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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1959-04-01 · 4 (Abril, 1959) · p. Seite 14

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXI (1959)
Issue
4 (Abril, 1959)
Date
1959-04-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 BOLETIN INFORMATIVO Abril 1959 Israels Sefardischer Kultusminister von MEIR FAERBER Tel - Aviv. Die jüdische Bevölkerung des Staates Israel besteht etwa zur Hälfte aus Aschkenasen und zur Hälfte aus Sefarden. Zu letzteren zählt man allgemein, wenn man die Einteilung nicht wissenschaftlich exakt durchführt, sondern nur in groben Umrissen oberflächlich-politisch trifft, alle orientalischen Gemeinden, die aus den asiatischen und den afrikanischen Ländern Eingewanderten und die aus Bulgarien und Griechenland gekommenen Familien . Auf Basis der Bevölkerungsstatistik. Ende 1954 gelangen wir bei abgerundeter Rechnung zu einer Zahl von 817.000 Sefarden gegenüber 850.000 Aschkenasen. Es ist nur naheliegend, dass es unter den Sefarden und innerhalb der orientalischen Gemeinden auch Elemente gibt, die als solche entsprechende Vertretung in der Verwaltung des Staates und im Parlament fordern, obwohl die weitaus überwiegende Majorität für Integration, für die Verschmelzung mit den Aschkenasen, eintritt und sich in die nach politischen Gesichtspunkten orientierten allgemeinen Parteien eingeordnet hat. Momentan gibt es in der Knesset überhaupt keine sefardische oder betont aschekanische Fraktion — und auf so gut wie allen Parteilisten kandidierten auch Sefarden gemeinsam mit Aschkenasen in die Knesset. Auch innerhalb der Regierungs-Verwaltung sind allenthalben Sefarden zu finden, in manchen Aemtern mehr, in anderen weniger. Trotz gelegentlicher Klagen über Benachteiligung der Sefarden kann man doch generell annehmen, dass es eine allgemeine Tendenz zur Diskriminierung der Sefarden und der Angehörigen orientalischer Gemeinschaften in Israel nicht gibt, sondern dass jeweils nur objektive Richtlinien der persönlichen Eignung ausschlaggebend s i n d, wenn eine Stelle durch einen Aschkenasen oder einen Spaniolen besetzt wird. (Dass auch hier manches Mal Protektionswirtschaft herrscht, hat mit dem Verhältnis der Stammmesgruppen nichts zu tun). Das höhere Bildungsniveau der aus europäischen Kultur lä n d e r n Eingewanderten gegenüber den aus rückständigen Staaten Asiens oder Afrikas gekommenen Leuten hat dazu geführt, dass in entscheidenden Positionen weitaus mehr Aschkenasen als Sefarden zu finden sind. In der Regierung gab es bisher nur einen sefardischen Minister und zwar Bechor Schitrit, der als Mitglied der Mapai das Polizei-Ministerium innehat. Das Religions- Ministerium Auch das Religions-Ministerium befand sich bisher in Händen von Aschkenasen, zuerst von Raw Maimon und dann von Mosche Chaim Schapiro. Als die Religiös - Nationale Partei wegen ideologischer Differenzen vor einigen Monaten aus der Regierung ausschied und in Opposition ging, verwaltete Ministerpräsident Ben G u rio n vorübergehend auch das Religionsministerium, ebenso wie die beiden anderen durch den Rücktritt der religiösen Minister freigewordenen Portefeuilles des Post und des Sozial- Ministeriums. Als nach längeren ergebnislosen Verhandlungen, nun klar wurde, das die religiös-nationale Partei in der halachischen Frage, wer als Jude gilt, wie auch in anderen kontroversen Fragen nicht nachgibt, beschloss Ben Gurion, die drei Ministerien neu zu besetzen. Er suchte einen Kandidaten für das Religions- Ministerium und fand ihn in der Person des sefardischen Oberrabbiners von Tel Aviv- Jaffa, Raw Jaakow Mosche Toledano, der sich bereit erklärte, das Amt zu übernehmen. Vom innerpolitischen Standpunkt aus machte Ministerpräsident Ben Gurion damit einen ausgeklügelt geschickten, taktischen Schachzug. Er spaltet das Lager der Religiösen, das letzthin zur Gänze in Opposition stand, und gewinnt gleichzeitig für seine Regierung und auch für seine Partei einen Rückhalt in gewissen Kreisen aer Sefarden, deren Wählerzahl, die oben ausgeführt, wesentlich ins Gewicht fällt. Das ist schon deshalb von Bedeutung, weil wir uns am Beginn der Wahlkampagne befinden. Gleichzeitig werden den vielen sefardischen Rabbinern, die meist in kleinen Gemeinden tätig sind und nur Teilposten und Teilgehälter haben, ihre Bezüge aufgebessert werden, um diese Leute, die grossen Einfluss in ihren Gemeinden haben, zufriedenzustellen. Wer ist Raw Toledano? Es gibt seit dem Ableben des Landes-Oberrabbiners Usiel in Israel keine bedeutende rabbinische Persönlichkeit unter den Sefarden. Auch der jetzige sefardische Oberrabbiner Nissim, der den Titel “Rischon Lezion” (Primas von Zion) führt, ist keine Persönlichkeit von Format. Er war vor seiner Einsetzung zum Oberrabbiner als Kaufmann tätig und geniesst nicht die volle und uneingeschränkte Achtung aller Kreise der Sefarden, wie dies seinem hohen Amt entsprechen würde. Er hat sich weder wissenschaftlich noch sonstwie auf ideologischem Gebiet hervorgetan und war mitunter scharfen persönlichen Angriffen ausgesetzt. Als nach dem Ableben von Meir Chaj Usiel vor dreieinhalb Jahren der neue “Rischon Lezion” gewählt werden sollte, hatte man Raw Toledano diese Position versprochen, aber das Religionsministerium, das sich in Händen der religios-nationalen Partei befand und von Minister Schapiro und Vizeminister Wahrhaftig verwaltet würfe, auf die auch der greise Raw Maimon hinter den Kulissen noch starken Einfluss hatte, torpedierte damals im letzten Moment die Wahl Toledanos und schlug Raw Nissim vor, — statt, wie dies verabredet war, Toledano zum sefardischen Landes-Oberrabbiner und Raw Nissim an seiner Stelle zum Oberrabbiner von Tel Aviv. Jaffa zu machen. Das auch die religiös-nationale Partei diesen Schachzug inzwischen bereits bedauert und von Raw Nissim als “Rischon Lezion” enttäuscht ist, sei nur nebenbei bemerkt. Raw Toledano ist vor 76 Jahren in Tiberias geboren, hat die dortige Jeschiwa, die nicht gerade Weltruf geniesst, absolviert und sich durch Veröffentlichung einiger religiös-wissenschaftlicher Artikel im “Chawazelet” und durch Errichtung eines kleinen Lehrhauses “Bet Mikra Laam” einen bescheidenen Namen gemacht. Zur Zeit, da Herzl seinen Uganda-Vorschlag vor den Zionisten-Kongress brachte, machte ihm Raw Toledano den Vorschlag, das Asyl für die russische Judenheit statt im fernen Uganda im näher gelegenen Marokko zu suchen. In Tiberias war Toledano auch als Sekretär des Misrachi tätig. Als ihn Raw Maimon (damals Fischmann) vor etwa dreissig Jahren aufforderte, seine Aktivität für die Partei zu erweitern und zu intensivieren, forderte Raw Toledano vom Misrachi einen Monatszuschuss von 5 PL, was auch damals nicht gerade viel war, aber Raw Maimon lehnte die Forderung ab, obwohl Raw Toledano drohte, wenn er das Geld nicht bekäme, aus dem Misrachi auszutreten und sich der Agudat Jisrael anzuschliessen. Er machte seine Drohung zwar nicht wahr, aber seither blieb die Spannung zwischen ihm und Raw Fischmann-Maimon bestehen. Auf literarischem Gebiet wandte Raw Toledano sein Interesse besonders alten Handschriften und Inkunabeln zu und sorgte gelegentlich auch für ihre Publizierung resp. Neuauflage. Als in Tiberias eine Seuche ausbrach und 600 Todesopfer forderte, übersiedelte Toledano nach Pekiin, organisierte in diesem romantisch-idyllischen Dorf die jüdische Gemeinde neu und sorgte auch für Renovierung des uralten Bethauses. Während des ersten Weltkrieges wurde Toledano, der französischer Staatsbürger war, auf die Insel Korsika verbannt und kehrte nach Kriegsende wieder in seine Geburtsstadt zurück. Drei Jahre lang wirkte er als Vorsitzender des Rabbinatsgerichtes in Tanger, übersiedelte dann nach Kairo, wo er in gleicher Funktion als Stellvertreter des ägyptischen Oberrabbiners Chaim Nachum Effendi tätig war. Als Raw Usiel seinen Posten als Oberrabbiner von Tel Aviv-Jaffa aufgab, um das Landes oberrabbinat zu übernehmen, wurde Toledano an seine Stelle berufen. Daher war seine Enttäuschung doppelt schwer, als er vor dreieinhalb Jahren Raw Usiel nicht auf die Stelle des “Rischon Lezion” folgen konnte, sondern sich von Raw Nissim verdrängt sah. Dass Raw Toledano der Berufung durch den Ministerpräsidenten folgte, Religionsminister zu werden, obwohl die religiösen Parteien in Opposition bleiben, ist wohl auch darauf zurückzuführen, dass er sich dadurch für seine damalige Zurücksetzung revanchieren kann. Gewiss ist es eine unangenehme und ungewöhnliche Situation für einen Religionsminister, wenn die religiösen Parteien im Parlament gegen ihn stimmen, aber Toledano glaubt, diese Gegnerschaft unter Berufung auf seine Sendung als Verfechter der Position der Sefarden nicht gar so ernst nehmen zu müssen, als würden die Aschkenasen gleichsam eine andere “Kurie” bilden, die sich im ständigem Antagonismus zu den Sefarden befindet, und als sei es seine Aufgabe als Spaniole, eine einflussreiche Position für eine Stammesgemein, Schaft aus den Händen von Widersachern zu erobern. Einen besonderen Vorteil hat Toledano als Religionsminister: Er beherrscht die arabische Sprache — und im Religionsministerium Israels gibt es auch Abteilungen für die Religionsgemeinden der Minderheiten. Mohammedaner und Christen, die arabisch geführt werden, und mit den Minderheiten kann Religionsminister Toledano ohne Dolmetscher verkehren. Als seine erste Aufgabe in seinem neuen Amt betrachtet Raw Toledano, eine Lösung für den Konflikt um die halachischen Probleme zu finden, derentwegen die Religiös-Nationalen die Koalition verlassen haben, denn erst wenn ihm dies gelingen sollte, hätte er eine objektive Entschuldigung dafür, dass er der Regierung beigetreten ist, obwohl er vor einigen Monaten an der Rabbiner. Konferenz teilgenommen hat, die die Lösung des strittigen Problems als Vorbedingung für die Teilnahme der Religiösen an der Regierung erklärt hat. (“Semana Israelita”). ISRAELISCHER REIGEN Seit dem Ausbruch der internationalen Krise um Berlin ist bemerkenswerterweise der Post-, Telegramm- und Telephonverkehr zwischen West- Berlin und Israel sehr rege geworden. Der Grund dafür ist, dass die in Berlin lebenden Juden ploetzlich grosse Interesse für Israel zeigen. So schreibt zum Beispiel einer dieser jüdischen Einwohner WestBerlins: “Ich ziehe es vor, mit meiner Familie in Israel an der syrischen Grenze zu wohnen als am Kurfürstendamm, mit den russischen Atomwaffen nur zwei Kilometer entfernt...” Wie soll man sich in Israel benehmen? Gibt es besondere Anweisungen, die man in Israel beachten muss? Diese Fragen stellen oft Diplomaten ihren Aussenministerien, wenn sie nach Israel versetzt werden. Aber nicht nur Diplomaten wollen vor einer Reiset nach Israel etwas über die “Sonderheiten und Traditionen der Israelis” wissen, die sie als Gaeste beachten wollen. Auch die britischen Offiziere und Soldaten, die aus Zypern für eine Woche Urlaub nach Israel kommen, erhalten vot dem Antritt ihrer Reise gewisse Anweisungen und Erklaerungen. Diese sind in einer vom britischen Aussenministerium herausgegebenen Broschüre zusammengefasst. Dort heisst es zum Beispiel: “Man sieht in Israel niemals Betrunkene auf der Strasse oder selbst in den Nachtlokalen... Jeder Betrunkene würde in Israel besonders auffallen... Wenn auch nicht alle Israelis fromm sind, so wird der Schabbath doch sehr geheiligt... Rauche am Schabbath nicht auf der Strasse und beachte, dass es Restaurants und Hotels gibt, in denen man am Schabbath nicht raucht... Bedenke stets, dass Israel zwar in Asien liegt, dennoch aber genau so europaeisch ist wie jedes europaeische Land”... Trotzdem es zwischen Israel und Westdeutschland keine diplomatischen B e zi e h u ngen gibt, hat Aussenminister von Brentano in seinem Bonner Amt schon eine besondere israelische Unterabteilung i'pi Departament für den Mittleren Osten eingerichtet. Dort sitzen zwei westdeutsche Beamte, die perfekt Iwrith sprechen und daher über die Vorgaenge in Israel genauestens informiert sind. In dieser Abteilung gibt es auch ein grosses Archiv, in welchem man alle bemerkenswerten Artikel über Deutschland wiederfindet, die einmal in irgendeinet israelischen Zeitung erschienen sind. Das Archiv enthaelt schliesslich auch Personalangaben über Israels führende Journalisten —ein Beweis wahrer deutscher Gründlichkeit. (Hakidmah). ☆ ☆ ☆

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