Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXII (1960)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1960)
- Date
- 1960-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Noviembre 1960 BOLETIN INFORMATIVO 5 EDMOND DER ZWEITE ZU VDN DR. ABNER NECHUSCHTAN, TEL-AVIV BESUCH Mayer Amschel Rothschild aus der Frankfurter Judengasse braucht dem geneigten Leser kaum vorgestellt zu werden, und den Juden hier, in ihrem eigenen Land und Staat, ebensowenig jener Enkelsohn des Ahnherrn der weltbekannten Bankierfamilie, Edmond, der vor einem Jahrhundert zum Chef ihres Pariser Bankhauses wurde, und beilaeufig zum Wohltaeter der ersten von Zionstraeumen ins unwirtliche Palaestina der Tuerkenzeit getriebenen Kolonisten. Ihre dankbaren Engel haben den grossen Maezen an der Kueste des Mittelmeeres, auf halbem Wege zwischen Haifa und Tel-Aviv, ein Denkmal in dem prunkvoll gebauten Nationalmuseum gesetzt, in dem seine Gebeine ruhen, und begruessten soeben seinen Enkelsohn, Baron Edmond den Zweiten stuermisch, da er wieder — zum fuenften Mal innerhalb weniger Jahre hierherkam. Kann es Wunder nehmen? Einer unsichtbaren Gloriole gleich, umgibt den Vierunddreissigjaehrigen der Strahlenglanz einer Familienueberlieferung, wie ihr unter Juden vielleicht nur die davidsche Tradition aus biblischer Zeit gleichkommt. Der junge Mann laesst in seinem sympatisch zurückhaltenden Auftreten, mit einem roetlich blonden Schnurrbaertchen in dem liebenswerten, aber keineswegs sonderlich bedeutend wirkenden Gesicht allerdings wenig von der Wuerde und Buerde dieser Geschlechter.- kette spueren. Auch kam er nicht nach Israel, um sich feiern zu lassen. Zwar hat er vom gleichnamigen Grossvater die Bereitschaft geerbt, als Philanthrop zu wirken, aber mindestens so sehr, scheint es, den unternehmerischen Genius, der dem fast sagenhaften Ahnherrn nach der Schlacht von Waterloo bekanntlich die Idee eingab. mehrere Postkutschenpferde im Rennen an den Aermelkanal zu Tode peitschen zu lassen, um auf der Londoner Boerse Kursgewinne in ebenso sagenhafter Hoehe einzuheimsen, Der Urenkel kontrolliert von Paris oder Genf, seinem zweiten Wohnsitz aus, seine schwer uebersehbare Zahl europaeischer Banken und anderer Konzerne, in weiter Verzweigung. Und er beschloss schon vor mehreren Jahren, sich mittels seiner Tri-Continental Pipeline Ltd. hierzulande an der Wiederingangsetzung der Oelraffinerieen von Haifa zu interessieren, die seit dem Jahr der israelischen Staatsgruendung, 1948, als die Araber die Rohoelzufuhr aus dem Irak unterbrachen, nur mit ca. 30 Prozent ihrer Kapazitaet arbeiten. Auf Grund einer Konzession, die er sich fuer 49 Jahre von der Regierung David Ben Gurions fuer diese Limited ¡geben, liess, wurde auf seine Kosten, mit einem Aufwand von etwa 24 Millionen Dollar, eine Oelleitung im Rohrdurchmesser von immerhin 16 Inch ueber 413 Kilometer vom suedlichsten Landespunkt, der Hafenstadt Elath am Akabagolf, bis nach Haifa gebaut. Jetzt kam er, um dies Leitungswerk nach der Fertigstellung zu uebernehmen. Es vermag momentan - jaehrlich etwa 1,9 Millionen Tonnen Rohoel aus Tankern, die vom Persischen Golf her das Rote Meer durchsegeln, in die Raffinerieen zu pumpen und wird das Jahresquantum auf 5,8 Millionen steigern — natuerlich unter der Voraussetzung, dass dort unten keine aegyptischen Stoerungsversuche erfolgen. Traegt dies Engagement ausschliesslich geschaeftlichen Charakter, so sind wirtschaftliche und nichtwirtschaftliche Elemente eine schwer auseinander zu haltende Verbindung in dem zweiten Projekt eingegangen, das zu den unmittelbaren Ursachen der jetzigen Israelreise des jungen Barons gehoerte. Seine “Caesarea DeveLopment Corporation” will den Kuestenstrich rund Die endlich erfolgte Annahme des Bodengesetze durch die Knesseth und die Zeichnung des Vertrages zwischen dem Keren Kayemeth und der Israel-Regierung wurden von der Israel-Presse als ein Ereignis von grosser ideologischer und praktischer Bedeutung angesehen. In der Tat, die neue Gesetzgebung macht das Agrar-Regime in Israel zu einem der fortschrittlichsten der Welt. Wollen wir einmal ganz kurz vier entscheidende Punkte dieser Gesetze herausgreifen: 1) Das K. K. L. Grundprinzip, dem zufolge der Boden niemals verkauft werden, sondern nur in Pacht vergeben werden darf, fand bisher seine Anwendung nur auf die Laendereien des Fonds. Jetzt ist dieser Grundsatz, der auf der Bibel basiert, auf alle oeffentlichen Laendereien in Israel, d. h, auf 90% des Staatsterritoriums ausgedehnt worden. In anderen Worten, die Idee des K. K. L. hat den Staat “erobert”. Was Visionaere wie Rabbi Zwi Kalischer, Moses Hess und Prof. Hermann Schapira einmal getraeumt hatten, wird jetzt im nationalen Masstab verwirklicht. Die Bodengesetze sind eine Rechtfertigung der Ideologie des Fonds und eine Anerkennung seines Wirkens, das sich ueber zwei Generationen erstreckt. 2) Gemaess der neuen Gesetzgebung wird die Verwaltung der Boeden des Staates und des K. K. L. in einer Behoerde vereinigt werden, dem Bodenverwaltungsamt, das dem Minister fuer Landwirtschaft unterstellt wird, ohne dass einer der beiden Partner dass Eigentumsrecht an seine Laendereien verliert. Das Amt wird einen Beirat von 13 Mitgliedern haben, von denen sieben von der Regierung und sechs vom K. K. L. eingesetzt sind. Jedwede Ueberschneidung in der Bodenverwaltung, wie sie in um die uralte, von Herodes im Jahre 12 v.Chr. geschaffene und Jahrhunderte spaeter von den Kreuzfahrern befestigte Hafenstadt aus ihren Truemmern von Archaeologen wieder erstehen lassen. Zugleich wird diese Gesellschaft landeinwaerts, in der Naehe der Begraebnisstaette Edmonds des Ersten, auf diesem Kuestenstrioh ein Industriezentrum errichten. Wer die riesigen Quadern, die von den Hafenbefestigungen Gaesareas uebrig geblieben sind, je mit eigenen Augen gesehen hat, begreift, welche Sensation es bedeutete, als vor mehreren Monaten eben die Kollosalstatue in der Meeresbrandung entdeckt wurde, die der juedisch-roemische Geschichtsschreiber Flavius Joseplius vor fast zwei Jahrtausenden als eines der Weltwunder gepriesen hat. Baron Edmond beschloss daraufhin mit der Instinktsicherheit aller Rothder Vergangenheit vorgekommen ist, ist somit beendet worden und die Vereinheitlichung der Landpolitik wird einen segensreichen Einfluss auf den nationalen Bodenbestand haben. 3) Als ein Ergebnis des Vertrages zwischen dem Staat und der Zionistischen Organisation — K. K. L. ist der Status des Fonds gehoben und seine Arbeit auf eine neue Basis gestellt worden. Der. K. K. L. ist nun die einzige Stelle in Israel, die fuer Bodenerschliessung in all ihren Formen und Phasen verantwortich ist. Was das in einem Lande bedeutet, in dem 4/5 immer noch wuest und leer ist, kann leicht von denen ermessen werden, die die oeden Berge von Judaea und des Galil gesehen haben oder durch den endlosen Sand des Negev gereist sind. Landerschliessung heisst Bodengewinn in Form von Urbarmachung, Auf f o r s t u n g und landwirtschaftliche Drainage. Deshalb wird paralel zum Bodenverwaltun g s a m t e i n Landentwicklungsamt erstehen, das innerhalb des Rahmen des K. K. L. arbeiten wird. In seinem Beirat, der ebenfalls als 13 Mitgliedern bestehen wird, werden sieben Mitglieder den K. K. L. und sechs die Regierung vertreten. Hinzuzufuegen bliebe noch, dass der Fonds, wie bisher, eine autonome Institution der Zionistischen Organisation bleibt. 4) Ein letzter Punkt: Beide, die Regierung und die Zionistische Organisation — K. K. L„ sind gleichberechtigte Partner dieses Abkommens in Landangelegenheiten. Es kann durchaus sein, dass diese Art der Koordination und Zusammenarbeit zwischen dem Staat und der Bewegung als Beispiel dienen und eines Tages auch auf andere Gebiete ausgedehnt werden wird. Es waere nicht das erste mal, dass der K. K. L. einen Weg fuer neue Konzeptionen bahnt. Herbert Freeden. Schilds, den Strandt von Caesarea zu einem Badekurort zu machen — mit Hotels ersten Ranges, mit allem, was inlaendische Erholungsuchende und anspruchsvolle. Touristen erwarten, wenn sie f,uer die aus dem Altertum gehobenen Schaetze interessiert sind und sportlichen Neigungen nachgehen wollen. Nicht zu vergessen, liess er dort den ersten Golfplatz in Israel mit “18 Loechern” als Eigentum eines Klubs bauen, der unter seinem Vorsitz jetzt schon 288 Israelis und 2.000 Auslaender zu Mitgliedern zaehlt. Ausserdem legte er einige Kilometer weiter suedlich waehrend seines jetzigen Aufenthaltes in der Stadt Nathania, gleichfalls an der mittelmeerlaendischen Kueste, den Grundstein zu einer Fabrik fuer die Gewinnung von Alkaloiden und anderen Extrakten aus Heilpflanzen, von denen Schiffsladungen im Gewicht von 1000 Tonnen bereits zum Haifaer Hafen unterwegs sind. In diesem Unternehmen, der Plantex Ltd. ,die er vertragsrechtlich als Tochtergesellschaft seiner “Promotex” in Genf aufgezogen hat, investierte er vorlaeufig ungefaehr eine Million Israelpfund. Sein Grossvater, ohne dessen Mumifizenz das Land der biblischen Verheissung schwerlich zur nationalen Heimat der Juden geworden sein wuerde, waere mit den unw i rtschaftlichen Neigungen ebenso wie mit den ueberwirtchaftlichen Neigungen seines Lieblingsenkels einverstanden, wenn er darum wuesste. Einverstanden waere damit wohl auch der Urgrossvater James Rothschild, der Heinrich Heine mehr als einmal “en familionaire” bei sich zu Gast sah, wie der Dichter in seinen Briefen nach Hause schrieb, und von ihm die charmantesten Schnorrbriefe erhielt, die jemals — und mit Erfolg — geschrieben worden sind. Nicht anders waere, kann man sich vorstellen, der Ahnherr aus dem Frankfurter Ghetto stolz auf diesen Spross. Er wuerde ihn applaudieren wie der Finanzminister Israels, Levi Eshkol, der ihn auf einem Bankett in Jerusalem mit dem freundschaftlichen “mein lieber Edmond” begruesst hat. Nun, Herr Eshkol hat zum Applaus allen Grund. LUFTHANSA LANDREFORM IN ISRAEL