Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXII (1960)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1960)
- Date
- 1960-11-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 BOLETIN INFORMATIVO Noviembre 1960 PROF. HEUSS UEBER DEMOKRATIE Wti fe/rea, Awtetf,! JUDEN AUS LATEIHAMERIKA Auf Einladung der Professoren Buber, Bergmann, Simon und Schalom sprach Professor Theodor Heuss am 9. Mai im Wise-Auditorium der Jerusalemer Universitaet über das Thema: “Selbstgestaltung der Demokratie”. Das grosse Auditorium war von vielen hundert Hoerern überfüllt, die die Gelegenheit benutzen wollten, um den ersten Praesidenten der Deutschen Bundesrepublik, eine repraesentative Gestalt des geistigen Deutschland, zu hoeren und den Eindruck seiner Persoenlichkeit zu empfinden. Führende Persoenlichkeiten des staatlichen und des wissenschaftlichen Lebens und viele hundert Gaeste aus allen Teilen des Landes, vor allem aus den Kreisen der deutschen Alija, hatten sich diese Gelegenheit einer Begegnung nicht nehmen lassen. Er war ein Auditorium besonderer Art, und es war ein Zusammentreffen von eigener Atmosphaere in dieser Stadt Jerusalem, im Bezirk der Hebraeischen Universitaet, die ihr geistiges Zentrum bildet, in unseren Tagen und unter dem Eindruck all des Vergangenen und einer lebendigen Gegenwart, deren Traeger ebenso sehr der deutsche Gast wie seine Hoerer waren. Diese 'Stimmung der Zusammenkunft fand ihren Ausdruck schon in den einleitenden, hebraeisch gesprochenen und sodann von ihm ins Deutsche übertragenen Worten Professor Martin Bubers, in denen er vor allem den Menschen Heuss begrüsste, den Mann, der nach Hitler kam. Buber erinnerte daran, dass er selbst, wie Prof. Heuss, den gleichen Friedenspreis erhalten habe; er schilderte in zum Herzen des Gastes wie zum Herzen der Hoerer sprechender Art, wie in der Stunde der Verleihung des Preises in der Frankfurtes Paulskirche Professor Heuss neben Bubers verstorbener Lebensgefaehrtin sitzend mit ihr zusammen für ihn jenes andere Deutschland symbolisierte, dem er für den Preis zu danken hatte. Buber schloss seine Ansprache mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit des Gespraeches zwischen zwei Demokratien, wollen doch die Menschen in Israel, denen ein Auftrag geheissen und verheissen worden ist, die Worte von Prof. Heuss als den Beginn eines solchen Gespraeches vernehmen. Prof. Heuss hielt hierauf einen durch vielseitige Ausblicke auf die Entwicklung der wissenschaftlichen Theorie von Staat und Volk wie auf die Probleme des deutschen Lebens einerseits, des Judentums und Israels andererseits in vielen Farben schillernden Vortrag, in dem er sich erneut und mit starker Emphase als Vertreter eines liberalen Geistes darstelte, der nicht in der Abstraktion wirken will, sondern in der Realitaet des Lebens und angesichts seiner Komplikationen. In den Worten des Vortragenden kam seine tiefe Berührung von der Atmosphaere des Ortes und der Stunde zum Ausdruck, der Atmosphaere des geschichtsbeladenen Jerusalem in der Zeit der Rückkehr seines alten Volkes und seiner Sammlung in einem jungen Staate. Die Wechselbeziehungen zwischen Staat und Volk standen im Zentrum der Ausführungen, die Probleme der Befehlsgewalt des Staates und des Gehorsams-Anspruches, die Notwendigkeit einer Rechtsbindung und die daraus sich ergebende demok r a tische Grundforderung, dass der Herrschaftsauftrag auf Frist gegeben, vom Volke an einen bestimmten Termin gebunden wird. Prof Heuss unterstrich den weitgehend zivilen Inhalt der Befehlsgewalt, die nicht auf den militaerischen Bezirk beschraenkt ist, obwohl er andererseits in einem anderen Zusammenhang etwa die Bedeutung des Deutschen als Kommandosprache im Heer des alten Oesterreich und damit als eines konstituirenden Elementes für den s t a atlichen Zusammenhalt mit der hebraeischen Kommandosprache im Heer Israels und ihrer Bedeutung verglich. Prof. Heuss eroerterte die Ungewissheit, die im Begriff des Volkswillens und Volksgeistes liegt und wies auf die Verfaelschung der Demokratie, hin, die dann zum Vorschein kommt, wenn “Waehlen” nicht mehr “Auswaehlen” bedeutet, und wenn etwa das Resultat einer Wahl, wie heute in Ost-Deutschland und einst in Nazi- Deutschland, nahe an die Einstimmigkeit heranführt. Dann stehen wir vor dem seelischen Ende aller Demokratie, deren elementarer Liberalismus die Moeglichkeit der individuellen Entscheidung postuliert. Die enge Verwandtschaft zwischen Demokratie und ethischen Vorstellungen wurde von Heuss durch das Schlaglicht beleuchtet, dass die Entziehung des Wahlrechtes im Strafrecht verankert ist. Prof. Heuss eroerterte die Entwicklung der Demokratie seit dem 18. Jahrhundert und unterstrich ihre zugleich sammelnde und sprengende Funktion unter dem Einfluss des Nationalismus unserer Zeit. Von hier aus fand er den Weg zur Behandlung einer Reihe von Erscheinungen des jüdischen Lebens. Er wies u. a. auf die Merkwürdigkeit des orientalischen Charakters der modernen Synagogenbauten hin, die im Gegensatz zu manchen alten gotischen Bauten dieser Art stehen und eine Problematik im Bewusstsein der Emanzipationszeit anzeigen. Er unterstrich auch vor diesem Kreis, dass die deutsche Sicht darin zu bestehen habe, sich der Leistungen von Juden in der deutschen Geschichte zu erinnern und zugleich der Leiden all der Ungezaehlten. In diesem Zusammenhänge knüpfte er erneut an das von ihm gepraegte Wort von der “Kollektiv-Scham” der Deutschen an. In der Rückkehr der Juden in ihr altes Land sieht er vor allem den Ausdruck der Heimatsehnsucht. das Streben nach einer Geborgenheit, die man entbehrt hat. Mit einer Bemerkung über den Wert der Moeglichkeit, politische Entscheidungen der richterlichen Prüfung zu unterziehen, die in den modernen westlichen Verfassungen niedergelegt ist und eine Schranke gegen den Missbrauch der Macht in der Demokratie bildet, schloss Professor Heuss seine Vorlesung. Im Namen der veranstaltenden Gruppe von Professoren, die auf dem Podium Platz genommen hatten, Es sind nicht mehr als 1,25%, \des lateinamerikanischen Judentums nach Israel gewandert. Auch mit dem besten Willen ist es schwierig, diese Zahl als ausreichend zu betrachten. Dennoch muss man daran denken, dass bei entsprechender Alija der Juden der Vereinigten Staaten mehr als 65 000 Olim aus den USA eingetroffen sein müssten — diese Erklaerung eines der Repraesentanten der lateinamerikanischen Judenheit in Israel fasst die Situation in kurzen Worten. Die fast 8.000 lateinamerikanische Olim, die die Küste des Landes bis jetzt erreicht haben, sind alle zu einem konstruktiven Element geworden, das sich ohne jede Schwierigkeit aus eigener Kraft in den Wirtschafts¬ und Lebensprozess des Staates Israel eingeordnet hat. “Legenden” gemaess kam der erste argentinische Oleh im Jahre 1904 ins Land. Er gehoerte zu den Gründern des ersten Moschaw Owdim. Aber die, welche ihm folgten, sind kaum zu benennen. Erst am 13. Oktober 1945 brach der grosse Tag des lateinamerikanischen Zionismus, genauer gesagt, der chaluzischen Jugend an, als die Jewish Agency diesen Gruppen zehn Zertifikate zuteilte und die erste Gruppe von “Meschuggenen”, wie man sie damals nannte, nach Palaestina abreiste. Mit dem Ausbruch des Unabhaengigkeitskrieges ging eine Welle der Begeisterung durch die jüdische Jugend Lateinamelikas. und grosse Gruppen von Freiwilligen trafen in Israel ein. um im Zahal zu dienen und den jüdischen Staat zu verteidigen. Im November 1948 trafen in Tel Aviv die Vertreter der lateinamerikanischen Judenheit im Lande zusammen, schufen eine Vereinigung und begannen Beratungen darüber, wie man die Einordnung der Jugendlichen, die sich schon sehr zahlreich im Lande befanden, in die Wege leiten koenne. Trotz aller moeglichen Beschlüsse konnte auch der neue organisatoridankte Prof. Ernst Simon für diesen Vortrag. Simon schilderte die Rolle von Heuss in den Jahren der Verfolgung und unterstrich, dass Kollektiv-Scham eben von jenen empfunden wird, die persoenlich keine Schuld tragen. Er gab einen kurzen UHREN REPARATUREN Garantie — Economie SALO SPIEGEL 434 Mac Iver 434 FANTASIAS REGALOS Teléfono 393684 sehe Rahmen nicht verhindern. dass ein sehr beträchtlicher Teil der Freiwilligen nach beendetem Militaerdienst Israel wieder verliess um zu “den Fleischtoepfen” Lateinamerikas zurückzukehren. Dagegen setzte nun aber die chaluzische Alija mit Macht ein. Dror, Haschomer Hazair und Hanoar Hazioni begannen Menschen zu senden. 1949 entstand der erste lateinamerikanische Kibbuz im Landessüden, an der Grenze der Gazazone — Mefalsim, Gaasch, Ejn Haschloscha, Kissufim, Mewo Betar folgten. Lateinamerikaner bildeten die Mehrheit in vielen bereits bestehenden Siedlungen oder in solchen, die gerade entstanden. Viele Orte gab es, in denen sie, gemeinsam mit anderen Einwan d e r e rgruppen, Ausgezeichnetes leisteten und leisten. In Or Haner und Uscha, in Bachan, Bror Chajil Gat, Dwir, Jad Mordechai, Maabaroth, Mezer, Negba, Nir Jizchak, Saad Ewron, Ejn Hachoresch, Ejn Zurim, usw, sehen wir heute die lateinamerikanischen Jugendlichen an der Arbeit, hoert man ihr singendes Hebraeisch das sofort verraet, woher diese Menschen kommen, 40 Kibbuzim und Moschawim haben sie ihren Stempel aufgedrückt. Fast 4.000 von ihnen leben in den Siedlungen, arbeiten in der Landwirtschaft, mehr als 400 in Beer Schewa und den anderen Orten des Negew. Fast 400 befinden sich in Kfar Argentina, heute Nir Zwi genannt, das als erste wahrhafte Mittelstands-Siedlung angelegt, jedem Siedler ein ~ anstaendiges Wohnhaus, 28 Dunam Boden, darunter fünf Dunam Pardess bot und in dem man sich heute hauptsaechlich mit V i e hzucht Huehnerzucht und Zit r u sfrüchten beschaeftigt. 90% der Bewohner dieses Ortes kommen, wie der Name sagt, aus Argentinien, aber es gibt auch einige, die aus den anderen Laendern Ibsro- Amerikas stammen. 40 Aerzte kamen bisher aus Lateinamerika nach Is¬ Ueberblick über das anonyme Werk, das Prof Heuss in Deutschland im Widerstand gegen das Regime des Unheils geleistet hat, und schloss mit dem Vortrag eines Gedichtes aus der Feder der verstorbenen Gattin des Gastes, in welchem die Gedanken der Humanitaet zu geformtem Ausdruck kamen, rael. Der allergroesste Teil von ihnen ging in den ersten Jahren nach ihrer Ankunft in den Negew. Wir finden in den Siedlungen und ln Beer Schewa junge Mediziner in hingebungsvoller Arbeit beschaeftigt, dort, wo soviele andere Olim es rundweg ablehnten zu arbeiten. Einen nicht unbetraechtli— chen Teil dieser jungen Akademiker stellte Chile, das mit 650 Olim an dritter Stelle der Ursprungslaender der lateinamerikanischen E i nwanderer sieht. Uebrigens ist hier zu erwaehnen, dass die chaluzische Jugendbewegung in Chile von einer Gründung mitteleuropaeischer Jugendlicher ausging, die, kurz vor dem zweiten .Weltkrieg in Chile eingetroffen, hier Ersatz für ihre Jugendbünde in Deutschland schufen und eine erstklassige Organisation aufbauten, der die lateinamerikanische Alija viel verdankt. Nach den jungen Chaiuzlm aber kamen auch deren Eltern. Damit begann die Notwendigkeit, auch Arbeitsplaetze in den Staedten zu schaffen. Grosse Gesellschaften entstanden, so die “Arpalsa”, welche die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Israel und Lateinamerika foerdert, und eine Reihe von Tochtergesellschaften dieser Wirtschaftsorganisationen. Und dennoch wird noch viel zu wenig für die Intensivierung dieser Alija getan. Hier ist eine Judenheit, die erst ln der zweiten, hoechsrens dritten Generation in diesen Laendern lebt, meistens sogar noch in der ersten. Die Assimilation ist noch nicht tief eingedrungen Die Verbindung mit dem Judentum ist tief und stark, die Liebe zu Israel echt. Mit einer ernsthaften Bearbeitung durch die geeigneten Behoerden, mit wirklichem und ehrlichem Verstaendnis für die Probleme »des Mittelstandes koennte hier eine Alija ins Land gebracht werden, die in kurzer Zeit die lateinamerikanische Bevoelkerungsziffer m Israel von 8.000 verzehnfachen würde. (“Juedische Wochenschau”! denen das Leben und Werk von Heuss gewidmet ist. Diese Zusammenkunft mit dem hervorragenden deutschen Gast war eine vor allem durch ihren emotionellen Eindruck bemerkenswerte Stunde für die ihren Initiatoren Dank gebührt. (“Semana Israelita”) OSSELS Einziges Spezialgeschaeft für Autoradios und Aufoantennen REPARATUREN AV. ANTONIO VARAS 2597 — TELEFON 41754