Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXII (1960)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1960)
- Date
- 1960-11-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/8553624-8557783-9194471--2997-8557994- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Noviembre 1960 BOLETIN INFORMATIVO 7 Innerhalb der Schriftenreihe von Yad Washem, Jerusalem, (“Yad Washem Studies on the European Jewish Catastrophe and Resistance”) ist eine Arbeit von Aaron Zwergbaum, “Exile in Mauritius”, erschienen, Der Autor, der in Mauritius interniert war, als Sekretaer des Zionistischen Kommittees des Lagers aktiv wurde und jetzt ein hoher Beamter in der Jewish Agency ist, hat hier zum ersten Mal die Mauritius-Episode in allen ihren Aspekten dargestelltvom abenteuerlichen Exodus jener 1700 juedischer Menschen aus Nazieuropa im September 1940, ueber die zweimonatige Fahrt, voller Entbehrungen und Leiden, Hoffnungen und Enttaeuschungen, bis zu ihrer Landung in Palestina — um gleich darauf auf die Insel Mauritius verschleppt zu werden. Es war das erste Mal, dass die Mandatsregierung von der im Weissbuch von 1939 vorgesehenen Klausel Gebrauch machte, “illegale” Einwanderer zu deportieren. Die Internierung auf jener tropischen Insel dauerte vier Jahre und sieben Monate, und schon aus diesem Grunde bildet das Exil in Mauritius einen extremen Sonderfall in der Geschichte der Palaestinaein Wanderung. Innerhalb dieser langen Periode entwickelte sich unter den Interessierten ein gesellschaftliches, soziales und wirtschaftliches Leben eigenen Stils, und schliesslich sogar eine aktive zionistische Arbeit. Dr. Zwergbaum erzaehlt die Geschichte jener Menschen aus Oesterreich, Polen, der Tschechoslovakei, Danzig und Deutschland mit der ruhigen und objektiven Feder des Juristen, er legt den Fall sachlich, ohne Bitterkeit und Emotionen dar, und wertet die politischen und psychologischen Faktoren in abgewogener, vorbildlicher Weise. Gerade dieses “Understatement” macht das kleine Buechlein wie eine spa n n e n d e Kurzgeschichte lesbar. In der Tat, hier ist ein Stueck neuer juedischer Historie dokumentarisch verankert worden. Trotzdem duerfen einige kritische Bemerkungen nicht fehlen. In einem Kapitel “Die Psychologie und Soziologie des Lagers” schreibt der Autor “Die Internierten hatten nur einen Gedanken, nur ein Ziel vor sich — entlassen zu werden.. | Die Sucht nach der Freiheit war wirklich eine “magnificent Obsession” (eine “wunderbare Besessenheit”). Auch der Autor ist von dieser “magnificent Obsession” nicht ganz frei, auch er sieht und beschreibt die Mauritius - Episode isoliert. Was man vermisst, ist ihre Inbeziehungsse t z u n g zum grossen geschichtlichen Hintergrund, auf dem sie sich abgespielt hat — zum Weltkrieg. Als die Fluechtlinge im November 1940 deportiert wurden, stand England allein im Kampf gegen das braune Weltungeheuer. Frankreich war gefallen; die britische Armee bei Duenkirchen geschlagen; auf dem Atlantik tobte die Schlacht gegen die U-Boote und ueber den britischen Inseln wuetete der Blitz der deutschen Bomber. Man kann diese Ereignisse nicht verschweigen, wenn DER FALL MAURITIUS VON HERBERT FREEDEN man den Akt der Mandatsbehoerden in eine realistische Perspektive bringen will. Die internierten Flue c h 11 i n g e fanden in Mauritius, besonders am Anfang, harte Bedingungen vor, aber sie fanden auch physische Sicherheit — nicht nur als Juden vor den Nazis, sondern ueberhaupt Schutz vor dem Kriege. “Die physische Haltung der Internierten”, schreibt Dr. Zwergbaum, “war nicht durch unmittelbare Furcht bedingt, denn ihr Leben war nicht bedroht; sie wurden nicht brutal behandelt und — von ein paar Ausnahmen abgesehen— nicht angeschrieen, aber sie sorgten sich sehr um ihre Zukunft”. Ohne von den Juden Europas der damaligen Tage zu sprechen — diese Sorge um die Zukunft war nicht auf Mauritius be-, schraenkt, sondern erfuellte nicht weniger die Menschen in England und auf dem Kontinent, und bald danach die Massen Asiens. Oft liess der Krieg in seiner moerdcrischen Brutalitaet die Sorgen fuer das Morgen nicht einmal aufkommen und ueberleben war das Einzige, was man erhoffen konnte. “Jene”, so heisst das bei Dr. Zwergbaum weiter, “die Kinder in Palaestina hatten, fuerchteten, sie wuerden sie nicht Wiedersehen”. Auch dieses Gefuehl war kein Spezifikum von Mauritius. Palaestina lag nicht innerhalb des Kampfgebiets und Mauritius war eine friedliche Insel — das Bangen von Millionen Eltern um ihre Kinder, die zu Land, in der Luft und zur See den furchtbaren Waffen der Deutschen gegenueber standen, scheint nicht weniger legitimiert. Es ist wahr, dass das Essen der Internierten, das. sie ohne eigene Muehe vbrgesetzt bekamen, weder reichhaltig war noch Abwechslung bot. Man sollte aber nicht vergessen, dass auch die Bevoelkerung von England, darunter auch die, die fuer ihr taegliches Brot hart arbeiten mussten, die Kost jener Jahre f.intoenig und miserabel fanden. und dass ein Ei in der Woche schon einen festlichen Anlass darstellte. Ein Vergleich mit dem Speisezettel "iner Familie in London haette die Lagerkost nicht als eine Strafe erscheinen lassen. Nach dem ersten Jahr der Internierung wurde das Lager in ein Familienlager umgewandelt: verheiratete Paare konnten zusammenziehen, neue Ehen wurden geschlossen. und die Zahl der in Mauritius geborenen Kinder spricht fuer die Normalisle rung der Beziehungen. Ein Familienleben, auch in der sogenannten Freiheit, war in lenen Tagen ein kostbares Gut, und selbst in der Atmosphaere des Internierungslagers duerfte es eine gewisse Kompensation geboten haben, besonders wenn man berücksichtigt, wie viele Millionen von Familien jahrelang getrennt blieben nicht nur raeumlich dadurch, dass die Vaeter, Maenner und Soehne an fernen Fronten in anderen Erdteilen kaempften, sondern auch durch die dauernde Gefahr, die die Trennung eines Tages manchmal schon zur Ewigkeit machte. Im Jahre 1942, so berichtet Dr. Zwergbaum, hatten die Fluechtlinge aus der Tsch°- cnoslovakei Gelegenheit, sich zum Heeresdienst zu melden, und am 16. April verliessen 86 die Insel. Weitere freiwillige Rekrutierungen erfolgten im Jahre 1943 fuer die polnische Armee — acht Freiwillige — und fuer das britische Pionierkorps (25 Kandidaten). Die verhaeltnismaessig geringe Zahl der Freiwilligen ist aus dem verstaendlichen Ressenti ment der Internierten heraus zu erklaeren, denn in England lag die Zahl der Freiwilligen unter den juedischen Fluechtlingen viel hoeher. Erst im Jahre 1945, als es moeglich war, sich der Juedischen Brigade anzuschliessen, meldeten sich weitere 78 Freiwillige. Der Autor stellt fest, dass zu Kriegsende ungefaehr 50% der in Frage kommenden Maenner bei den allierten Armeen dienten. Das heisst aber auch, dass die andere Haelfte, von der Moeglichkeit, die Internierung mit dem Soldatentum zu vertauschen. keinen Gebrauch gemacht hat. Von einer gewissen Zeitfremdheit im Lager von Mauritius zeugt auch folgende Tagebucheintragung aus dem Jahre 1942, die Dr. Zwergbaum in seiner Schrift zitiert: “Die jungen Leute sehen, wie ihre besten Jahre sinnlos vergehen, Jahre, die benutzt werden sollten, um die Basis fuer ihre Zukunft zu legen. Nur wenige Menschen sind hier in der Lage, in ihrem eigentlichen Beruf taetig zu sein und was man frueher gelernt hat, geraet in Vergessenheit; es gibt keine Moeglichkeit, mit neuen Entwicklungen und technischen Fortschritten Schritt zu halten”. Es ist kaum anzunehmen, dass Kriegsgefangene in deutschen oder japanischen Laegern ihre Jahre sinnvoller gestaltet haben, oder dass Truppen in der nordafrikanischen Wueste, auf Geleitzuegen nach Murmansk oder im Dschungelkrieg auf Suedseeinseln sich besser auf ihre Zukunft vorbereiten konnten. Selbst wer nur zum Kartoffelschaelen und Kuechendienst abkommandiert war, in der britischen oder einer anderen allierten Armee, konnte nicht mit den letzten Entwicklungen seines Berufes Schritt halten. Der totale Krieg, das sollte man in der Bewertung der Ereignisse innerhalb und ausserhalb von Mauritius nicht vergessen, kennt kein Privatleben. Diese Zeilen sollen weder die subjektiven Leiden der Mauritius-Internierten, noch das objektive Unrecht, das ihnen geschehen ist, zu verkleinern suchen. Was sie beabsichtigen ist lediglich, juedisches Geschehen nicht isoliert vom Weltgeschehen zu betrachten; die Gefangenen von Mauritius waren im Grunde in den Maschen des Krieges gefangen. Ohne den Hintergrund des Krieges, dessen schicksalshafte Wellen schliesslich die braunen Horden ueberrannt haben, kann der Fall Mauritius nicht verstanden werden. Portraet eines bedeutenden Rabbiners ZUM 15D. GEBURTSTAGE VON LEOPOLD STEIN Zu den ueberragenden geistigen Persoenlichkeiten, welche das juedisch-religioese Leben des vergangenen Jahrhunderts kennzeichnen, geboert der Rabbiner Leopold Stein, dessen 150. Geburtstag sich am 5. November 1960 jaehrt. Er wurde zu Burgreppach in Unterfranken geboren als Sohn eines streng-orthodoxen Rabbiners der alten Schule und hatte auf der Fuerther Jeschiwah seine juedische und spezielle talmudische Ausbildung genossen. In jener Epoche wurde von Staatswegen eingefuehrt, dass ein Rabbiner, sofern er eine feste Anstellung an einer Gemeinde erhalten wolle, Gymnasial-bezw. Universi t a e t sstudien und die entsprechenden Examina aufweisen muesse. Leopold Stein war einer der ersten dieser neuen Rabbinergeneration. Er absolvierte das Gymnasium und hoerte Vorlesungen an der Wuerzb u r g e r Universitaet b e i gleichzeitiger juedischer Weiterbildung. (Eine moderne Rabbinerhochschule gab es damals noch nicht). Den 24- Jaehrigen finden wir bereits als Rabbiner der Landgemeinde Burgkundstadt, wo er ein ruhiges Leben fuehrte* dabei jedoch in ungewoehnlicher Weise an sich arbeitend, als juedischer Philosopn, Dramatiker und Lyriker, der in kurzer Zeit Anerkennung fand. Eines seiner Dramen, “Die Hasmonaeer”, hatte eine sehr erfolgreiche Urauffuehrung am Mannheimer Nationaltheater. Aus seinem laendlichen Idyll heraus berief ihn die Frankfurter Gemeinde im Jahre 1844 zu ihrem Rabbiner (bis 1862). Erst hier, in diesem grossen juedischen Zentrum, entwickelte sich Stein zu einem grossen Prediger, zu einem wortgewaltigen Kuender religioeser Wahrheiten. Naturgemaess musste er im heftigen Kampfe der Meinungen jener Zeit — es war die Epoche der Rabbinersynoden der Vierziger Jahre — Stellung beziehen Er befand sich dabei zunaechst in der edlen Gesellschaft des grossen Dresdner Rabbiners Zacharias Frankel, des spaeteren Rektors der Breslauer Rabbinerhochschule, und vertrat, gleich diesem, die sogenannte “positlvnistorische Richtung”, einen massvcllen Fortschritt. Doch die schweren inneren Kaempfe in Frankfurt, die zur Schaffung der orthodoxen Sondergemeinde gefuehrt hatten, und auch andere Konflikte veranlassten Leopold Stein, vorzeitig von seinem Amt zurueckzutreten; damals, zwischen 1860 und 70 erschien sein umfangreiches religionsgeschichtliches Werk “Die Schrift des Lebens”, ein Buch voller Kraft und Schoenheit, zugleich seih Bekenntnis zum religioesen Fortschritt, dessen radikalen Fluegel er jedoch nicht unterstuetzte. Da ihm die religioese Situation der Zeit schwere Sorge bereitete, widmete er sich vor allem der Neugestaltung des Kultus; sie nimmt in seinen Schriften einen breiten Raum ein, und Stein ist auch der Erste gewesen, der die von der Frankfurter Rabbinersynode festgelegten Grundbestimmungen fuer das von ihm herausgegebene Gebetbuch einfuehrte. Nach seinem offiziellen Ruecktritt als Gemeinderabbiner wirkte er fortan als Lehrer einer von ihm begründeten Erziehungsanstalt und als unabhaengiger Rabbiner der im Westen von Frankfurt geschaffenen “Wsster.d-Union ^Gemeinde”. Euer diese schuf er ein neues Gebetbuch, das bei aller Reform eine gewisse geschichtliche und traditionelle Treue wahrte. Er starb, hochgeehrt, im Jahre 1882 im Alter von 72 Jahren. Curt Wllk. BLINDE KINDER IN ISRAEL bedürfen Eurer Freundschaft und Hilfe Mil? Untcrstuetii das Blindenheim in Jerusalem Asociación de los Amigos de los Ciegos Israelitas "TOfiMEI - OR" Portugal 810. Casilla 2487