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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-02-01 · 2 (Febrero, 1960) · p. Seite 3

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXII (1960)
Issue
2 (Febrero, 1960)
Date
1960-02-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Febrero 1960 BOLETIN INFORMATIVO 3 YIG'ALL ALLON OFFENER BRIEF an PRAESIDENT NASSER Ende Oktober 1948 hatte ich Gelegenheit, mich mit einer Gruppe hoeherer aegyptischer Offiziere zu treffen, welche die aegyptischen Truppen im Falujasektor befehligten. Einer von ihnen war Oberst Gamal Abdel Nasser. Der elfte Jahrestag dieses Ereignisses bringt mir wieder einmal all die unnoetigen Leiden und das Blutvergiessen ins Gedaechtnis zurueck, die der damalige Krieg ueber uns alle gebracht hat. Haette ich noch einmal Gelegenheit Oberst Nasser, den jetzigen Praesidenten der VAR zu sehen und mich wie damals mit ihm zu unterhalten, wuerde ich ihm moeglicherweise Dinge sagen koennen, die ihn vielleicht dazu braechten, seine Meinung ueber uns und unser Land zu aendern. Leider besteht jedoch keine solche Moeglichkeit und so versuche ich, meinen Anteil an diesem Dialog zu Papier zu bringen und ihn der Weltpresse zu uebergeben in der Hoffnung, dass er dadurch auch in den arabischen Laendern bekannt werdet moege. Natuerlich kann ich hier nur meine eigene Meinung vertreten, obwohl ich ueberzeugt bin, dass ein grosser Teil meiner Mitbuerger mit meinen Gedankepgaengen uebereinstimmt. “Meine Herren” — so wuerde ich den arabischen Fuehrern sagen — es ist Ihnen sicher bekannt, dass die verantwortlichen Maenner Israels, vom Ministerpraesidenten abwaerts, bei den verschiedensten Gelegenheiten erklaert haben, jederzeit gewillt zu sein, Friedensverhandlungen mit Ihnen in die Wege zu leiten. Schon 1949 waren wir dazu bereit, denn schliesslich war dies fuer uns ja der einzige Grund, einen Waffenstillstand just in dem Augenblick abzuschliessen, in dem unsere Armeen ueberall siegreich waren. Hoffnung, dass dem Waffenstillstand ein baldiger Friedensschluss folgen wuerde, enttaeuscht worden. Als Buerger Israels und Bewohner des Mittleren Ostens kann ich mir kein groesseres Unheil fuer uns alle vorstellen, wie diesen dauernden Kriegszustand. Nur mit groessten wirtschaftlichen Opfern und auf Kosten des Lebensstandards unserer Voelker koennen die enormen Ruestungsausgaben, die die augenblickliche Situation erfordert, durchgefuehrt werden. Sollten wir wirklich nichts Wichtigeres zu tun haben, als Kanonen und Flugzeuge zu kaufen, wo noch so vieles in unseren Laendern zu verbessern ist und, vergessen wir dies nicht, wo diese Spaltung unserer Region in zwei feindliche Lager nur anderen Maechten Gelegenheit gibt, hier Fuss zu fassen und unsere muehsam errungene Unabhaengigkeit zu bedrohen? Sie bestehen darauf, diesen anormalen Zustand zu erhalten, nur weil Sie unser Recht auf nationale Existenz nicht anerkennen wollen. Daraufhin koennen Sie aber von uns auch nicht erwarten, dass wir uns verhielten, als ob zwischen uns normale Beziehungen bestuenden und Sie werden begreifen dass wir, angesichts Ihrer staendigen Drohungen, Gewehr bei Fuss stehen muessen. Daher sehe ich mich auch gezwungen, selbst in einem solch persoenlichen, offenen Brief Ihnen zuerst ausdruecklich klar zu machen, dass wir entschlossen sind, uns zu verteidigen. Jeder zukuenftige Zusammenstoss kann nur zu ueberfluessigem Blutvergiessen fuehren, ohne an diesen Grundtatsachen etwas zu aendern. Deshalb auch meine Bitte an Sie, nochmals das gemeinsame Schicksal unserer Laender zu ueberdenken. Manche arabische Sprecher haben erklaert, dass Sie, 4 meine Herren, befuerchten, wir haetten Expansionsgelueste. In dieser Beziehung kann ich Sie beruhigen. Sollte diese Furcht wirklich Ihre Politik bestimmen, so bin ich ueberzeugt, dass wir zu einem Uebereinkommen gelangen koennten das Ihnen alle notwendigen Garantieen geben wuerde. Unser Interesse ist nicht die Bedrohung Ihrer Laender. Im Gegenteil, nichts waere fuer uns wuenschenswerter, als mit Ihnen freundschaftlich zusammen zu leben. Wie Sie wissen, ist das juedische Volk nach einer langen Zeit der Leiden und Verfolgungen nach Israel heimgekehrt. Wir kamen nicht nur in unser altes Land, sondern gleichzeitig zu unseren alten Nachbarn zurueck. Die Geschichte zeigt, dass Juden und Araber nicht nur Nachbarn, sondern, im historischen Sinne, auch Brueder sind. Unser gemeinsames kulturelles Erbe und unsere gleichen Interessen wären, meines Erachtens, ein gutes Fundament fuer eine neue Entwicklung des Mittleren Ostens. Ganz gleich wie wir auch an die Probleme herangehen, glaube ich dass wir die grossen Aufgaben, die die nahe Zukunft unserer Region stellen wird, am besten durch die Schaffung eines grossen, regionalen, Organismus loesen koennten, einer Vereinigung souveraener Nationen; eine derartige Vereinigung waere nicht nur in der Lage, den ihr angeschlossenen Laendern die Unabhaengigkeit zu garantieren, sondern koennte auch gleichzeitig ein Werkzeug sein, womit wir zusammen viele Aufgaben loesen koennten und so einen entscheidenden Beitrag zum Fortschritt und Frieden leisten wuerden. Solch ein Plan mag augenblicklich utopisch erscheinen, aber ganz gleich ob meine Idee realisierbar ist oder nicht, koennten wir doch daran gehen, die Grundlagen zu schaffen, indem wir Frieden machten, den Frieden, den wir allen so dringend benoetigen. Ich verstehe dass manche arabische Laender, schon aus Gruenden der Innenpolitik, nicht bereit sind, sofort Frieden zu schliessen, aber koennte nicht eine Alternativloesung in Frage kommen? Ein solches Abkommen waere nicht nur sofort durchfuehrbar, sonder wuerde auch dazu dienen, unsere Voelker psychologisch fuer einen baldigen Frieden vorzubereiten. Ueber die Gestaltun einer derartigen Uebergangsepoche kann man alle moeglichen Ideen haben und kein Vorschlag kann mehr sein als eine Diskussionsbasis. Einmal jedoch muss der Anfang gemacht werden und daher stelle ich folgende Punkte zur Debatte: 1) Alle Feindseligkeiten muessen sofort eingestellt werden. 2) Kriegshetze, Hasspropaganda usw. muss untersagt werden. •3) Alle Beteiligten muessen sich darueber klar sein, dass wie unsere Probleme allein loesen und keine, noch so geartete Intervention der beiden Grossbloecke dulden koennen. 4) Die Gefahr eines Ueberra- ■ schungsangriffs muss durch entsprechende polit i s c h e wie militaerische Uebereinkommen ausgeschaltet werden. 5) Zur Durchfuehrung eines solchen Abkommens wuerden gemischte Kommissionen eingesetzt werden, die sich aus Vertretern unserer Laender evtl, unter Kontrolle der V. N. züsammensetzen. Diese Kommissionen waeren bevollmaechtigt an Ort und Stelle, jede Verletzung der Abmachungen festzustellen und die entsprechenden Gegenmassnahmen zu treffen. 6) Die Flu.echtlingsfrage — ebenso das Problem der arabischen wie auch die Angelegenheiten der juedischen Fluechtlinge aus den arabischen Laendern— sowie auch ein grundsaetzliches Uebereinkommen ueber entsprechende Entschaedigungen, muesste vor dem endgueltigen Friedens- . Schluss erziehlt werden. 7) Solange noch keine diplomatischen Beziehungen zwischen unseren Laendern bestehen, waeren unsere Botschaften in neutralen Laendern autorisiert evtl. auftauchende Fragen von Fall zu Fall gemeinsam zu behandeln. Eine aehnliche Regelung besteht ja zur Zeit auch zwischen den U.S.A. und China. 8) Sollten sich derartige Abkommen als gangbar, erweisen, waere der. Weg zu weiteren Schritten frei. So muesste dann z. B. Israel den arabischen Laendern den Gebrauch seiner Haefen und Landverbindungen gestatten, wohingegen die arabischen Laender Israel Transitrechte durch ihre Territorien einraeumen wuerden. Diese, ich moechte nochmals betonen, persoenlichen Vorschlaege, sollen keinesfalls als Zeichen der Schwaeche ausgelegt werden. Sie sind nichts mehr als ein redlicher Versuch, eine Loesung unserer gemeinsamen Probleme zu finden. Vergessen wir nicht, dass seit 1948 tausende unserer Mitbuerger, Juden wie Araber, ihr Leben durch sinnlose Feindseligkeiten verloren, ohne damit an den bestehenden Tatsachen etwas zu aendern. Dies — und nichts weiter — wuerde ich den arabischen Fuehrern sagen, sollten wir Gelegenheit haben, miteinander zu sprechen. Jedoch steht diese Moeglichkeit noch in weiter Feme und bis dahin koennen wir nichts weiter tun, als immer wieder unseren guten Willen zu betonen, abzuwarten und inzwischen fuer alle Faelle vorbereitet zu sein. (THE NEW STATESMAN). 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