Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXII (1960)
- Issue
- 6 (Junio, 1960)
- Date
- 1960-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/8553624-8557783-9194457--2821-8557824- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Marzo 1960 BOLETIN INFORMATIVO 5 DIE BLEIBENDEN WAHRHEITEN DER ESTHER-ROLLE (Zu Purim 5720} von CURT WILK Waehrend die Buecher, welche vom ruhmvollen Kampfe der Makkabaeer k u e n d e n, nicht in die Reihe der biblischen Schriften aufgenommen wurden, hat die Estherrolle, unsere Purimlektuere, ihren besonderen Platz in unserer Bibel gefunden und die staerkste Beachtung durch unsere Weisen. Selbst in, messianischen Zeiten, so aeusserte sich ein Gesetzeslehrer, werde Megillat Esther nicht verdraengt, durch keinen Wandel der Geschehnisse aufgehoben werden. Weshalb diese Hochstellung einer Schrift, die nicht einmal den Gottesnamen enthaelt, so ist immer und immer wieder gefragt worden? Mit Purim verbindet sich der Begriff des Wunders, d. h., des Eingreifens einer hoeheren Macht dort, wo keine menschliche Kraft ausreicht, um ein boeses Verhaengnis abzuwenden. In den rund zweitausend Jahren der Zerstreuung ueber so viele Laender, in ewiger Abwehrstellung gegenueber falschen Beschuldigungen und Verfolgungen, hat sich dieses volkstuemlich geschr i e b e n e Buechlein besonders bewaehrt. Freund und Feind, Kampf und Sieg, Treue und Verrat werden dem juedischen Volke wie in einem Spiegel vorgefuehrt, und wir werden darueber belehrt, dass sich im Grunde wenig geaendert hat, dass die gleichen Argumente, in aeusserlich-abgewandelter Form, gegen Juden und Judentum benutzt werden. Was fuer Menschen nun treten uns in der Estherrolle entgegen, und was fuer Gedanken vertreten sie? Nach juedischer Ueberlieferung reicht der Stammbaum Haman’s, des Erzfeindes der Juden, in die aelteste Geschichte hinauf bis zu Amalek, Essau und Laban. Dieser Mensch war ein Emporkoemmling, denn die Megillah sagt ausdrueeklich, dass der Koenig von Persien ihn hoch erhoben habe, waehrend er frueher unbeachtet geblieben war. Zu hoechstem Ansehen gelangt, zeigt sich Haman sehr empfindlich fuer die kleinste Missachtung und zu gleich unersaettlich in seinem Ehrgeiz. Jederman muss vor ihm das Knie beugen; doch Einer unter Hunderttausenden versagt ihm diese Ehre, Mordechai, der Jude, und sofort erfasst Haman eine nicht zu baendigende Wut, weil er ein Mensch ist, der fuerchten muss, dass die Welt sich daran erinnern koennte, wie unbedeutend er einmal gewesen ist. Schlau, listig, geht er gegen die juedischen Buerger Persiens vor, und der Talmud bemerkt, dass er ein “Kuenstler der vieldeutigen Rede” gewesen sfei. “Da ist ein Volk”, so beginnt er seine Ansprache vor demKoenige, “welches ueberall zerstreut lebt, mit eigentuemlichen Gesetzen wie kein anderes Volk, und die Gesetze des Koenigs beachtet es nicht”. Dem Koenig Achaschverosch wird also ein Volk geschildert, das sich ueber andere Volker erhaben duenkt, “zerstreut” lebt, d.h., kein Interesse am Boden des Vaterlandes habe; “in allen Provinzen findet man die Juden”, was leicht so verstanden werden kann, dass die. se sich ueberall vordraengen wuerden. Und schliesslich “die eigentümlichen Gesetze”. Was liegt naeher, als dass man mit den eigenen Lehren die persischen Gesetze unbeachtet lassen und sich gegebenenfalls der Landesverteidigung entziehen will? Immer sind es diese Beschuldigungen gewesen, von Haman geschickt formuliert, die in den verschiedensten Epochen und Staaten gegen das juedische Volk vorgebracht worden sind bis in unsere Tage, und schon hiermit ist die Wahrhaftigkeit und Lebensechtheit der Estherrolle dargestellt. Diesem grundschlechten Haman-Charakter steht der Gegenspieler Mordechai gegenueber. “Ein juedischer Mann” lebt in der Hauptstadt Schuschan, so wird berichtet. Vom koeniglichen Geschlechte Saul’s stammt er ab, ist also kein Emporkoemmling wie Haman. Von der Wuerde seines Hauses durchdrungen, war es “ein ganzer Jude”, der im persischen- Exil seine Pflegetochter Esther juedisch erzog. Dieser Mann entdeckt einen hochverraeterischen Staatsanschlag gegen BLINDE KINDER IN ISRAEL bedürfen Eurer Freundschaft und Hilfe 7'W*'- Unter stuetzt das Blindenheim in Jerusalem Asociación de los Amigos de los Ciegos Israelitas "TORME1 - 0K' Portugal 810 Casilla 2487 YESO ROMERAL TABIQUE PROMONTA Progreso y Economía para las Construcciones Distrib.: SODIMAC - S. A. C. SAAVEDRA BENARD AGENCIAS GRAHAM S. A. C. Koenig und Dynastie, meldet seine Entdeckung bescheiden der inzwischen zur Koenigin erhobenen Esther, die es im Namen Mordechais berichtet. “Wahrlich”, so sagen unsere Weisen, “wer so ehrlich ist wie Esther, sich kein fremdes Verdienst zuschreibt, keine fremden Ideen im eigenen Namen vortraegt, um zu-glaenzen oder Lohn zu erhaschen, ein solcher Mensch arbeitet an der Befreiung der Menschheit”. Dieser Mordechai wird durch eine wunderbare Schicksalsfuegung der Retter der Juden, der Nachfolger des gestuerzten Haman, “der Zweite nach dem Koenige und der Erste unterden Juden”. Doch er vergisst im Ruhme nicht seines Volkes. “Beliebt ist er bei der Mehrheit seiner Brueder”, so sagt die Megillah, und man darf hinzufuegen, dass er fuer das Wohl der Juden bis in die fernste Zukunft wirkte. Und dies ist die zweite Lehre der Estherrolle: Alle unsere Verteidigungsreden bleiben erfolglos, wenn nicht ein Mordechai unser Vorbild ist. Bis auf den heutigen Tag koennen weder unsere Prediger noch unsere Dichter und Denker die judenfeindlichen Behauptungen entkraeften, wenn nicht ein juedisches Volk da ist, dessen Leben eine einzige Widerlegung der antisemitischen Angriffe bildet. Medinat Jisrael ist ein lebendiger Gegenbeweis fuer die Haltlosigkeit und innere Unwahrhaftigkeit der judenfeindlichen Tendenzen. Der Verlauf der Purimerzaehlung stellt ein Zusammentreffen von Umstaenden dar, an denen nichts Uebernatuerliches wahrgenommen werden kann. Kein unm ittelbares goettliches Engreifen wird erkennbar, aber gerade diese natuerlichkeit des Ablaufes der Dinge verleiht der Estherrolle ihre besondere Bedeutung in der Heiligen Schrift. Es ist, als ob den Juden deutlich gemacht werden sollte, dass andere Zeiten andere Beweise der goettli. chen Hilfe erheischen. Nicht mehr wie einst in Aegypten verwandelt sich Wasser in Blut und Licht in Finsternis. Vielmehr muessen die Juden verstehen, dass in der geschichtlichen Entwicklung der Ereignisse die Rettung ruhen, in dem natuerlichen Verlaufe der Begebenheiten die schuetzende Hand Gottes sich offenbaren wird. Das Wunder von Purim liegt in dem Willen zur Selbst. erhaltung, der unser Volk beseelte; die juedische Existenz ist der sichtbare Beweis vom Vorhandensein der goettlichen Wunderkraft. Esther und Mordechai waren solche entschlossenen juedischen Menschen, deren politische Taten von echtem religioesem Geiste durchdrungen waren, und deshalb konnten sie ueber das Schlechte triumphieren. GEDANKENSPLITTER Viele suchen ihr Glück, wie sie ihren Hut suchen, den sie auf dem Kopfe haben. Und all das Geld und all das Gut, gewaehrt zwar schoene Sachen, Gesundheit, Schlaf und guten Mut, kann’s aber doch nicht machen. Hoffe wenig und wirke viel, das ist der kuerzeste Weg zum Ziel. Wer mit dem Leben spielt, kommt nie zurecht; wer sich nicht selbst befiehlt, bleibt immer Knecht. Wenn wir taeten, was wir sollten, so taet Gott auch, was wir wollten. Gar mancher kommt trotz vielem Lesen, mit dem Verstaendnis in die Brüche; wohl hat er die Sprüche der Weisheit gelesen, doch nicht verstanden die Weisheit der Sprüche. Wie einer ist, so schaut er, wie einer denkt, so traut er, wie einer ringt, erwirbt er, wie einer lebt, so stirbt er. Die Welt ist voll von Gottes Segen, willst Du ihn haben, ist er dein. Du brauchst nur Hand und Fuss zu regen, du brauchst nur fromm und klug zu sein. Wer immer ein Werk vor hat, das seine ganze Seele beschaeftigt, der ist nie ungluecklich. Zufrieden sein ist grosse Kunst, zufrieden scheinen blosser Dunst, zufrieden werden, grosses Glück, zufrieden bleiben Meisterstück.. Liebe ist Offenbarung, sie fühlt den geheimen Herzschlag der Natur, denn sie ist eins mit ihr. H. W.