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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1959-10-01 · 10 (Octubre, 1959) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXI (1959)
Issue
10 (Octubre, 1959)
Date
1959-10-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Octubre 1959 BOLETIN INFORMATIVO 5 GEHT DER KALTE KRIEG ZU ENDE? Jean Lagrange, von der Franzoesischen Presse-A g e n t u r, schreibt am 27. September fuer “El Mercurio”, dass es noch vor wenigen Jahren, zu Zeiten Stalins und Mac Carthys, unmoeglich gewesen waere, sich ein Treffen wie das jetzt zwischen dem russischen Regierungschef und dem Praesidenten der U. S. A. durchgefuehrte, ueberhaupt vorzustellen. Man kann diese Behauptung getrost weiter fuehren: es waere noch vor wenigen Monaten, naemlich zu Lebzeiten von John Foster Dulles, undenkbar gewesen. Der unbeugsame Staatssekretaer haette niemals zugelassen, Kruschev den Triumph einer Amerika - Reise zu goennen, ohne vorher als conditio sine qua non einige fundamentale Zugestaendnisse zu erlangen. Er hatte ferner immer darauf bestanden, mit der Sowjetunion nur in Begleitung seiner britischen und franzoesischen Alliierten zu verhandeln, um so die, wenn man will fiktive und vielleicht sogar recht belanglose, Proportion von Drei gegen Eins aufrechtzuerhalten. Bei den Verabredungen, die Vize- Praesident Nixon in Moskau bezueglich eines Besuch - Austauschs der beiden Staatsoberhaeupter traf, hat Washington diese beiden taktischen Grundpfeiler der Dulles’schen Aussenpolitik aufgegeben. Ob damit viel verloren ist, mag dahingestellt bleiben. Dass die Politik der Haerte des verstorbenen Staatssekretaers nur von einem Fiasko zum naechsten gefuehrt hat, ist bereits heute eine geschichtliche Tatsache. Als Grundlage der republikanischen Wahlkampagne im Jahre 1952 versprach sie der amerikanischen Waehlerschaft und der Welt die “Befreiung der von den Sowjets besetzten Laender Osteuropas”. In der Praxis sind diese Laender, mit Ausnahme der unter Gomulka in Polen gemachten Fortschritte, zu denen der Westen nichts beitrug, so unfrei wie ehedem. Im Gegenteil, nachdem der bewundernswerte Aufstand Ungarns in einem Blutbad erstickt werden konnte, dem die westlichen “Befreier” nur mit ebensoviel Sympathie wie politischer Ratlosigkeit zuschauten, darf man wohl annehmen, dass die unterjochten Voelker den westlichen Versprechungen nur mit grossem Misstrauen begegnen. Was Asien anbetrifft, so war die Truman’sche Kriegsfuehrung in Korea und die unter ihm begonnenen Friedensverhandlungen eine besondere Zielscheibe der republikanischen Kritik. In der Praxis wurde der Waffenstillstand von Panmunjon unterzeichnet, ohne auch nur einen Zollbreit ueber die von Truman erreichten Positionen hinauszugelangen. Dagegen geriet Afghanistan unter russischen Einfluss, halb Indochina ging verloren, der Tibet wurde “ungarisiert” und man Fábrica de Pantalones Finos ISAAC BLECHMANN Morandé 542, Of. 3 internet Manfred Wallach G. RADIOS - PLATTENSPIELER SCHALLPLATTEN WASCHMASCHINEN Alle elektr. Haus u. Küchengeraete Billige Kassapreise - Auch Teilzahlung Serrano 144 - Fono 86873 muss kein Prophet sein, um den Koenig von Laos an das Mene tekel zu erinnern, dass seinem Kollegen Belsazar vor etlichen 2500 Jahren erschien. Ebenso konnte die halsstarre Unnachgiebigkeit und Haerte Washingtons nichts an der Durchdringung des Mittleren Ostens durch die Sowjet-Union i aendern. Insbesondere, als man so unnachgiebig und hart wie noch nie den eigenen Alliierten gegenueber war, als diese bei der Suez-Kampagne einen letzten Versuch machten, diesen Krebsschaden zu operieren. Mit Christian Herter hat sich die taktische Haltung der Vereinigten Staaten um 180? gewendet. Von Adlai Stevenson wird behauptet, er habe die boesartige Aeusserung gemacht, dass er sich frage, ob auch Eisenhower dies wisse. Wahr oder unwahr, ist diese Aeusserung insoweit zumindest gut erfunden, als sie ein Schlaglicht auf die schwer zu erklaerende Haltung des Praesidenten wirft, der die verhandlungsfreudige Strategie Herters ebenso uneingeschraenkt unterstuetzt wie bis vor kuerzester Zeit die entgegengesetzte seines Vorgaengers. Zu seinen Gunsten darf jedoch ohne Weiteres angenommen werden, dass die Einsicht, bei der bisherigen Fuehrung des Kalten Kriegs eine erschreckende Anzahl wichtiger Schlachten verloren zu haben, ihn zu einem radikalen Kurswechsel bestimmt hat. Und sicher gehoert es zu den Lieblingswuenschen dieses Mannes, den es schon seit langer Zeit mehr zu seiner Familie, seiner Kirche, seinem Golfaufenthalt und seinem Golfplatz zieht als zur umstrittenen Glorie des Schlachtfeldes oder der Politik, beim Abschluss seiner zweiten Amtsperiode seinem Volk und der Welt sagen zu duerfen, der Kalte Krieg sei beendet. Wird es ihm, wird es uns vergoennt sein? Man wuerde zweifellos zu weit gehen, aus den Abmachungen von Camp David einen solchen Schluss zu ziehen. Andererseits waere es j aber Blindheit zu leugnen, dass sie einen Markstein auf dem Wege zur allgemeinen Entspannung der Weltlage darstellen. Die U. N. und der Vordere Osten Die Nachrichten vom Beginn der Ordentlichen Sitzungsperiode der Vereinigten Nationen waren diesmal durch den Besuch Kruschevs in U. S. A. vollkommen ueberschattet und erst die Tatsache, dass er auch auf dieser Tribuene das Wort ergriff, um seinen allgemeinen Abruestungsvorschlag zu formulieren, rueckte sie wieder etwas ins Licht der Aufmerksamkeit. Natuerlich ist dies kein Zufall und haengt vor allem mit dem allgemeinen Prestige-Verlust zusammen, den diese internationale Organisation zusehend erleidet, Selbstverstaendlich ist aber nicht nur die Publizitaet der U. N. irgendwie derjenigen untergeordnet, die den Gipfelbesprechungen gewaehrt wird. Es sind vielmehr vor allem die Beschluesse, die bei den Sitzungen dieses Jahres gefasst werden koennen, die weitgehend von den Ergebnissen dieser Besprechungen abhaengen. Die Meinungen ueber deren Einfluss waren in Israel, um es grob auszudruecken, in optimistische und pessimistische geteilt. Den Optimisten zufolge muesste sich eine allgemeine Entspannung der Lage auch vorteilhaft fuer den Vorderen Osten durch eine Reduzierung der Spannung zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn auswirken, zumal die bestehende Feindseligkeit zu einem betraechtlichen Teil durch den Gegensatz der Grossmaechte in dieser Region geschuert wird. Die Pessimisten dagegen befuerchteten, bei einer Ausdehnung der Einigung auf diese Laender des oestlichen Mittelmeers duerfe man nicht viel Verstaendnis fuer die legitimen israelischen Interessen erwarten. Tatsaechlich fehlt es in der Weltgeschichte nicht an alten, neueren und neusten Beispielen, die ein Uebereinkommen maechtiger Staaten auf Kosten kleiner und kleinster Nationen demonstrieren. Ob sich zuguterletzt die Hoffnungen verwirklichen werden oder die Befuerchtungen, war den der Generaldebatte gewidmeten ersten Sitzungen nicht zu entnehmen, zumal die Delegierten selbst und ihre Regierungen noch die Augen nach Camp David gerichtet hatten. Keinesfalls scheint man jedoch fehlgehen zu koennen, wenn man die Erwartungen nicht allzu hoch spannt. Der Beschluss ueber die Aufnahme Chinas, dessen Regierung in diesen Tagen den 10. Jahrestag ihres Sieges ueber Tschiang-Kai-Schek feiert, wurde fuer ein weiteres Jahr vertagt, das heisst zurueckgewiesen. Der amerikanische Vertreter im zustaendigen Ausschuss begruendete die Ablehnung in sehr beredten Worten, in denen er die Regierung von Peiping ob der dauernden Rechtsverletzungen, die sie begangen hat, anprangerte. Es ist interessant zu beobachten, dass also in diesem Punkt Herter die Politik seines Vorgaenger konsequent weiter zu verfolgen gewillt scheint. Es ist auch verstaendlich, dass die U. S. A. nach dem staendigen Anwachsen des sowjetischen und afroasiatischen Blocks in den letzten Jahres alles daran setzt, die Aufnahme weiterer Staaten, die bei entscheidenden Abstimmungen Russland Stimmen zufuehren, zu verhindern, besonders wenn solche Staaten als rechtmaessige Anwaerter auf einen permanenten Sitz im Sicherheitsrat das Veto-Recht ausueben koennen. Andererseits kann es aber heute keine ernste Diskussion mehr darueber geben, dass die tatsaechliche Regierung Chinas nicht in Taiwan, sondern in Peiping sitzt. Die moralische Verurteilung, auf Grund derer die Vereinigten Staaten diese Realitaet leugnen will, steht auf schwachen Fuessen. So ist erstens TschiangKai Schek nie der Ehrenmann gewesen, zu dem man ihn heute stempeln will. Und zweitens gibt es einige Mitgliedstaaten in den U. N., denen zwar alle Ehren bezeugt werden, mit denen verglichen aber das kommunistische Regime in China einem Paradies auf Erden gleichkommt. Wir denken dabei in erster Linie an den Jemen, ein Land, von dem wir vor kurzem erfuhren, dass der “Fortschritt” des 20. Jahrhunderts seinen Einzug dergestalt feiert, dass den Dieben die Haende nicht mehr ohne Betaeubung, sondern mit regelrechter Anaesthesie abgehackt werden. Der Nachbarstaat, Saudi-Arabien, zeichnet sich dadurch aus, dass der Slavenhandel gesetzlich erlaubt ist und dass sein Herrscher, Schutzherr des Islam, ihn aeusserst erfolg reich betreibt. Wir erwaehnen das, weil es uns nahe angeht. Das sind naemlich die Staaten, die das grosse Wort gegen Israel fuehren. Der saudi-arabische Delegierte Achmed Schukairi, richtete seine Angriffe gegen Frankreich und Israel sogar in einem solch unflaetigen Ton, dass der greise U. N.— Praesident Victor Andrés Belaúnde ihn mehrere Male zur Ordnung rufen musste. Ihr “moralisches” Recht wird aber von niemandem angezweifelt. In einer solchen Umgebung und Atmosphaere muss die israelische Delegation, vorlaeufig unter persoenlicher Fuehrung des Aussenministers, Frau Golda Meir, versuchen, einen positiven Beschluss ueber das Recht Israels auf freie Durchfahrt durch den Suez-Kanal zu erlangen. Der diplomatische Kampf wird aeusserst schwer sein. Das tapfere Verweilen des daenischen Kapitaens, der mit seiner “Inge Toft” und ihrer Ladung nun schon seit vielen Monaten seine Haft in Aegypten freiwillig verlaengert, wird Nassers Rechtsbruch dramatisch unterstreichen. Aber wird das “Gewissen” der Diplomaten, die zu eines Schukairi Auszehrungen applaudieren, dadurch geruehrt werden? Die naechsten Wochen werden es zeigen. An und fuer sich liegt der Fall zu klar, als dass man fuerchten muesste, die Mehrheit koenne seine Verdrehung gutheissen. Man geht aber trotzdem wohl nicht fehl anzunehmén, dass man in Jerusalem auch mit dieser Eventualitaet als Kroenung von Hammarskjolds Muenchner Politik rechnet. Und dann waere wohl mit Massnahmen zu rechnen, die das Ausharren der “Inge Toft” —wenn schon nicht aufgrund des Beschlusses der U. N.— so doch trotz der U. N. rechtfertigten. ATSCHEKA.

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