Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 5 (Mayo, 1959)
- Date
- 1959-05-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/8553624-8557464-9194424--2547-8557560- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
8 BOLETIN INFORMATIVO Mayo 1959 Synagogenbau in Israel von Architekt BEN URI, Haifa Man konnte annehmen, dass nach den Synagogenzerstoerungen in Deutschland ein Wiederaufbau der Synagogen in Jisrael in grossem Masstab einsetzen würde. Tatsaechlich sind, verglichen mit anderen Laendern, in Jisrael zahlenmaessig die meisten Synagogen errichtet worden. Dennoch besteht ein wesentlicher Unterschied in dem architektonischen Umfang selbst der groessten Synagogen Jisraels, weil in Jisrael der Begriff “jüdischer Tempel” für Synagogen unertraeglich ist. “Jüdischer Tempel” ist aber das Kennwort für den Sakralbau der Juden in Westeuropa. Architekturstudenten lernten diesen Begriff in den europaeischen Hochschulen. Es mag betont werden, dass in Deutschland die meisten jüdischen Tempel von Nichtjuden gebaut wurden. Man lese im Lehrbuch für den Hochbau von Esselborn, einem klassischen Handbuch für Architekten, im Abschnitt Sakralbauten (Aufl. 1926): “Es genügt vielleicht zu sagen, dass eine Entwicklungsgeschichte des jüdischen Tempelbaus, von der Stiftshütte; den Volkshaeusem oder den Synagogen oder vom Salomonischen Tempel (1100 v. Chr.) über die syrisch-palaestinischen bis zu ihren hellenistisch oder roemisch beeinflussten Bauten zurzeit kaum gegeben werden kann. Jüdische Baumeister dürfte es damals so wenig gegeben haben, wie im Mittelalter oder in der Renaissancezeit, sogar bis zur Biedermeierzeit nicht. Die Neuzeit holt das Versaeumte nach. Salomon liess seine Werkleute von Tyrus und Sydon holen”. Natürlich erklaeren sich hiermit die seltsamen Architektur-Gebilde mancher europaeischer Synagogen, deren Abbild tiefverwurzelt blieb bei Manchen, die auch in Jisrael damit “Wiederaufbauplaene” verbinden wollten. Es ist aber ein Unding, eine Synagoge wie die “Raschikapelle” in Worms oder die “Altneu-Schul” in Prag hier in Jisrael masstabgetreu zu rekonstruieren. Rein architektonisch stilistisch ist die Überpflanzung eines historisch bedingten Gebaeudes mit undenkbaren Schwierigkeiten verbunden, waehrend die Überführung eines kleineren Objektes, wie des Thoraschrankes — z. B. die italienischen Thoraschraenke, die nach Jisrael überführt wurden — nicht schwierig ist. “Im Mittelalter baute man die jüdischen Tempel im mittelalterlichen Stil (Worms, Prag — romanisch und gotisch). In Italien musste die Renaissance herhalten, und im vorigen Jahrhundert bevorzugte man die “maurische” oder “arabische” Bauweise, obgleich die Kunst des Propheten mit der des Salomo nicht einmal der Zeit nach etwas zu tun hatte. Dann wurden die gleichen Register gezogen wie bei unsern christlichen Kirchen, wobei sich die fortschrittlichen Gemeinden nicht bloss dem “Nachempfinden” in der Anlage des Planes und in der Einrichtung christlicher Kirchen hingaben. Sie Hessen in der Folge romanisch und gotisch bauen mit Kuppeln und Türmen, wie bei dem 161 m. hohen Kuppelturm des jetzt einer anderen Bestimmung übergebenen Synagogenbaus zu Turin, bei dem das Mass des Erlaubten bedenklich überschritten ist”. (Esselborn). Heftige Zweifel entstehen bei den jungen jüdischen Architekten unserer Zeit, nach welchen Regeln zu verfahren ist, wenn ihnen die Aufgabe gestellt wird, einen Synagogenbau zu planen, und besonders im Falle der Planung in Jisrael. So ist zu erklaeren, wie aus einer radikalen Ablehnung aller stilistischen Traditionen und unter Beachtung rein abstrakter Vorstellungen von dem, was Gottesdienst in Jisrael bedeutet oder bedeuten soll, ein Synagogenbau modernster Art in Jerusalem im Universitaetsviertel entstand. “Ballonhaus” wurde der Raum genannt, weil über dem kreisrunden Grundriss Waende und Decke sich ungetrennt in einem Betonguss woelben. Diese Raumform, die keine Fenster oder Türen kennt (der Eingang ist durch eine Oeffnung im Fussboden), ist durchaus würdig des scharfen Urteils Esselborns über gewisse moderne Synagogenbauten. Da dieser Versuch einer abstrakten, blutleeren Architektur in einem Universitaetsviertel errichtet wurde, besteht keine Gefahr, dass diese Form als Muster dient. Wir dürfen als eines der entscheidenden Kriterien der Synagoge und als Grundbedingung für ihre Identifizierung die Gebets¬ Librería “LOS JARDINES” Margot de Reichenbach Irarrázaval 3983 - Depto. 22 Geoeffnet taegiich nur nachmittags 3-8 Verleih von Lesemappen Zusammenstellung nach Wunsch Leihbibliotek Verkauf neuer Buecher—Kinderbuecher Kalender—Glueckwunschkarten—Geschenkartikel richtung oder “Orientierung” des Raums betrachten. Die Richtung nach dem “Orient” oder wie gemeinhin gesagt wird, die “Misrach- Wand” zur Aufstellung des Thoraschranks ist verbürgt aus den Synagogenresten, den Fundamenten der archaeologischen Funde der frühesten Synasogen zur Zeit des ersten und nach der Zerstoerung des zweiten Tempels. Nun ist es eine Tatsache, dass nicht immer der Bauplatz für die Synagoge den staedtebaulichen Richtlinien zufolge die Orientierung des Hauotraums und des Thoraschranks zulaesst. Die Strassenflucht der Haeuserreihen oder der Zuschnitt des Bauplatzes zu den Nachbargrundstücken macht dem Architekten eine Loesung in diesem Sinne unmoeglich. So finden wir viele Synagogen, die unter Abweichung v. der strengen Orientierung nach der Kompassnadel erbaut sind. Trotzdem finden wir in den zahlreichen Beispielen, vor allem von sephardischen Synagogen, sei es in Amsterdam oder in Rom, strengste Innehaltung des geographischen Prinzips, das nicht von irgendwelchen technischen oder finanziellen Motiven beeinflusst ist. Synagogen werden in Jisrael zwar auf Privatgrundstücken errichtet. Ein Grundstück für Mietswohnungen wird in einen Betraum bzw. eine Synagoge umgewandelt. Aber im allgemeinen gehoeren die Synagogenbauten zu der Gruppe der oeffentlichen Bauten, wie Schulen, Krankenhaeuser etc. und beanspruchen entsprechenden Raum. Die Windrichtung, die für eine Durchlüftung und Kühlung der Raeume oeffentlicher Gebaeude entscheidend ist, bleibt gleich im Norden und im Süden des Landes. Schulbauten pflegt man nach Norden zu orientieren, aus Gründen der optimalen Belichtung und minimalen Blendung der Kinder durch Sonnenstrahlen. Für die Synagoge gibt es eine kultische Orientierung nach Jerusalem — und in der naechsten Umgebung der Stadt Jerusalem gilt als kultisches Ziel der Tempelplatz. Daher sind Synagogen in Norden des Landes Jisrael nach Süden “orientiert” und die Synagoge von Elat ist noch Norden “orientiert”. Als die ersten jüdischen Siedlungen im Lande geplant wurden, war es für den Architekten und Planer nicht einfach, eine Loesung für die gute Lage der Synagoge zu finden. Bekanntlich soll nach der Tradition die Synagoge die Haeuser der Bewohner überragen. Es gab Siedlungen, die aus Gesinnungsgründen keine Synagogen wollten, so entstanden die Speisesaele und Volkshaeuser als Zentralbauten im Siedlungsplan. Richard Kaufmann, der Pionier im jüdischen Planungswesen, erfand manche interessante Loesungen im Dilemma, wie die Synagoge zu plazieren ist, ohne sie zu diskriminieren: am Fuss des Wasserturms im Zentralhügel oder zwischen hohen Zypressen im Zentrum des Dorfes. Es' gab immer dieselben Probleme: Darf man es riskieren die Synagoge zentral zu legen, wenn es auf Jahrzehnte keine Aussicht gibt, sie je nach dem ursprünglichen Idealplan aus Mangel an Mitteln zu bauen? Ist es nicht eine Diskriminierung, die Synagoge als Bauruine staendig im Weichbild der Stadt oder des Dorfes zu sehen? Warum nicht von vornherein sie abseits in einem’ kleinen Waeldchen aufzubauen? Die Synagoge als architektonische Dominante ist natürlich mehr als ein aesthetisches Problem. Die Finanzierung eines Synagogenbaues ist anders geartet als zur Zeit des Baron Rothschild, der seinen Siedlern fertige Synagogen stiftete. Beleihung und Anleihen snielen bei weitem die entscheidende Rolle und nicht die Spende und Sammlungen der Gemeindemitglieder, die kaum das spaerliche Budget für Unterhaltung der Synagoge aufbringen koennen. Staatlich geplante und finanzierte Synagogen sind trotzdem in den zehn Jahren des Staates Jisrael aufgebaut worden. Standardsynagogen mit geplanten Massen entsorechend der Groesse der Gemeinde, Dorfsynagogen und vorstaedtische Synagogen in Wohnvierteln für Neueinwanderer. Wenn man eine Studie machen würde über die verschiedenen Formen des Gebetsraums in den provisorischen Unterkünften der Einwanderer, so würde sich ein reiches Bild ergeben, bei dem das Wesentliche die elementaren Kultgeraete sind, und das Unwesentliche die architektonische “Veredelung” des Raums, der für die gottesdienstliche Handlung bestimmt ist. Die klimatischen Bedingungen Jisraels erlauben es, alle Gottesdienste der hohen Feiertage und der Wallfahrtsfeste unter freiem Himmel abzu- KONDITOREI Vicuña M ackenna 584 FONO: halten unter Zuhrhilfenahme von Matten oder Zelttüchern. Es entspricht den talmudischen Quellen, die von “Sommer- und Wintersynagoge” berichten. Schliesslich ist die Beteiligung von Kindern und Frauen an den Feiertagen bei weitem groesser als im Laufe des Jahres, und der Raum für die festen Beter reduziert sich manchmal auf einen Bruchteil des Bauprogramms für die Zahl der Gemeindemitglieder eines Ortes. Zu den gelaeufigen Begriffen der Planung gehoert heute das Wort “funktional” d. h. aufgabengemaess. Eine Synagoge funktional zu bauen heisst, sie architektonisch an ihre Aufgabe anzupassen. Früher — d. h. z. Zt. von Esselborn — hiess es: Juden und Protestanten bauen “Predigtkirchen”. Es entstanden Synagogen mit so und soviel hundert Sitzplaetzen in Reih und GHed. Der Architekt befasste sich “mit einer Ausschlachtung des Grundrisses”, indem er versuchte zu beweisen, wie mit einem gegebenen Grundflaechenmass die groesste Zahl an Sitzplaetzen herauszuwirtschaften ist. So entstanden Synagogen aehnlich wie Vortragssaele oder moderne Kinotheater, die auf oekonomische Prinzipien basiert sind. Thoraschrank, Vorbeterpult, der Tisch zur Verlesung der Thora und Rabbinersitze etc. wurden konzentriert auf. die “Bühne”. In den USA, wo oekonomische Grundsaetze auch für Sakralraeume gelten, muss ein Synagogenbau auch faehig sein, bei Verkauf des Objekts an eine christliche Sekte als Kultraum zu dienen ohne Geld in Umbauten zu investieren. In Jisrael ist ein anderes Klima und eine andere kultische Atmosphaere vorhanden. Selbst bei Berücksichtigung der Verschiedenheiten der Tradition der Einwanderer, ist es die Sprache, die sie alle vereint. Dadurch bekommt die Thoravorlesung zentrale Bedeu tung. Der Vorlesepult und der Umzug mit der Thora ist ein wesentliches Motiv im Gottesdienst. Wenn man die Thorah durch Aufstehen ehrt, wenn die Gemeinde zur Linken und zur Rechten der “Strasse des Durchzugs” mit Gesang im Gebet sich beteiligt, entsteht architektonisch eine andersartige Disposition als in der “Predigtkirche”. Es knüpft an alten Tempelgesang an und an alte Riten der frühesten Synagogen. Zuverlaessige Dame mit erstklassigen Referenzen sucht Cobranza für Grosshandelsfirmen Angebot an: H. H„ Casilla 3521 34282