Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 5 (Mayo, 1959)
- Date
- 1959-05-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mayo 1959 BOLETIN INFORMATIVO 7 AGAVEN WACHSEN IM NEGEV Der Reisende im Negev wird müde von den weiten, nackten Flächen graubraunen Landes ringsum; da ist kein Fleckchen Grün das Auge zu ergötzen. Aber dann plötzlich, wie eine Fata Morgana, erscheinen saftig-grüne Felder in schier unendlicher Folge. Man nähert sich dem Dorf Gilat und dem kleinen Einwandererstädtchen Ofakim. Bald kann man diesen grünen Teppich von nahe examinieren; da stellt es sich heraus, dass er von einer neuartigen Pflanze gebildet ist, die erst m den letzten Jahren in dem staubigen Loessboden des Negev Wurzel gefasst hat — der Agave. Auf den meisten Feldern sind die Setzlinge noch klein, und nur die ersten Blätter lugen vorsichtig aus dem staubbedeckten Wurzelwerk hervor. Doch an gewissen Stellen sind sie schon zu zwei Meter hohen Büschen emporgewachsen, deren breite fleischige Blätter kronenartig schräg nach oben ragen. Die Agave gehört eigentlich zur Familie der Lilien; sie ist aber den Kakteen darin ähnlich, dass sie fähig ist, gleich einem Schwamm Wasser zwischen ihren Zellen aufzuspeichern und dadurch auch unter wüstenähnlichen Bedingungen zu gedeihen. Die Heimat der Pflanze sind die Trockengebiete Mexikos und einige Provinzen des nördlichen Südamerika. Die Yucatán Halbinsel ist heute das wichtigste Zentrum der Agavenzucht der Welt. Von Südamerika aus hat sich die Agave, und insbesondere die industriell nutzbare Art “Agava Sisiliana” über andere Teile der Erde verbreitet und ist vor allem ins tropische Afrika, in Hawai, Indien, Indonesien und die Phillippinen eingedrungen. Jetzt ist auch unser Negev zu der recht kurzen Liste der Länder hinzugekommen, die Agaven in kommerziellem Masstab ziehen. Vorigen Monat wurde die erste Fabrik in Betrieb genommen, die aus den Agavenblättem die berühmten Fasern herstellt, welche das Rohmaterial für alle Arten Seilerwaren abgeben. Eine Reihe von durch den KKL während der letzten Jahre ausgeführten Experimente ist somit zum erfolgreichen Abschluss gebracht. Neue Horizonte haben sich dadurch der Besiedlung des Negev eröffnet, neue Einkommensquellen für die schnellwachsende Bevölkerung der Südhälfte Israels. Wie hat die Agave ihren Weg in den Negev gefunden? — Dies ist eine lange Geschichte, deren Einzelheiten wir erst jetzt aus dem Munde des Mannes erfahren haben, der seit nicht weniger als 40 Jahren davon träumt, alle Teile des Landes mit einem günen Mantel zu bedecken und der soviel getan hat, um diesen Traum in die Wirklichkeit umzusetzen — Joseph Weitz, Mitglied des KKL - Direktoriums und Leiter der Boden und Entwicklungsabteilung des Fonds. Die Geschichte beginnt um 1943, kurz nachdem der KKL die drei ersten Vorpostendörfer im Negev — Gewuloth, Beth Eschel und Revivim — errichtet hat. Diese Siedlungen waren anfangs als Versuchsstationen gedacht, die landwirtschaftliche Möglichkeiten des trockenen Negev zu erforschen’. Besondere Aufmerksamkeit wurde schon damals Pflanzen zugewandt, die sich mit einem Minimum von Wasser begnügen. Schon innerhalb der ersten Jahre ergaben die Experimente mit Agaven ausgezeichnete Resultate und der schwere Loessboden des Negev bewies sich als besonders vorteilhaft für diese Pflanze. Diese Tatsache gab den Anstoss zur Agavenkultur im weiten Umfang. Das Problem, jedoch, bestand in der Beschaffung von Setzlingen. Die meisten Agaven züchtenden Länder sind aber zurückhaltend in der Ausfuhr von Setzlingen, sei es aus Angst vor Konkurrenz, oder sei es aus militärischen Bedenken (die Pflanze gibt das Rohmaterial für Schiffstaue ab). Nach langen Anstrengungen gelang es im Jahre 1949 einem aus Israel eigens dazu entsandten Fachmann, die ersten vierzigtausend Setzlinge aus Kenya nach Israel zu bringen. Die Sendlung langte in gutem Zustände an, und stellte die Fracht des ersten Schiffes dar, das je Israels einzigen Hafen im Roten Meer erreichte. Die Stecklinge wurden sofort eingesetzt, und wiederum waren die Ergebnisse durchaus zufriedenstellend. So ermutigt, merkte der Keren Kayemeth weitere Ländereien für die Agavenzucht vor, aber wiederum erhob sich das Problem der Saatgutbeschaffung. Diese Frage schien im Jahre 1952 ih¬ Âvx'ix-ÿ-;; ¡ËIIÉÉ mm llllllÉÉ Die Fasern werden vor ihrer endgueltigen Verarbeitung getrocknet. MM 6.000 Dunam im Negev sind mit Agavenpflanzungen bedeckt.: rer Lösung nahezukommen, als Herr Weitz bei einem Besuch in Südamerika eine Million junger Pflanzen zur Verfügung gestellt erhielt. Diesmal aber litt die Sendung bei dem Transport, und erst die Ankunft einer zweiten Million Pflanzen, einige Wochen später, ermöglichte es, einige Tausend Dunam den Plantagen hinzuzufügen. Es vergingen einige Jahre. Die Agaven begannen Erträge abzuwerfen, von denen Rohfasem hergestellt werden konnten. Damit schien die Aufgabe des KKL erfüllt, und nun war es an Fabrikanten und Financiers, das weitere zu tun. Als Herr Weitz Amerika im Jahre 1956 wieder besuchte, stellte es sich heraus, dass eine genze Reihe mexikanischer Juden in der Herstellung von Sisalfasern tätig sind. Er traf sich mit einigen jüdischen Spezialisten der Branche, und diese hörten von ihm zum ersten Mal, dass es auch in Israel Agavenpflanzungen gibt. Zwei von ihnen, aus Polen stammende gute Zionisten, entschlossen sich daraufhin sogleich nach Israel zu fahren, und ihr anfängliches Interesse wurde bald zur Begisterung. Auf Grund ihrer genauen Kenntnis des Zweiges und ihrer langjährigen Erfahrung stellten sie fest, dass die Bedingungen im Negev geradezu ideal für Agaven sind, und dass der Industrie in Israel eine grosse Zukunft bevorstehe. Im November 1957 Unterzeichneten diese beiden mit dem KKL einen Kontrakt über die Errichtung einer israelischen Gesellschaft unter dem Namen “IFCO”, in der der KKL mit 20% und die beiden Investoren, die Herren Markus Maus und J. Reisbaum, mit 80% beteiligt sind. Heute, arbeitet die Fabrik auf vollen Touren. Als wir zur feierlichen Eröffnung kamen, fanden wir eine moderne Fabrik vor mit neuartiger Maschinerie ausgestattet, die Dutzenden von Arbeitern, meistens Neueinwanderem aus der “Entwicklungsstadt” Ofakim Beschäftigung gibt. In den ringsum liegenden Plantagen waren andere Arbeiter daran, die reichen Blätter mit besonderen Messern herauszuschneiden und sie in Motorwägelchen zu den grossen Maschinen zu befördern, die das fleischige Blattwerk einsaugen, um es als rauhe, weisse Faser wieder abzugeben. Diese werden dann getrocknet, verpackt und an Strickfabriken in anderen Teilen des Landes versandt. Sisalfasern sind eine wichtige Ware auf dem Weltmarkt. Ihre Einfuhr nach Israel hat sich seit 1948 verfünffacht und beträgt jetzt 3,000 Tonnen jährlich. Eine weitere Steigerung wird für die nächsten Jahre vorausgesagt. Heute bedecken die Agavenpflanzungen im Negev 6.000 Dunam. Weitere 2.500 Dunam werden im kommenden Winter bepflanzt. Im Laufe von vier bis fünf Jahren werden die Plantagen sich auf 20.000 Dunam ausdehnen und die Höchstmenge von Blättern abgeben, die die neue Fabrik verarbeiten kann. Die Produktion wird dann den Innenbedarf decken und dem Staat hunderttausende Dollar in fremder Währung einsparen. Dies jedoch ist nur ein Beginn. Herr Maus verzeichnete, dass die “IFCO” 4 Millionen Pfund in dem Unternehmen zu investieren bereit sei, und dass er hoffe, dass in der nächsten Zukunft 50.000 Einwohner des Negev direkt oder indirekt ihren Unterhalt von den Plantagen finden würden. Herr Weitz kündigte bei dieser Gelegenheit die Ergebnisse von Versuchen an, die mit Agaven im westlichen Negev bei Nirim angestellt wurden. Dort erleichtert eine dünne Sandschicht, die den Loessboden badeckt, die Aufnahme von Regenwasser und ermöglicht es, Agaven ganz ohne künstliche Bewässerung zu ziehen. Aber selbst auf dem schweren Loess von Elath werden nur hundert Kubikmeter jährlich für Bewässerung eines Dunams Agaven benötigt, im Vergleich zu 500—1000 Kubikmetern für Orangen der Küstenzone, oder zweitausend oder mehr für Bananen in anderen Landesteilen. Auch dies, jedoch, ist nicht alles. Es bestehen gute Aussichten, dass eine ganze Reihe von Nebenprodukten aus den Agaven gewonnen werden können. Die Fasern stellen nämlich nur 3% des Gesamtgewichtes der Blätter dar. Experimente mit der zweckdienlichen Ausnutzung der übrigen Bestandteile befinden sich in den ersten Stadien. Heute schon weiss man zum Beispiel, dass die mexicanischen Arbeiter ihr alkoholisches Nationalget r ä n k, die “Pulque, aus Agavensaft gewinnen. Unsere Wissenschaftler glauben, dass man verschiedene essbare Produkte, sowie Essenzen und teure Medikamente wie “Cortisone” aus Agaven hersteilen kann. Der Negev könnte somit auch ein Zentrum der pharmazeutischen Industrie werden. (“KARNENU”). iliktl mm MM ' - Die Industrie — der Arbeitplatz fuer die Neueinwanderer. «I •- ■aVmm,