Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXII (1960)
- Issue
- 4 (Abril, 1960)
- Date
- 1960-04-01
- Page
- Seite 10 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/8553624-8557783-9194460--2849-8557851- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
10 BOLETIN INFORMATIVO Abril 1960 WUESTENSOEHNE IM MODERNEN STAAT Probleme der Beduinen in Israel \ Warum haben Israels Beduinen heute doppelt so viele Kamele — 12.000 — wie vor zehn Jahren, obwohl keine Einfuhr dieser Tiere stattfindet? Wenn man dazu in Betracht zieht, dass ein grosser Teil der Kamele als Rind - oder Kalbfleisch — je nach dem Alter — auf den Markt gebracht worden sind, auf dem jedes Fleisch überhöhte Preise erzielt, dann gibt es nur eine Erklärung: 55.000 Kamele und eine ähnliche Zahl von Schafen sind in den vergangenen zehn Jahren von den Beduinen nach Israel geschmuggelt worden. Schmuggel gilt bei ihnen als ehrenwerte und männliche Beschäftigung, und keineswegs nur der von Tieren: Taschenradios und Füllfederhalter, Rasierklingen und andere leicht versteckbare Artikel sind ebenso gefragt wie Waffen und Rauschgifte, die sie, in einem schwunghaften Handel zwischen Aegypten und Jordanien, durch den Negev, Israels südliche Wüstè, transportieren. Auf ca. 111 Quadratkilometern im Negev — d.. i. einem Fünftel von Israels Staatsgebiet — leben an die 15.000 Beduinen, Angehörige von 19 Stämmen, deren Zentrum jenseits der Grenzen liegt. Im israelischen Unabhängigkeitskrieg sind diese Beduinen, aus einer Anzahl von 60.000 im Negev verblieben und somit von ihrem Klan abgeschnitten worden. Die Bande der Blutsverwandtschaft jedoch duerften stärker sein als die Loyalität zum jüdischen Staat und sie haben ihren nunmehr illegalen Kontakt mit ihren Stammesbrüdern in Aegypten und Jordanien niemals wirklich aufgegeben. Die nomadischen Stämme in Israel sind mit anderen Problemen konfrontiert als die Beduinen in arabischen Ländern, in denen sie mit der Mehrzahl der Bevölkerung eine mehr oder weniger homogene Einheit bilden: im jüdischen Staat wird die Primitivität dieser Wüstensöhne immer wieder von der Modernität des Gesellschaftswesens auf die Probe gestellt, und diese Begegnung ist trotz der jahrhundertealten Beduinen-Ueberlieferung nicht ohne Ergebnis geblieben. Die Landwirtschaft der Beduinen beschränkt sich zwar noch auf den dürftigen Anbau von Weizen und Gemüse für den Eigenbedarf und wird traditionsgemäss von den Frauen besorgt, da die Männer solche Arbeit unter ihrer Würde finden. Aber etwas Neues ist hinzugetreten, das dieses Bild erschüttert: Die Mechanisierung der Bodenbestellung in Israel.. Junge Beduinen, die eben noch Kamele geritten haben, sind kindlich stolz darauf, einen Traktor zu bedienen und der geduldigen Arbeit der Behörden ist es Industriewerk in Haifa Üil itliliill Wm mm mm. PS m#<- iiili von Herbert Freeden (Jerusalem) sogar gelungen, eine landwirtschaftliche Kooperative von jungen Beduinen zu bilden.. Der Reichtum der Beduinen wird nach der Grösse ihrer Herden gemessen — Schafe, Ziegen, Pferde und Kamele, die ihnen Fleisch, Milch, Käse und die Häute für die Zelte liefern und als Beförderungsmittel dienen. Da ein Kamel in Israel ca. 1400 Mark und ein Schaf ca 150 Mark kosten, sind die Beduinen in den letzten Jahren zu einem Wohlstand von ungefaehr 10 Millionen Mark gelangt. Ihr Geld geben sie kaum aus — es sei denn für Waffen. Nur die Scheichs haben bereits Geschmack an den Produkten westlicher Zivilisation gefunden, und obwohl sie nach wie vor in ihren schwarzen Zelten hausen, sind Radioapparate und Autos zu Symbolen von Macht und Reichtum geworden. Alles in allem bebauen die Beduinen im Negev ca. 40.000 Hektar Boden Das Land, das weder registriert noch vermessen ist, wurde früher vom Scheich an die Mitglieder sek nes Stammes vergeben; heute werden die Ländereien direkt von der Regierung an die individuellen Familien verpachtet, was zum Niedergang im Status des Scheich beigetragen hat. Er ist zwar noch der Mittelsmann in allen Fragen zwischen der Regierung und seinem Stamm und es bestehen Stammesgerichtshöfe, die aus neun einflussreichen Scheichs zusammengesetzt sind und vom Staat anerkannt werden. Aber die Beduinen können sich auch an ein Zivilgericht wenden, und mehr und mehr bringen ihre Angelegenheiten vor die staatlichen Richter, weil die Scheichs oft ihre Macht missbraucht haben. Frauen werden immer noch von den Männern unterjocht und von ihren Vätern in die Ehe verkauft. Auch hier brökkelt es im alten Gefüge: die Zahl der freiwilligen “Entführungen” mehrt sich, die bereits ein Zeichen der kommenden Emanzipation sind. Wenn ein Maedchen von einem Mann entführt wird, gibt nämlich in den meisten Fällen der Vater nachträglich seinen Segen und solche “Entführungen” mit Hilfe der betreffenden Mädchen dienen dazu, das Einverständnis des Vaters zu erzwingen. Selbst in der traditionellen Kleidung ist eine Neuerung eingetreten: man trägt Schuhe. Die Durchführung des staatlichen Schulzwangs ist allerdings auf grosse Schwierigkeiten gestossen, weil es Mädchen verboten ist, zur Schule zu gehen und die Jungen als Schäfer ihren Vätern helfen müssen. Trotz aller Anstrengungen nehmen nur 6% der Beduinenkinder am Unterricht teil. Die nomadischen Bedingungen sind ein weiteres Hindernis, da nur wenige Lehrer gewillt sind mit den Stämmen herumzuwandern, zumal sie meistens aus städtischen arabischen Kreisen kommen. Reiche Scheichs schicken jedoch •ihre Kinder bereits in die höheren Schulen in den Städten. Der grösste Erfolg Israels, die Beduinen von den Vorteilen westlicher Zivilisation zu überzeugen, liegt zweifellos auf dem Gebiet der Medizin. Während noch vor zehn Jahren die Wuestensoehne sich von Derwischen “kurieren” Hessen, haben heute die fünf staatlichen Kliniken in den Beduinenzentren alle Hände voll zu tun. Patienten, die sich weigern, in eine Klinik zu gehen, werden von jüdischen Doktoren besucht, in Begleitung von als Schwestern ausgebildeten Beduinenmädchen. Auf diese Weise ist die Tuberkulose, die unter den Beduinen besonders grassierte und viele Todesopfer forderte, bedeutend zurückgegangen. Im vergangenen Jahr sind zum ersten Mal Beduinenkinder mit dem Salk- Serum gegen Polio geimpft worden — und die Tatsache, dass sich 50% der Eltern dazu bereit erklärt haben, deutet bereits auf eine Art Revolution im Denken hin. Die israelischen Behörden wollen den Lebensstandard der Beduinen heben. Dazu gehört die Entwicklung der Wasservorkommen im Negev auf der einen Seite und die Ueberwindung der Vorurteile, die sich aus der uralten Beduinentradition ergeben, auf der anderen. Das erste Problem hofft man in vier Jahren lösen zu können, denn bis dahin will man die Wasser des Jarkonflusses vom Norden des Landes in die wasserlose Wüste des Südens pumpen und damit den wirtschaftlichen Ursachen der Nomadenexistenz ein Ende machen. Ob die Beduinen dann wirklich sich in Dörfern ansiedeln und sesshaft werden, hängt von ihrer Mentalität ab, und hier wird sich zeigen, was stärker ist — Stammesüberlieferung oder technischer Fortschritt. ISRAELISCHES ALLERLEI ln Petach Tikwa bekam ein Buerger eine Broschuere ueber Verkehrsunfallverhuetung in die Hand, las sie auf der Strasse und wurde dabei von einem Motorroller ueberfahren. Als ein Beamter des Äussenministeriums die Erklaerung der berühmten Saengerin Josephine Baker las, ihr Vater sei Jude und ihre Mutter Negerin, erklaerte er befriedigt: „Ein weiterer Beweis fuer die vor zueglichen Resultate der israelisch-ghanaischen Kooperation.” Elijahu Levy aus Jerusalem muss nicht einruecken. Als er seine Einberufung bekam, eilte er zum Mobilisierungsamt und drohte jeden zu ermorden, der ihn zum Militaerdienst zwingt. Der Richter hat seinen Militaerdienst zwar fuer 18 Monate aufgeschoben - doch diese Zeit muss Elijahu Levy im Gefaengnis verbringen. Als die Aegypter erklaerten, dass sie nur „die Papiere der aus Israel kommenden Schiffe prüfen” die dann einige Monate in Port Said stecken bleiben, fragte der israelische Chefdelegierte in der UNO: „Weshalb benützen sie zu dieser Prüfung ausschliesslich Analphabeten?” Fuersorgeminister Dr. Burg: „Ich habe meine eigene Wohnung und meinen eigenen Wagen. So bin ich in der beneidenswerten Lage, jederzeit eine Regierungskrise heraufzubeschwoeren, ohne persoenlich darunter zu leiden.” YESO ROMERAL TABIQUE PROMONTA Progreso y Economía para las Construcciones Dístrib.: SODIMAC - S. A. C. SAAVEDRA BENARD AGENCIAS GRAHAM S. A. C. ■■ i i i