Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXII (1960)
- Issue
- 5 (Mayo, 1960)
- Date
- 1960-05-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8553624-8557783-9194462--2891-8557892- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mayo 1960 BOLETIN INFORMATIVO 11 LERNEN GEDANKEN ZU SCHAWUOTH 5720 yon Rabbiner E. Loewenstein Die Welt des Altertums kannte viele Wege zu ihren Goettern Man lebte in Enthaltsamkeit oder versammelte sich zu Orgien suchte durch Magie die uebematuerlichen Kraefte zu beeinflussen, steigerte die Hingabe bis zum Wahnsinn oder liess sich im Gottesdienst betaeuben. Die hoehere Macht wurde als Tabu behandelt, um sie sich fern zu halten oder als Totem, um mit ihr in Verbindung treten zu koennen. Es gab Religionen der wilden Extase oder des ruhigen Gebetes. Sie unterschieden sich nicht nur darin, woran sie glaubten, sondern auch, wie sie diesen Glauben in die Praxis ueberfuehrten. Die Unterschiede reichen vom Wirbeltanz bis zur hingebungsvollen Kniebeuge. Die Verehrung konnte sich im Herzen des Individuums oder im oeffentlichen Zeremonien ausdru ecken. Der Weg des juedischen Volkes zu Gott war vom ersten Moment seiner Geschichte an ein anderer. Am Sinai wurde Israel zum Volk des Buches Dieses Buch war nicht nur ein Buch zum lesen, sondern ein Buch zum leben. Es wurde sein Mittelpunkt. Israel ist das einzige Volk in der Welt, das Talmud Thora als Gebot — als Zweck in sich - kennt. Lernen in der Thora ist Gottesverehrung. In diesem Studium, in dieser Begeisterung fuer das Lernen, lebte sein religioeser Enthusiasmus. “Dieses Konzept des kollektiven und individuellen Lernens als eine Form des Gottesdienstes hat durch alle Jahrhunderte hindurch im Judentum bestanden und nicht nur zum Lernen als Beruf gefuehrt, sondern auch Menschen von bescheidenen Lebensberufen wurden leidenschaftliche Studenten des Talmuds, als dem hoechsten Zweig des religioesen Lernens und dem verdienstlichsten aller guten Taten” (Prof. George Foot Moore). Das Lernen wurde als so wichtig erachtet, dass es im alltaeglichen Gebet des Gottesdienstes Aufnahme fand, der an die Stelle des Opferdienstes des Tempels trat. Darum wurde die Lektuere der Torah bei jeder Gelegenheit, die sich bot, eingefuehrt: Am Feiertag, Neumond, Schabbat, Montag und Donnerstag, sodass keine drei Tage vergehen, ohne dass sich der religioese Jude dem Lesen 'der Torah widmet. Auch unser Sidur ist voll von Torah. Wir sind gewoehnt, vom Sidur als unserem Gebetbuch zu sprechen. Das entsprechende Wort fuer Gebet ist jedoch im hebraeischen: “Techina” - Flehen. Und diese Art Gebete sind sogar am Schabbat und am Feiertag aus unserem Ritus ausgeschlossen. Vielmehr sind der Sidur und Machsor (Gebetbuch fuer die Feiertage) voll der Worte der Lobpreisung und des Dankes, des Bekenntnisses unserer Unvoll- PROTOKOLL (Schluss yon Seite 4) hoehung einzukommen, anerkenne und als berechtigt empfinde, jedoch vorschlage, den Mindestbeitrag nicht zu erhoehen, sonder das hierdurch entstehende Mehrdefizit durch eine freiwillige Erhoehung der Beitraege und Spenden zu decken, damit die Gemeinde auch weiterhin allen an sie gestellten Anforderungen gerecht werden kann. Die Herren Dr. Max Rafael, Hermann Herz und Manfred Klein beteiligen sich an der darauf folgenden Diskussion. Abschliessend nehmen die Herren Dr. Landau und Dr. Levy zu der von Herrn Jacusiel eingebrachten Anregung Stellung und Herr Dr. Landau erklaert, dass in Falle der Annahme dieses Vorschlages keinerlei Garantie fuer eine, wenn auch noch so prekaere Sicherung der finanziellen Basis der Gemeinde gegeben sei, weshalb er die Generalversammlung bitte, dem Antrag des Direktoriums zuzustimmen. In der Anschliessenden Abstimmung wird der vom Vorstand gestellte Antrag mit grosser Mehrheit angenommen. Herr Dr. Willy Rosenbusch dankt dem Praesidenten fuer die geleistete Arbeit und beantragt die Entlastung des Gemeindevorstands, die einstimmig erteilt wird. Zum letzten Punkt der Tagesordnung nimmt Herr Dr. Landau zu einer Anregung Stellung, die ihm von Herrn Hans Jacusiel zugegangen ist und in welcher Fragen des Kampfes gegen den Antisemitismus zur Sprache kommen. Herr Dr. Landau gibt die entsprechenden Erlaeuterungen und teilt die dafuer vom Direktorium getroffenen Massnahmen mit, die einstimmig gutgeheissen werden. Abschliessend dankt Herr Dr. Landau den erschienenen Gemeindemitgliedern fuer ihr Interesse und laedt sie zu einer Besichtigung der renovierten Restaurationsraeume ein. Schluss der Generalversammlung 13.30 Uhr. kommenheit, der Erklaerungen Unserer Treue und des Ausdrucks unserer Liebe zu Gott, Israel und der Torah. Das alles charakterisiert den Inhalt unseres juedischen und religioesen Lebens in der Synagoge. Es gibt wohl nichts ergreifenderes als jene beruehmte Szene, die sich in das Gedaechtnis des juedischen Volkes tief eingegraben hat: Der grosse Rabbi Jochanan Ben Sakai gruesst im Moment des Untergangs des juedisches Staates mit seiner Hauptstadt Jerusalem den roemischen General und fordert von ihm die Erlaubnis zur Schaffung einer Akademie in Jabne. Der General ahnt nicht, dass er dem Weisen in diesem Augenblick den Schluessel zur Erhaltung des juedischen Volkes in die Hand gibt. In Jabne ist im Lernen der Torah der “Zaun um die Torah” geschaffen worden, der Israel durch die Jahrhunderte hindurch bewahrt hat. Lernen wurde zum Zweck in sich. Waehrend andere Voelker stolz waren auf ihre Helden des Schlachtfeldes, auf ihre grossen staatsmaennischen Fuehrer, wurde in Israel der “Talmid Chacham”, der Weise, zum geistigen Fuehrer und zum Ideal des jungen juedischen Menschen. Selbstverstaendlich hat es auch Zeiten der Reaktion gegenueber der oft sichtbaren Ueberbetonung des Intellekts, des Lernens als Zweck in sich, gegeben. Geschichtsforscher haben die Entstehung des Christentums als Rebellion des Am Haarez — des unwissenden Juden-angesehen. Etwas davon finden wir auch in der juedischen Mystik aller Zeiten. Aber in keiner Epoche ist der Respekt vor dem Lernen so tief gefallen, dass in ihm nicht doch immer wieder ein Mittel der Bindung mit Gott und Israel gesehen wurde. Im alten Athen und im alten Rom hat die Menschen nichts mehr erstaunt, als dass die Synagoge einer Schule glich. In ihr fand sich nichts von dem, was sie in ihren Tempeln sahen, keine Bilder und keine Opfer. Als das junge Christentum in diese Welt eintrat, verlor sich in ihr das intelektuelle Element des Judentums. Geblieben ist aus dem Judentum einzig die Predigt, waehrend die sakramentalen Elemente aus anderen Kulten uebernommen wurden. So hat sich das Judentum durch all die Jahrhunderte hindurch die Begeisterung zum Lernen bewahrt, ja Lernen wurde Gottesdienst. Im Lernen wurde sich das juedische Volk seiner Einheit bewusst. Uns alle traegt eine gemeinsame Wurzel. Wir leben in einer Zeit, in der die Selbstverstaendlichkeit des juedischen Lebens verloren gegangen ist und damit leider auch das juedische Lernen. Viele von uns sehen in ihrem Judentum ein Schlagwort, das sie national, religioes oder sozial assozieren. Aber das allein kann vom Standpunkt der Geschichte unseres Volkes aus nicht genuegen. Wo nicht mehr gelernt wird, besteht Immer die Gefahr, dass das Judentum nur zu einem reinen Bekenntnis wird und damit zu einer Konfession. Bewusstes Judentum jedoch muss auch lernendes Judentum sein. Rabbi Chalaphta Ben Dosa sagt: Wenn Juden zusammen sitzen und sich der Torah widmen, wohnt die goettliche Glorie unter ihnen. Diese goettliche Glorie (Schechina) hat uns durch die Jahrhunderte begleitet. Diese Torah wieder kennenzulernen, bereichert durch die modernen Methoden, die uns die Wissenschaft unserer Zeit bietet, sollte Aufgabe einer Generation sein die sich wieder zur juedischen Gemeinde bekennt. Nur eine lernende Gemeinde ist eine juedische Gemeinde . Das sind Gedanken, die uns am Schawuoth bewegen sollten, dem Fest, das wir zur Erinnerung an den historischen Moment feiern, an dem uns die Torah gegeben wurde. BUNTER ABEND DES "CISROCO" Am Abend des 7. April fand der zugunsten des Altersheims vom “Cisroco” veranstaltete Bunte Abend statt. Nach einer musikalischen Einleitung von Helmuth Herzfeld an der Wurlitzer Orgel begann der Abend mit einem Prolog “frei nach Faust”, dessen Verfasser leider im Programm nicht genannt war. Sodann brachte Gloria Schwartz zwei entzueckende Tanznummern zur Auffuehrung und Frau Ria Sossman erntete mit drei Liedern ebenso reichlichen wie wohlverdienten Beifall. Beide Kuenstler wurden am Fluegel von dem stets bewaehrten Herrn David Goldstein begleitet. Die Tanzgruppe des “Maccabi” fuehrte einige israelische Volkstaenze vor, wobei es ihr gelang, trotz der leider mangelhaften Widergabe des Tonbandgeraets ihre Fortschritte in der Choreographischen Gestaltung unter Beweis zu stellen. Mit Jazz an zwei Fluegeln und Kontrabass schlossen die jungen Kuenstler Ronny Knoller, Miguel Sacaan und Raymond Nissim den ersten Teil des Programms erfolgreich ab. Der zweite Teil begann mit dem erstmaligen Auftreten der Theatergruppe des “Maccabi” in unserem Sektor. Die Leistungen der jungen Schauspieler Marcos Telias, Renee Gewoelb, Regina Arueste, Jaime Werbin und Etta Conforti koennen vorteilhaft mit der jeder anderen gleichartigen Gruppe verglichen werden. Auch Regie und Buehnengestaltung, die in den bewaehrten Haenden von Hugo Miller, Kurt Herdan, Carlos Gorigoytia und Ernesto Palm lag, trug das ihrige dazu bei, dass die Auffuehrung des Schwanks ‘Modelo Exclusivo” von William Quade zu einem vollen Erfolg wurde. Wie immer, war der “Clou” des Abends der Vortrag des Herrn Pablo Krön, der, von Herrn Herzfeld begleitet, in meisterhafte Form drei seiner juengsten Gedichte vortrug, von denen besonders das erste —“Gott, bin ich blasiert und arrogant” — wahre Stuerme der Heiterkeit hervorrief. Die Conference oblag Herrn Walter Schueftan, der sich dieser Aufgabe, unterstuetzt von der hervorragenden musikalischen Umrahmung Helmuth Herzfelds und von Fraeulein Silvia Neger, in altbewaehrter Meisterschaft entledigte . Alles in allem, ein amuesanter Abend, erfreulich als Unterhaltung fuer die Anwesenden und hoffentlich auch als Finanzquelle fuer die uneigen, nuetzigen Veranstalter. Sowohl erstere wie letztere sind den Kuenstlern zu aufrichtigem Dank verpflichtet. K. E. ZU FAMILIEN - FESTLICHKEITEN Telegramme BIumen-Abloesungspenden, Baeume, Goldenes Buch, Bar-Mizwah-Buch, Kinder-Buch des KEREN KAJEMETH LEJISRAEL Telefonische Bestellungen: 398101 (Gemeinde) oder 87707 MAGBIT 5720 bedeutet So/idaritaet mit Israel und dem gesamten jüdischen Volk.