Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXII (1960)
- Issue
- 2 (Febrero, 1960)
- Date
- 1960-02-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Febrero 1960 BOLETIN INFORMATIVO 9 Zuechtígt die Kanaille! Ben Gurions Antwort auf die Hakenkreuze von Dr. Abner Nechuschtan Tel-Aviv. Aus der Fuelle entruesteter Aeusserungen ueber den Ausbruch antijuedischer Idiotie sind die folgenden von besonderem Interesse: In einer Botschaft an die Sonderkonferenz des “American Jewish Congress” erklaerte Praesident Eisenhower: “Wir duerfen nicht zulassen, dass der Virus der Intoleranz auch nur um einen Zollbreit Platz gewinnt. Wenn der Fanatismus nicht gebremst wird, so kann er die Zerstoerung der Freiheit und des Anstands verursachen”. Bundeskanzler Adenauer sprach am 16. Januar ueber alle deutschen Rundfunk— und Fernsehsender und fuehrte die Zwisc henfaelle auf “Schurkenstreiche ohne politischen Ursprung zurueck”, wobei er aber die Synagogenschaendung von Koeln ausnahm. Seinen “juedischen Mitbuergern” sagte er: “Sie koennen vollkommen beruhigt sein. Der Staat mit all seinen Organen ist auf Ihrer Seite. Dafuer buerge ich”. Sodann wandte er sich an die Bevoelkerung im allgemeinen und forderte sie auf, sich selbst Recht zu schaffen und in fraganti erwischte antisemitische Provokateure auf Ort und Stelle zu zuechtigen: “Treffen Sie irgendwo eine Kanaille, so bestrafen Sie sie dortselbst, sofort. Das ist die Strafe, die sie verdienen”. Der Rest seiner Ausfuehrungen diente der Beteuerung, dass Nazismus und Diktatur in Deutschland keinen Platz mehr haben und dass die unverbesserliche Minderheit, die solche Ideen noch weiter propagieren, keinen Erfolg haben kann. Der dynamische Oberbuergermeister von West - Berlin, Willy Brandt, erklaerte der United Press: “Wir werden die Nazis ausrotten. Wir werden nicht erlauben, dass sie in Berlin frech werden. Sie werden niedergeschlagen werden. Das ist eine moralische und nationale Pflicht”. Tatsaechlich hat die Regierung von Berlin unter seiner Leitung rascher reagiert als die anderen deutschen Laender und eine Reihe von Massnahmen, besonders auf dem Gebiet der Jugenderziehung, in Kraft gesetzt, die den an die Bonner Adresse gerichteten Forderungen des Juedischen Welt-Kongress (siehe Information: “Eine Warnung an die Menschheit”) weitgehend entsprechen. Der Vatikan, der unter dem Papsttum von Johannes XXIII eine neue Einstellung zu Juden und Judentum einzunehmen gewillt zu sein scheint, erklaerte: “Der Antisemitismus erzeugt Hass und Furcht, in denen das menschliche Gewissen vom unverantwortlichen Druck der Massen erstickt wird. Im Namen des christlichen Gewissens, der menschlichen Gefuehle und der Tausende von Juden, die als Opfer der Rassenverfolgung umkamen, ist es notwendig, die Menschen und vor allem die Jugend vor einer Einstellung zu warnen, die die Flammen eines bedauernswerten Rassismus wieder schueren koennten”. Als die ersten Meldungen waehrend der Tage des Weihnachtsfestes von der Besudelung des Portals der neuen Koelner Synagoge durch Hakenkreuze sprachen, wurde die Nachricht hier allgemein mehr mit Stirnrunzeln zur Kenntnis genommen, als in wirklicher Erregung. Zu einer Panikstimmung kam es auch nicht, als die naechsten Wochen, bis tief in die erste Januarhaelfte hinein weitere Hiobsbotschaften aus Westdeutschland und dann aus unuebersehbar viel anderen ILaendern brachten. Aber das Fehlen dramatisch gestalteter Reaktionen, etwa leidenschaftlicher Strassenumzuege, konnte nicht darueber hinwegtaeuschen, dass dies Wiederaufflammen antisemitischer Aeusserungen in weiten hiesigen Kreisen bittere Vergleiche mit dem Damals ausloeste, der Zeit vor Hitlers Machtergreifung, soweit man sie an Ort und Stelle miterleibt hatte, und dass schmerzlichste Erinnerungen an die grauenhaften Geschehnisse des Massenmordes dadurch wieder wachgerufen worden sind. Schliesslich besteht der Kern der hiesigen Bevoelkerung auch nach der Masseneinwanderung orientalischer und nordafrikanischer Juden noch immer aus Zehntausenden von Familien, die den Opfern jenes Rassenwahns, ihren Angehoerigen, nachtrauern. Parlamentarische Anfrage und ein Schritt ,der Regierung Mehrmals hatte sich Ben Gurion im vergangenen Jahre in oeffentlicher Rede davon ueberzeugt erklaert, dass die heutige deutsche Jugend gegen dies Gift immun sei. Die Tatsache, dass es sich bei den Taetern in Koeln und anderwaerts um Halbwuechsige handelte, duerfte dem Ministerpraesidenten also besonders chokiert haben. Vielleicht geschah es deshalb, dass er sich nicht an der Sitzung der Volksvertretung beteiligte, als am 5. Januar vom Regierungstisch aus zur Anfrage eines Abgeordneten der rechtsradikalen Opposition Doctor Alfredo Schneider R. Mediziner Consulta: Pedro Montt 2053 Of. 21, Tel. 2092 - 3345 VALPARAISO Sprechstunde: 4-6 Wohnung: 6 Oriente 259 D VIÑA DEL MAR Tel. 881653 RUDI LOEWENSTEIN FUSS - SPEZIALIST (System Dr. Scholl) Pediküre - Massage EINLAGEN Estado 360 Hotel Splendid 29 piso, Of. C. Tel. 393156 Tel. privat 461228 Stellung genommen wurde. Die Interpellation war in die Form eines Antrags gekleidet worden, eine Debatte “ueber das Erscheinen des Sinnbilds der Massenausrottung, des Hakenkreuzes, in Deutschland und in anderen Laendern zu eroeffnen”, und diese Aussprache in 'Beschluesse von verbindlicher Kraft fuer die Regierung einmuenden zu lassen. Justizminister Pinchas Rosen gab anstelle seines Freundes Ben Gurion darueber Aufschluss, dass saemtliche diplomatischen und konsularischen Auslandsvertretungen bereits angewiesen worden seien,, regelmaessig ueber den Gang dieser Geschehnisse zu berichten. Soweit sie schonvorliegen, fuhr Herr Rosen fort lassen diese Berichte samt und sonders darauf ' schliessen, dass keine Regierung, welchen Staates auch immer, die Ausbrueche des Judenhasses billigt. Ebensowenig sei anzunehmen, dass derartiges irgendwo die Zustimmung der besseren, fortschrittlich gesinnten . Gruppen der Oeffentlichkeit finde. Die Regierung des Staates Israel halte die Lage darum aber nicht fuer weniger ernst. Sie schlage eine naehere Behandlung indessen im Parlamentsausschuss fuer Aussenpolitik, statt im Plenum vor, und denke an weitere, geeignete Schritte. Schon am Tag, nachdem die Regierung eine oeffentliche Aussprache mit “Fensterreden” dementsprechend verhindert hatte, gab sie bekannt, dass sie saemtliche Botschafter und Gesandten beauftragt habe, in ihren Aufenthaltslaendern freundschaftlich gehaltene diplomatische Noten im Sinne der Ausfuehrungen des Justizministers zu ueberreichen, allerorten demonstrativ an den Gottesdiensten in den Synagogen teizunehmen und sich um engen Kontakt mit den gegebenenfalls betroffenen juedischen Glaubensbruedern zu bemuehen. Es duerfte das erste Mal sein, dass sich dieser Staat — und ueberhaupt ein Staat—, in solcher Form fuer Menschen immerhin anderer Staatszugehoerigkeiten einsetzt. Im Kabinett scheint es denn auch nicht an staats — und völkerrechtlichen Gutachten ueber das Fuer und Wider dieser Demarche gefehlt haben. Aber das Fuer ueberwog — im Entscheidenden einfach deshalb, weil eine andere Haltung dem Grundbegriff solidarischer juedischer Verbundenheit und auch dem Sinn der Existenz des israelis eben Staates zuwider gelaufen waere. Doch liess die Regierung es bei dieser Demarche andererseits bewenden. Aus den Gruenden der Staatsraison, die eben angedeutet wurden, ueberliess sie es dem bekannten weltjüdischen Repraesentanten Dr. Nachum Goldman, den Bundeskanzler in Bonn in dieser schwierigen Frage zu beraten. Einer der amerikanischen Dezernenten Dr. Goldmanns hatte sich Anfang Januar bereits mit dem gleichen Ziel mit dem Bundes-Aussenminister von Brentano ausgesprochen. Zu den Vorschlaegen die die Beiden in Bonn unterbreitet haben, hat Ben Gurions Regierung schon aus Gruenden des politischen Taktes keine Stellung genommen. Und in der hiesigen Presse sind diese Vorschlaege sogar mit einiger Skepsis aufgenommen worden. Die Schmierfinken als Nutzniesser der Bonner Staatsraison Wie ein roter Faden zieht sich durch die meisten dieser Pressekommentare ungefaehr folgender Gedanke: Sofern sich die westdeutschen Behoerden nicht voellig von Ratschlaegen absperren wollen, die ihnen juedische (oder auch nichtjuedische) Aussenstehende machen, sollten sie sich vergegenwaertigen, dass auch ein eindeutiger Zusammenhang der Ursache und Wirkung von der Weigerung Bonns, in normale Beziehungen mit dem Staat Israel zu treten, zu diesen Hakenkreuzschmierereien fuehrt. Die Taeter werden sich die Sache oft genug zweimal, dreimal ueberlegen, wenn sie sich zu vergegenwaertigen haetten, dass neben dem kleinen, wehrlosen Haufen der Juden, die heute recht und schlecht in Deutschland leben, ein juedischer Staat existiert, der auch Antisemiten widerwilligen Respekt abzwingt. Aber eine Voraussetzung dessen waere es, dass Israel von der westdeutschen Bundesregierung nicht en bagatelle behandelt, sondern voll genommen wird. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen waere dafuer das einzig denkbare Indiz. Seit Jahr und Tag verzoegert Bonn diesen Schritt bekanntlich in der Befuerchtung, dass die arabischen Staaten dann zur foermlichen Anerkennung der deutschen Ostzonenrepublik schreiten wuerden, und vor allem, um der westdeutschen Exportindustrie die arabischen Maerkte nicht zu versperren. Diesem Kalkuel hat man in Bonn bisher nicht nur diejenige echte Wiedergutmachung geopfert, die in geregelten Beziehungen zum juedischen Staat bestuende, Im Bann des deutschen “Wirtschaftswunders” hat man damit auch den Schmierfinken und ihren Drahtziehern in der Deutschen Reichspartei, der ILudendorff — Bewegung usw. Auftrieb gegeben. Die Schlussfolgerung der verschaemten oder unverschaemten Antisemiten liegt mehr als nahe: “Was kann an den Juden schon Gutes sein, wenn unser ‘Alter’ sie mit den Almosen der Wiedergutmachungsgelder abspeist, ihren sogenannten Staat aber ueber die Achsel ansieht? “Niemand von Dr. Adenauers geistlichen Beratern, scheint es, ist an ihn jemals in Abwandlung des geheiligten Schriftworts mit der Frage herangetreten: was nuetzte es Dir, wenn Deine Exportindustrie die ganze Welt der arabischen Maerkte gewoenne, und Dein Volk naehme weiterhin Schaden an seiner Seele? Wie gesagt, dies etwa war das Ceterum censeo der hiesigen Tagespresse. Nach dem grotesken Hin und Her versaeumter Gelegenheiten, aus dem die Geschichte der Bemuehungen um eine Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel seit einem Jahrfuenit besteht, ist fuer die naechste Zeit hier leider aber nicht mit einem Stimmungswandel in Bonn zu rechnen. Oder doch, nach dem Schock dieser Hakenkreuze? YESO ROMERAL TABIQUE PROMONTA Progreso y Economía para las Construcciones Distrib.: SODIMAC - S.A.C. SAAVEDRA BENARD AGENCIAS GRAHAM S. A. C.