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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-07-01 · 7 (Julio, 1960) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXII (1960)
Issue
7 (Julio, 1960)
Date
1960-07-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Julio 1960 BOLETIN INFORMATIVO 7 DIE ARMEEBEFEHLE DES BAR KOCHBA von Dr. Abner Nechushtan, Tel Aviv “Von Simon Bar Kosiba, dem Fuersten in Israel — lege Jehoshua Bar Tadmori in Ketten, vergiss nicht, ihm sein Schwert zu nehmen, und bringe ihn alsbald vor mein Antlitz” . “Von Simon Bar Kosiba, an Jonathan Bar Bajah! Ich wuensche, Elieser Ben Hittah umgehend zu sehen”. “Vom Fuersten in Israel an Masbalah, meinen Diener! Beschlagnehme aus den Scheuem des (unleserlich) Getreide; so befiehlt Simon”. Diese und andere Anweisungen des Mannes, der sein Volk zwei Generationen nach der Eroberung Jerusalems durch die Legionen des Titus nochmals gegen die Hoemer in den Kampf fuehrte, konnten nach mehr als achtzehn Jahrhunderten soeben entziffert werden. Sie wurden vor kurzem von einer Forschergruppe unter der Fuehrung desselben Jigael Jadin, entdeckt, der sich im Jahre 1948 als Generalstabschef der gerade aus dem Boden gestampften Streitkraefte des jungen Staates Israel verdient gemacht hatte. Spaeter war er dem Vorbild seines Vaters gefolgt, des inzwischen verstorbenen Prof. Sukenik, der seinerzeit entscheidenden Anteil an der Bergung und Dechiffrierung der beruehmten “Rollen vom Toten Meer” gehabt hatte, der Papyrusse jener Sekte der Essaeer, aus deren Mitte moeglicherweise Jesus von Nazareth hervorgegangen ist. Als Archaeologe erhielt auch der noch junge Dr. Jadin — wie er sich im Zuge der hierzulande ueblichen Hebraeisierung von Familiennaiften nennt — eine Professur an der Universitaet in Jerusalem. Und im Januar dieses Jahres war er mit Kollegen, einer ganzen Schar von Studenten und unternehmungslustigen Jungsiedlern, und ausgestattet mit allen nur denkbaren Behelfen der modernen Technik von Minensuchern bis zu Hubschraubern der israelischen Luftwaffe, zur Einoede der Fel senhoehlen am Westufer des Toten Meeres aufgebrochen. Auf den Spuren einer fernen Vergangenheit Die Wissenschaftler waren — sie wussten es — nicht die ersten, die sich in dies Forschungsgebiet und besonders in die riesige, nur unter Lebensgefahr zugaengliche Hoeh_ le am Ufer des Chever-Flusses wagten, dessen schmaler, waehrend des Sommers fast ausgetrockneter Lauf dem Toten Meer zustrebt. Gelehrte franzoesische Moenche hatten in frueheren Jahren hier schon gewisse Funde gemacht, jordanische Beduinen waren ihnen gefolgt und hatten den und jenen Papyrus, den sie aufstoeberten, in ihrer Gewinnsucht bis zur Unlesbarkeit zerfetzt, um beim Verkauf der einzelnen Streifen desto mehr verdienen zu koennen; auch ein anderer Dozent der Jerusalemer Universitaet,. Dr. Aharoni, hatte im Jahre 1953 wertvolle Vorarbeiten vor allem in dieser Chever-Hoehle geleistet. Was in wochenlangen Muehen diesmal sichergestellt werden konnte, war nicht mehr und nicht weniger als Bar Kochba’s “Staatsarchiv”, soweit die von ihm gefuehrten Aufstaendischen es mit sich genommen hatten, als sie nach zweijaehrigem Widerstand, gegen die ueberlegene Macht des Feldherrn Julius Severus im Jahre 135 n.Chr. ihre Zuflucht in jenen Hoehlen suchten. Nachdem wieder, wie vorher, Behaeltnisse mit den schon bekannten “Bar-Kochba-Muenzen”, Speerspitzen, verrostete Schwerter u. dgl. entdeckt worden waren, kam der dramatisch zugespitzte Augenblick, da einer der freiwilligen Helfer Professor Jadins, ein sportlich besonders gestaehlter Bursche, Dutzende von Metern tief unter den Expeditionsleitern halsbrecherisch an einem Seil hing und ihnen signalisierte, dass sich ein Buendel unbestimmter Dinge im Staub und Geroeil des Hoehlenbodens befinde. Was zuoberst lag und hochgezogen wurde, nachdem er es an ein zweites, rasch herabgelassenes J3eil gebunden hatte, war phantastischerweise — eine durchaus heutige Maennersocke, in der gar das Besitz-Zeichen eines Kibbuz eingestickt war, offenbar die fallen gelassene Beute eines der Geier, die solche Hoehlen haeufig als Brutstaette benutzen. Alles lachte — aber was dem Strumpf folgte bildete allerdings eine Sensation, wie sie die Gruppe Jigael Jadins nicht erwartet hatte! Zunaechst schien es sich um nichts als die Habseligkeiten einer Frau zu handeln, vielleicht einer hierhin mitgenommenen Geliebten Bar Kochbas oder seiner Offiziere, vielleicht auch eines seiner weiblichen Meldegaenger — Kleiderreste, S p i d g e 1, Salbenkrueglein, Schminktoepfe Dinge, auf die das ewig Weibliche schon vor Jahrtausenden und selbst in der Todesfälle dieses verzweifelten Zufluchtsortes nicht verzichtet hatte. In die Stoffetzen waren aber eben jene Briefe eingebuendelt, zehn von ihnen auf Papyrus und einer, der auf einer duennen, vierteiligen Holztafel geschrieben war. Die Aufzeichnungen sind zumeist in der aramaeischen Sprache gehalten, von der bisher angenommen wurde, dass sie erst einige Zeit nach dem Aufstand Bar Kochbas ins Volk gedrungen war. In einigen Faellen aber erfolgten sie auf griechisch . Neues Licht auf eine sagenumwobene Gestalt Wie die eingangs angefuehr. ten Beispiele zeigen, bevorzugte Simon Bar Kosiba, der in die Historie mit seinem spaeteren Namen Bar Kochba eingegangen ist, fuer seine Anweisungen einen in lakonischer Kuerze gehaltenen, soldatisch knappen Stil. Das entspricht dem Bild, das sich die Geschichtswissenschaftler vom unbeugsamen Charakter dieses Mannes gemacht haben, soweit bisher ueberhaupt etwas von seinem Lebenslauf, den Gruenden und dem Gang seines Aufstandes gegen das allmaechtige Rom Hadrians bekannt geworden ist. Auch wenn er als Politiker dem Beistand der Weitere Einzelheiten über den Archiv BarKochbas, der kuerzlich von einer israelischen archaeologischen Expedition in einer Hoehle der Berge Jehudas gefunden wurde, duerften erst nach dessen wissenschaftlicher Auswertung bekannt werden. Die erste Bekanntgabe des sensationellen Fundes erfolgte bei einem Empfang im Hause des Staatspräsidenten durch Professor Jigael Jadin. Bei der Bekanntgabe waren auch Ministerpräsident Ben Gurion anwesend, den Professor Jadin bereits informiert hatte, sowie Aussenminister Meir, der Generalstabschef, Mitglieder der Regierung, der Sojnut Vorsitzende, Geistliche und Professoren der Universitaet. Eine grosse Aufregung herrschte im Hause des Staatspräsidenten, als die Gelehrten, die an der archäologischen Expedition teilgenommen hatten und Prof. Jadin bekanntgaben, es wären auf Papyrus geschrie. bene Befehle des jüdischen Rebellenfuehrers und “Nassi al Jisrael”, Schimeon Bar-Kochba an zwei seiner Offiziere im Aufstand gegen die Roemer gefunden worden. Die Wissenschaftler und alle Anwesenden waren sich nach den ersten Worten Professor Jadins darueber im klaren, dass hier von recht machtvollen mitteloestlichen Parther noch so sehr vertraute, die ihn dann anscheinend im Stich gelassen haben, zeugte sein Versuch, den Roemern wieder die Unabhaengigkeit Judaeas abzuzwingen, zweifellos von Selbstbewusstsein bis ueber die Grenze der Tollkuehnheit. Die bedachteren unter seinen Mitbuergern leiteten seinen Familiennamen deshalb auch nicht vom palaestinensischen Stae d t c h e n Kosib, seinem Heimatsort ab, sondern vom hebraeischen “Kasav”, Luege — Sohn der Luege” nannten sie ihn. Aber einer der Weisen aus ihrer Mitte, Rabbi Akiba, der ebenso als bibelkundiger Lehrer wie als Maertyrer unvergessen ist, wandte den Schriftvers” Er ist als Stern (Kochab) aufgegangen in Jakob” auf ihn an und ruehmte Bar Kochba mithin als “Stemensohn”. Der Aufstand dieses letzten Funden die Rede ist, die historisch mindestens ebenso wichtig sind, wie die beruehmten Rollen von Qumran. Die Papyrus-Befehle wurden in einer Nische gefunden, unter den persoenlichen Dingen einer juedischen Frau jener Zeit, von der angenommen wird, dass es sich um die Gattin des aufstaendischen Offiziers Jonathan Bar-Baya handelt. ' Das Paeckchen der Befehle war mit zwei Faeden umgebunden und sie wurden teilweise unbeschaedigt, zum Teil nur wenig beschädigt aufgefunden. Es ist in ihnen v. Ernte u. Hausbau die Rede, bei einigen Befehlen wird der Empfänger aufgefordert d. zu tun, was der Ueberbringer ihm anordnet. Die Befehle stammen aus der Zeit der Anfaenge des Aufstandes, als Bar-Kochba noch auf dem Hoehepunkt seines Ruhmes stand, u. mussten nach dem Zusammenbruch des Aufstandes von manchen Ueberlebenden in die Hoehle, wo sie sich versteckt haben, mitgenommen worden sein. Im Paeckchen befinden sich 14-15 Befehle, von denen bisher nur 10 ausgedeutet werden konnten. Von diesen zehn gibt es sieben in Aramaeisch, von Bar-Kochba geschrieben, ein anderes Dokument in Aramaeisch und zwei in Griechisch. juedischen Generals der Antike war gewiss ein selbstmoerderisches und insofern mehr denn fragwuerdiges Wagnis, bedenkt man, dass er nach dem Bericht des gemeinhin gut unterrichteten gfiechischen Geschichtsschreibers Dio Cassius in einem Blutbad erstickt wurde, dem mehr als eine halbe Million Menschen zum Opfer gefallen sein sollen. In den Ueberlieferungen seines Volkes lebt Simon Bar Kochba durch all die Zeiten darum nicht weniger als Nationalheld weiter. Und moegen die nun entdeckten Handschriften seines Archivs auch nichts entscheidend Neues an Kenntnissen ueber ihn und seine Rebellion erbringen; der Legende Bar Kochba haben diese Funde, von ihrer archaeologischen Bedeutsamkeit ganz abgesehen, hier in Israel jetzt neuen, ausserordentlichen Auftrieb gegeben. die an Jonathan Bar-Baya gerichtet waren. Auch in den griechischen Dokumenten wird der Name Bar - Kochbas erwaehnt, der dort “Schimon Kosiba” heisst. Das interessanteste Dokument, gut lesbar, ist auf eine dünne Holzplatte geschrieben worden. Hier erscheint Bar“. Kochbas Namen mit seinem vollen Titel: “Schimon Bar- Kochba, Hanassi al Jisrael”. Hier wurde befohlen das Getreide von Tachnon ben Jisrael zu beschlagnahmen und einen Teil davon, zusammen mit Tachnon unter Bewachung zu ihm zu schicken. Bar-Kochba droht hier mit Bestrafung, sollte sein Befehl nicht befolgt werden. In einem anderen Befehl heisst es, man habe Jehoschua Ben-Tadmoria zu fassen und zu Bar-Kochba zu schikken, wobei darauf geachtet werden soll, dass auch seine Waffe mitgeschickt wird. Fotografen der Televisionsgesellschaften belagerten das Haus Professor Jadins, um die Funde aufzunehmen. Inzwischen wird auch bekannt, dass in den USA bereits ein Film über die archaeologische Expedition in der Wueste Jehuda vorbereitet wird. (“CANFIT”). DER SENSATIONELLE FUND IN DER WUESTE JEHUDA EINZELHEITEN DES BAR KOCHBA-ARCHIVS WERDEN NACH WISSENSCHAFTLICHER AUSWERTUNG BEKANNTGEGEBEN MAGBIT 5720 bedeutet Solidaritaet mit Israel und dem gesamten jüdischen Volk.

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