Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 7 (Julio, 1959)
- Date
- 1959-07-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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8 BOLETIN INFORMATIVO Julio 1959 EIN WERK DER VERSOEHNUNG UND DES FRIEDENS GRUNDSTEINLEGUNG FUER DAS ANNE FRANK - EUROPADORF IN WUPPERTAL w& I J W.{w}jVjW>. lüllilii $Í$$f§g mmm WSM mm ' g-üü Fon links nach recht: der ehemalige belgische Ministerpraesident Van Zeeland, Otto Frank, Pater Pire. Die Gründlingsurkunde in sechs Sprachen und ein Kaestchen mit Erde aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen werden in den Grundstein eingemauert. Am Nachmittag des 31. Mai hat in der westdeutschen Industriestadt Wuppertal der Träger des letztjaehrigen Friedensnobelpreises, der belgische Dominikanerpater Dominique Georges Pire, den Grundstein zu dem sechsten Europadorf für Flüchtlinge gelegt. Die schweizerische Oeffentlichkeit hat anlässlich einer kürzlichen Vortragsreise von Páre Pire Gelegenheit gehabt, sich ein Bild vom Hifswerk für heimatlose Ausländer zu machen, das dieser Mann ins Leben gerufen hat und das getragen wird von einer Menschen der verschiedensten Nationen umfassenden Bewegung “Europa des Herzens”. Sein Ziel ist, für Gruppen der seit langem unter primitivsten Lebensbedingungen in Lagern untergebrachten Flüchtlinge an der Peripherie mittelgrosser Städte in Europa Siedlungen zu schaffen; jeweils zwanzig Familien sollen sich eine neue “normale” Existenz aufbauen dürfen und allmählich in die Volksgemeinschaft, die sie aufgenommen hat, hineinwachsen. Bereits sind fünf solcher Europadörfer entstanden; nun konnte der belgische Priester auch seinen Lieblingsgedanken verwirklichen, nach den nach Fritjof Nansen und Albert Schweitzer benannten Flüchtlingssiedlungen ein neues Dorf unter dem Namen des im Konzentrationslager umgekommenen jungen Mädchens Anne Frank ins Leben zu rufen. Die Stadt Wuppertal hat ihm kürzlich dafür Grund und Boden zur Verfügung gestellt, und durch namhafte Spenden, vor allem solchen aus der Heimat Pére Pires, ist bereits der Bau von mehreren Häusern gesichert. Wer bei der Grundsteinlegung dieses neuen Europadorfes zugegen sein durfte, erfuhr in der Tat ein ungewöhnliches und bewegendes Erlebnis. Schon der Umstand, dass die Feier auf den letzten Tag der Besinnungswoche fiel, die in Wuppertal zum Gedenken an die vor 25 Jahren veranstaltete Barmer Bekenntnissynode stattfand, an der die von Karl Barth in wesentlichen Punkten entworfene “theologische Erklärung zur Lage der deutschen evangelischen Kirche” die Grundlage zum Widerstand der bekennenden Kirche Deutschlands gegen den Nationalsozialismus legte —, die Tatsache ferner, dass einige Tage zuvor in Wuppertal eine christlichjüdische Arbeitsgemeinschaft gegründet worden war, schuf eine besondere geistige Atmosphäre. Vor allem aber war diese Feier gekennzeichnet durch die Begegnungen von Menschen aus verschiedenen, einander früher feindlichen Ländern, die sich hier zu einem gemeinsamen Werk im Dienst der ärmsten Europäer, der Heimatlosen, zusammenfanden. Bereits am Bahnhof Wuppertal-Elberfeld bemerkte man unter den nach allen Richtungen weisenden Pfeilern den neuen nach dem “Europadorf”. Um die Mittagsstunde empfing Pöre Pire, der am Vormittag im Autocar mit 10 im Alter von Anne Frank stehenden Schülerinnen aus seiner Wohngemeinde Huy angekommen war, gemeinsam mit seinen jungen Begleiterinnen am Bahnhof Otto Frank, den Vater des Mädchens, dessen Tagebuch heute für unzählige Menschen zum lebendigen und verpflichtenden Vermächtnis geworden ist. Am Nachmittag fand im freien Wiesengelände von Wuppertal - Langerfeld die Grundsteinlegung statt. Zu Tausenden hatten sich die Einheimischen eingefunden, um auf dem Platz, der von den Fahnen vieler europäischer Nationen, darunter auch die Schweiz, abgesteckt war, schweigend und bewegt an dem Bekenntnis zur Versöhnung und zum Frieden teilzunehmen, das der Sinn dieser schlichten Feier war. Von allen Himmelsrichtungen waren sie gekommen, Minister und hohe kirchliche Würdenträger, Vertreter der alliierten Truppen in Deutschland, Abordnungen der belgischen Widerstandskämpfer, der Schulen, Universitäten und Jugendverbände, Arbeiter und Frauen und vor allem viele junge Menschen. Neben P6re Pire, Otto Frank und dem ehemaligen belgischen Ministerpräsidenten Van Zeeland sah man das Oberhaupt der evangelischen Kirche Deutschlands, den greisen Bischof Dibelius und den französischen “Apostel der Leprakranken”, Raoul Follereau; auch der Wiederaufbauminister der Deutschen Bundesrepublik, der französische und der israelische Botschafter, der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes nahmen an der Feier teil. Und schon an diesem Tage zeigte sich auch viel tatkräftige Hilfe. Allein die Bevölkerung von Eupen- Malmedy, einem der vom Krieg am schwersten heimgesuchten Teile Belgiens, kann aus dem Erlös einer Altmaterialsammlung den Bau von 4 Häusern des neuen Europadorfes finanzieren; eine Sammlung in den Schulen der Stadt Gent erbrachte 10.000 belgische Francs; die Schüler und Schülerinnen der Anne Frank - Volksschule in Düsseldorf spendeten 500 Arbeitsstunden als Beitrag zum Bau der Flüchtlingssiedlung. In seiner Begrüssungsrede gab Oberbürgermeister Herberts seiner Freude darüber Ausdruck, dass das Anne Frank-Dorf gerade in Wuppertal Wirklichkeit werde, der Stadt, die einer alten humanitären Tradition verpflichtet ist; bereits vor hundert Jahren ist ja die erste organisierte Armenpflege in Deutschland, das sogenannte “Elberfelder System”, von hier ausgegangen. Heute sei es für die Bevölkerung selbstverständlich, notleidenden Menschen mit offenen Herzen zu begegnen. “Wir sagen ja, auch weil wir nicht frei von Schuld sind. Es ist einiges geschehen, was den deutschen Namen belastet”. Bereits haben sich zahlreiche freiwillige Betreuer gemeldet, um den Flüchtlingen das Heimischwerden zu erleichtern. Der Bürgermeister schloss mit dem Versprechen, die Heimatlosen würden hilfreich und verständnisvoll, nicht als Fremdlinge, sondern als Brüder und Schwestern empfangen werden. Die Rede stand in erfreulichem Gegensatz zu den in “zackigem”. Ton vorgebrachten Ausführungen des Ministe, rialrates Polzer, der in Vertretung des Bundesvertriebenenministers Oberländer sich zu einigen eher bemühenden Ausführungen veranlasst fühlte, die weder in Inhalt noch Ton in den Rahmen dieser Feier passten. Um so eindruckvoller wirkte die Ansprache des ehemaligen belgischen Ministerpräsidenten Van Zeeland, der auf deutsch und französisch die Bedeutung des Hilfswerkes von Pater Pire hervorhob. Dieses Werk, aas auf eigene Weise das Problem der Flüchtlinge vor das Gewissen der Welt stellt, ist nicht darum bedeutend, weil es quantitativ Grosses leistet, sondern weil es einen geistigen Aufbruch bewirkt. Insbesondere hat das Anne Frank-Dorf einen ergreifenden Sinn, denn die Botschaft, die das Kind Anne hinterliess, der Glaube, “dass die Welt nach allem Leiden wieder Ordnung, Ruhe und Frieden kennen wird”, ist eine Hoffnung, an der wir alle teilnehmen dürfen, unter der Bedingung, dass wir unsere Verantwortung an unseren Brüdern voll und ganz erfüllen. Und dann trat in seinem weissen Ordensgewand P6re Pire ans Rednerpult. Nachdem er eine Botschaft der Königinmutter Elisabeth von Belgien verlesen hatte, die insbesondere den Vater der Kindes Anne auf seinem schweren Gange ihres schmerzlich teilnehmenden Gedenkens versicherte, zeichnete er in bewegenden Worten das Bild des 14 jährigen toten Mädchens, dessen “Tagebuch” ein bleibender Appell an die Lebenden zur Versöhnung und zum Frieden bleiben muss, auf dass niemals wieder Kinder in dieser Welt Angst und Hunger leiden. Er dankte dem Vater, dem einzigen Ueberlebenden einer ganzen Familie, dass er durch seine Anwesenheit bei dieser Feier in Deutschland zeige, dass er vergeben wolle. “Dieses Beispiel des Vergebens von dem, der am Tode seines Kindes am meisten gelitten hat, wiegt schwerer als tausend Ansprachen zur Verbannung des Krieges”. Der Redner wies auch auf das Bibelwort hin: “Die Wahrheit wird euch erlösen”. Es wäre sinnlos, sich in sentimentale Friedensträume zu verlieren, ohne die rauhe Wirklichkeit des Lebens zu sehen: “Mord, Kriegslust, Rassenunterschied in jeder Form, gegen, über den Schwarzen, den Afrikanern, den Israeliten..." Anne Franks Bekenntnis aber ist auch dasjenige P6re Pires; “Ich glaube weiterhin an die dem Menschen eingeborene Güte”. Und das bedeutet den Glauben an den Sieg des Lebens über den Tod, des Guten über das Böse, des Friedens über die Zerstörung. Studentinnen und Studenten der Universität und des Technikums Gent lasen danach in sechs Sprachen den Text der Urkunde vor, die nebst einer Handvoll Erde aus dem Konzentrationslager Bergen Belsen — Erde, in der die Asche des Kindes Anne Frank liegt — in den Grundstein eingemauert wurde. “Heute, am Sonntag, dem 31. Mai 1959, in Wuppertal, erhebt sich aus der Erde ein neues Europadorf unter dem Namen “Anne Frank”. Es wurde durch die Hilfe für heimatlose Ausländer mit Hilfe von Freunden aus ganz Europa erbaut, um entwurzelten Brüdern wieder ein Heim, Arbeit und Freunde zu geben, auf dass sie in gute menschliche Erde neue Wurzeln schlagen”. Dann Unterzeichneten Pater Pire, Minister Van Zeeland und Otto Frank die Urkunde. Während Beethovens “Hymne an die Freude” erklang und am Fahnenmast die Fahne der Europadörfer, zwölf goldene Sterne auf blauem Grund, hochging, taten die drei Männer die ersten Schläge zur Grundsteinlegung des Werkes, das als Vermächtnis eines unschuldigen Opfers des Hasses und der Unmenschlichkeit anderen, noch lebenden Opfern ein neues, friedliches Dasein schenken soll. Der Gast aus der Schweiz verliess diese Feier nicht ohne Nachdenklichkeit. Eine Stadt, in der die Wunden der Zerstörung noch nicht geheilt sind, die auf ihrem Gebiet noch über zwanzig Lager für Heimatvertriebene hat, schenkt spontan und selbstverständlich den Grund und Boden für eine Siedlung ausländischer Flüchtlinge; ein vom Krieg schwer heimgesuchtes Land wie Belgien spendet am ersten Tag vier Häuser für ein privates Hilfsunternehmen. Hier scheint man den Sinn des Welt-Flücht' lingsjahres verstanden zu haben. (Neue Zürcher Zeitung). LARITEX LTDA. Fábrica de Tejidos Finos Carmen 790 - Fono 397633 Erzeugung feinster Damen — u. Herren Strickwaren Exclusive Modelle nationales sowie importiertes Rohmaterial ANITA HORN Fono 36122 Alameda 518 Spezialhaus für Berufsbekleidung für sämtliche Büro- und Hausangestellte, Fabrikarbeiter, sowie Livreen für Diener, Theater und Hotels. Grosse Auswahl — Billigste Preise Estación de Servicio u. Garage Federico Lewkowicz Reparaturen aller Art sowie auebeulen und spritzen, fachmaennlsch, schnell und billig. Av. PORTUGAL 1608