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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-02-01 · 2 (Febrero, 1961) · p. Seite 8

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8 BOLETIN INFORMATIVO Febrero 1961 r MAX BRODS AUTOBIOGRAPHIE C. S. Den Kennern der erzaehlerischen Arbeiten, die Max Brod in seinem sechsundsiebzigjaehrigen. Dasein veroeffentlicht hat, wird es nicht entgangen sein, dass sich die Urbilder vieler Gestalten auf Zeitgenossen, denen er begegnet ist, zurückführen lassen. Da der pro. duktionsfrohe Dichter von 1884 bis 1939 dauernd in der von künstlerischen Begabungen wimmelnden ,an drei Nationalitaeten sich reibenden Stadt Prag gelebt hat, bildet ihre auch politisch flimmernde Atmosph a e r e fast immer den impressionistischen Hintergrund. So in “Jugend im Nebel”, “Beinahe ein Vorzugsschüler”, “Der Sommer, den man zurück, wünscht”, “Stefan Rott”, in dem Redaktionsroman “Rebellische Herzen”, in “Mira” und in der noch unveroeffentlichten Erzaehlung “Die Rosenkoralle”. Diese Werke sind jedoch nach dem Formgesetz der freischaffenden Phantasie aufgebaut und von dichterischen Einfaellen durchsetzt. Die soeben im Umfang von 544 Seiten mit einer brillanten Portraetphotographie des Verfassers versehene Autobiographie “Streitbares Leben”* unterscheidet sich von ihnen grundsaetzlich dadurch, das sich Max Brod vorgenommen hat, “die Wahrheit und nichts als die reine Wahrheit zu geben, soweit ich mich ihrer erinnern kann und soweit es ueberhaupt menschenmoeglich ist, sie in Worten nachzubilden. Der Erfindung wird also hier aus dem Wege gegangen”. Obwohl das Buch demnach dokumentarischen Charakter besitzt, bewegt sich sein Schoepfer in dem ihm neuen Revier der Wirklichkeit so grazioes, so heiter und so beweglich wie in den luftigeren Gefilden der dichterischen Vision. Bei der zu Vertraeglichkeit und kameradschaftlicher Kontaktnahme bereiten Na. tur von Max Brod erweckt der Titel “Streitbares Leben” zunaechst Verwunder u n g, Wie der ihm wesensverwandte Stefan Zweig, so hat auch er sich neuen Begabungen gegenüber immer hilfsbereit gezeigt und aus seiner pazifistischen Stimmung nie ein Hehl gemacht. Die Begriffe “Verehren” und “Helfen” sind zu Grundpfeilern seiner Lebenshaltung gewo r d e n, und er hat sie nicht nur in seinem zweibaendigen weltanschaulichen Hauptw e r k “Diesseits und Jenseits” (1947-1948) theoretisch er. klaert, sondern auch mit Enthusiasmus praktiziert. Er gesteht denn auch, zum Po. femiker sei er nur widerwillig geworden. Das Erdbeb e n zweier Weltkriege, der Untergang deaJ oesterreichischen Monarchie, die sich bis nach Prag erstreckte, sowie die 1Besitzergrep|fung des tsche. chischen Staate durch die Hakenkreuzarmee haben Max Brods Generation spüren lasse, dass, die Menschheit noch weit entfernt ist vom Paradiesischen Zustand der ewigen Friedens. Doch auch von literarischen Fehden mit prominenten Kollegen berichtet er in seiner nicht streng chronologischen Selbstdarstellung ausfü h rlich, so in bezug auf den ihm persoenlich unbekannt gebliebenen Karl Kraus, den er des Antisemitismus und wuerdeloser Attaken gegen einstige Günstlinge bezichtigt. Unter ihnen hatte auch - der zuerst von ihm protegierte Franz Werfel zu leiden. Die. sen feurigen Rhapsoden, der das Einander.Freude-Machen als schoensten Menschenberuf bezeichnet hat lernte Brod als neunzehn] aehrigen Jüngling in Prag kennen. Vertrauensvoll wurde er gemeinsam mit dem Dichter Oskar Baum, der mit nur einem sehenden Auge zur Welt gekommen war und als elfjaehriger Gymnasiast bei einer Prügelei auch dieses nobh verloren hatte, in den Freundschaftsbund auf g e. nommen, zu dem sich Max Brod und Franz Kafka zusammengeschlossen hatten. An Sonntagen hoerten sie Werfel irgendwo unter Waldbaumen im Adams. Avantgardisten in das Exemplar des “Weltfreunds” rezitieren. Dann wieder begegneten sie einander in spiritis. tischen Sitzungen. Aus Begeisterung für Werfels Lyrik las Brod 1911 an einem Lite, raturabend in Berlin die Gedichte des jüngeren Kollegen statt seiner eigenen vor; auch verschaffte er ihm den Daenen Axel Juncker als ersten Verleger. Die handschrift" liehe Widmung, die Werfel seinem Avantgardisten in das Exempler des “Weltfreund” geschrieben hat: “Einsam bin ich nicht mehrich jauchze, dass wir uns haben.”, bezeugt, wieviel er ihm damals bedeutet hat. Spaeter sind bis zu der kurz von Werfels Tod (1945) er. folgten Versoehnung zwischen ihnen heftige Zwiste entbrannt. Die Kraus-Affaire be* gann, wie Brod schreibt; “ihre Fledermausflügel auszuspannen”. Interessan ter mutet aber die Begründung an, dass Werfel christlichdogmatisch, Brod hingegen unter dem Einfluss des Pbilost(phen Hugo Bergmann und des jetzt in Jerusalem als Bibliothekar taetigen Félix Weltsch aktiver Zionist war. Mit der gleichen Radikalitaet mit der Brod für Richard Wagner sehwaermte, zerriss Werfel den Loewen von Bayreuth in seinem witzigen Mundwerk, um statt seiner Verdi in den Himmel zu he. ben. Die Gestalten vieler anderer Schriftsteller tauchen in dem Buch auf, manche, wie die Brüder Mann, eher blaesslich gezeichnet, andere, wie der chronisch verschuldete Detlev von Liliencron, der den Zechkumpanen in Prag seine maennlichen Verse mit schlechtsitzendem Gebiss vorzuspucken pflegte, oder der skandalumwitterte ehemalige Bankier Gustav Meyrink, dessen spukhafte Kurzgeschichten Brod eine Zeitlang mehr faszinierten als der “Golem”, auf wenigen Seiten markant portraetiert. Man spürt dem Verfasser des “Streibaren Leben” die Lustan, zum Entdecker grosser Talente zu werden, wenn er über Jaroslaw Hasek den originellen Schoepfer des “Guten Soldaten Schwejk”, der durch sein wurstigen Ja-sagen den Krieg grinsend um. bringt”, berichtet. Er sah ihn 1918 zum erstenmal waehrend einer Wahlrede für die von ihm gegründete “Partei des gemaessigten Rückschrittes im Rahmen der Gesetze”: ein blasser Mann, der über dem Vollmondgesicht eine kosakische Fellmütze aufgestülpt trug. Bald darauf schrieb Brod ueber Hasek, der fuer ein Glas Pilsner Bier saemtflche Rechte eines Werkes an einen Theaterdirektor abgetreten hatte, ln einer heute prophetisch anmute n d e n Kritik: “Hasek ist ein Humo. rist des allergroessten Forma* tes, den mit Cervantes und Rabelais zu vergleichen vielleicht einer spaeteren Zeit nicht allzu gewagt erscheinen wird”. Als Hasek diese Worte las, meinte er schmun. zelnd zu einem Freund: “Bisher war nix mit mir. Aber jetzt, wo das ein Jud in die Hand nimmt, jetzt werdet’s ihr sehen!”. Auch die schweizerische Literatur ist Max Brod zu Dank verpflichtet. Von Prag aus, das Liliencron in seiner autobiographischen Versdich tung “Poggfred” als “ein Goldnetz von Gedichten” geschildert hat, ist er seit 1912, als er in seinem Essayband “Ueber die Schoenheit haesslicher Bilder” auf Robert Walser aufmerksam machte, bis zu dessen frühzeitigem Verstummen in einer appenzellischen Heilanstalt ein trotzig treuer Bewunderer des Dichters geblieben, ohne ihn je persoenlich kenengelernt zu haben. Walser, dessen eigenwilliges Genie, die Welt bald kindlich-heiter, bald daemonisch-hintergründig zu schildern, Josef Viktor Widmann und Franz Bleizuerst gewittert haben, durf. te auf Brod als Abnehmer seiner Gedichte auch dann noch zaehlen, als sie immer skurriler wurden und Brod als Feuilleton-Redaktor des “Prager Tagblatts” auf den Rüffel des Chefs gefasst sein musste, dass er mit ihrem Abdruck die Leser langweile. Da echte Liebe erfinderisch ist, verfiel Brod auf den Trick, sich am Montag krank zu stellen, wenn er fuer die Sr/antagsbeilage wieder eine dieser missliebigen Arbeiten aus der Schweiz in Satz ge. geben hatte. Als Walser in den zwanziger Jahren die Absicht hegte, einen zweiten Gedichtband bei einem Verleger unterzubringen, war es ihm angenehm, an Brod ei. nen Befürworter zu haben. In einem derben Brief schrieb er ihm: “Ich bin immer frohbewegt, d. h. ein. verstanden, wenn Sie mich gelegentlich dem Lausbuben empfehlen wollen, der wie jeder übrige Verlegerschnuderbub, vor Gedichten zit. tert, was man ja begreifen kann. Wenn Sie dem. schreiben, so tun Sie’s bitte sehr kurz, ernst, grobzügig, lieber prahlerisch als irgendwie bittend. Die Schriftsteller, die eine Lumpenbande in der Verleger Augen sind, sollten mit Letzteren wie mit räudigen Schweinen umgehen”. Im “Streitbaren Leben” kann man nachlesen dass es Franz Kafka war, der Brods Verehrung für Robert Wal. ser entzündet hat. Viele seiner Kurzgeschichten hat ihm Kafka mehrmals voll entzück ter Heiterkeit vorgelesen. In einem eigenen, “Leben mit Franz Kafka” betitelten Kapi tel wird auch sonst manches Zusaetzliche zu den Einzelstudien, zur unvergaenglichen Biographie und zu den die Herausgebermethoden betreffenden Polemiken mitgeteilt, die Brod über Kafka, mit dem ihn zweiundzwanzig Jahre lang innigste Freund, schaft verbunden hat, und über sein literarisches Werk veroeffentlicht hat. Dass er seinen “Gewissensrat” als erster immer wieder zur Herausgabe der Früharbeiten gedraengt hat und es schliesslich zustande brachte, dass 1913 der Band “Betrachtungen” erschien, bleibt ihm un_ vergessen. Aus Dankbarkeit hat drei Jahre spaeter Kafka bei einem für ihn arrangierten Vortragsabend zuerst Ge. dichte von Brod gelesen, bevor er die Zuhoerer mit seiner eigenen Erzaehlung “In der Strafkolonie” bekannt mach, te. Der ganze Band ist in drei grosse Abschnitte eingeteilt: die Zeit bis zum Ersten Weltkrieg —die Fortführung die. ses Berichtes, der die Studentenzeit, die Entdeckungen origineller Begabungen und den Versuch einschliesst, den spaeteren Praesidenten Masaryk via Italien zu einer Friedensvermittlung, im Ersten Weltkrieg zu bewegen- sowie der nahezu hundert Seiten beanspruchende Be r i c h t “Rettung”, der so betitelt ist, weil Max Brod buchstaeblich am 14. Marz 1939 mit seiner Frau im letzten Zug den anrückenden Nazis aus Prag entwischen und in Israel ei. ne neue, nun endgültige Heimat finden konnte. Wie er dort die religioesen und philosc|phischen Grundprobleme zu studieren begann, bis heute Dramaturg der “Habimah” blieb und die hebraeische Sprache erlernte, veranschaulicht eindrücklich sei. nen optimistischen Lebenstrieb. Aber so viele promi. nente Persoenlichkeiten in diesem Band auch genannt und geschildert werden —ein achtseitiges Namenregist e r verweist auf die betreffenden Stellen—, so scheint uns doch das Juwel dieser Memoiren das Kapitel “Kinder, zeit” zu sein. Es wirkt klassisch schoen und ruehrend auch deshalb, weil von die. sen Gestalten so entsetzlich viele in den Konzentrationslagern vergast worden sind. Die leidenschaftlich-schoene, daemonische und autoritaere Mutter, der nachgiebig-wei. che, kultivierte Vater haben dem Sohn voelig widersprechende Erbmassen mitgegeben. Viel Humoristisches wird da berichtet —Humor durch Traenen auch: wie beispielhaft tritt er in diesem Buch hervor! So dort, wo von der bezaubernden Cousine erzaehlt, für die der zwoelf jährige Max Brod in das “schmutzige Wasser tri. v i a 1 ster Gebrauchsmusik” heruntersteigen musste, indem sie ihn immer wieder quaelte, er moege ihr am Klavier ihr Lieblingslied “Mein liebster Jodler” Vorspielen. Um nach dem belohnenden Streicheln ihrer Hand auch einmal einen veritablen Kuss auf ihre pfirsichzarten Bakken hauchen zu koennen, musste er das Lied zwanzigmal hintereinander vortragen— mit dem Resultat, dass er den Kuss doch nicht bekommen hat. (“Neue Zürcher Zeitung”) ZENTRALHEIZUNG denken Sie schon jetzt an dem Winter Einbau von Zentralheizung in bestehenden Hauesern Umbau auf vollautomatische Üelheizung Warmluft - Petroleum Oefen fuer kleinere Haeuser alle einschlaegigen Arbeiten Kostenlose Beratung Rasch - Sauber - Preiswert ALFONSO WOLF CLIMAS SOG. LIRA. Nueva York 53 49 piso Tel, 83081 Casilla 4078 355

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