Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXII (1960)
- Issue
- 1 (Enero, 1960)
- Date
- 1960-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ENERO 1960 BOLETIN INFORMATIVO 5 Eine Reportage des "B. /' DAS JUEDISCHE SCHULWERK Im Verlaufe der Vortraege, die kuerzlich von fuenf repraesentativen chilenischen Politikern im Gemeindehaus gehalten wurden, kehrte der ehemalige Senator Radomiro Tomic mit besonderer Eindringlichkeit das Erziehungsproblem hervor. Seinen Ausfuehrungen zufolge, gelangt von 100 Kindern im schulpflichtigen Alter eines zum Abitur. Eins von hundert! Die Belastung, die dieses Missverhaeltnis fuer die Entwicklung der Nation darstellt, ist garnicht abzuschaetzen. Die Gruende, weshalb von 100 Kindern 99 auf der Strecke bleiben, muessen in zwei Richtungen gesucht werden: pekuniaere oder familiaere Pobleme im Elternhaus auf der einen Seite, Mangel an Schulgebaeuden, Schulbaenken, Lehrern andererseits. Der “Vaad Hajinuj” (sprich: “Waad Hachinuch”) stellt den Beitrag unserer Kollektivitaet zur Behebung dieses letzteren Mangels dar. “Nationale und hebraeische Erziehung ohne Unterschied allen Kindern der Mitglieder der juedischen Kollektivitaet’’ zu erteilen, so lautet das ehrgeizige, satzungsmaessig festgelegte Ziel der Institution. Es wurde 1944 formuliert, im Gruendungsjahre, als insgesamt 230 Schueler einen Kindergarten, fuenf Vorschulklassen und zwei Gymnasialkurse besuchten. Heute sind es mehr als tausend Schueler, genauer gesagt 1064, in zwei Kindergaerten, und je sechs Vor- und Mittelschulkursen; von der Gesamtzahl der schulpflichtigen Kinder unserer Kollektivitaet stellt diese Zahl aber schaetzungsweise nur 15-20% dar. Trotzdem haben die Leiter des Schulwerks gute Gruende, optimistisch zu sein und anzunehmen, dass man sich irgendwie auf dem Wege zur Erreichung des Ideals, “allen juedischen Kindern” juedische Erziehung zu erteilen, befindet. Die Zahl der Schueler fast verfünffacht zu haben, ist einer dieser Gruende. Ein anderer ist das Beispiel Valparaiso. Dort wird naemlich die Schule des Vaad Hajinuj von schaetzungsweise 709? aller schulpflichtigen juedischen Jugendlichen besucht. EIN REALISTISCHES ZIEL stellt wohl die Erfassung der Haelfte der juedischen Jugendlichen dar, wenn man die verschiedenen soziologischen, ideologischen und sonstigen Tendenzen in Betracht zieht, die bekanntlich viele Eltern zu einer Ablehnung juedischer Erziehung veranlassen. Der Praesident des Vaad Hajinuj, unser Gemeindemitglied Jacobo Monderer, hat sich diese Zielsetzung zu eigen gemacht und dem “B. I.” diesbezueglich folgendes erklaert: “Die dem Vaad Hajinuj angeschlossenen Schulen werden von Jahr zu Jahr verbessert und ihre Schuelerzahl waechst auch dementsprechend Unser Wunsch und Bestreben ist es, mindestens die Haelfte aller schulpflichtigen juedischen Kinder aufnehmen zu koennen. Diesem Zweck haben wir in den letzten Jahren unsere ganze Energie gewidmet. Moderne Schulgebaeude sind errichtet worden, wo noch Hunderte von Kindern Platz finden koennen. Die Gebaeude sind zweckmaessig, freundlich, bequem, hell, geraeumig und hygienisch”. “Das Lehrpersonal ist anerkannt erstklassig. Das gilt sowohl fuer den allgemeinen wie auch fuer den juedischen Unterricht. Darin ist u. a. die Ursache zu suchen, dass unsere Schulen zu den besten in Santiago gerechnet werden. Im letzten Schuljahr haben alle Schueler der 6. Klasse ihre Reifepruefung bestanden. Der Fall ist so selten —wenn nicht einmalig—, dass er sogar von der allgemeinen Presse bewundernd hervorgehoben wurde und das Erziehungsministerium uns ein Anerkennungsschreiben hat zukommen lassen. Nicht nur die Schulverwaltung, sondern der ganze Jischuw hat ein Recht, darauf stolz zu sein”. Bei dieser mit Recht vielgeruehmten Promotion 1958 handelte es sich um 12 Abiturienten. Insgesamt sind es ungefaehr 60 Menschen, die von 1949 bis heute ihr “Bachillerato” als Absolventen der Juedischen Schule bestanden haben. Wem diese Zahl unbetraechtlich erscheint der muss sich zwei Dinge vor Augen halten: dass sie Jahr um Jahr waechst und dass es einer unverhaeltnismaessig BREITEN GRUNDLAGE bedarf, um ein solches Endprodukt zu destillieren. Einige Zahlen moegen dies demonstrieren. Der Vaad Hajinuj besitzt swei Grundstuecke: das grosse “Colegio Modelo” in Macul 1242 und das alte Gebaeude in Copiapó 742. In ersterem studieren 781 Schueler, in letzterem 283. Jede Schule hat einen Kindergarten, der in je drei Gruppen eingeteilt ist; die Schule ■‘Chaim Nachman Bialik’ in Copiapó unterhaelt drei Parallelklassen fuer das erste Schuljahr und eine Klasse fuer jedes Jahr vom 2. bis zum 6. “Preparatoria”, insgesamt also 8 Klassen; die “Chaim Weiz- -nann-Schule” in Macul weist die komplette Linie “Preparatoria” und “Humanidades” in nicht weniger als 25 Kursen auf: alles in Allem sind das 42 Klassen. Dafuer stehen 70 Lehrer zur Verfuegung, die Unterricht in mehr als 1500 Schulstunden erteilen: davon 805 in spanischer Sprache, 692 in Hebraeisch und 10 fakultative in Jiddisch. Vier der Lehrer sind in Israel engagiert worden und haben sich verpflichtet, mindestens zwei Jahre fuer den Vaad Hajinuj zu arbeiten, weitere sieben Lehrer sind ehemalige Schueler, die auf dem Seminar der “Sochnuth” (Jewish Agency) ausgebildet worden sind. Ausserdem unterstuetzt die Sochnuth die Arbeit des Vaad Hajinuj durch die Entsendung eines Inspektors, der den hebraeischen Unterricht ueberwacht, Lehrmaterial zusammenstellt und ausserdem das Direktorium in seiner Zusammenarbeit mit dem Lehrerkollegium unterstuetzt. Das Direktorium hat seine Arbeit in acht Kommissionen aufgeteilt, von denen die paedagogische zweifellos die zentrale ist. Weitere Kommissionen sind: Verwaltung, Finanzen, Wohlfahrt, Organisation, Bauten, Propaganda und Provinzen. Dafuer steht ihm ein Beamtenapparat von neun Personen zur Seite. DIE GESCHICHTE der Institution beginnt im Jahre 1944, aber ihre eigentlichen Anfaenge muss man 30 Jahre vorher suchen. Tatsaechlich gab es schon seit dem Jahre 1914 juedischen Unterricht in Chile, wenn auch nur in der Art der sogenannten “Cheder”. 1923 tauchten zum ersten Male Paedagogen auf, die es unternahmen, diese traditionelle, aber rudimentaere Form des Unterrichts zu ueberwinden. Der Erfolg meldete sich im Jahre 1927, als ein Mann auftritt ■—oder besser gesagt, ein Ehepaar—, das zum Pionier der juedischen Erziehung in Chile wird: der Dr. Aaron Joel und seine Frau. Maerz 1928 gruendet er den ersten “Gan” (Kindergarten), fuehrt diese Kinder im folgenden Jahre in eine eigene Vorschule ueber, gruendet sukzessiv weitere Klassen von Preparatorias und spaeter zwei Jahre Humanidades. Das “Instituto Hebreo” wird so zu einer Institution im Leben der Kollektivitaet. Entscheidende Unterstuetzung in finanzieller Hinsicht gewährt dabei die Federación Sionista; auch gelingt es dem Dr. Joel, Philanthropen an seinem Werk zu interessieren, unter denen ganz besonders einer, León Arensburg S. L., hervorgehoben zu werden verdient. Zu Beginn der vierziger Jahre schafft das Wachstum der Schule jedoch Probleme, die es erfordern, grosszuegigere Plaene zu konzipieren. Der Optimismus, der nach der .guenstigen Wendung des Weltkriegs wieder einzieht, schafft die notwendige Stimmung dazu; ein Mann, der das letzte Jahr des Kriegs als “Schaliach” des Keren Kajemeth in unserer Mitte weilte, schmiedete in unermuedlicher Arbeit all das zur Weissglut erhitzte Eisen. Er gruendete das “Comité Chileno pro Palestina Hebrea” unter dem Vorsitz des spaeteren Praesidenten der Republik, Gabriel González Videla; er beschaffte die Mittel zur Hachschara “Kidma”, der ersten Lateinamerikas, und er berief den Kongress ein, der am 15. August 1944 als “Erster Kinus” der juedischen Erziehung die Gruendung des “Vaad Hajinuj” beschloss. Sein Name, sehr zu Unrecht oft vergessen und verschwiegen, ist Nathan Bistritzky und ihm zur Seite stand der unermuedliche Manuel Graiver, heute im Hauptbuero des K. K. L. in Jerusalem taetig und unserem Jischuw in jahrelanger aufrichtiger Freundschaft zugetan. Zum ersten Praesidenten des Vaad Hajinuj wurde Eduardo Flatau gewaehlt, der dieses Amt von 1944 bis 1950 ausuebte, ihm folgte drei Jahre hindurch Matías Schapiro, 1953-1954 Guillermo Rosenberg, 1954-1958 Israel Pollak, 1958-1959 Felipe Fliman und seit dem letzten Kinus unser bereits genanntes Gemeindemitglied Jacobo Monderer. Der Vaad Hajinuj uebernahm von Anfang an das “Instituto Hebreo” des Dr. Joel, dem dieser bewaehrte Paeda- Von Hans Kaufmann fiiÄii goge bis zu seiner Alijah nach Israel Vorstand. Bereits 1947 war es gelungen, die Zahl der Schueler zu verdoppeln und 510 Kinder zu immatrikulieren 1952 waren es 765, womit die Fassungskraft der Raeumlichkeiten in der Copiapö vollkommen erschoepft waren. Man ging daran, den Bau in Macul zu planen. Eine Finanzierungskampagne im groessten Massstab wurde in Angriff genommen und 1955 fand die Grundsteinlegung statt. Bereits im folgenden Jahre, am 23. Oktober 1956, wurde das “Colegio Modelo” in einem feierlichen Akt eroeffnet, dem der damalige Praesident der Republik, Carlos Ibänez dei Campo und sein Erziehungsminister Francisco Börquez beiwohnten, wobei letzterer Worte hoechster Anerkennung fuer die Arbeit und Leistung der juedischen Schule zum Ausdruck brachte. PLAENE FUER DIE ZUKUNFT Wie notwendig der Bau in Macul war, laesst sich am einfachsten daran ermessen, dass die Schuelerzahl in den drei Jahren seit der Einweihung um nicht weniger als 30% gewachsen ist. Und zwar waren es 1956 insgesamt 828* Schueler, 1957 —d. h. unmittelbar nachdem Wacul seine Tore geoeffnet hatte— waren es bereits 996, 1958 verzeichnete man 1024 und 1959 die obengenannte Zahl von 1064 Schuelern. Im Hinblick auf dieses ermutigende stete Wachstum vurde im Vorjahre ein an die Schule in Macul anliegender 3auplatz in der Strasse Las Palmeras erworben. Sowie die letzten Raeumlichkeiten des augenblicklichen Hauptgebaeudes fertiggestellt sein werden, soll dort der Bau einer grossen Turnhalle und der Aula in Angriff genommen werden. Copiapö soll weiter Kindergarten und Preparatoria beherbergen. Ein Blick auf die Baulichkeiten genuegt aber, um auch die Sparsamsten davon zu ueberzeugen, dass dort eines Tages —und je eher desto besser— neue Gebaeude in Angriff genommen werden muessen. Auch ein Wohlfahrtsproblem nimmt einen vordringlichen Platz unter allen Zukunftsplaenen ein. Es besteht darin, die Schule den Kindern minderbemittelter Eltern ebenso offen zu halten wie bisher und ihnen in jeder Beziehung die gleichen Moeglichkeiten der Ausbildung zu bieten wie denen aus begueterten Haeusern. Dieser noblen Idee dient die Kampagne der “Anne Frank-Stipendien”. Sie ist erst vor kurzer Zeit proklamiert worden und es ist noch verfrueht, ihren Erfolg abzuschaetzen. Es darf aber der Hoffnung Ausdruck verliehen werden, dass sowohl der edle Zweck wie der Name, mit dem er verknuepft ist, seinen Anklang gerade in unserem Sektor nicht verfehlen wird. In letzter Instanz haengt die volle Verwirklichung aller Plaene fuer die Zukunft von dem Maasse ab, in dem die Idee der integralen juedischen Erziehung, der Verbundenheit mit juedischer Geschichte und juedischem Schicksal, mit Israel, seinem Kampf, seinen Menschen, seiner Sprache, sich weiter in unserem Milieu durchsetzen wird. Es gibteine ganze Reihe von Faktoren, die heute wie einstmals das juedische Erbe zu zersetzen drohen. Um es zu verteidigen, bedarf es eines gewissen Verstaendnis’ fuer die Vergangenheit und fuer die Zukunft. Wenn unsere Generation dieses Verstaendnis aufbringt, und sie hat genug erlebt, um reif dafuer zu sein, dann wird sie die naechste Generation die Schulen des Vaad Hajinuj besuchen lassen. Und fuer diese naechste Generation braucht man dann nicht mehr zu bangen. Sie wird das juedische Erbe zu wahren wissen.