Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 7 (Julio, 1959)
- Date
- 1959-07-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 BOLETIN INFORMATIVO Julio 1959 Begruessungs - Ansprache des Praesidenten der Federación Sionista, Herrn Israel Pollak: DER JISCHUW WIRD VORGESTELLT Der heutige Empfang zu Ehren unseres beruehmten Gastes gibt uns — dem Jischuw von Chile — Gelegenheit, unserer Freude, unserer Feiertagsstimmung und unserer Dankbarkeit dafuer Ausdruck zu geben, dass auch uns Juden im fernen Chile am Fusse der hohen und verschneiten Anden die Moeglichkeit gegeben worden ist, diese aussergewoehnliche juedische Frau persoenlich kennen zu lernen, die eine der groessten Persoenlichkeiten unserer Zeit ist, Israels Aussenminister Frau Golda Meir. Ueber das Leben unseres verehrten Gastes sind ganze Buecher geschrieben worden. Der Name Golda Meir ist mit allen Ereignissen, die zu der Proklamation der Medinat Israel gefuehrt haben, auf das engste verbunden. Sie hat unzaehlige Male die groessten Jischuwim auf der ganzen Welt besucht und juedische Herzen angefeuert, politisch und oekonomisch fuer Erez Israel und Medinat Israel taetig zu sein. Sie wurde schliesslich mit dem hoechsten Rang gekroehnt, den bisher noch keine Frau in der modernen Welt erreicht hat und ist seitdem als Israels Aussenminister die Verteidigerin des juedischen Rechtes und der juedischen Ehre auf der internationalen Arena der Voelker der Welt. Durch ihren gluehenden Idealismus, der mit einem tiefen moralischen Gefuehl und logischem Verstand fuer Politik begleitet ist, wurde sie der Fackeltraeger fuer Israels Sieg in verschiedenen komplizierten internationalen Problemen. Minister Golda Meier, die als offizieller Gast der chilenischen Regierung in Santiago weilt, befindet sich auf einer Reise, die zum Ziel hat, die freundschaftlichen Beziehungen der Medinah mit den von ihr besuchten suedamerikanischen Laendern zu vertiefen. Ihr Besuch hat auch in nichtjuedischen Kreisen besonderes Interesse hervorgerufen; ihre Persoenlichkeit ruft ueberall staerksten Eindruck hervor, sie wird nicht nur von dem gesamten juedischen Volke verehrt, sondern auch in der internationalen demokratischen Welt. Wir unsererseits sind gluecklich, den Aussenminister der Medinat Israel als Gast bei uns zu haben, als Gast des sicheren Alliierten der Medinah des chilenischen Jischuws, der um Israels Schicksal besorgt ist und sich mit Israels Siegen freut. Verehrter Gast: Sie werden mir gestatten, die heutige feierliche Gelegenheit auszunutzen, um Ihnen persoenlich den Dank der Juden Chiles dafuer auszudruecken, dass die hiesige Gesandtschaft Israels zur Botschaft erhoben worden ist. Wir sehen in diesem Schritte der Regierung Israels e i fl e Anerkennung und eine Auszeichnung fuer unseren Jischuw. Die Botschaft Israels spielt in unserem gesellschaftlichen Leben eine wichtige Rolle, und das Haus Doron ist in wenigen Monaten ein Zentrum juedischer Freundschaft und juedischen Lebens geworden. Meine lieben Freunde: Willst Du den Dichter kennen lernen, dann geh’ in sein Land. Ich glaube, unser verehrter Gast hat dieses Wort ein wenig abgeaendert in Willst Du den Jischuw kennen lernen, dann geh’ zuerst in seine Schule. Ehe Golda Meir den ofiziellen Kontakt mit unserem Jischuw aufgenommen hat, hat sie die Schulen des Vaad Hajinuj besucht. Wir wissen nicht, welchen Eindruck unsere Aussenministerin von diesen Schulen erhalten hat, eines wissen wir jedoch mit Sicherheit dass wir noch sehr viel zu tun haben, um das Niveau unserer juedischen Erziehung zu verbessern. Sehr geschaetzter Gast, mit Ihrer Erlaubnis will ich mir nunmehr gestatten, Ihnen —wie es bei verehrten Gaesten Brauch ist— unseren Jischuw vorzustellen, ihn mit einigen charakteristischen Strichen zu zeichnen. Wir stellen mit Zufriedenheit fest, dass in unserem Jischuw zionistischer Geist herrscht, Medinat Israel ist die Achse, um die sich unser gesellschaftliches Leben dreht. Die Zionistische Federación ist der zentrale Nerv unserer Institution. Alle Richtungen unserer zionistischen Bewegung, die Generation der alten und der Jungen, Juden, die hier geboren sind und solche, die aus den verschiedensten Laendern eingewandert sind, alle sitzen um einen Tisch. Gemeinschaftlich wird fuer die Verwirklichung aller der Pflichten gesorgt, die uns unser zionistisches Verantwortungsbewusstsein auferlegt. Saemtliche lokalen Juedischen Institutionen Frauen und Jugend-Organisationen arbeiten Hand in Hand mit der Zionistischen Federación, weil wir Juden hier in Chile verstehen, dass man die Interessen des Staates und die lokalen Notwendigkeiten nicht voneinander trennen kann. Was gut ist fuer die Medinat Israel, ist auch gut fuer uns Juden hier in Chile. Manchen schoenen Erfolg kann die Zionistische Federación auf ihr Konto buchen. Aus ihren Reihen leben in Israel wunderbare Chaluzim und andere Einwanderer, die der Medinah von grossem Nutzen sind. Aus den Reihen unserer Federación ist der treue Jude, unser lieber Freund Samuel Goren, herausgewachsen, der waehrend vieler Jahre seine Aufgaben zu Gunsten des Staates Israel und der juedischen Allgemeinheit mit Erfolg und Verantwortungsgefuehl erfuellt hat. Unser Jischuw erfuellt auch gewissenhaft seine Verpflichtungen der Solidaritaet und oekonomischen Hilfe gegenueber der Medinah. Aber wir sind noch lange nicht zufrieden mit unseren Taten; jeder Jude weiss, dass unsere Medinat uns mehr gegeben hat als wir ihr. Wer oefters Gelegenheit hat, an oeffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen, ist meistens ein wenig skeptisch gegenueber der Bereitwilligkeit unserer Kollektivitaet, sich bei solchen Gelegenheiten zu versammeln und geht daher mit nicht sehr hochgespannten Erwartungen hin. Der Festakt, an welchem sich Golda Meir, Aussenminister Israel mit unserem Jischuw traf, war jedoch in jeder Beziehung eine angenehme Enttaeuschung. Obwohl die Veranstaltung fuer einen Sonntagvormittag angesetzt wurde, war das Teatro Central schon lange vor zehn Uhr voll besetzt und alle die damit gerechnet hatten, dass sie bei der sonst ueblichen Unpuenktlichkeit auch noch spaeter zurecht kommen wuerden, mussten sich mit Stehplaetzen auf den Gaengen und im Foyer begnuegen. Kurz nach der festgesetzten Anfangszeit betrat Golda Meir den Saal, vom brausenden Beifall der Anwesenden begruesst. Nach den Hymnen Chiles und Israels, gesungen vom Schulchor des Vaad Hajinuj, eroeffnete der Praesident der Federación Sionista, Herr Israel Pollak, das Meeting. Anschliessend sprach Herr Enrique Testa, Vorsitzender des Comité Representativo, der in seiner Rede auf die Bedeutung dieses Staatsbesuches hinwies. Nach einigen einleitenden Worten des Botschafters Elieser Doron ergriff sodann Golda Meir, Aussenminister Israels, das Wort. In ihren, oft vom Beifall unterbrochenen Ausfuehrungen legte sie klar, dass “.. .wir alle Kinder eines Volkes seien, welches ueberall und nirgends auf der Welt ein Heim hatte, jetzt jedoch in Israel seine endgueltige Heimstaette gefunden habe; aber, ob¬ Wir haben auch Veranlassung, um die Zukunft unserer Jugend besorgt zu sein. Die Generationen derer, die sich aus den Verfolgungen gerettet haben, die in ihrer frueheren Heimat im Geiste des Ideals der Rueckkehr nach Zion gross geworden sind, Pogrome und Juedische Not jeder Art miterlebt haben, wird immer aelter. Die neue Generation lebt zufrieden in dem freien und demokratischen Lande, in dem fuer sie alle Tore der Assimilation offen sind. Unsere Jugend ist stolz auf die Medinat Israel, aber es fehlt ihr der juedische Inhalt, da die junge Generation meist nicht die Grundlage einer juedischen Erziehung hat Eine ruehmliche Ausnahme bildet hiervon nur der wichtige, aber zahlen —- maessig nicht sehr zahlreiche Sektor der chaluzischen Jugend. Man hat schon Einiges begonnen, um die Gefahr aufzuhalten. Die juedischen Schulen, Maccabi, das Estadio Israelita und der Mercaz sind geschaffen worden, um diesen Zustand wohl das juedische Volk verstreut unter allen anderen Voelkem lebte, verlor es doch nie seine Eigentuemlichkeit und die Hoffnung auf Erloesung begleitete den Juden, wo immer er auch hinging.. . Durch die ganze juedische Geschichte hindurch zieht sich wie ein roter Faden der feste Glaube an die endgueltige Befreiung unseres Volkes, eine Hoffnung die in unseren Tagen Wirklichkeit geworden ist. .. .als vor einem halben Jahrhundert die ersten Pioniere nach Israel kamen, Menschen, die alles im Stich liessen, um sich der Erloesung ihres Volkes zu weihen, fanden sie dort nichts als Sand und Steine. Ungeheuere und ungewohnte Anstrengung mussten von all diesen Menschen vollbracht werden, um die Grundlagen zu schaffen, auf denen wir spaeter den stolzen Bau des juedischen Staates errichten konnten. Aber sie wurden nicht muede, sie versagten nicht, denn sie wussten, von ihrer Muehe, von ihren Anstrengungen hing das Schicksal der Juden ab, und sie waren sicher dass das ganze Volk hinter ihnen stand, dass sie nur die Vorhut waren in dem ungeheuren Aufbruch Israels, der Freiheit entgegen. ... Israel ist das Ergebnis der Anstrengungen dieser Menschen, der Bemuehungen der zweiten Alij ah, des Schweisses aller Einwanderer und der unermuedlichen Mithilfe des ganzen juedischen Volkes. .. .Als unser kleines Land mit damals nur 850.000 Einwohnern, umringt von 40 Millionen feindlicher Araber 'seinen Kampf um “Sein oder Nichtsein” ausfechten musste, gab es fuer uns keine kalte Wirklichkeit. Damals lebten wir im Glauben an das Wunder und in der Zuversicht auf die Solidaritaet der Juden der Welt, zu verbessern. Aber man muss in die Tiefe gehen. Dazu fehlen uns eigene intelektuelle Kraefte im juedieschen Sinne. Besonders die kleinen Gemeinden in der Provinz ringen darum, ihre Kinder, die in der fremden Umgebung ohne juedisches Leben aufwachsen, zu retten. Wir hoffen, dass es durch unseren Willen und vor allem mit der Hilfe der Medinat Israel uns gelingen wird, diese Gefahren zu bekaempfen. Sehr geschaetzter Gast: Wir uebermitteln Ihnen den Willkommengruss der Federación Sionista, des Comité Representativo und des gesamten juedischen Jischuw und danken Ihnen fuer die grosse Ehre und fuer die Freude Ihres Besuches. Wir sind ueberzeugt, dass Ihr Besuch nicht nur die Freundschaft zwischen Chile und Israel verstaerken, sondern auch die Bruecke befestigen wird, die uns mit unseren Gefuehlen und in unserem Bewusstsein des gemeinsamen Schicksals mit der Medinat Israel verbindet. Schalom. die dieses Wunder, zusammen mit uns, moeglich machen wuerden. Und wirklich ist es so gekommen, dass wir, zusammen mit Euch allen, das Wunder der Staatswerdung Israels zustande gebracht haben. ...In der Vergangenheit, wenn Juden verfolgt wurden, flössen die Traenen des Mitleids, aber kein Land oeffnete unseren verfolgten Bruedem seine Pforten. Heute, dank der Existenz Israels koennen wir auf dies sterile Mitleid verzichten. Mag die Welt uns lieben oder hassen, wir sind keine Bettler mehr. ... Die Kinder, die niemand liebte, die nie eine Blume bluehen sahen, die Kinder der Konzentrationslaeger, haben sich auf ihre Weise fuer die verlorene Jugend geraecht; sie haben die Wueste erbluehen lassen und dafuer gesorgt, dass ihren Kindern solch ein Schicksal erspart bleibt. .. .Wenn wir nicht fuer den Krieg geruestet sein muessten, koennten wir unser ganzes Leben anders einrichten. Jedoch, obwohl der groesste Teil unserer nationalen Anstrengungen auf die Verteidigung gerichtet sein muss, verlieren wir nicht unsere feste Zuversicht, dass auch fuer Israel der endgueltige Friede bald kommen wird”. Am Ende ihrer Ansprache bereiteten die Anwesenden der Rednerin einen ausserordentlichen, langanhaltenden Applaus. Mit der Hatikwah endete dieses Treffen unseres Jischuws mit einer der hervorragendsten Persoenlichkeiten Israels, die in ihrer schlichten und dennoch ueberzeugenden Art verstand uns die Stunden das Kampfes, aber auch die Momente des Triumphes Israels mitleben zu lassen. Ankunft in Los Cerrillos mm mm &ÜÜ mm üü Meeting im Teatro Central: "VOM WUNDER DER STAATSWERDUNG"