Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXII (1960)
- Issue
- 8 (Agosto, 1960)
- Date
- 1960-08-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8553624-8557783-9194466--2941-8557940- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Agosto 1960 BOLETIN INFORMATIVO 7 Das Heilige und das Schoene im Leben Kafkas Von MAX BROD Die Unsicherheitskomponente Kafkas, das Schiffbrüchig-Düstere und Verzweifelte der Situation, aus der hervor er so vieles schreibt, die er auch immer wieder in wechselnden Symbolen schildert—, diese Seite steht im Vordergrund der Wirkung, die Kafka auf die Welt ausübt. Sie ist an sich unbestreitbar, macht sich dem empfänglichen Leser auf den ersten Blick kund, hat sich vielen denkenden, empfindenden Menschen tief eingeprägt. An sie wird man zunächst erinnert, wenn man den Namen dieses Autors ausspricht. ■— Aber uu Kafka der sicheren Position, zu der er sich am Ende durchgerungen hat, ist der Welt fast unbekannt geblieben — inmitten seines Ruhmes ist hier ein ausgesparter weisser Fleck, wie er auf alten Landkarten unerforschtes Land bezeichnet. Terra incognita. Dies der Grund der Fehldeutungen. Der Grund auch dafür, dass ich die Feder noch nicht hinlege. Gerade für diesen unbekannten Kafka werbe ich um Verständnis —, von ihm verspreche ich mir eine Heilwirkung, wie sie vielleicht gerade heute, in dieser kritischen Weltstunde der Menschheit, so bitter nötig, ja das Unum necesarium ist. Ich habe eine Biographie Kafkas veröffentlicht, über die mir neulich ein Mann schrieb, den ich sehr schätze: sie gehöre zu den Büchern, von denen man sich einbilde, dass man sie gelesen habe, auch wenn man sie nicht gelesen habe. So viel habe man von ihr gehört, dass diese Einbildung fast Zwangsläufig entstehe. Greife man dann aber doch zu dem Buch, so stellte man erstaunt fest, dass es doch ganz andere Dinge enthalte als die, die man sich eingebildet habe. — Ich habe ' dieser Biographie noch drei kleinere Schriften über Kafka nachfolgen lassen, die das Bild Kafkas durch wichtige Sonderzüge ergänzen. Es sind die folgenden Bücher: “Franz Kafkas Glauben und Lehre”, “Franz Kafka als wegweisende Gestalt” “Verzweiflung und Erlösung im Werk Franz Kafkas”. Auch mein neues Buch (“Erinnerungen. Streitbares Leben”) enthält viele Ergänzungen zu dem, was ich bereits berichtet habe. Der Blickpunkt hat sich geändert. In den vier genannten Büchern steht Kafka durchaus im Mittelpunkt. Hier, im noch unveröffentlichten Bande, wo ich Episoden aus meinem Leben mitteile, tritt nun Kafka selbstverständlich nochmals und immer wieder auf — und er hat (zumindest so wie ich ihn sehe) das Zeug an sich, nie zur Nebenperson zu werden. Wo er vorkommt dominiert er, kraft seiner Vorzüge ebenso sehr wie durch seine Schwächen. — Natürlich gibt es aus den zwei Dezennien unserer intensiven Freundschaft noch vieles, woran ich mich erinnere und was erzählenswert ist. So finde ich in meinen Papieren ein Schriftstück, das “Gedächtnisprotokoll” betitelt ist und Kafkas Beziehung zu Dr. Rudolf Steiners Anthroposophie behandelt, im Anschluss auch einiges über sein oft missverstandenes “Aesthetentum” bringt. Nicht unwesentlich ist, dass in diesem Gedächtnisprotokoll vor Jahren auch festgehalten wurde, dass die Beziehung zwischen Kafka und dem Fantakreis, in dem er übrigens nur sehr sporadisch verkehrte, wohl freundlich, doch auch von grobem Missverstandensein durchsetzt war; weshalb es aowegig ist, aus diesem Verkehr Schlüsse auf eine tiefere Beeinflussung'Kafkas durch die Philosophie Brentanos zu ziehen.— Zu meiner Aufzeichnung veranlasst wurde ich seinerzeit durch einen Brief aus Cleveland (Ohio), der mich Anfang 1952 fragte, wie das Gespräch geendigt und zu welchem Ergebnis es geführt habe, das Kafka laut seinem Tagebuch (Eintragung nach dem 28. März 1914) mit dem Lehrer und Propheten der Anthroposophie Dr. Rudolf Steiner führte. Kafka hat nur den Anfang des Gespräches notiert. Er ging zu Steiner, um sich in seinen Wirrnissen von dem imponierenden Manne Rat zu holen, der damals in Prag Vorträge über die “Erkenntnis höherer “Welten” gehalten und grosses Aufsehen erregt hatte. Im Tagebuch schildert Kafka ausführlich diese Verwirrungen, wobei besonders bemerkenswert ist, mit welchem Selbstbewusstsein er von seinem dichterischen Werk spricht. Allzu selten brach dieses Selbstbewusstsein durch, so an dieser Stelle im Tagebuch (Seite 57), wo Kafka zu Dr. Steiner sagt: “Mein Glück, meine Fähigkeiten und jede Möglichkeit, irgendwie zu nützen, liegen seit jeher im Literarischen. Und hier habe ich allerdings Zustände erlebt (nicht viele), die meiner Meinung nach den von Ihnen, Herr Doktor, beschriebenen hellseherischen Zuständen sehr nahestehen”. Ich lasse nun im Wesentlichen mein Gedächtnisprotokoll ex 1952 folgen, zu dem ich nur noch bemerke, dass ich selber später in Dr. Steiner einen bedeutenden Goethe-Kenner und Ueberlieferer älter, vornehmlich indisch - tibetanischer Weisheit würdigen gelernt habe. “Kafka erzählte sehr ironisch von dem Fortgang seines. Gesprächs mit Steiner. Das Hauptanliegen Kafkas war: “Ich bin von dichterischen Gedanken erfüllt. Und wie diese mich in der Erfüllung meiner täglichen Berufspflicht (in der Arbeiter-Versicherungsanstalt”) hindern und andererseits von dieser Berufspflicht an ihrer Entfaltung gehindert werden, so beirrt mich das Aesthetische im Suchen des Religiösen” . Er wollte damit den auch in den Aphorismen ausgedrückten Gedanken formulieren, dass der Glauben das Primäre ist und dass die dichterische Gestaltung ihm minder wichtig erscheint, ja dass sie oft die Entfaltung des Glaubens stört, indem sie eitel macht oder eine vorzeitige Befriedigung schafft, daher die wahre Lösung, den Weg zu Gott, verhindert (Ich selbst halte diesen Gedanken für unrichtig oder doch einer vorsichtigeren Fassung zugänglich — habe versucht, in meinem Buche “Diesseits und Jenseits” nachzuweisen, dass das wahrhaft Dichterische ganz ebenso zu den “wesenhaften Erlebnissen” . zählt wie der Glauben. Aber Kafka war anderer Ansicht; darauf allein kommt es in diesem Zusammenhang an, — ich erwähne aber das Obige über meine abweichende Meinung, weil es mich verdriesst, immer wieder für einen blinden Anhänger Kafkas gehalten zu werden, der ihn auf jeden Fall “heraushauen” will. Dadurch wird das ganze Verhältnis zwischen ihm und mir in ein falsches unsachliches Licht gerückt. Es war ehrlich, stets nach objektiver Wahrheit strebend, nicht nach gegenseitiger Schmeichelei). Steiner nun missverstand Kafka, so als ob Kafka gemeint hätte, dass er bei religiösen Riten den Kult der Schönheit vermisse. Eine Einstellung, tief unter Kafkas Niveau. Vielleicht war Steiner durch den Schnupfen behindert (den Kafka so genau beschreibt), das Anliegen Kafkas genau zu fassen. Aber da Steiner nach Ansicht seiner Anhänger göttliche Kräfte und Einsichten besass, hätte eigentlich ein solcher Lapsus nicht passieren dürfen. Uebrigens zeigt sich bei diesem Anlass (ähnlich wie bei Kafkas Einstellung gegen Wunderrab¬ bis der Chassidim), dass er sehr vorsichtig war und (wie Kierkegaard im Falle Adler) sehr genau prüfte, ehe er jemandem Attribute eines Zusammenhangs mit dem Absoluten zusprach. Kurz und gut, Steiner suchte Kafka zu beruhigen und erklärte ihm ausführlich, dass auch bei den Zusammenkünften und Riten der Anthroposophen die Belange der Schönheit gut gewahrt werden. Eine so flache Antwort musste Kafka enttäuschen. Und so ging er weg, ohne dass sein Suchen eine Antwort gefunden hätte. Er hat sich nach diesem Gespräch, über das er mir mit dem ihm eigenen schmerzlich-nervösen Lachen berichtete, das manchmal geradezu zerstörend hervorbrach, meines Wissens nie mehr ernsthaft mit Anthroposophie befasst, — obwohl diese in einem Kreis, der uns nahestand, die tiefste Verehrung genoss. Das Steinersche Misverständnis erinnert mich an ein anderes, dem Kafka ausgesetzt war. Gerade in diesem Kreise, wo wir öfters zu philosophischen Debatten zum Abendessen oder Tee geladen waren, sagte einmal die Hausfrau scherzend, sie habe auf Kafkas Teller Gemüse von besonders zu einander passenden Farben gelegt, — “denn Sie wollen doch immer auch etwas für Ihren Schönheitssinn haben”. Kafka antwortete mit einem sehr verlegenen Lächeln, schweigend. Seltsam, dass Kafka bei flüchtiger oder erster Bekanntschaft auf manche Menschen äo wirkte (auch auf mich, wie meine Erzählung “Die Insel Carina” in meinen zweiten Buche “Experimente” zeigt) als ob er zum Typus des “Aestheten” gehöre. Zu dieser Fehleinreihung trugen einige Umstände bei: dass er immer sehr sorgfältig, dabei völig unauffällig, meist in dunkelblaue oder dunkelgraue Anzüge gekleidet war, dass er für gewöhnlich leise und selten sprach, dass er gern schöne Bücher schenkte, die er überhaupt liebte. So schenkte er mir gleich anfangs eine kostbare Subskriptionsausgabe von Hofmannsthal “Kleinem Welttheater” aus dem Insel-Verlag 1903 (numeriertes Exemplar Nr. 302), die noch heute in meiner Bibliothek steht. Auf Reisen trug er gern, was übriges guten altösterreichischen Traditionen entsprach, einen Lodenmantel und einen einfachen Filzhut mit schmaler Krempe, den zu einem Carbonarihut umzudeuten einem besonders hartnäckig polemischen Biographen Vorbehalten blieb. Ich habe in meiner Kafkabiographie geschrieben, dass man in Franzens Gegenwart den starken Eindruck hatte, “dass es überhaupt nichts Gemeines und Gewöhnliches gebe. Von Heiligen und Religionsstiftem werden ähnliche Wirkungen berichtet — und der Verkehr mit Kafka hat mich davon überzeugt, dass solche Berichte auf wahrer Empfindung beruhen”. YESO ROMERAL TABIQUE PROMONTA Progreso y Economía para las Construcciones Distrib.: SODIMAC - S.A.C. SAAVEDRA BENARD AGENCIAS GRAHAMo S. A. C. (“M. B."). SALON DE TE BAR RESTAURANT Bajos B’NE JISROEL-Portugal 810-Fono 391189 ALMUERZO ONCE COMIDA K 0 S C H E R Reserve el salón moderno y acogedor recientemente refaccionado para campeonatos de bridge, canasta, dominó o skat. Pida presupuesto para: MANIFESTACIONES MATRIMONIOS BAR MITZWOTH CUMPLEAÑOS TORTAS Y PASTELES A DOMICILIO Nuevo Concesionario: LUIS ROSENBERG