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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1959-10-01 · 10 (Octubre, 1959) · p. Seite 15

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXI (1959)
Issue
10 (Octubre, 1959)
Date
1959-10-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Octubre 1959 BOLETIN INFORMATIVO 15 Zum 1. Jahrestag seines Ablebens: JOSEPH KLAUSNER - EIN VORKAEMPFER DER HEBRAEISCHEN RENAISSANCE Von Jacob Kabakoff Wenigen hebraeischen Schriftstellern ist es vergoennt gewesen sich einen so grossen Leserkreis zu erobern und solchen internationalen Ruf zu erlangen, wie Professor Joseph Klausner. Sein Leben war dem Studium juedischer Sprache und Kultur geweiht und er war eine anerkannte Autoritaet auf dem Gebiet der juedischen Geschichte und der hebraeischen Literatur. Seine Werke sind in fast alle Kultursprachen uebersetzt. In der Einfuehrung zu seiner Autobiographie, “Mein Weg zur Wiedergeburt und Erloesung”, die kurz nach seinem 70, Geburtstag erschien, schrieb er: “Es war mir vergoennt, die 70 Jahre der ereignisreichsten Epoche unserer Geschichte zu erleben. In der Zeit der Haskalah geboren, stand meine Jugend im Zeichen von Chibat Zion und Achad Ha’am; als junger Mann war ich Zeuge des Wirkens Herzls und Nordaus; und in meine reiferen Jahre fiel die Balfourdeklaration mit allen ihren Folgen”. Klausner erlebte die Zerstoemng eines Drittels des juedischen Volkes; er war Zeuge des Basler Kongress, Mitkaempfer fuer die Renaissance hebraeischer Sprache und Literatur und verfolgte mit leidenschaftlicher Anteilnahme die Entwicklung in Palaestina, von den Tagen der ersten Alij ah bis zur Gruendung des Staates Israel. Schon 1919 siedelte er selbst nach Israel ueber. Selten war es einem Menschen unserer Zeit gegeben, so am Leben des juedischen Volkes teilzu haben und soviel zu seiner geistigen Entwicklung beizutragen wie Joseph Klausner. Aus den grossen Zentren des russischen Judentums stammend erwarb er sein geistiges und wissenschaftliches Ruestzeug an der Universitaet Heidelberg. Von den Tagen an, in welchen er als Juengling zum ersten Mal die literarische Arena betrat bis zu seinem Ende, hat es kaum einen Aspekt des juedischen Daseins gegeben, zu welchem er nicht Stellung genommen haette. In seiner Weltanschauung betrachtete sich Klausner als einen Anhaenger Achad Ha’ams, obwohl er in manchen wichtigen Punkten anderer Meinung war. Schon mit 29 Jahren uebernahm er die Redaktion des von Achad Ha’am gegruendeten Monats b 1 a 11 e s “Hashiloach”. Jedoch, wenn sich auch Klausner zum “geistigen Zionismus” Achad Ha’ams bekannte, war er ein unbedingter Anhaenger des politischen Zionismus Herzls und der Idee des Judenstaates. Obgleich er Mitglied der Allgemeinen Zionistischen Partei war, sympathisierte er mit dem Revisionismus und wurde sogar von der Cheruth als Praesidentschaftskandidat fuer Israel aufgestellt. Er war gleichzeitig ein sanfter und doch temperamentvoller Mensch. Wenn er es fuer notwendig erachtete, konnte er eine unpopulaere Meinung auf das Aeusserste verteidigen und oft genug haben ihm die Ereignisse Recht gegeben. Das Motto Klausners Lebens war “Judentum und Humanismus”. Schon fruehzeitig erklaerte er, dass dies nicht zwei widerstreitende, sondern sich ergaenzenden Begriffe seien. So sehr war er diesem Ideal verbunden, dass er es auf einer Tafel ueber den Eingang seines Hauses in Jerusalem einschreiben liess. Klausner begann seine literarische Laufbahn um 1890 in einer Bluetezeit der hebraeischen Literatur in Europa, jedoch auch einer Epoche in welcher die besten Geister zwischen dem juedischen Erbe und den Einfluessen der Umwelt hin und hergerissen wurden. Er verfocht von Anbeginn das Prinzip einer Synthese zwischen diesen beiden Positionen und ging soweit, dass er erklaerte, die Gedankengaenge eines Rousseau, Tolstoi oder Carlyle als “im Geiste juedisch” zum empfinden. Er betonte gleicherweise alle diejenigen Werte des Judentums, die seinem Empfinden nach allgemeinen Charakter hätten; den Monotheismus, die Ethik der Propheten und des Talmuds und die Idee des Messianismus. In seinem Eifer, die universellen Elemente des Judentums hervorzuheben, beschaeftigte er sich besonders mit solchen Figuren wie Philo, Spinoza und Salomon Ibn Gabirol, die einen nachhaltigen Einfluss auf die Umwelt ausgeuebt hatten. Nie zweifelte Klausner an der Idee der Synthese juedischer und allgemeiner Werte, und aus diesem Grunde betonte er stets die Notwendigkeit, dass die hebraeische Literatur vom besten Gedankengut der Welt durchtraenkt sein muesse. Wenn sich auch Klausner auf vielen Gebieten betaetigte, betrachtete er sich in erster Linie als Historiker. Sein besonderes Interesse gehoerte der Epoche des ersten und zweiten Tempels, ueber die er sein Monumentalwerk “Historia Yisraelit” schrieb. Er betrachtete diese Zeit als einen Abschnitt der Geschichte, in welchem das nationale Empfinden des juedischen Volkes einen Gipfelpunkt erreichte und auch als einen Moment in dem das Judentum sich mit anderen Lebensauffassungen auseinandersetzen musste, einer Auseinandersetzung, deren Ergebnis das Christentum ist. Unbefriedigt mit den ueblichen juedischen und nichtjuedischen Interpretationen dieser Zeit versuchte er, eine neue Deutung zu geben, wobei er nicht nur geistige, sondern;auch politische und soziale Faktoren in Rechnung stellte. Er zeigte uns ein neues, positives Bild der Zeit der Hasmonaeer und beschrieb sie als eine Epoche der Renaissance, in welcher die hebraeische Sprache, Kunst und Literatur einen Hoehepunkt ihrer Entwicklung erreichten. Bis zu seinem Werk hatten die Historiker meistens den kriegerischen oder sogar barbarischen Charakter dieser Zeit hervorgehoben und es ist Klausners Verdienst, dass er, ohne die Schattenseiten zu leugnen, als erster aufzeigte, dass ohne die Leistungen der Zeit der Hasmonaeer das Judentum sich kaum gegen den Hellenismus und das Heidentum haette halten koennen. Man hat ihn oft darum kritisiert, dass er der Vergangenheit eine moderne und sehr subjektive Auslegung gegeben hat doch duerfen wir nicht vergessen, dass er keine absolute Wahrheit suchte, sondern den Schluessel zu unserer Wiedergeburt und einen Wegweiser unseres zeitgenoessischen, juedischen Lebens. Sein Leben lang hat sich Klausner mit der messianischen Idee auseinandergesetzt, die fuer ihn der Hoehepunkt der juedisch-geistigen Entwicklung war. Schon seine Doktorarbeit in Heidelberg ist ueber dieses Thema und er hat nie aufgehoert es, ebenso von der. nationalen wie von der allgemeinen Seite her, zu interpretieren. Fuer ihn bedeutete die Idee des Messias einen Zusammenklang nationaler und universeller Elemente, die Hoffnung fuer die politische Wiedergeburt Zions wie auch fuer den endgueltigen Fortschritt der Welt zum Frieden. In seinem Werk “Die Messianische Idee in Israel” untersucht er diese Entwicklung durch die juedische Geschichte und es war seine Ueberzeugung dass es dem Messianismus als Mittelpunkt juedischen Lebens zu verdanken sei, dass das Judentum universelle Bedeutung erlangte. Um diese Meinung zu beweisen, analisierte Klausner tiefgruendigst die Entstehung des Christentums und versuchte eine Abgrenzung juedischer und christlicher Ideen ueber Gott, den Messias und die ethischen Prinzipien. 15 Jahre lang schrieb er an seinem Buch “Jesus von Nazareth” das als es 1925 erschien, einen Sturm von Kontroversen entfesselte. Treu seiner Ueberzeugung jedoch wich Klausner nicht von seinem Standpunkt. Er war entschlossen aufzuzeigen, wie sehr juedische Elemente, trotz christlicher Symbolik, die Welt beeinflusst haetten. Fuer ihn war Jesus nicht ein Prophet oder gar Messias, sondern ein Lehrer juedischer Ethik, dessen Lehre jedoch schon in sich den Keim zur Spaltung des Judentums trug. Die Entwicklung Jesus vom juedischen Lehrer bis zum Messias zeigte er auf in seinem Werke “Von Jesus zu Paulus”, wo er beschrieb, wie die urspruengliche Lehre von Paulus verwandelt wurde, um sie der nicht juedischen Umwelt darbringen zu koennen. Ebenso als Historiker wie auch als Literaturkritiker hat sich Klausner einen bleibenden Platz errungen. Fuer ihn war die hebraeische Literatur der moderne Ausdruck juedischer' Wiedergeburt und er wies deshalb staendig auf die Aufgaben und Verantwortung des Schriftstellers hin. Er war der Entdekker vieler neuer Werte und ein grosser Teil seiner Arbeiten sind Einführungen und Komentare ueber hebraeische Literaten. Seiner Begeisterung ueber die Riesen der modernen, hebraeischen Poesie —Bialik, Chernichowsky, Schneur und Schimoni—■ verdanken wir viele umfangreiche Arbeiten ueber ihr Schaffen. Es giebt wohl kaum einen hebraeischen Autor seit der Zeit der Haskalah, den er nicht kannte und wertete. Klausners Taetigkeit als Professor der modernen, hebraeischen Literatur an der Universitaet Jerusalem brachte ihn dazu, ein wissenschaftliches Studium der Geschichte der zeitgenoessischen, hebraeischen Literatur zu unternehmen, dessen Ergebnisse er in einem Sechsbaendigen Werk veroeffentlichte. Er teilte die Literaturgeschichte in 3 Epochen: die Rationalistische (1781-1830), die Romantische (1830-1850) und die Realistische (1850-1881). Sein ganzes Leben lang war Klausner ein Vorkaempfer der hebraeischen Sprache. Fuer ihn gab es nur einen Weg zur Renaissance des geistigen Judentums: das Hebraeische. Er war ein erbitterter Gegner des Jiddischen und betrachtete dessen Anhaenger als Schuldtragende einer “Entgeschichtlichung des Judentums”. In seinen letzten Jahren uebernahm Klausner den verantwortlichen Posten des Vorsitzenden des Herausgeberkom. mitees der “Encyclopedia Hebraica”, hauptsaechlich weil er darin einen praktischen Beweis seines Ideals der Synthese zwischen Judentum und Humanismus sah. Vom zweiten Band ab, der 1950 erschien, laesst sich sein Einfluss fuehlen. Auch in der Tagespresse schrieb Klausner oft und in erster Linie ueber moralische Themen. Er war fest von der Notwendigkeit religioeser juedischer Haltung ueberzeugt und verfocht eifrig die Heiligung des Schabbaths und der Feiertage. Oft machte er der Jugend den Vorwurf, den traditionellen juedischen Werten zu gleichgueltig gegenueber zu stehen. Sein Glaube war optimistisch, denn er war ueberzeugt, dass die messianische Idee nur von einem guten Gott gegeben werden konnte. In seiner Autobiographie behandelt er diese Themen in einem besonderen Kapitel: “Meine Weltanschauung”. Das Gebet und die Erfuellung der Gesetze, sowohl wie auch eine grundsaetzliche ethische Haltung waren die Pfeiler seiner religioesen Position. (“CONGRESS BI-WEEKLY”). 10000 JUGENDLICHE KAMEN NACH BERGEN - BELSEN “Um zu zeigen, dass in der deutschen Jugend Antisemitismus und Intoleranz nicht vorhanden sind”, wie N. Buchholz, erster Vorsitzender des Landesjugendringes Hamburg, erklärt, organisierten die norddeutschen Landesjugendverbände (Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Niedersachsen und Berlin) eine Sternfahrt zum KZ- Ehrenmal von Bergen - Belsen Die Kundgebung soll zugleich ein Protest der Jugend gegen die im Vorjahr aufgetauchen Fälle Zind, Eisele und Nyland sein. Es sind auf den Tag genau 14 Jahre, dass ein englischer Flammenwerfer die letzte Baracke des berüchtigten Konzentrationslagers niederbrannte, in dem knapp vor Kriegsende etwa 60.000 Häftlinge vieler Nationen zusammengepfercht waren, ohne Lebensmittel, Medikamente und die geringste ärztliche Versorgung dem Typhus ausgeliefert. So fürchterliche Verhältnisse herrschten in dem Lager, dass die SS bereits am 12. April den heranrückenden Eng lä n d e r n einen örtlichen Waffenstillstand anbot und kampflos das Lager übergab. Uber 10.000 Tote fand die erste einrückende englische Einheit in den Lagerstrassen liegend vor, weitere 13.000 starben in den nächsten Tagen. Da die SS die Unterlagen vernichtet hatte, konnte nie festgestellt werden, wieviel Menschen tatsächlich in Bergen - Belsen umgekommen sind. Allein die umgekommenen Juden werden auf 30.000 geschätzt. KEINE NAMENSTAFEL Schweigend betreten die fast 10.000 Jugendlichen jetzt den Lagerraum. Nur wenige von ihnen kennen Bergen - Belsen, wie es sich heute als Gedenkstätte präsentiert: eine grosse, geometrisch geformte Grabstätte inmitten der Heidelandschaft. Es gibt keine Namenstafeln; an ihrer Stelle stehen schlichte Steine mit deutschenglischer Aufschrift, wie: “Hier ruhen 1000 Tote”, oder “Hier ruhen 5000 Tote”. Irgendwo liegt unter jenem Hügel auch das jüdische Mädchen Anne Frank begraben, dessen Tagebuch weltbekannt geworden ist. “WIR WEHREN UNS” Die Spitze des Zuges eröffnen etwa 100 Kranzdelegationen, angeführt von den Berliner “Falken”. Hinter ihnen werden die Kränze der vielen Jugendorganisationen und studentischen Abordnungen aller norddeutschen Hochschulen getragen. Stumm legen die Abordnungen die Kränze vor dem 25 Meter hohen Obelisken und vor der “Mauer der Nationen” nieder. Mit Rezitationen von Bert Brecht und einem jüdischen Gebet, das in den Konzentrationslagern oft gesprochen wurde, wird die Feier eröffnet. Ein einziger Redner spricht: Pastor Heinz - Georg Binder, zweiter Vorsitzender des Hamburger Jugendringes. “Wir sind die Generation”, führt er aus, “die mit Fug und Recht sagen kann, dass sie unschuldig ist an dem, was hier geschah. Wir sind dennoch diesem Geschehen verbunden, weil dieser Mord an Tausenden nicht zuletzt in unserem Namen begangen wurde, weil man sich damals auch auf uns und unsere Zukunft berief. Wir wehren uns dagegen, dass von manchen Menschen der älteren Generation, von manchem Elternhaus und manchem Lehrer die Vergangenheit totgeschwiegen wird. Wir halten es für ein neues Unrecht, dass man sich in den Erfolgen des Wiederaufbaues sonnt und dabei so tut, als habe es das Unrecht von gestern nicht gegeben. (“Westdeutsche Allgemeine”).

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