosser Teil von ihnen in Israel fuer die Erziehung der Neueinwanderer gebraucht wird. Die Aufgabe besteht also nichtdarin, die Zahl der Scheiichim zu vermehren, sondern neue Kraefte in der Galuth und zwar unter der Jugend zu suchen, zu entdecken und zu entwikkeln. ‘ Wer dies in unpolitischer Weise tun will, vergisst, dass die Jugend von Natur aus politisch denkt und daher fuer abstrakte Loesungeri kein Verstaendnis hat. Ob diese Entwicklung durchfuehrbar ist, wird die Zukunft lehren. Die Grundlagen dafuer sind durch Beschluesse des Kongresses geschaffen worden. Das Weitere muss von den Landesorganisationen, von den Schulen und nicht zuletzt von den Jugendbewegungen geleistet werden. Dabei spielt die Haltung der Eltern und des Jischuw im Allgemeinen eine wichtige Rolle. Ansaetze positiver Art sind in Nordamerika deutlich zu spueren. Sollte so etwas nicht in Chile mit seiner alten zionistischen Tradition moeglich sein? Hoffen wir es! Herr Dr. Weintraub hingegen, traf sich mit Herrn Rabbiner Loewenstein, Mitglied unserer Pressekommission, persoenlich, um sich mit ihm ueber diese Fragen zu unterhalten. Nachfolgend geben wir seinen Bericht: “Herr Dr. Weintraub erzaehlt mir mit ‘ strahlendem Gesicht von diesem Treffen, dem 7. Kongress der Zionistischen Bewegung, an dem er Teilzunehmen Gelegenheit hatte. Vor seinem geistigen Auge ziehen noch einmal die Kongresss vorueber: Karlsbad (1923), Wien (1925), Basel (1927), Zuerich (1929, auf dem die Jewish Agency unter Leitung von Einstein und Weizmann gegruendet wurde», Prag, (1933, wo Nahum Sokolow in einer prophetische Rede die Zukunft des Judentums in Deutschland voraussagte), Zuerich (1937, auf dem der Teilungsplan der Peal-Kommission verhandelt wurde). Und schliesslich 1961 — Jerusalem. Wer an all diesen Kongressen teilgenommen hat, muss sich darueber klar sein, dass seit Bestand der Medinah ein Zionistenkongress nicht mehr dieselbe Bedeutung haben kann wie frueher. Einst war der Kongress die Tribuene des juedischen Volkes nach innen und aussen. Seine Beschluesse waren massgebend fuer die Zionistische Bewegung. Heute ist der Inhalt ein anderer geworden. Und damit sind wir schon bei der ersten der Fragen:’’ 1) Da die zionistische Bewegung sich in einem Uebergangsstadium befindet, konnten keine ideologischen Formulierungen gesucht und gefunden werden. Der Kongress musste sich in erster Linie mit praktischen Aufgaben befassen. Von ihrer Bewaeltigung haengt in vielen Laendern der Bestand des Judentums ab. Besonders gilt dies fuer die Laender des suedamerikan ischen Kontinents. Leider ist der religioese Faktor hier nicht ausschlaggebend. Darin ist die Situation anders als in U. S. A. Die Zionistische Bewegung in Suedamerika hat die wichtige Aufgabe, fuer die Erhaltung des Judentums zu sorgen und die Einheit der Diaspora mit Medinat Israel zu sichern. Schliesslich muss die Initiative von einer Institution ausgehen, um den Bestand von Kultur, Sprache und Tradition zu gewaehrleisten. Die Diaspora muss die selbe Sprache sprachen wie Israel. Das waren Probleme, mit denen sich der Kongress beschaeftigte. Weiterhin wurde die Frage der Alij ah behandelt. Es herrschte Einmuetigkeit darueber, dass der Staat eine seinen spezifischen Notwendigkeiten entsprechende Einwandererung braucht, wie z. B. Techniker, Ingenieure, Chemiker, Wissenschaftler, Lehrer fue hoehere Schulen, etc. Die Mittelstandsalijah ist von ausserordentlichem Wert. Sie stellt jedoch di^ Zionistische Bewegung vor neue schwere Aufgaben, wei) die Einordnung dieser Menschen nicht leicht ist. Obzwar sie zumeist mit geringem Kapital kommen, geben sie eine Existenz auf. Sie brauchen Anleitung und Beratung vom Moment ihrer Ankunft an bis zu ihrer endgueltigen Etablierung. Wenn sie ihr Kapital nicht zweckentsprechend anlegen, besteht die Gefahr, dass der Einwanderer sich wieder in einen Auswanderer verwandelt. 2) All das bestimmte die praktische Natur der Debatten. Selbstverstaendlich wurden die dabei eroerterten Fragen oftmals vor einem weltanschaulichen Hint e r - grund behandelt, je nach der Parteizugehoerigkeit des Redners. 3) Schon vor Beginn des Kongresses hatten Ben Gurion und Nahum Goldmann eine Abmachung getroffen, ihre Polemik auf der Konferenz selbst nicht weiterzufuehren. Es herrschte Einmuetigkeit darueber, dass e» in diesem Augenblick wichtiger sei, zur praktischen Arbeit zu schreiten, als Definitionen zu geben. In einem Punkt hat allerdings die Rede von Ben Gurion grosse Missverstaendnisse hervorgerufen, die auch in den nordamerikanischen Zeitschri f t “Time’ ihren Widerhall gefunden haben. In Wirklichkeit gingen seine Auszehrungen nur darauf hinaus, dass der religioese Jude sich in Medinat Israel am besten juedisch ausleben koenne. denn dort wuerden vieic Faktoren wegfallen, die ihm das religioese Leben anderswo erschweren. 4) Herr Dr. Weintraub berichtet mir, dass er im Ausschuss fuer Erziehung mitgearbeitet hat. Erneut wurde die juedische Erziehung als eine der wichtigsten Aufgaben eines jeden juedischen Hauses angesehen. Die Pflicht, die Kinder zur juedischen Schule zu schicken, ist von entscheidender Bedeutung fuer den Bestand des Judentums in der Galuth. Sie kann die Einheit zwischen Israel und der Golah sichern. In der Pflege der Tradition und des juedischen Lebens im Hause wurde eine der wichtigsten Funktionen der Erziehung gesehen. Dabei wurde die hervorragende -Aufgabe, die (Fortsetzung Seite 6) 71/OTGB

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