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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-02-01 · 2 (Febrero, 1960) · p. Seite 8

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXII (1960)
Issue
2 (Febrero, 1960)
Date
1960-02-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 BOLETIN INFORMATIVO Febrero 1960 Nicht nur Geistesschwache und Halbstarke Eine sehr grosse Anzahl ernster Soziologen, Journalisten und Politiker wehrt sich gegen die Vorstellung, hinter der antijuedischen Schmutzwelle, die sich seit der Synagogenentweihung von Koeln am 25. Dezember 1959 wie eine Sturzflut ueber die ganze Welt ergossen hat, ein Wiederaufleben des Nazigeistes zu sehen. Sie neigen vielmehr zu der Ueberlegung, es seien die Taten von dummen Jungen, von Halbwuenchsigen oder Halbstarken, wie man heute sagt, von “cholerischer Jugend” und Hohlkoepfen, die sich an Rock’n Roll muede getanzt haben und nun neuen Nervenkitzel suchen. Bestenfalls geben sie zu, dass die Initiatoren wahrscheinlich alte oder neue Nazis seien, vielleicht sogar durch ein organisiertes Kommando gefuehrt, belastet aber mit der hundertfachen Nachahmung das Schuldenkonto der Halbstarken in aller Welt. Gewiss, beide sind daran schuld: die Nazis und die Idioten, so gewiss wie die Tatsache, dass zwischen beiden Konzepten kein fundamentaler Widerspruch besteht. Die akademische Diskussion ueber das Mass der Schuld ist aber fuer uns irrelevant und dies nicht nur, weil keine genaue Untersuchung und noch nicht einmal eine ernste Schaetzung moeglich ist. Es gibt bei der ganzen Angelegenheit eine Reihe von Tatsachen, die unumstoesslich sind und sie Energische Ablehnuna Die anfaengliche Verblueffung der oeffentlichen Meinung ueber den Ausbruch der antisemitischen Stupiditaet hat in den letzten Wochen einer energischen Ablehnung Platz gemacht. Aus der Fuelle der Aeusserungen sind fuer unsere Leser die folgenden von besonderem Interesse. Der AUSSENMINISTER GERMAN VERGARA DO- NOSO erklaerte Journalisten gegenueber, dass der Antisemitismus in Chile keinen Platz habe und die belanglosen vereinzelten Zwischenfaelle als Dumme - Jungen - Streiche anzusehen seien. Sollten dieselben jedoch ernsten Charak. ter annehmen oder sich als eine organisierte Aktion herausstellen, so wuerde die Regierung keinen Moment zoegern, das Gesetz zur inneren Sicherung des Staates (Ley de Seguridad Interior del Estado) anzuwenden. Nazismus ist Diktatur, erklaerte der Aussenminister, und das genannte Gesetz ist unsere Handhabe zur Verteidigung der Demokratie. DER SENAT nahm in der Form einer von Vertretern aller politischen Parteien unterschriebenen Erklaerung, in der die antisemitischen Zwischenfaelle verurteilt werden, Stellung. Es ist dies seit vielen Jahren das erste Mal, dass ein Statement von allen politischen Richtungen —von Volkssozialisten bis zu Konservativen und Nationalvoelkischen— unterschrieben wird. Unter den Pressestimmen verdient der Leitartikel von “EL MERCURIO” vom 9. Januar hervorgehoben zu werden, in dem u. a. ausgefuehrt wird: "Eine Verzoegerung oder Ablenkung in der Verdammung des Antisemitismus koennte als eine Schwaeche unserer Demokratie oder Gleichgueltigkeit in einer Angelegenheit ausgelegt werden, welche in diesen Augenblicken in der ganzen Welt Sorge ausloest”. “ERCILLA” (N? 1286 von 13. Januar) spricht von dem “wuesten Schauspiel der anonymen Nazi-Propaganda, das mit antijuedischen Schlagworten in Deutschland begann und die Geistesschwachen aller Laender angesteckt hat. In Deutschland”, so faehrt die Wochenschrift fort, “ist dies auf die Ambitionen der Neonazis zurueckzufuehren, die in der einen oder anderen Form in der Adenauer- Verwaltung Zuflucht gefunden haben. Sie wollen die Macht wiedererobern und versuchen dies mit der Waffe, mit der Hitler eine der schrecklichsten und beschaemendsten Tragoedien der Weltgeschichte verursacht hat”. In einem Leitartikel vom 7. Januar bezieht die linksgerichtete Nachmittagszeitung “ULTIMA HORA” energisch Stellung und warnt: “Nach der Tragoedie des 2. Weltkriegs waere es unvorstellbar, dass das unheilvolle Zeichen des Hakenkreuzes das Weltgewissen nochmal herausfordern koennte und dass das juedische Volk wieder als erstes Opfer dieser Exponenten der Brutalitaet, die schon so viel Leid und Unglueck verursacht haben, in Erscheinung traete. Die entsetzliche Erinnerung an Auschwitz, Buchenwald und Beisen und die Erinnerung an die Millionen Opfer im Kampf gegen die Nazi - Unterdrueckung erlegen der ganzen Menschheit die Verpflichtung auf, jedes nationale oder rassische Vorurteil auszumerzen und ihre irrsinnigen Traeger zu zerschmettern”. genuegen, um sich daran zu halten. Die erste besteht darin, dass die antijuedische Manie wieder einmal in Deutschland losging. Bei aller Anerkennung, die man der wirklich begruessens werten Einstellung des Kanzlers Adenauer und seinerengsten Mitarbeiter zollen muss, ist es unmoeglich, darin nur einen Zufall zu sehen. Auch die ersten Verlautbarungen der Bundesregierung, die in diesen Untaten das Werk von Kreisen sehen will, die das Ansehen der B. R. D. schaedigen wollen, das heisst, der Zonenregierung, der Kommunisten und der Sowjetunion, koennen nicht ueber die Gewissheit hinwegtaeuschen, dass der Antisemitismus in Westdeutschland nicht ein Problem ist, das von aussen herangetragen wird, sondern im Innern schwelt. Adenauer weist darauf hin, dass es sich auf alle Faelle nur um eine Minderheit handeln kann. Das mag stimmen. Aber es stimmt auch, dass diese Minderheit ueber maechtige Querverbindungen bis hoch hinauf, in die hoechsten Stellen seiner Regierung, Justizverwaltung, Erziehungssystem und Wirtschaft verfuegt. In der Ausmerzung dieser Elemente waren er und seine Regierung bisher von einer Nachlaessigkeit, die keine Entschuldigung zulaesst. Das Memorandum des Juedischen Weltkongress’ (siehe Information: “Eine Warnung an die Menschheit”) weist auf die groebsten Unterlassungssuenden in dieser Hinsicht hin. Als neues uns fast unglaublich erscheinendes Beispiel bieten wir unseren Lesern in dieser Ausgabe einen Bericht ueber den Fall des Ministers Theodor Oberlaender aus der “Neuen Zuercher Zeitung”. Andererseits koennen wir aus keiner der zahllosen Stellungnahmen aus der ganzen Welt eine wertvollere Lehre ziehen als aus Adenauers Erklaerung vom 16. Januar (siehe Information: “Zuechtigt die Kanaille!”), in der er alle anstaendigen Menschen auffordert, die Halunken an Ort und Stelle zu bestrafen. Wenn es Hitler mit seiner S. A. und S. S. gelang, die Macht zu erobern, so nicht zuletzt weil er den Terror als Instrument gebrauchte und die Demokraten und Juden Angst hatten. Wenn die Demokraten aufhoeren wollen, vor den Faschisten zu zittern, so gibt es nur einen Weg: die Faschisten muessen vor den Demokraten zittern, die Antisemiten vor den Juden. Nicht noch einmal darf die Welt auf die Offensive der Fanatiker warten, sondern sie muss eine Offensive gegen den Fanatismus starten einen erbarmungslosen Kampf der Mehrheit gegen eine gewissen— und verantwortungslose Minderheit, bis zu deren Ausrottung, bis zum wirklichen “inconditional surrender”. Die Menschheit hat heute zu viele ernste Probleme, um sich erlauben zu koennen, dem nazistischen Irrsinn wieder jahrelange Aufmerksamkeit zu widmen. Zu diesen grossen Problemen gehoert in erster Linie die bolschewistische Gefahr. Es ist daher aeusserst wichtig, die Demokratien immer wieder vor dem “Antikommunismus” der Nazis zu warnen und zu verhueten, dass sie sich unter diesem Deckmantel in das westliche Lager einschleichen. Es wa ren die Nazis, deren Pakt mit Stalin den 2. Weltkrieg ausloeste und es waren die Nazis, die Europa bis zur Elbe den Russen auslieferten. Nazismus und Kommunismus sind, mit allen gewaltigen Unterschieden, die man einwenden mag, zwei totalitaere Systeme. Der Nazismus kann kein Verbuendeter der Demokratie sein. Es ist im Gegenteil eine Lebensfrage der Demokratie, Nazismus, Faschismus, Antisemitismus und andere reaktionaere Tendenzen erbarmungslos auszurotten, wenn sie im Kampf gegen den Kommunismus bestehen will. Gelingt es ihr nicht, so wird sie untergehen. Schliesslich hat bei uns Juden die braune Schmutzwelle auch so manche Illusion hinweggespuelt. Weite Kreise hatten sich einer “Philosophie” des “freut Euch des Lebens” hingegeben, die im Lichte der letzten Ereignisse reichlich wirklichkeitsfremd anmutet. Es steht zu hoffen, dass sich die Lage nicht erst verschaerfen muss, um sie zur Einkehr zu bewegen. Irgendein direkt aus der brennenden Reichskanzlei nach Aegypten entwischter Volksauf klaer er und Propagandist kommentierte von Radio Kairo, die antisemitische Agitation sei von den Zionisten organisiert worden, um das Interesse der Juden in Amerika an Israel wieder anzuspomen. Man muss zugeben, dass man in Kairo das antijuedische Handwerk hervorragend versteht und dementsprechend die Wirkung ebenso richtig einschaetzt wie man die Ursache verdreht. Vor 50 Jahren gab es sogar noch Juden, die ehrlich glaubten, der Zionismus, verursache, wenn auch nicht aktiv, so doch durch seine Existenz Antisemitismus. In den letzten 10 Jahren dagegen geriet es bereits manchmal in Vergessenheit, dass der Zionismus die richtige Antwort auf den Antisemitismus ist. Der Moment ist gekommen, dies wieder in Eerinnerung zu bringen. Und noch an ein Letztes muss erinnert werden. Bei den Sommer-Hochschulkursen der Universidad de Chile sprach der brasilianische Abgeordnete und Professor Josué de Castro ueber das Problem des Hungers. “Die Menschheit hat verlernt zu schlafen”, fuehrte er aus. “Zwei Drittel kann nicht schlafen, weil sie Angst vor dem Aufstand der Hungrigen hat”. Unsere soziale Struktur ist dergestalt, dass wir nicht zu den Hungrigen gehoeren. Wir brauchen uns dessen nicht etwa zu schaemen. Wir muessen noch nicht einmal, nach der Formel von de Castro, schlecht schlafen. Aber wir duerfen nicht in das andere Extrem verfallen. Ueberlassen wir es den Grossgrundbesitzern, den Adeligen, den Neureichen und den Snobs, ihre Sattheit provozierend zur Schau zu tragen. Sie kennen es nicht anders und sie koennen es nicht anders. Aber wir hatten schon vor mehr als 2000 Jahren Propheten, die vor dem Uebermut warnten. Und wehe uns ein jedes Mal, da wir nicht auf sie hoerten. ATSCHEKA. iggspil tfÉPfiltlÉlpÉiSÉ mm IPNfSMp ___fed m&mm íWM'M mm .'S»®:.'!« pfliS# tft.l:»Ííí'íftta-.*.•;£.• WmÑimtm zitisSStsSs» •na¡* wimißn mM HIESIGER NAZI Er wuerde gerne im Geiste mitmarschieren,, doch scheint es gerade daran zu mangeln.

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