Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1959)
- Date
- 1959-11-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Noviembre 1959 BOLETIN INFORMATIVO 7 Eine Reportage des "B.I'.': * * E Das “Boletín Informativo” hat die Absicht, seine Leser etwas naeher mit einigen der zahlreichen Institutionen unseres“ “Jischuw” bekannt zu machen. Der heranziehende Sommer mit seiner ersten Hitzewelle, die an Sonn— und Feiertagen die Bevoelkerung Santiagos ans Meer und in die Schwimmbaeder spuelt, rueckt naturgemaess das “Estadio Israelita” in den Vordergrund der Aufmerksamkeit. Die Saison hat begonnen. Tagtaeglich werden wieder auf vier und auf zwei Raedern hunderte von Menschen den Ausduenstungen der Grosstadt fuer ein paar Stunden entfliehen, um hier, 20 km vom Zentrum entfernt, Erfrischung zu suchen, Sport zu treiben, zu schwimmen, sich von der Sonne braeunen zu lassen oder auch nur um den Blick auf die vier Waende gegen die Sicht auf die Anden und den Himmel zu vertauschen. Die durchschnittliche Besucherzahl an Sonntagen waehrend der “Temporada” ist zweitausend, eine Zahl von Menschen, die keine andere Institution der Kollektivitaet auf die Beine bringen kann Die Kalten Zahlen Dabei spielt zweifellos die Hitze eine grosse Rolle und insofern mag es paradox erscheinen, unsere Betrachtung mit einer Parade der “kalten” Zahlen einzuleiten. Sofern sie aber die Finanzierung des “Estadio” betrafen, waren sie nur allzuoft von erstrangiger Bedeutung und ausserdem bilden sie einen Aspekt, der im allgemeinen dem Sonntagsbesucher, diesem Einen unter den Zweitausend, verborgen bleibt. Das “Estadio Israelita” ist eine Aktiengesellschaft. Bis zum heutigen Datum sind etwa 22.500 Aktien gezeichnet. Jede Aktie hat einen Nominalwert von $ 15.000—. Das macht insgesamt ein Kapital von fast 310 Millionen. Das Terrain hat eine Oberflaeche von etwas mehr als 68.000 qm. Vorsichtig geschaetzt kostet der Durchschnittswert des Bodens in der dortigen Gegend ca. $ 1.500.— pro qm. Man muss vom Durchschnittswert ausgehen, da er mit Front zur Avda. Apoquindo unverhaeltnismaessig viel teurer ist als in den von der Hauptstrasse abgelegenen Teilen. Jedenfalls kann man so den reinen Wert des Terrains mit ca. 100 Millionen veranschlagen. Im neuen Gebaeude, das eine bebaute Oberflaeche von 3.000 qm. hat, stecken ca. 250 Millionen. Ohne also den Wert des herr liehen Schwimmbassins, der Spiel— und Tennisplaetze, der Gartenanlagen, Installationen und den betraechtlichen Faconwert des Stadions als solches in Rechnung zu ziehen, koennen die Aktionaere ruhig schlafen. Ihr Kapital ist gut angelegt. Trotzdem bleibt noch eine Quelle finanzieller Sorge. Er bezieht sich auf die betraechtlichen Unkosten der Verwaltung und Pflege. Die etwas mehr als 3.000 Aktienbesitzer und deren Familienmitglieder zahlen anlaesslich ihrer Besuche ein kaum mehr als symbolisches Eintrittsgeld von $ 100. Das von Gaesten entrichtete, welches sich auf $ 1.000.— belaeuft faellt insofern nicht ins Gewicht, als entweder nicht sehr viele kommen oder von Aktienbesitzern als “Familienmitglieder” hineingeschmuggelt werden. Dieser Posten von Eingaengen genuegt offensichtlich nicht, um die laufenden Spesen zu finanzieren. Aus diesem Grunde wurde der “Club Deportivo Estadio Israelita” gegruendet. Die Zugehoerigkeit zu diesem Club ist eine mehr oder weniger zwangslaeufige, um den Aktienbesitzern den privilegierten Zugang zu ihrem Eigentum zu garantieren. Der Mitgliedsbeitrag belaeuft sich auf $ 1.000 monatlich. 2.300 Mitglieder gehoeren dem “Club Deportivo” an. Geht man bei der Zahl von 3.000 Aktionaeren davon aus, dass manche Vaeter ihre Soehne durch Ueberschreibung einer Aktie in die verwirrenden Geheimnisse des Kapitalismus eingefuehrt haben, dass andere von ihren Besitzrechten gar keinen oder nur sporadischen Gebrauch machen, so darf man ungefaehr anriehmen, dass alle Aktionaere pro Familie auch einen Monatsbeitrag entrichten. So ist es gelungen, ein ausbalanciertes Budget sicherzustellen, laufende Unkosten aus laufenden Einnahmen zu finanzieren und das Grundkapital den wertbestaendigen Investitionen zuzuleiten. Aber natuerlich ist dies nicht die wichtigste Perspektive, um sich das Stadion anzusehen. Diese gewinnt man erst unter freiem Himmel und im Moment, da sich dem Besucher beim Eintritt ins “Estadio”, auf dem Sandwege zwischen dem neuen Gebaeude und den Tennisplaetzen, das Bild vom gruenen Rasen und blaeulich schimmernden Schwimmbassin darbietet, wo eine bunte Menge von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen den Sommer in dieser “copia feliz del Edén” geniesst. Hier erlebt man das Stadion in der Dimension, die sich vor nunmehr fast zehn Jahren seine Gruender zum Ziel setzten: der Kollektivitaet Moegliehkeiten fuer Sport und gesunde Zerstreuung zu bieten. Dies ist seine wirkliche Funktion. Dass sie einem grossen Beduerfnis im Leben der Kollektivitaet entspricht, bestreitet heute niemand mehr. So ist es zu verstehen, dass der “Club Deportivo”, urspruenglich mehr als alles andere zum Finanzinstrument bestimmt, sich zu einem wirklichen Sportclub entwickelt hat. Er umfasst heute eine Schwimm—, Fussball—, Leichtathletik—, Tennis—, Volleyball— und Basketball-Abteilung. Seine Arbeit geht mehr in die Breite und zielt nicht auf die Hochzuechtung von Spitzenleistungen; besteht doch, um den Jischuw bei Sportfesten wuerdig zu vertreten, noch der Club Atlético Israelita “Maccabi”. Auch der “Maccabi” ist .selbstverstaendlich im Stadion zuhause und fuehrt seine Trainings und Wettbewerbe dort durch. Zerstreuung und Sammlung Was das Estadio aber zu einem einzigartigen Faktor im Leben unseres Jischuw macht, ist nicht so sehr die Zerstreuung, die es dem Einzelnen bietet, wie die Sammlung, * t Von Hans Kaufmann die es der Gemeinschaft ermoeglicht. Bis vor zehn Jahren ergossen sich die 2.000 Menschen, die heute an Sonntagen sich dort einfinden, ueber die Santiago nahen Strandbaeder und die damals bestehenden Schwimmbaeder der Stadt. Selbst wenn man eine gewisse natuerliche Fremdheit, die sie dort empfunden haben koennen, oder gelegentliche Anfeindungen, die man einer uns eigenen Ueberempfindlichkeit zuschr eiben koennte, nicht bewerten will, bleibt das positive Faktum bestehen, dass sie heute einen ebenso schoenen oder schoeneren Ort aufsuchen, wo sie “unter sich” sind, sich heimisch fuehlen und das berechtigte Bewusstsein haben, Hausherr zu sein. Diese Tendenz ist nicht etwa nur uns eigen. Lange vor dem “Estadio Israelita” bestand bereits das Stadion der franzoesi sehen, der spanischen, der deutschen und der italienischen Kollektivitaet in Chile und im Moment sind Jugoslawen und Araber im Begriff, es ihnen und uns nachzuahmen. Die Aktiengesellschaft des Estadio Israelita hat aber auf diesem Gebiet eine ganz besondere Verantwortung: ihren rechtlichen Eigentumsanspruch mit dem moralischen Anspruch der gesamten Kollektivitaet in Einklang zu bringen. Zweifellos lag und liegt es im Sinn der Gruender und jetzigen Leiter, das Estadio als Funktion des Jischuw zu betrachten. Von 1950 bis 1953 war der Anwalt Roberto Aron Praesident der A. G. Seit 1953 ist es Dr. Luis Lamas. Schritftfuehrer ist unser Gemeindemitglied Rolf Nathan. Sowohl ihnen wie den uebrigen Vorstandsmitgliedern kann niemand zum Vorwurf machen, das Wohl des Jischuw in seiner Gesamtheit ausser Acht zu lassen. Trozdem gab es Perioden in der Entwicklung des Stadions, in der sein sozialer Charakter in Frage gestellt schien. Dazu gehoeren in erster Linie die Jahre, da sukzessive Beschluesse ueber Kapitalserhoehung die Mitglieder dazu zwangen, immer neue Aktien zu zeichnen. Nicht ein Jeder ist dazu in der Lage. Der bei der letzten Generalversammlung eingeschlagene Weg, eine gewisse Zahl neuer Aktionaere aufzunehmen, ist nach allen Seiten korrekter. Man macht so das Stadion weiteren Kreisen zugaenglich. Man erspart langjaehrigen Mitgliedern Finanzierungssorgen, die sie ueberwunden glaubten. Und man verzichtet darauf, sie mit dem rechtlich sehr fragwuerdigen Argument unter Druck zu setzen, sie koennten der Rechte verlustig gehen, die sie bereits erworben haben. Das neue Gebaeude hat polemische Aspekte, die auf der gleichen Linie liegen. Hinter seinen Riesenfenstern liegen ein Aufenthaltsraum, Kulturzimmer, Bibliothek, Restaurant, Bar und Verwaltungsraeume, deren Existenz alle mehr oder minder gerechtfertigt sind. Aber die Gesamtkonzeption mag doch allzu grosszuegig anmuten. Etwas weniger waere vielleicht in diesem Fall mehr gewesen. Es ist sehr fraglich, ob der Jugendliche oder Berufstaetige das Mittagessen, das es ihm ermoeglichen soll, seinen Aufenthalt draussen um ein paar Stunden zu verlaengern, im neuen Restaurant preiswerter erhalten wird als bisher im alten. Aber es ist nicht unmoeglich. Es haengt vom Vorstand ab, der zwar am Bau nichts mehr aendern kann —und es vielleicht auch nicht gewollt haette—, der aber den Gebrauch, der von ihm gemacht wird, entscheidend bestimmen wird. Ein gesunder Optimismus in dieser Richtung ist aber durchaus gerechtfertigt. Das “Estadio” hat sich in weniger als zehn Jahren zu einem der wichtigsten Treffpunkte der Kollektivitaet, aus ihrem Leben ueberhaupt nicht mehr wegzudenken, entwickelt. Die Rolle, die es fuer die juedische Entwicklung der Kinder und Jugend spielt, ist einzigartig. Bekanntlich wird es von Jahr zu Jahr schwerer, Judentum, Zionismus und Chaluziuth mit den klassischen Mitteln der Jugendbewegung zu propagieren. Das Lagerfeuer, die “Sicha” im Keller gehoeren entweder zu Europa oder zur ersten Jahrhunderthaelfte. Wir muessen uns mit Amerika und mit der sechsten, bald mit der siebenten, Dekade dieses turbulenten Jahrhunderts auseinandersetzen. Und an allem, was da geboten wird und die Jugend anzieht, ist der freie Himmel, Spiel und Sport noch bei weitem das Beste. Es ist ein Glueck, dass die juedische Jugend ihr Estadio Israelita hat. Findet sie doch dort, ausser Zerstreuung Sammlung. GEDANKEN ZWISCHEN 2 UND 3 Wir leben im Zeitalter des Problem-Kindes. In der Jugend unserer Mütter war die “unverstandene Frau” en vogue, die ihr gerade erwachtes Geltungsbedürfnis in sentimentalelegischem Gehabe kundtat meine Generation erlebte ihre Sturm - und Drangperiode in der Epoche der ersten Nachkriegszeit, mit ihrem damals verwegenem Fortschritt. Die Jungens trugen Jimmy-Schuhe und Hosen, wir Mädels malten uns heimlich die Lippen rot, und wir kamen uns toll erwachsen vor. Die heutige Jugend tobt sich in Komplexen aus. Mit diesem viel zu volkstümlich gewordenen Begriff hat man es den jungen Geschöpfen leicht gemacht, die Schuld an persönlichem Versagen abzulehnen, und dafür die “altmodischen, rückständigen Eltern” zu beschuldigen. Es gibt kaum eine Familie, die nicht Schwierigkeiten irgendwelcher Natur mit ihren “teen-age”-Kindern hätte. Der junge Mensch, in seinem impulsiven, unplanmässigen Streben und Suchen, hat das Recht Fehler zu begehen -Solange er dazu angehalten und auch gewillt ist, die daraus entstehenden Konsequenzen zu tragen. An diesem Willen mangelt es oft. Wir Eltern sind dazu geneigt, die Schuld daran ausschliesslich bei der Jugend zu suchen, die sich gegen unsere Erfahrung, gegen gute Lehren und unsere Auffassung von Lebensnormen sträubt. Vergessen wir nicht, dass auch wir einmal durch Faulheit die helle Ver- ’ zweiflung unserer Eltern, dass auch wir schlampig und undiszipliniert waren, selbst,, wenn wir uns und unsere goldene Jugend als reibungslos und rosig im Gedächtnis haben. Das Schlimmste für ein normales, durchschnittliches Kind ist das langsam verhasst werdende, immer wieder betonte Beispiel der “Muster-Kind”-Eltern, mit ihren zermürbenden Vergleichen. Das von jedem angestrebto Ideal des Eltern-Kind-Freund Schaftsverhältnisses muss von beiden Seiten erworben und kann nicht als selbstverständlich angenommen werden. Eine wahre Freundschaft will verdient sein, sie bedingt Gemeinsame Beschäftigung und Aufgeschlossenheit zur Teilnahme, selbst an kleinsten Geschehnissen Die Bereitschaft dazu muss natürlich in weit grösserem Masse von der Eltern - Seite spürbar gemacht werden; sonst bleibt es beim Kinde bei der Pflicht und wird nicht Zuheigung. Das ist letzten Endes für uns vielbeschäftige Eltern eine Zeitfrage. Die meisten Erzieher, die recht unglücklich der Jugend- Rebellion gegenüber stehen, sollten als erstes mehr und mehr und noch viel mehr Zeit für ihr Kind reservieren, sich für seine Belange interessieren, sie nicht bagatellisieren. Das beleidigt ein junges Wesen zutiefst. Erst dann können wir Eltern erwarten, dass auch die Kinder Interesse an unserer Arbeit und Lebensauffassung gewinnen. Verschiedenheiten der Beurteilung führen dann zu nutzbringender Aussprache und nicht zu szenenhaften Diskusionen, die aufreiben und entfremden. Es sollte wohl in jeder Familie möglich sein, dass zumindest ein Abend in der Woche feststehend und unumstösslich gemeinsam verbracht wird. Da darf weder der Skat des Vaters, noch der Bridge der Mutter oder der Kino-Wunsch der Kinder dazwischen kommen. Kein Besuch oder soziale Verpflichtung darf wichtiger sein als die Familien-Reunion. An diesem Abend soll jeder einzelne offen —u ngestört durch Zwischenbemerkung— seine im Laufe der Woche entstandenen Probleme entrollen. Gemeinsame Beratung erleichtert die Lösung und das gegenseitige Verständnis wächst, wie eine gesunde gepflegte Pflanze. Das Vertrauen der Kinder, die bei ihren Eltern natürliche menschliche Schwächen entdekken dürfen, wird Selbstverständlichkeit und überspringt die hemmende Barriere des blinden Respektes. Seien wir gerecht unserer hier aufwachsenden Jugend gegenüber. Wir hatten als Kinder jegliche Voraussetzung, der gewünschten Lebensart unserer Eltern nachschlagen zu können. Wie lebten in eingefahrener Bahn und Tradition, fühlten die starke Verpflichtung, einem bestehenden Familien-Ruf gerecht bleiben zu müssen und waren nicht völlig neuen Normen einer wesensfremden Umgebung ausgesetzt. Die hiesige (Fortsetzung Seite 19)