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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-08-01 · 8 (Agosto, 1960) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXII (1960)
Issue
8 (Agosto, 1960)
Date
1960-08-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 BOLETIN INFORMATIVO Agosto 1960 "JUDEN SIND NICHT ANDERS" DAS GEHEIMNIS DER AMERIKANISCHEN "RESTSELLERS" Von HERBERT FREEDEN Man ist nicht mehr ueberrascht, auf der Liste der amerikanischen “bestsellers” juedische Autoren und juedische Themen zu finden: Wouks “Marjorie Morningstar” und sein Bekenntnisbuch “Dies ist mein Gott”; Harry Goldens “Nur in Amerika” und “Fuer ganze zwei cent”; Uris’ “Exodus” und Levins “Eva”, Leo Röstens “Die Rueckkehr von Hyman Kaplan” und Moss Harts “Erster Akt” sind nur einige der Titel, die den Buchmarkt beherrschen. Was ist geschehen? Die jue-, dische Leserschaft allein kann fuer diesen Erfolg nicht verantwortlich sein, zumindest nicht allein verantwortlich. Ihr Potential hat sich in den letzten zehn Jahren kaum vergroessert, bestimmt nicht in dem Masse, Massenauflagen bestimmen zu koennen. Ein neuer Faktor muss «ingetreten sein; das allgemeine Publikum nimmt an juedischen Themen Interesse. Warum? “Marjorie Morningstar” ist ein “juedischer” Roman insofern, als seine Menschen Juden sind; aber das juedische Milieu ist simplifiziert und verniedlicht, bar jeder Mystik und eigentlich ganz zufaellig. Was Marjorie passiert, koennte jedem anderen amerikanischen Maedchen genau so pasieren. Sie ist ein Typ des amerikanischen Mittelstandes — dass sie Juedin ist, gibt ihr nur eine Art von authentischem Hintergrund. Jeder amerikanische Mittelstandsleser fuehlt sich bei “Marjorie Morningstar” zuhause — das juedische ist zu einem folkloristischem Teil der amerikanischen Szene geworden, und hat damit seine Eigenart verloren, auch seine eigenbrbedlerische, esoterische Art. Auf einer anderen Ebene hat “Dies ist mein Gott” die gleiche Wirkung; natuerlich, man geht in die Synagoge, statt in die Kirche, man isst verschiedene Speisen nicht, und andere besonders zubereitet — aber das sind Aeusserlichkeiten. Im Grunde ist der Gott, von dem Mr. Wouk berichtet, von unserem garnicht verschieden, denkt der nichtjuedische Leser; mehr noch: Wouk hat den Vorhang des Okkulten, Geheimnisvollen, des Anderssein von der juedischen Religion weggezogen und sie fuer den amerikanischen Durchschnittsleser popularisiert. Dieser Durchschnittsleser legt das Buch wahrscheinlich mit Erleichterung aus der Hand; das naechste Mal, wenn er seinen juedischen Kollegen trifft, braucht er keine Scheu vor seinem religioesen Kult zu haben, er ist ein Kerl wie er selber. Ueber “Exodus” ist viel geschrieben worden, deshalb hier nur eine Bemerkung; sein Erfolg geht darauf zurueck, dass er Israel in die amerikanische Begriffssprache uebersetzt, will sagen, in bekannten, akzeptierten Unterhaltungskategorien verstaendlich macht. “Exodus” mit seinen Helden und Heldinnen, Engeln und Teufeln faellt a die Welt der “Wild West”- Geschichten; ueber Israel mit dem Durchschnittsamerikaner in der Sprache zu sprechen, die er gewohnt ist zu verstehen, das ist das Geheimnis des Erfolges von Uris. Auch in “Eva” zeigt Meyer Levin, dass die Juden zwar ein eigenes Schicksal haben moegen, dass sie aber Menschen sind wie “Du und ich”, und das einzig “Juedische” an der Titelheldin ist ihr Schicksal. Mit den kleinen Geschichten von Harry Golden dagegen koennen sich alle Einwanderer, nicht nur die juedischen, identifizieren. Italiener und Polen, Iren und Griechen werden finden, dass sie, oder ihre Eltern oder Grosseltern, Aehnliches erlebt haben, und sogar eine Art Solidaritaet mit den juedischen Einwanderern fuehlen. Und Harts “Erster Akt” ist die typische amerikanische “Erfolgsstory”, und das juedische “flavour” >beeintraechtigt nicht ihre Allgemeingiltigkeit. In all diesen Buechem kommt ein soziologisch interessanter Vorgang zutage; das Juedische wird, gedanklich und erfahrungsmaesig, als integraler Teil der amerikanischen Szene dargestellt, insbesondere des amerikanischen Mittelstandes. Es wird seiner Besonderheiten entkleidet, was an “Geheimnis” dagewesen sein sollte, wird enthuellt, was problematisch war, wird vereinfacht. Das im Pinsker’schen Sinne “Gespenstische und Unheimliche “der Judenfrage zerrinnt im Lichte dieser Darstellungen die, gewollt oder ungewollt, einen Schritt in der Amerikanisierung des amerikanischen Judentums darstellen, und zwar diesmal von den Amerikanern aus gesehen. Die Ziffern der “bestsellers” beweisen, was der amerikanische Leser denkt; die Juden sind garnicht anders! "Estructura y Sentido de la Historia según la literatura apocalíptica von Gerardo Leisersohn B. (Ediciones de la Universidad de Chile, 1959). Die Frage nach dem Sinn der Geschichte ist uralt. Sie taucht vor allem in Zeiten der Krisis auf und hat die verschiedensten Antworten gefunden. Zu diesen gehoert auch die reiche apokalyptische Literatur, Schriften, die sich mit den Offenbarungen der wunderbaren Zukunft beschaeftigen. Seit der Makkabaeer-Zeit, etwa 170 v., bis etwa 150 n., entstanden auf juedischem und spaeter auf christlichem Boden zahlreiche Schriften, die obwohl im einzelnen einander oft widersprechend, doch im ganzen eine allmaehliche sich klaerende und festigende Denkweise zeigen. Die aelteste ist das Buch Daniel, das zu den Buechem der Bibel gehoert. Aber es ist fuer diese Literaturgattung charakteristisch, dass sie schliesslich im Christentum muendet. Der Inhalt aller Apokalypse ist die Verkuendung eines baldigen Endheils. Dabei treten 3 Gruppen von Hoffnungen auf, naemlich die vom Messiasreich fuer die juedische Nation, von der kommenden Welt fuer die Menschheit und vom Jenseits fuer die Einzelseele. Hauptkennzeichen dieser Schriften ist, das im' Mittelpunkt ihrer Gedankenwelt nicht der Gehorsam gegen die Gebote und ihre Begruendung wie in den Schriften der Propheten und Weisen steht, sondern die Hoffnung auf eine neue Zeit auf seelische Gemeinschaft mit Gott. Sie entsprach dem volkstuemlichen Geschmack ihrer Zeit und entstand in Kreisen, die abseits vom Hauptstrom juedischen Lebens lebten. Alle diese Schriften werden von Herrn Leisersohn in diesen geschichtsphilosophischen Untersuchungen mit grosser Kenntnis des Stoffs und der Literatur dargestellt und wissenschaftlich betrachtet. Wie stets in seinen Vortraegen stellt er sein Thema zunaechst in einen allgemeinen Rahmen hinein und beschreibt aehnliche Erscheinungen bei den Voelkern des Nahen Orients und Griechenlands, um dann schliesslich die apokalyptischen Buecher selbst zu untersuchen. Abschliessend zeigt er ihre Auswirkungen und Bedeutung bis in unsere Zeit hinein auf. Wir beglueckwuenschen Herrn Leisersohn zu dem Erscheinen dieser Schrift, die ueber ihre wissenschaftliche Bedeutung hinaus auch dazu beitraegt, die Bedeutung des geschichtlichen JJenkens im alten Israel aufzuzeigen. LOEWEN STEIN. JÜDISCHE DICHTUNG IN DEUTSCHER SPRACHE Von CURT HOHOFF In den Jahren 1916 bis 1923 ”-‘\-h;en in sechs Baenden im Insel-Verlag die erste Ausgabe des -,oru jadas”. Das merkwürdige Werk ist heute eine bibliophile Raritaet. Der Verfasser hatte aus einem Meer von Quellen rabbinischer Herkunft in mehreren Gruppen ungefaehr das gesammelt, was die Brüder Grimm zu ihrer Zeit an deutschen Maerchen gesammelt hatten, also uraltes, versprengtes Volksgut. Die vorliegende Neuausgabe des Werkes in einem Dünndruckband, gestrafft, gerafft, und teilweise neu übertragen, erlaubt abermals, unter den herkömmlichen Vorstellungen von innerjüdischem Geistesleben hinwegzutauchen und in einem phantastischen Orient von Maerchen, Mythen und Anekdoten fündig zu \yerden 1. Das Buch gliedert sich in “biblische Maeren” also Geschichten, die sich um grosse Gestalten der Bibel, vor allem Moses, ranken, die “Historien” von Susanna, Mariamme, Darius, Alexander und vielen anderen. Weitere Bücher stellen die Welt der Chassiden und Anekdoten dar, bringen jüdischen Varianten der Weltmaerchen arabischen und indischen Stils, handeln vom Schicksal der Vertriebenen und Zerstreuten, von den im Exil geschaffenen Mythen und dann wieder von den im Heiligen Lande spielenden Varianten biblischer Historien und Sagen. Den geistigen Kern des Bandes bilden, im sechsten Buch, unter der blassen Stichmarke “Weisheit und Torheit” vereinigte Geschichten, die nichts anderes sind als jüdische Beitraege zur anonymen Weltliteratur, meistens Novellen und Parabeln, die den Vergleich mit Boccaccio ebensowenig zu 1 Der Born Judas, Legenden, Maerchen und Erzaehlungen, gesammelt von Micha Josef bin Gorion. Insel- Verlag. scheuen brauchen wie mit unserm Kleist und J. P. Hebel. Geschichten wie die vom Jahrejkoenig, vom Levjathan, vom klugen Bauernmaedchen, der treulosen Witwe, der Macht der Dichtkunst, von den drei Koenigssöhnen und den sieben Kraeutern machen jedem Novellenband des Morgen- und des Abendlandes Ehre. Es ist noch ein Wort über den Verfasser zu sagen, dessen Leben und Wirken sein Sohn in einem fesselnden Essay schildert. Micha Josef bin Gorion (1865 bis 1921) war Ostjude, rabbinisch-chassidisch geschult, hatte als junger Mann in Deutschland den Anschluss an die grosse deutsche Philosophie gefunden und lebte ganz zurückgezogen seinem umfangreichen publizistischen und wissenschaftlichen Werk, vortrefflich unterstützt durch seine Frau Rahel. (Eine gedruckte Gesamtausgabe seiner hebraeischen Schriften umfasst allein 20 Baende). Bibel, Talmud, jüdische Sagen, Messias - Legenden interessierten ihn vor allem; schliesslich erkannte er im Sammeln und Sichten der Ueberlieferung der jüdischen Mythen und Maeren seine Lebensaufgabe. Er leistete das, was Martin Buber auf dem Gebiet der chassidischen Geschichten leistete, in die Tiefe der Tradition hinein, und so erschlossen sich ihm die Wurzeln einer dreitausend Jahre alten Urkultur. Es ist kaum anzunehmen, dass seine Leistung überholt oder überboten werden könnte. Die Uebertragung des Born Judas ins Deutsche schuf Rahel bin Gorion, die 1955 gestorben ist. Sie hat zwei Ausrottungen überstanden ■— waehrend ihr Mann, wie der Sohn berichtet, nach dem russischen Revolutionspogrom seelisch zugunde ging, dem seine ganze Verwandtschaft zum Opfer gefallen war. (Fortsetzung Seite 17) VOR ZWANZIG JAHREN AUSZUEGE AUS DEM ‘‘MITTEILUNGSBLATT DER KULTUSGEMEINSCHAFT B’NE JISROEL AUGUST 1940 GOTTESDIENST AN DEN HOHEN FEIERTAGEN Nachdem die Loesung des schwierigen Problems, wuerdige und geeignete Raeume in verschiedenen Stadtteilen zur Abhaltung der Gottesdienste an den Hohen Feiertagen zu finden, geglueckt ist, sind wir in der Lage, Naeheres ueber die Abhaltung dieser Gottesdienste mitzuteilen . Sie werden stattfinden: a) Im Saal des “Centro Republicano Español”, San Diego 216. b) Im Teatro Princesa, Recoleta 345; Rausch Haschono ferner nur im Teatro Rialto, Pedro de Valdivia 3346, und nur am Jaum Kipur, in der Aula des Liceo Lastarria, Providencia 1183. BERICHT AUS VALPARAISO Herr Boehm hielt in der letzten Gemeindeversammlung einen Vortrag ueber “Zweck und Aufbau der Juedischen Gemeinde”. Dieser gipfelte in dem Wunsch, eine Einheitsgemeinde zu bilden. Den naechsten Vortrag haelt Herr José Tichauer ueber das Thema “Einfuehrung in die Gebete der Hohen Feiertage. ANNONCE Herren, die Interesse haben Produktenhandel und Landwirtschaft in Puerto Aysén (suedlich Puerto Montt) zu betreiben in Gemeinschaft mit einem deutschen Juden, der bereits mehr als 20 Jahre im Lande lebt, wollen sich gefl. melden. Es kommen nur juengere Personen in Betracht, die ueber ein kleines Kapital von mindestens 20.000 Pesos verfuegen, Kenntnisse von Landwirtschaft oder von Produkten haben und sich fuer so gesund und faehig halten, dass sie das regnerische Klima und die primitiven Verhältnisse im Sueden aushalten koennen. r'

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