Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 7 (Julio, 1959)
- Date
- 1959-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Golda Meir 11× ep/1009279
- Haifa 1× ep/1047930
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Julio 1959 BOLETIN INFORMATIVO 5 Die Presse — Konferenz : ISRAEL STEHT REDE UND ANTWORT Von Walter Goldschmidt Eines der wichtigsten Ereignisse des Besuches Golda Meir’s in Chile war die Pressekonferenz, welche am Nachmittag des 4. Juni im Hotel Carrera stattfand. Hier im Kreise der Vertreter der Presse, fand Israels Aussenminister Gelegenheit, in wahrhaft souveraener Vollkommenheit in Wissen und Ausdruck, ihre umfassende Kenntnis der Probleme unseres Staates kund zu tun. Es hatten sich alle Vertreter der hiesigen Zeitungen und Zeitschriften, wie auch der bekannten internationalen Nachrichten - Agenturen eingefunden, ausserdem Pressefotografen, Vertreter der Radio - Stationen und des staatlichen Informationsbueros. Noch vor dem Erscheinen Golda Meirs, gab Botschaftsrat Goren einige Einzelheiten des Tagesprogrammes bekannt. Er berichtete von den Besuchen Golda Meirs beim Praesidenten der Republik, beim Chilenischen Aussenminister, im Parlament und im obersten Gerichtshof. Alle chilenischen Wuerdentraeger, so konnte er bekannt geben, bereiteten Israels Aussenminister einen enorm herzlichen Empfang und aeusserten sich spaeter ueber den tiefen Eindruck, welchen Golda Meirs Persoenlichkeit auf sie gemacht habe. Die Pressekonferenz erfuhr sodann Einzelheiten ueber die Geschenke, welche die chilenischen Staatsmaenner von Israel erhielten; besonders wertvoll und schoen ist eine uralte Vase, welche israelische Archaeologen in der Naehe des Berges Sinai ausgegraben haben, und welche Praesident Alessandri erhielt. Die eigentliche Konferenz begann mit einer besonders huebschen und bedeutungsvollen Begebenheit. Die Direktorin der Schule “República de Israel” aus Valparaiso, begruesste Golda Meir mit innigen Worten und ueberreichte ihr ein Album als Geschenk dieser chilenischen Schule fuer die Jugend Israel, Golda Meir empfing die Gabe mit bewegten Worten des Dankes. Nach einer kurzen Einfuehrung durch Botschaftsrat Goren, engriff Golda Meir das Wort zu einigen Erklaerungen. Sie snrach ein wunderbar klares und deutliches Englisch, welches wohl die meisten Anwesenden ohne Schwierigkeit verstanden. Auf alle Faelle wurden aber ihre Auszehrungen durch einen sehr gewandten Dolmetscher auf Spanisch wiedergegeben. Nachdem sie ihren Dank fuer den ueberaus herzlichen Empfang zum Ausdruck gebracht hatte, welchen Chile ihr bereitet hatte, wandte sie sich den beiden grossen Problemen zu, welche Israel in den vergangenen 11 Jahren seines Bestehens zu ueberwinden hatte. Das Hauptproblem war die Aufnahme von ueber einer Million neuer Einwanderer. Diesen Menschen, zum groessten Teile Fluechtlinge aus Europa und arabischen Laendem eine neue Heimat zu bieten, war eine riesig schwere Aufgabe fuer das kleine Land. Nur unter schwersten Opfern, welche Israels Bevoelkerung bringen musste, gelang es, diese Menschen, die sich in vielen verschiedenen Sprachen ausdrueckten und aus den unterschiedlichsten Kultur- und Zivilisationsstufen kamen, in der Wirtschaft und im Leben des Landes einzuordnen. Die zweite grosse Aufgabe, die bewaeltigt werden musste, war die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Vor 11 Jahren war Israel ein armes Land. Es bestand zu grossen Teilen aus felsigen Bergen und Wueste. Es fehlte Wasser, die Landwirtschaft war wenig entwickelt, Bodenschaetze waren karg und es gab kaum Industrie. Heute hat sich diese Situation grundlegend geaendert. Wo vorher Wueste war, ist heute fruchtbares Land, es wurde Wasser gefunden, die natuerlichen Reichtuemer des Landes wurden entwickelt. Waehrend vor 11 Jahren Lebensmittel eingefuehrt werden mussten, ernaehrt sich das Land heute zu einem grossen Prozentsatz aus eigener Produktion und ist sogar imstande, schon einige landwirtschaftlichen Produkte zu exportieren, abgesehen von der Zitrus-Ausfuhr. Heute werden bereits 40% des Baumwollbedarfes im Lande selbst angebaut und 45% des Zukkerverbrauches. Die Bodenschaetze des Landes wurden “wiederentdeckt”, wie zum Beisniel die Kupferminen im Negev, welche heute wieder an der gleichen Stelle ausgebeutet werden, wie einst zu Zeiten des Koenigs Salomon. Nun wandte sich Golda Meir ihrem eigensten Gebiete zu und sprach ueber Israels Aussenpolitik. Diese, so Zehrte sie aus, basiert auf 3 hauptsaechlichen Aspekten: 1) Die Vereinigten Nationen: Israel ist Mitglied der Vereinigten Nationen und hat Vertrauen in diese Organsation. Als kleines Land ist Israel bestrebt, die Wirksamkeit dieses Welt-Organismus zu staerken. 2) Frieden: Israel wuenscht und braucht Frieden in der Welt, Frieden im Vorderen Orient und Frieden mit seinen naechsten Nachbarn. Wenn es nur von Israel abhaengen wuerde, bestaende Frieden mit den arabischen Laendem. Betont erklaerte Golda Meir mit aller ihrer ofiziellen Autoriiaet: Israels Leiter sind jederzeit und an jedem Ort bereit, Friedensverhandlungen mit Vertretern der arabischen Laender zu unternehmen. Der Frieden muss kommen, denn er ist fuer die arabischen Laender von der gleichen grundlegenden Bedeutung wie fuer Israel. Wieviel besser waere es fuer die Bevoelkerung der arabischen Laender, wenn Frieden herrschen wuerde und wenn ihre Regierungen sich damit beschäftigen w u e r d e n, die wirtschaftliche Lage dieser Laender zu entwickeln und ihren Lebensstandard zu erhoehen, statt alle Gelder fuer Waffen auszugeben. Wenn die Fuehrer der arabischen Laender dies einsehen und Friedensverhandlungen mit Israel beginnen werden, dann werden diese auch jedes Hindernis ueberwinden und zu emern gluecklichen Abschluss kommen, denn fuer eine wenig entwickelte Region ist der Frieden eine Grundbedingung des AuZaus, Trotz aller Schwierigkeiten hat das israelische Volk volles Vertrauen, dass der Frieden mit seinen Nachbarn erreicht werden wird, zum Wohle der beteiligten Voelker und der Menschheit. Und dieses, schloss Golda Meir ihre einleitenden Au sfuehrungen, wird der gluecklichste Tag in unserem Leben sein”. Nun wurden die Anwesenden aufgefordert Fragen zu stellen. Ein erwartungsvoller Moment ergab sich, als ein Vertreter arabischer Blaetter einen Fragebogen ueberreichte, sich aber weigerte, die draufstehenden Fragen selber zu stellen, denn “er wolle die Pressekonferenz nicht stoeren”. Es wurden Stimmen laut, die Fragen nicht zu bringen, da diese offensichtlich nur Unannehmlichkeiten bereiten sollten. Nun zeigte aber Golda Meir ihre Autoritaet und Ueberlegenheit. Sie erklaerte, dass sie bereit sei, jede Frage zu hoeren und zu beantworten, dass sie aber darauf bestaende, dass der Ueberbringer des Fragebogens diesen persoenlich vortrage. Die nun gebrachten Fragen, weit davon entfernt, Golda Meir Schwierigkeiten zu bereiten, wurden von ihr ausfuehrlich und ueberlegen beantwortet. Es war keine Ironie, als sie sich spaeter beim Vertreter des “Mundo Arabe” gerade fuer seine Fragen bedankte, welche ihr Gelegenheit gaben, zu wichtigen Problemen Stellung zu nehmen. Die erste “arabische” Frage handelte von der Tatsache, dass das heutige Israel die urspruenglichen Grenzen des Teilungsbeschlusses der V. N. ueberschreite. Hierauf antwortete Golda Meir: “Es ist richtig, dass die von den V. N. im Teilungsbeschlusse 1947 festgelegten Grenzen nicht bestehen. Aber es waren die Araber, welche diese Grenzen ausgewischt haben. Die Juden nahmen den Teilungsbeschluss an. Wir waren nicht gluecklich mit dem Beschluss, aber wir waren bereit, uns damit abzufinden. Nicht jedoch die Araber! Sie begannen, gegen uns zu kaempfen, Israel zu bombardieren und zu invadieren. Die Araber fuehrten den Krieg nicht etwa zur Erhaltung der Grenzen, welche die V. N. bestimmt hatten, sondern gegen diese Bestimmung, um Israel zu vernichten. Wenn die arabischen Laender diesen Krieg gegen den Beschluss der V. N. und gegen Israel verloren haben, so ist das betrueblich fuer die Araber und erfreulich fuer die Israelis, aber keineswegs ist es heute moeglich die Geschichte zurueckzudrehen und zu verlangen, auf den Zustand vor diesem Kriege zurueckzukehren. Sodann wurde die Frage gestellt, weshalb Israel sich der Intemationaiisierung Jerusalems widersetze. “Mit dem gleichen Recht”, erwiderte Golda Meir, “moechte ich einmal als Presservertreter die Jordanier fragen, weshalb sie sich der Intemationaiisierung Jerusalems widersetzen. Denn der Beschluss der V. N. sprach von der Intemationaiisierung ganz Jerusalems, nicht nur des juedischen Teiles, we die Araber es heute behaupten moechten, da de Altstadt in den Haenden Jordaniens ist. Die Juden waren 1947 wunden Herzens bereit, auch diesen Teil des Beschlusses anzunehmen, aber auch er wurde durch den von den Arabern begonnenen Krieg mit Blut ausgewischt. Jedoch ist es der Wunsch und die Politik Israels, dass alle religioesen Plaetze Jerusalems unter internationaler Aufsicht stehen sollen, denn Israel verlangt nicht nach Autoritaet ueber Orte innerhalb seines Gebietes, welche religioese Bedeutung fuer einen anderen Glauben haben”. Als dritte Frage wollte der Vertreter der Araber wissen, weshalb Israel die Einwanderung von Millionen junger Juden aus aller Welt foerdere, trotzdem doch das Land viel zu klein sei und sich in schwieriger oekonomischer Lage befaende. Waehrend Golda Meir dem Sprechenden zuhoerte, blitzte ein Laecheln aus ihren Augen und sie begann ihre Antwort mit folgenden Worten: “Ich bin tief bewegt ueber die Sorge des Vertreters der arabischen Presse um die schwierige oekonomische Lage Israels. Ich kann ihm aber erfreulicherweise versichern, dass diese Lage heute gamicht mehr so schwierig ist, und dass grosse Teile der arabischen Voelker sich gluecklich schaetzen wuerden, wenn sie in einer aehnlichen wirtschaftlichen Lage leben koennten. Auch ist das Land heute nicht mehr so klein, wie es einst war. Durch die Aufbauarbeit der juedischen Bevoelkerung ist das Land gewachsen, sein Fassungsvermoegen hat sich vervielfacht, denn grosse Gebiete die einst unbewohnbare Wueste waren, sind heute fruchtbares Land. Die Behauptung ist unrichtig, dass wir nur junge Juden bringen wollen. Eines der Grundgesetze unseres Staates ist das Recht jedes Juden, nach Israel einzuwandem. Wir nehmen jeden Juden auf, der zu uns kommen will, ob jung oder alt, und es kommen viele sehr alte und kranke Menschen, die der juedische Staat genau so selbstverstaendlich aufnimmt wie alle anderen”. Soweit die Fragen des “Mundo Arabe”. Ein anderer Reporter bat um Aufklaerung ueber die Situation der arabischen Fluechtlinge. Auch hier verstand Golda Meir es meisterhaft, Israels Position in dieser schwierigen Angelegenheit klar und verstaendlich zu machen. Sie begann ihre Antwort mit einer Erklaerung ihrer Solidaritaet mit Allen, welche sich um das Fluechtlingsschicksal Sorgen machen. Es ist furchtbar, als Fluechtling leben zu muessen, und das gelte sowohl fuer die arabischen Fluechtlinge wie fuer die vielen Millionen Fluechtlinge, welche an anderen Punkten der Erde leben. Es ist nicht Schuld der Juden, dass es diese arabischen Fluechtlinge heute gibt. Als Palaestina geteilt wurde und die Araber den Krieg begannen, forderten die israelischen Fuehrer die Araber auf, ihre Wohnsitze innerhalb des juedischen Gebiets nicht zu verlassen. Golda Meir selbst wurde von Ben Gurion nach Haifa geschickt mit dem Auftrag, alles zu tun um zu erreichen, dass die arabische Bevoelkerung die Stadt nicht verlasse. Aber alle Bemuehungen der Juden waren vergebens; die arabischen Fuehrer uebten den staerksten Druck aus, gaben bekannt, dass die Staedte bombardiert werden wuerden und versprechen den palestinensischen Arabern, dass sie bald wieder zurueckkehren koennten und den Besitz der Juden erhalten wuerden, wenn diese vernichtet seien. Es war nicht moeglich, die Araber umzustimmen: unter dem Zwange ihrer Fuehrung und gegen den Wunsch der Juden verliessen sie das Land. Spaeter erklaerte Israel sich bereit, 100.000 arabische Fluechtlinge aufzunehmen, unter der Bedingung, dass Friedensverhandlungen begonnen wuerden. Dieses Angebot wurde von den Arabischen Laendern ueberhaupt nicht erwidert. Seitdem sind Jahre vergangen und Israel hat ueber eine Million Menschen aufgenommen. Juden, die Fluechtlinge waren, die der Hoelle der Nazis entronnen waren, die aus dem Irak, Jemen und Nordafrika kamen. Sie kamen ohne Besitz, ohne Schuhe und in Lumpen gekleidet. Israel nahm diese Menschen auf und die ganze Bevoelkerung brachte grosse Opfer, um die Einwanderer ein ordnen und emaehren zu koennen. So leistete Israel unter grosser Anstrengung einen entscheidenden Beitrag zur Loesung der Fluechtlingsprobleme der Welt. (Fortsetzung siehe Seite 19) Die Kanzlerin Israels beim Betreten der Moneda. fíí&'í: SÄ ■Mi'M