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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-09-01 · 9 (Septiembre, 1960) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXII (1960)
Issue
9 (Septiembre, 1960)
Date
1960-09-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Septiembre I960 BOLETIN INFORMATIVO S LEBENSKAMPF UND SEGEN Von Rabbiner E. I. Loewenstein Das Jahr 5720 geht seinem Ende zu. Wiederum ertoenen in den Betstaetten Israels die Gebete und Melodien. Eine magische Kraft zieht auch die Fernstehenden in die Mitte der juedischen Gemeinschaft. In diesen Stunden haben wir das Gefuehl, mit Israel in allen Geschlechtern und in allen Laendern vereint zu sein. Ein jeder tritt mit seinen Fragen und Problemen ein und sucht Antwort. Wir denken dabei an eine Deutung, die fuer ein Wort der Tora gegeben wird. “Ihr sollt dienen dem Ewigen, Eurem Gott, und er wird segnen Dein Brot”. Auffallend ist der Wechsel vom Plural zur Einzahl, von dem “Ihr sollte dienen” zu dem Versprechen ¡des , Segens “Deines Brotes”. Und einer unserer Weisen deutet: Im Lebenskampf ist ein jeder mit sich allein. Es sind seine Probleme, um deren Loesung er ringt. Er denkt an seine Familie, an sich selbst, an sein Ringen um das taegliche Brot. Aber wenn wir dienen —und zu dienen bedeutet au beten, nach der Deutung unserer Tradition—, dann sind wir nicht allein. Im Gebet vereinen wir uns mit ganz Israel, wir stehen inmitten der dienenden Gemeinschaft. In diesem Wort sehen wir das Bild der kommenden Tage des Festes. In den Tagen des Jahres stellt uns der Lebenskampf vor Probleme, die ein jeder von uns auf seine Art und fuer sich zu loesen hat. Aber in den Jamim Noraim, die vor uns liegen, vereint sich Israel in den Synagogen und Staetten des Gebetes in seinen Gedanken und Hoffnungen. Wir tragen dem neuen Jahre in unseren Gebeten unsere Sehnsuischte entgegen. Wir kleiden sie in wenige Worte: ein gutes Jahr und ein Jahr des Friedens. Aber trotz dieser Einheit der Gefuehle sollten wir nicht vergessen, dass die Jamim Noraim darueber hinaus doch noch mehr von uns verlangen. Sie fordern von uns, dass wir inmitten der Gemeinschaft der Betenden mit uns allein sein koennen. Einmal im Jahr sollen wir in uns hineinschauen, in die Tiefe des Herzens und die Hoehe der Gedanken, Einmal sollen wir uns den Spiegel unseres Ichs vor Augen halten. Dazu bedarf es mehr, als einen Entschluss zu fassen oder auch einer Gewohnheit zu folgen, um uns in die Staetten des Gebetes zu begeben. Es genuegt nicht, darauf zu warten, dass uns die Umgebung mit ihrem Gesang und Melodien —wie wir faelschlich sagen —“andaechtig” stimmt. Wir muessen selbst den Willen zur “Kawana”, zur Ausrichtung, zur Hingabe der Seele mitbringen. Das ist der juedische Gottesdienst. Viele werden sagen, dass dies fuer uns sehr schwer ist. Wir sind zusehr von den aeusseren Bedingungen abhaengig geworden. Es gibt zu vieles, was uns ablenkt. Auch darauf soll mit einem Wort unserer Weisen geantwortet werden. Der religioese Jude wiederholt im taegllchen Gebet: “Die Worte, die ich Dir heute gebiete, sollen —“al l’wawecha”— auf Deinem Herzen sein. Mit Recht wird gefragt: Wie koennen wir Worte auf unserem Herzen tragen? Muesste es nicht heissen: “in Deinem Herzen”? Und es wird geantwortet: Staendig kann man die grossen und erhabenen Dinge nicht in seinem Herzen tragen. Dazu ist das Leben zu schwer und mit seinem Kampf zu aufreibend. Aber auf unserem Herzen vermoegen sie zu sein Wir koennen bereit sein, unser Herz ihnen zu oeffnpn -und sie einzulassen, wenn die Stunde es verlangt. Das ist es, was die Jamun Noraim von uns fordern. Die Bereitschaft zur Kawana, den Willen, die Richtung zur seelischen und geistigen Erhebung zu finden. Dazu bedarf es vieler Voraussetzungen, die wir selbst mitzubringen haben. Diese Stunden des gemeinsamen Dienstes sind keine Gelegenheit, u m Freunde und Bekannte wieder zu begruessen, sind ue- UEBER gender war als die Angstgebilde, welche Staaten zur Rechtfertigung ihrer Macht erdichten und dabei sowohl die Nutzlosigkeit als auch die Gefaehrlichkeit vieler ihrer Buerger betonen. Denn die Angstvorste llungen, welche die Gegner der Kriminalreform mit reger Phantasie entwickeln, um die Verbannung der Verbrecher oder oft auch ihre Todesstrafe zu rechtfertigen, sie sind es auch, welche den Gegnern der Juden-Emanzipation die gleichen Argumente geben, den Juden das Recht zu verweigern. Und Mendelssohn, der sich selbst als zu unrecht leidend und ausgestossen wusste, war hier nicht nur empfindlicher, sondern auch klarer und vernünftiger als seine Gegner, die, um mit seinen eigenen Worten zu reden, denken “der Christlichen Religión einen grossen Vorschub zu tun, wenn sie alle Menschen, die keine Christen sind, fuer Meuchelmoerder und Stras- ■senraeuber erklaeren.” Aber er erkennt auch deutlich, dass diese Machtbefugnis des Staates der Beweis seiner Schwaeche und Unsicherheit ist, waehrend er selbst nicht nur Gewalt hasst und von ihrer Unwirksamkeit ueberzeugt ist, sondern im Gegenteil “Liebe und Wohltun” als staerkste Macht kennt. “Der gemeine Mann haelt Guete und Leichtversoehnkeit fuer Schwachheit... Es gehoert Nachsinnen dazu, wenn wir begreifen sollen, dass Hass und Rachsucht, Neid und Grausamkeit nichts anderes als Schwachheit, lediglich Wirkungen der Furcht sind. Furcht mit zufaelliger, unsicherer Ueberlegenheit verbunden, ist die Mutter aller dieser barbarischen Gesinnungen. Nur die Furcht macht grausam und unversoehnlich. Wer sich seiner Ueberlegenheit mit Sicherheit bewusst ist, findet weit groessere Glueckseligkeit in Nachsicht und Verzeihung.” Und nachdem er auf Homer hinweist, “dieser sanften, liebevollen Seele” — der es dennoch nicht verstaendlich waere “dass die Goetter berhaupt kein Anlass fuer sozialen Kontakt. Wir sollten ruhig und still uns auf unserem Platz in den Tallis huellen —auch er gehoert zum Bild des juedischen Gottesdienstes—, um den herrlichen Melodien zu lauschen oder in uns selbst hineinzuschauen. Vor allem sollten wir lernen, wann und in welchen Momenten wir hinausgehen koennen und nicht gerade die erhabensten Augenblicke dafuer waehlen Wer nicht gelernt hat, in der hebraeischen Sprache dem Gottesdienst zu folgen, mag auf die Uebersetzung schauen, deren Inhalt in vielen der Gebete heute noch so zeitnahe ist wie einst, als sie geschaffen wurden. Oeffnen wir in den kommenden Tagen unser Herz und seien wir selbst bereit zum Dienst. Wir werden erkennen, dass eine neue Kraft uns erfuellt. Wir werden empfinden, dass wir staerker fuer das Ringen im Lebenskampf werden. Und vielleicht werden wir spueren, wie in uns der Wille waechst, auch in den Tagen des individuellen Kampfes um das taegliche Brot, den Weg zum Dienst in der Gemeinschaft zu finden. Dann ■haben wir gefunden, was diese Jamim Noraim von uns fordern: Teschuwa die Antwort. In ihr liegt der Segen des Dienstes. Uns erfuellt die Hoffnung, dass das Brot eines jeden von uns gesegnet wird. Aber suchen wir auch den Segen des Dienstes, der uns zu teil wird, wenn wir unsere Herzen oeffnen —nicht nur fuer das Vergaengliche sondern auch fuer das die Zeiten Ueberdauernde. Fuer das Jahr 5721 erhoffen wir Segen und Frieden fuer einen jeden von uns und unsere Familien, fuer unsere Gemeinde und den gesamten Jischuw in Chile. Darueber hinaus lenken wir unsere Hoffnungen auf unsere Medinat Israel und auf das gesamte juedische Volk. Moegen sie in Einheit den Weg in eine segensreiche und friedliche Zukunft finden. Aber diese wird stets davon abhaengen, dass sich die Sehnsucht der gesamten Menschheit nach Frieden - ohne einen kalten Krieg— erfuellt. Moegen alle Nationen der Erde und unter ihnen auch unser Chile, in Freiheit und Ruhe an ihrer Fortentwicklung arbeiten koennen und vor jeglicher Katastrophe bewahrt ¡bleiben. Allen unseren Freunden in der Naehe und in der Ferne: L’shana towa tikatewu— Fuer ein gutes Jahr moegen alle eingeschrieben werden. DIE MACHT DER VERZEIHUNG (Schluss von Seit© 1) aus Liebe verzeihen” — geht er auf die Frage Moses ein, welche grade nach dem “schrecklichen Vergehen” (das goldene Kalb) nach Gottes Wegen fragt, und dann die Antwort erhaelt, welche durch so starke Wiederholung das grade hier so Unverstaendliche betonen will, das Gott “allmaechtig, allbarmherzig und allgnaedig, langmuetig, von grosser Huld und Treue; der seine Huld dem tausendsten Geschlechte noch aufbehaelt; der Missetat, Suende und Abfall verzeiht: aber nichts ohne Ahndung hingehen laesst...” Und nachdem er diese Fragen und Antworten ausfuehr lieh zitiert, bekaeftigt er seine Deutung durch den Psalm 103, welcher mit noch schaerferer Deutlichkeit diese Worte wiederholt: “Mosen zeigt er seine Wege Den Israeln sein Tun, Allbarmherzig ist der Herr, allgnaedig. Langmuetig und von grosser Guete. Er handelt nicht mit uns. nach unsern Suenden, Vergilt uns nicht nach unsrer Missetat...” —um dann zu fragen: “Wer ist so abgehaerteten Sinnes, dass er dieses mit trockenen Augen lesen; wer so unmenschlichen Herzens, dass el seinen Bruder noch hassen, gegen seinen Bruder unversoehnlich bleiben kann?” — Das, was die Glueckel nur zaghaft in die Sprache des Maerchen eingekleidet, auszudruecken versucht, hat Mendelssohn in voller Klarheit ausgesprochen, und hiermit versucht, etwas von dem, was er die “goettliche Politik” nennt, im Staatsleben zu versuchen. W'obei dieses Vergeben aber natuerlich nur dann moeglich ist, wenn es mit unformeller, personenhafter Beziehung verbunden, und somit auf Macht und Gewalt verzichten kann — und wenn nicht nur aeusserlicher Gehorsam, sondern innere Erkenntnis und Umkehr erwartet werden. Abschliessend sei nur kurz bemerkt, dass Mendelssohn's Gedanken ueber 'Veligioese Macht” beachtet wurden. So schrieb Herder ueber ihn, dass er “ueber Materien, worueber man sonst nur braust und Wind macht” mit “philosophischen Gruenden spricht” — doch sieht er diese utopisch an, wenn er dann an Mendelssohn schreibt: “Im Jerusalem droben oder im zukuenftigen, da wird niemand an Ihrer Theorie zweifeln”. Auch Kant sieht in Mendelssohns Gedanken ueber Toleranz und Menschenduldung “die Verwendung einer grossen, obzwar langsam bevorstehenden und fortrueckenden Reform” und auch Mirabeau begeistert sich an diesen Gedanken Mendelssohn’s. Waehrend ein Prediger bei der St. Marienkirche zu Berlin sich beeilt hat zu erklaeren: “Sicherlich fand und fuehlte der gemeine Haufe der Israeliten in dieser trostvollen Offenbarung nicht den hohen, herrlichen Sinn, der jetzt nach Jahrtausenden einem der liebenswuerdigsten unter allen ihren Nachkommen die kostbare Thraene der Ruehrung auspresst!” Was Mendelssohn gelang, war eben, dass er am Problem der Suende und des Verbrechens gezeigt, wie verschieden die politische Macht von der religioesen ist, sein Postulat war ein Angriff auf Staat und Kirche, was ihm weder Staat noch Kirche so leicht verziehen. Und doch hat fast gleichzeitig mit ihm auch ein Pestalozzi Aehnliches versucht, mit Vorschlaegen, die weit mehr in’s Einzelne gehen, und spaeter auch Schiller, der, mehr Mendelsohn folgend, das Prinzipielle, Philosophische betont. Denn wenn Mendelssohn verhueten wollte, dass wir in wenigen Jahrzehnten wieder Barbaren werden, so stand Schiller vor der Frage: “Woran liegt es, dass wir noch immer Barbaren sind?!” “M B” Auf dem Zionsberg äSS: > */> >, v.Ä-Xi&Siy.-

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