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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-09-01 · 9 (Septiembre, 1960) · p. Seite 6

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXII (1960)
Issue
9 (Septiembre, 1960)
Date
1960-09-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 BOLETIN INFORMATIVO Septiembre 1960 INDER LERNEN IN ISRAEL Von Gerda Luft “Bhoodan” übersetzen die Inder als “Land Durch Liebe”. Es ist der Name einer Bewegung, die im Jahre 1951 von Acharya Vinoba Bhade in Indien gestartet wurde. In jedem westlichen Lande, in dem es landlose Bauernmassen gibt, die Boden verlangen und ihn nicht erhalten können, weil die Grossgrundbesitzer riesige Flaechen besetzt halten würde entweder eine Revolution ausbrechen, die die Grundbesitzer enteignet und, ihren Besitz neu verteilt, oder es würde eine Agrarreform auf gesetzlichem Wege angestrebt werden. Dem Führer der Bhoodan-Bewegung waren beide Wege bekannt. In der Gegend, in der er lebte, breitete sich bereits eine kommunistische Agitation aus, die darauf hinzielte, auf gewaltsamem Wege eine Neuverteilung des Bodens vorzunehmen. DER WEG VINOBAS Vinoba beschloss daraufhin, dieser kommunistischen Agitation seine eigene Propaganda entgegenzusetzen. Freilich ist das Wort “Propaganda” mit seinem in den letzten Jahrzehnten verdorbenen Klang eine schlechte Beschreibung der “Bhoodan”- Aktion. Sie bezog ihre Inspiration von den berühmten Maerschen Ghandis. Die Anhaenger Vinobas durchwanderten zu Fuss das Land. In aller Frühe begannen sie nach einem Morgengebet ihren taeglichen Marsch, erreichten nach mehreren Stunden ihr Ziel, eines der Dörfer, wo sie Rast hielten und assen. Dann hielt Vinoba eine Art Gerichtsitzung ab, die nach und nach als der “Gerichtshof des Fakirs” bekannt wurde. Die Dörfler kamen zu ihm, um ihm ihre Not zu klagen, Rat zu erbitten oder Streitigkeiten schlichten zu lassen. Der Führer der Bhoodan-Bewegung gab ihnen seinen Rat und hielt sie zugleich zu besserer Bodenbestellung an. Er ermahnte sie, statt der Hochzeitsgaben dem jungen Paar einen Brunnen zu graben, da nur durch Bewaesserung und intensivere Landbestellung eine Bekaempfung des Hungers möglich sei. Er lehrte sie, Baumwolle zu saehen damit sie das Rohmaterial für ihre Kleidung haetten, das sie dann selbst spinnen sollten. Die Idee, die dieser Unterweisung zugrande lag war die Selbstversorgung der Dörfer. Sie sollten zu unabhaengigen Zentren werden, in denen die Bauern genug zu essen haetten und wo sie ihre Angelegenheiten selbst leiteten. Spaeter einmal, so hoffte Vinoba, würde man in den Dörfern auch keine Polizei brauchen. Tag für Tag, Woche für Woche und Monat fuer Monat wanderte Vinoba mit seinem Haeuflein Anhaenger durch die indischen Provinzen, sein Evangelium von der besseren Bodenbestellung verbreitend Streitigkeiten schlichtend und seine Philosophie predigend. Diese wareinfach: die Zeit, in der Loyalitaet und Liebe zwischen Herren und Dienern genügte, sei vorüber. Die gegenwaertige Gesellschaft verlange nichts Geringeres als Freundschaft zwischen Glei chen. In dem an das Kastensystem gewoehnten Indien kam die Ein führung des Gleichheitsprinzips e i n e r stillen Revolution gleich. Vinoba predigte es in den Hütten der Unberuehrbaren, in den Haeusern der Reichen, in den Palaesten der Landesbesitzer und der Geldver leiher. Sein Ziel war, dass jeder Landbesitzer, der zu viel Boden besass, ein Sechstel seines Besitzes an landlose Bauern abtreten sollte. Das waeren 200 Millionen Dunam gewesen, ein Fünftel der landwirtschaftlichen Flaeche Indiens. VON UNTEN AUFBAUEN! Das Erstaunliche ist vielleicht nicht, dass in Indien, das einen Ghandi hervorgebracht hat, eine solche Idee entstand, sondern, dass sie sich als praktisch erwies. Vinoba war ein Lehrer von Sanskrit und Mathematik, beherrschte ein Dutzend Sprachen und kannte sowohl die Lehren des Ostens wie die des Westens. Nachdem Indien unabhaengig geworden war, hatte er die Möglichkeit, den Staatsapparat und das Parlament für seine Ideen zu benutzen, er könne auch darauf hoffen dass die neuen Leiter Indiens mit Nehru an der Spitze Verstaendnis für seine Bestrebungen zeigen würden. Und doch waehlte er ¡den Weg der Bekehrung des Einzelnen und der freiwilligen Spende. Als die Bewegung spaeter an Kraft gewann, kam ihr die Regierung zu Hilfe, indem sie Bodenspenden von Stempel und Einschreibungsgebüren befreite. Nehru lud Vinoba ein, an der zentralen Planungskommission in Delhi teilzunehmen. Der Führer der Bhoodan-Bewegung nahm die Einladung an und legte die mehr als siebenhundert Meilen nach der Hauptstadt zu Fass zurück. Er schlug sein Zelt in dem Gedenkpark auf, der Ghandis Andenken geweiht ist, ging doch die Idee der Freiwilligkeit und der Bedürfnislosigkeit der Führer auf diesen Vorkaempfer der indischen Unabhaengigkeit zurück. EIN SEMINAR IN ISRAEL Im vorigen Jahre besuchte einer der Repraesentanten der Bhoodan-Bewegung Israel. Er war beeindruckt von den Kibuzim und Moschavim, von der Kooperativbewegung und den Entwicklungsprojekten. Als er nach Indien zurückkehrte, brachte er den Gedanken mit, einige Dutzend Mitglieder der Bewegung nach Israel zu entsenden, um sie hier lernen zu lassen. Deshalb organisierte die Histadruth zusammen mit dem Aussenministerium ein Kooperativseminar für die Inder. Zwei Besucher aus Kenya schlossen sich an. Die Erfahrungen des afro-asia tischen Seminars, das im vorigen Jahre stattgefunden hatte, konnten ausgenutzt werden. Heute wohnen in einer Institution der Histadruth dreiundzwanzig Inder, die den verschiedensten Klassen und Provinzen des Landen entstammen, zusammen mit den zwei Negern aus Kenya. Sie sind alle Vegetarier und tragen selbstgewebte Stoffe. Für die meisten von ihnen ist Israel das erste Beispiel für eine “westliche” Lebensform. Der Plan des Seminars ist überaus umfangreich. Er enthaelt eine Fülle theoretischer Vortraege über die Kooperativbewegung im allgemeinen und die israelische im besonderen. Die Lernwochen werden von Fahrten durch das Land abgelöst, und drei Monate von den sechs, die dem Seminar gewidmet sind, sollen für praktische. Arbeit verwendet werden. Jedes Mitglied kann sich aussuchen, was es lernen will Die Bedürfnisse und Interessen sind so vielseitig wie die Ausbildung und Herkunft. Was erhoffen sich diese Inder von Israel? Was können wir sie lehren? — In allem, was das Technische betrifft, ist die Antwort leicht zu geben. Wir haben grosse Erfahrung in * der Organisierung von Kooperativen. Wir haben eine Menge ueber intensive Landwirtschaft gelernt. Die Geschichte unserer Siedlung gibt überdies viele Beispiele von freiwilliger Zusammenarbeit für Verzicht auf legislative Initiative zugunsten weitgehender Demokratie in Kommunen und kollektiver Initiative. Die Frage ist, ob unsere Kooperativformen den indischen Bedingungen angemessen sind oder sich ihnen anpassen lassen. Bei anderen asiatischen und afrikanischen Völkern, die in Israel nach Vorbildern für eine neue Organisation der sich entwikkelnden Gesellschaft gesucht haben, sind es charakteristischerweise gerade die Nachal- Siedlungen, die am meisten Anklang gefunden haben. Die Mischung zwischen militaerischer Ausbildung und Landwirtschaft hat sowohl in Burma wie in Ghana Widerhall gefunden. In Indien jedoch — und vor allem in der Bhoodan-Bewegung — herrschen andere Tendenzen, die pazifistisch gerichtet sind und zugleich eine Uebernahme westlicher Wirtschaftsformen und Mechanisierung ablehnen. WAS KOENNEN WIR LERNEN? Zudem kommt das Suchen nach Vorbildern in Israel zu einer Zeit, wo die staerksten Kerne der Kooperativbewegung — die Kibuzim — sich in einer Krise befinden, und wo auch in den Moschavim um die Aufrechterhaltung der Urformen gekaempft wird. Gerade in diesem Zusammenhang erhebt sich die Frage, ob wir nicht etwas von den Indern lernen könnten. Wir haben kurz nach der Staatsgründung den Impuls für freiwillige Arbeit und Initiative von unten auffallend schnell verlernt. Wir verlassen uns in steigendem Masse auf den Apparat der Regierung und die Formulierung von Gesetzen. Zu einem Teile ist das eine normale Entwicklung, aber sie wird vielleicht ailzuschnell vorwaerts getrieben. Sicher können wir indisches Denken und indische Aktionen nicht auf unsere Bedingungen übertragen. Wenn man jedoch in die Gesichter dieser Vertreter der Bhoodan-Bewegung schaut, so ist man betroffen von dem Ausdruck der gesammelten Aufmerksamkeit und der strahlenden Heiterkeit, der aus ihnen spricht. Es scheint, dass in dieser Bewegung, die von ihren Mitgliedern höchste Opfer fordert, zugleich Werte vermittelt werden, wie sie die reine Technik vergeblich suchen wird. “M. 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