Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 7 (Julio, 1959)
- Date
- 1959-07-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 BOLETIN INFORMATIVO Julio 1959 Ein Generalangriff auf Ben Gurions Partei von Dr. Abner Nechushtan (Tel - Aviv) Wenn sich “der Alte”, wie David Ben Gurion mit seinen mehr als 70 Jahren hier im Lande jetzt immer haeufiger genannt wird, nach dem suedlich gelegenen Negev in seinen Ruhesitz Sdeh Boker zurueckzieht, geschieht es nicht selten, weil ihn wieder einmal Stimmungen der Unruhe befallen haben. Und. laesst er seinen Gefuehlen und Meinungen dann freien Lauf, so moegen Liebhaber verstaubter Geschichtsbuecher etwa daran denken, wie “der Alte im Sachsenwald” vor bald einem Dreivierteljahrhundert seinem Groll die Zuegel schiessen liess. Doch laesst sich dieser Vergleich von allen sonstigen weltweiten Verschiedenheiten abgesehen schon deshalb nicht weiter ausspinnen, weil Bis marck zu jener Zeit bekanntlich jeden Einflusses beraubt war, waehrend Ben Gurion heute wie seit vielen Jahren — und gewiss auch noch auf weitere Zeit — im Zenith seiner Macht steht. Immerhin — wenn er in seinem Leibblatt, der hebräischen Tageszeitung “Davar”, soeben gegen die Wortfuehrer der “Partei der Arbeitseinheit” losdonnerte, der “Achduth Haavodah”, die unmittelbar links neben seiner mehrheitssozialistischen Mapai rangiert, so hatte er dazu allen Anlass. Man koennte geradezu den aus der Massenpsychologie gelaeufigen Begriff der “Randspannung” strapazieren, um deutlich zu machen, warum es zwischen der Mapai und diesem ihrem Nachbarn waehrend der Wahlen zur Zentralgewerkschaft, der Histadruth, jetzt so ueberaus erbittert zugegangen ist. Allerdings, die von Gurion als ihrem Parteivorsitzenden gefuehrten Mehrheitssozialisten verfuegen auch nach diesen Wahlen in saemtlichen Spitzenkoerperschaften der Histadruth ueber eine absolute Mehrheit. Aber waehrend vor vier Jahren, bei den zuletzt vorangegangenen Gewerkschaftswahlen, 57,7% aller Stimmen fuer sie abgegeben worden waren, ging ihre Majoritaet diesmal um immerhin annaehemd 2% zurueck, und das ungefaehr entsprach dem Stimmengewinn der Achduth Haavodah. Die Alte Garde ergibt sich nicht... Den Fuehrerkreis besagter “Partei der Arbeitseinheit” bilden im wesentlichen die Kommandeure der sog. “Palmach”, d. h. jener Eliteformationen der Volksarmee, die lange vor der Gruendung des juedischen Staates als “Haganah”, zu deutsch Selbstschutz illegal entstanden war und oft wirksam genug gegen arabische Unruhestifter gekaempft hatte, gelegentlich aber auch gegen die Soldaten und Polizisten der damaligen englischen. Herren des Landes. Als Ben Gurion im Fruehjahr 1948, da es angesichts des zentralisierten Angriffs von fuenf oder sechs arabischen Laendern um Gedeih und Verderb ging, die Bataillone und Regimenter seiner “Verteidigungsarmee” aus dem Boden stampfte, haette es an sich nahe gelegen, die Palmach- Kommandeure dieser Haganah- Freiwilligen pauschal zum Offizierscorps der Neuschoepfung zu machen. Er tat es nicht, weil es sich nach ihrer Erziehung und Sinnesart um aktivistisch gestimmte sozialistische Traeumer handelte, die sich nur “Volks und Bauernheere” nach sowjetrussischem Muster vorstellen konnten. Obwohl sich nicht wenige von ihnen waehrend des israelischen Unabhaengigkeitskrieges i n manchmal fuehrender Stellung an den Fronten bewaehrten, empfanden sie sich als Gesamtheit mithin dennoch ausgeschaltet — und reagierten mit entsprechender Veraergerung in ihrer eigenen politischen Gruppe, eben der “Achduth Haavodah”. Schon lange vor den Wahlen der Histadruth, an denen von 650.000 Teilnahmeberechtigten etwa 75 Prozent teilnahmen, wurde dieser Alten Garde ebenso wie waehrend des Wahlkampfes immer wieder die Frage gestellt, ob es tatsaechlich nur die von damals wirksam gebliebene Enttaeuschung sei, die sie an ihrer eigenen Partei festhalten laesst, oder ob sie darueber hinaus ein eigenes, positives Programm gnzubieten haette. Sie hat es nicht. Aber Parteiprogramme sind hier ueberhaupt nicht das, vorauf es ankommt. Den Palmach-Kommandeuren, die Ben Gurion damals mit mehr oder minder sanfter Gewalt zur Disposition gestellt hatte, weil er seine Armee vielmehr nach englischem oder, wenn man will, sogar nach altpreussischefn Vorbild schaffen wollte, — ihnen sind die Sympathieen nicht unbetraechtlicher Teile der hiesigen Jugend sicher. Noch immer hat es bekanntlich gerade die besten Teile der Jugend gefuehlsmaessig zu aktivistischen Losungen gezogen. Indessen trat nicht nur die “Partei der Arbeitseinheit” in den wochenlangen stuermischen Auseinandersetzungen vor den Histadruthwahlen gegen die Mapai auf, die den gewerkschaftlichen Apparat in allen seinen Verzweigungen beherrscht. Es wuerde zu weit fuehren, die uebrigen Gruppen im Einzelnen vorzustellen, die gleichfalls um die Stimmen der organisierten Arbeiters c h a f t warben, die “Einheitspartei der . Arbeiter” (Mapam), die links I an sie grenzenden Kommunisten, die diesmal fast die Haelfte ihrer Stimmen einbuessten — nur noch 2,5 statt der bisherigen 4% der Waehler traten fuer ihre Liste ein — und ferner die nichtsozialistischen Gewerkschaftsmitglieder des religioesen wie. des liberal-fortschrittlichen und sogar des an und fuer sich rechtsbuergerlichen Lagers. Ihnen allen war der Kampfruf “Schluss mit der Mapai-Mehrheit!” gemein. Als undurchfuehrbar erwies sich in dieser Atmosphaere der Versuch, dem Wahlkampf durch Vereinbarungen “gegen Verleumdnung und Geldverschwengung” seine Schaerfe zu rauben; er gestaltete sich, nachdem dies Abkommen aufgeflogen war, in der Tat zu einem gegen die Mapai gerichteten Kesseltreiben von noch nie dagewesener Schaerfe. Generalangriff als Generalprobe Wie schon angedeutet — darauf reagierte Ben Gurion in seinem “Davar” jetzt mit womoeglich noch groesserer Schaerfe. Und das kann vor allem deshalb nicht verwundern, weil die Gewerkschaftswahlen zugleich eine Generalprobe fuer die gegen Ende dieses Jahres faelligen Neuwahlen zur israelischen Volksvertretung, der Knesseth, gebildet haben. “Haette ich gegen Euch nur ein Zehntel dessen einzuwenden, was ihr mir und meiner Partei anzuhaengen versucht habt, so wuerde ich es ablehnen, mit Euch in der gleichen Koalition zu bleiben”, schallte es in diesem Sinne aus Sdeh Boker. Aber so erbittert man in den Histadrutwahlen widereinander stritt, so entschlossen sind dieselben Gegner Ben Gurions, weiterhin mit der Mapai, in der Regierung zusammenzuwirken, die sie vor anderthalb Jahren gemeinsam mit ihr gebildet haben. Wuerden ihre Minister demissionieren, so wuerden sie Ben Gurion die Moegiichkeit geben, sie der Oeffent- Iichkeit im Ringen um die Knessethwahlen vom 17. November dieses Jahres als Fahnenfluechtige zu praesentieren. Alle Mittel der amtlichen und halbamtlichen Propaganda stuenden dann zu diesem Wahlkampf nur ihm zur Verfuegung, dem Wortfuehrer der Mapai. So ungestuem sie ihn in den letzten Wochen attackiert haben; sie werden deshalb bis zuletzt in seiner Regierung bleiben, auch wenn sich in der Zusammenarbeit kuenftig noch mehr Reibungsflaechen als bisher ergeben sollten. Haetten sie ihr Ziel, Ben Gurions Partei der Fuehrerstellung in der Zentralgewerkschaft zu berauben, in der Histadruth erreicht, so koennten sie jetzt hoffen, zusammen mit den buergerlichen Oppositionsparteien, die an diesem Wahlkampf nicht teilgenommen hatten, die Mehrheitssozialisten Ben Gurions auch in der Volksvertretung entsprechend zu dezimieren. Zwar stehen der Mapai in der Knesseth von 120 Mandaten z. Zt. nur 40 statt der 61 Stimmen zur Verfuegung, die sie hier zur absoluten Majoritaet benoetigte. Aber zusammen mit kleineren ihr befreundeten Fraktionen gibt sie seit langem auch in der Knesseth den Ausschlag. Nach dem Resultat der Gewerkschaftswahlen ist jetzt zu vermuten, dass sich daran auch in der naechsten Knesseth, dem vierten Parlament seit der Staatsgruendung Israels, nichts aendern wird. CISROCO - ALTERSHEIM praesentieren im November den “Abend der Ueberraschungen” Ein buntes Programm, das in Form von Sketch, Cabaret und Variete jedem Geschmack Rechnung trägt. Näheres in der September - Nummer des Mitteilungsblattes Karten im Büro des Cisroco (32357) und bei unseren Mitarbeitern. 71/VTGBrr mitAMm.