Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXII (1960)
- Issue
- 4 (Abril, 1960)
- Date
- 1960-04-01
- Page
- Seite 11 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Abril 1960 BOLETIN INFORMATIVO 11 VOM LANDE UZ NACH ISRAEL Theodor Herzl's journalistischer Leidensweg Von Erich Gottgetreu THEODOR HERZL In diesem Jahre wird sein 100, Geburtstag begangen. 3^8 “Blicket nicht sehnsüchtig nach dem Lande, in das man Euch führen will — denn dieses ist das Land Uz!”, hatte Karl Kraus, Herzl’s wortgewaltiger Widersacher, in seinem 'Pamphlet “Eine Krone für Zion”, das kurz nach dem Ersten Kongress erschienen war, gespottet. Indem Kraus damals noch die Lösung der Judenfrage, soweit er sie überhaupt anerkannte, durch den Vormarsch des Sozialismus erwartete, erklärte er herausfordernd, es könne kaum im Sinne der Geschichte liegen, eine Bewegung zu unterstützen die im Grunde nur deshalb geschaffen worden sei, weil “Herr Dr. Herzl einen Uebergang vom Feuilletonfach zum Leitartikel braucht”. Herzl hat auf das Pamphlet und auch auf spätere Angriffe Kraus’ nicht geantwortet, obschon sie ihn bestimmt sehr gekränkt haben werden. Dabei muss aber erwähnt werden, dass Kraus in der “Krone für Zion” niemals den Namen Herzl’s erwähnt, ohne in irgendeiner Form hinzuzufügen, dass er ihn für einen der besten Prosaisten seiner Zeit hält. Zwanzig Jahre nach Herzls Tode (1924, in Nr. 657 der “Fackel”) scheint es Kraus allerdings gedämmert zu haben, dass seine selbst - hasserfuellte Ablehnung des Zionismus ungerechtfertigt war. “Alles in allem”, bekannte er nun, “würde ich wohl, so grotesk mich gerade manche Erscheinungen nach den Tagebüchern Herzl’s in der Entstehungsgeschichte des Wiener Zionismus anmutet, das meiste, was in meiner Schrift steht, heute nicht sagen oder nicht so sagen”. ☆ Was für Herzl bedeutend schlimmer war, ist, dass er von seinen eignen Redaktionskollegen in der “Neuen Freien Presse” entweder nur Hohngelächter oder aufrichtiges Entsetzen erfuhr, wenn immer die Rede auf seine Konzeption des Judenstaates kam, geschweige denn, dass die beiden Herausgeber, Moritz Benedikt und Eduard Bacher, zugelassen hätten, dass in den Spalten ihres Blattes über die zionistische Bewegung und Ideologie berichtet wird. Dreizehn Jahre gehörte Herzl in hervorragender Stellung der Redaktion der “Neuen Freien Presse” an: vier Jahre, 1891/95, als Pariser Korrespondent und neun als Feuilletonredakteur—aber erst im Nachruf, den ihm das Blatt nach seinem Tode — Juli 1904 widmete, wurde, in einem, einzigen Satz, erwähnt, dass er der Gründer und Führer der Zionistischen Organisation war. So kann man sich in einem einzigen Satz über ein Problem hinwegsetzen, als ob damit das Problem zu existieren und wachsen aufhörte. Aber jetzt ist nun die offizielle Rehabilitierung Herzl’s von seiten der “Neuen Freien Presse’” erfolgt, begleitet von der Feststellung, dass sein Wirken “von grosser, weltgeschichtlicher Wirkung” gewesen ist. Wir nehmen gern von dieser Erklärung Kenntnis. Sie findet sich in dem interessanten Buch “Geschichte einer Zeitung” (Verlag der “Presse”, Wien) aus der Feder des österreichischen Historikers Adam Wandruszka. Seine in allen Teilen äusserst informative Darstellung beginnt mit der alten “Press e”, die im europaeischen Schicksals jahr 1848 zum erstenmal erschien, führt über die Sezession ihrer führenden Redakteure im Jahre 1864 zur Gründung der “Neuen Freien Presse” bis zum Sterben des Blattes in der Nazi-Zeit und seiner Neugründung nach dem zweiten Weltkrieg. Jahrzehnte hindurch bildete das einflussreiche Blatt einen umfassenden Geschichtsspiegel — aufgestellt dort, wo ein grosser Teil der europäischen Historie gemacht wurde. Wandruszka stellt Herzl als “blendenden Feuilletonisten” vor, der auch als Dramatiker und Novellist tätig war und dessen Stücke am Burgtheater und mehreren anderen Bühnen aufgeführt wurden”. Wandruszka fährt fort, er “galt mit Recht als eine der hervorragendsten Begabungen und Zukunftshoffnungen der Redaktion, als die Judenfrage... ihn mit solcher Macht erfasste, dass er zum Begründer der zionistischen Weltbewegung wurde”. Dann folgt der Hinweis auf Herzl’s “Tagebücher”, die, um Wandruszkas Ausdruck zu gebrauchen, “sein fast ein Jahrzehnt währendes Ringen mit den Herausgebern der “Neuen Freien Presse” deutlich genug werden lassen. Dabei erinnert Wandruczka daran, dass zwar beide Herausgeber, Benedikt und Bacher, grundsätzlich antizionistisch waren, dass es aber doch gerade Benedikt gewesen ist, der Herzl’s vor-zionistische “Stefansdomidee” von 1893 zur Lösung der in Oesterreich schwelenden Judenfrage ene r g i s c h abgelehnt hatte. Herzl hatte, wie er zu Beginn seiner Tagebuchaufzeichnungen rückblickend — und zu dieser Zeit, 1895, bereits kritisch — berichtet, den Einfall, dass die Juden Oesterreichs nach feierlicher Prozession zur Stefanskirche Wiens geschlossen zum Christentum übertreten sollten — nur die Führer sollten noch Juden bleiben, um noch weiter missionarisch zu wirken... Gleichzeitig hoffte Herzl, der damals noch sehr junge Herzl, durch diesen Schritt die Mithilfe des Papstes im Kampf gegen den Antisemitismus zu gewinnen. Und das war, nach Herzl zitiert, Benedikts Antwort: “Hundert Generationen hindurch hat Ihr Geschlecht sich im Judentum erhalten. Sie wollen jetzt sich selbst als die Grenze dieser Entwicklung setzen. Das dürfen Sie nicht. Uebrigens wird sie der Papst gamicht empfangen. ..”. Papst Pius X, hat später Herzl doch empfangen — wenn auch zu einer Zeit, als Herzl die Massentaufe oder Taufe überhaupt als Lösung der Judenfrage laengst nicht mehr für wünschenswert oder durchführbar hielt. Vorher war er auch schon vom Sultan und von Wilhelm II. zur Audienz zugelassen worden. Die Neue Freie Presse hat über all diese Ereignisse von entschiedenem Neuigkeitswert nichts berichtet, eine merkwürdige Vogel - Strauss- Politik, die einem modernen Zeitungsmann, wenn er nicht gerade aus einer Journalistenschule der Diktatoren kommt, unverstaendlich anmuten muss. Aber privat hatten Benedikt und Bacher doch ihre sehr bestimmten Ansichten über Judentum und Zionismus, Ansichten, in denen sie, wie Wandruszka schreibt, “ihr Bekenntnis zum Judentum mit einem starken deutschen Nationalgefühl und einem ähnlich starken österreichischen Patriotismus zu vereinen versuchten”. Und ihre Herzl kränkende und seiner Sache gewiss schädliche Verschweigetaktik erklärt Wandruszka mit der “Rücksicht auf einen grossen Teil des besitzenden jüdischen Bürgertums Oesterreichs”, sowie mit dem Bemühen, keinen Vorwand dafür zu geben, dass die Neue Freie Presse von Antisemisten als “jüdisches Blatt” ängegriffen werden könnte. “Auf der anderen Seite”, schreibt Wandruszka, “war es für Herzl gewiss schwierig, dass gerade seine Zeitung von der von ihm entfachten Bewegung keine Notiz nahm, er es sich aus Rücksicht auf seine Familie jedoch nicht leisten konnte, die Anstellung bei der Neuen Freien Presse aufzugeben. Wiederholt unternahm er Versuche sich “zu befreien”, wobei er hart an die Grenze der Loyalitaet gegenüber der Zeitung ging. So verhandelte er schon im Herbst 1895 mit Ministerpräsident Graf Badeni und dessen Vertrauensleuten über die Gruendung eines grossen Regierungsblattes, dessen Chef er, Herzl, werden sollte...” Im Lichte der gut dokumentierten Herzl-Biographie Alexander Beins und auch im Hinblick auf Herzls eigene Tagebuchaufzeichnungen bedarf. Wandruszkas Vorwurf, dass Herzl “hart an die Grenze der Loyalität” gegangen sei, wohl doch eines Kommentars, Badeni bot Herzl die Chefredaktion des geplanten Regierungsblattes an und das Angebot musste ihm naturgemäss verlockend erscheinen, da er hoffte, den damaligen Leiter der österreichischen Politik für seine Pläne und damit auch ein publizistisches Organ zu deren Propagierung zu gewinnen — das ist richtig Aber buchstäblich noch am selben Tag (28.10.1895)), als Herzl das Angebot gemacht wurde, informierte er die beiden Herausgeber. Es kam zu einem langen Gespräch mit Benedikt, der in einem Augenblick hellsichtiger Voraussicht erklärte: “Ich persönlich bin mit Ihrer Idee im grossen und ganzen einverstanden. Ob es das Blatt sein darf, kann ich nicht entscheiden. Ich wage es nicht. Ihre Idee ist für uns eine Bombenidee. Ich meine. Sie sollten es zuerst mit der Gründung einer société d’etudes in Paris oder London versuchen. Wir werden Ihnen dazu einen Urlaub geben und Sie persönlich mit unserem Einfluss unterstützen. Ob wir in absehbarer Zeit oder überhaupt jemals die publizistische Vertretung übernehmen, weiss ich nicht, und ich glaube, wir können es Ihnen nicht versprechen. Es wird vielleicht einmal zu schweren antisemitischen Ausschreitungen kommen, Mord, Totschlag, Plünderung — dann werden wir vielleicht ohnehin gezwungen sein, Ihre Ideen zu benützen. Es ist damit immerhin der Punkt gegeben, hinter den wir springen und uns retten können. Aber sollen wir Ihnen sagen, wir werden es tun und Sie damit vielleicht in eine Täuschung führen, die Sie uns später vorwerfen würden?” Die entscheidende Aussprache mit Bacher fand am folgenden Tage statt. Die Diskussion wurde damit eingeleitet, dass Herzl ihm die geplante Rede an die Rothschilds vorlas. Bacher hörte fasziniert zu. Und Herzl notierte später in seinem Tagebuch: Er, der (Fortsetzung Seite 12) Baumpflanzung im Scharon . ¿m mm s» feus üift