Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 1 (Enero, 1959)
- Date
- 1959-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Enero 1959 BOLETIN INFORMATIVO Die Selbstdarstellung der Nationen in Bruessel (SCHLUSS) Zum Ableben Ferdinand Bruckners Totalitarismus mit Charme Auch die Tschechoslowakei macht Reklame fuer die sozialistische Ordnung. Auch sie zeigt Traktoren, und auch sie stellt Parolen auf wie: “Das Volk ist die einzige Quelle der Kraft im Staate”, oder “Der Boden gehoert denen, die ihn bearbeiten”, oder “Alle Buerger haben das Recht auf kostenlose Bildung”. Jedoch entspricht der tschechische Pavillon weit mehr dem westeuropaeischen Geschmack. In blaeulich impressionistischen Licht arbeitet das Modell einer Talsperre, in gelbem Opalschimmer wird schoenstes boehmisches Glas in unschaetzbar wertvollen Einzelstuecken ausgestelt. Fantasievoll werden optische Fabrikate, Skoda-Erzeugnisse, Atomtraeume vorgefuehrt. Unwiderstehlich die Spielsachen und Puppen, die meistens im Zusammenhang mit den Figuren des Autors unnachahmlicher Puppenspielfilme Jiri Trinka gebracht werden. Verglichen mit der, nennen wir es, derben Heiterkeit der Russen, stellt sich der Ostblock hier elegant vor. Totalitarismus mit Augen aufschlag eines wahrscheinlich doch unaustilgbaren Prager Charmes. Auch in der Tschechoslowakei ist natuerlich jedermann froehlich, tuechtig und zufrieden. Leiden ist unmoeglich, ja fast verboten. Bei den Amerikanern sah man vergnuegten Menschen bei Freizeitgestaltung zu. Im Osten ist man offenbar auch bei der Arbeit froehlich. Man sprach davon, dass die astronomischen Kosten dieses herrlichen Pavillons die tschechische Devisenlage so stark angegriffen haben, dass Versor gungsschwierigkeiten verschiedener Industrien entstanden sein sollen. Jedenfalls, man sieht es in allen Ecken und besonders in dem schoensten und besten Restaurant der Ausstellung “PRAHA”, dass man auf das Sorgfaeltigste bedacht gewesen ist, ein representatives, geschmac k v o 11 e s und eindrucksvolles Bild zu geben, was voll gelungen ist. Vom Leiden der Menschheit Vom Leiden der Menschheit sprechen 2 Pavillons, der Israels und der des Vatikans.. In Ersterem, ueber den ausfuehrlich schon von anderer Seite berichtet wurde, die Vernichtung von 6 Millionen Naziverfolgter, die Austreibung, der jetzige Lebenskampf: Diese durch nichts zu verdraengenden Themen bestimmen die Selbstdarstellung unserer Nation. Die “Neue Zuercher Zeitung” schrieb dazu das Folgende: “Verwunderlich die Pionier-Mentalitaet, aehnlich dem Schwung eines jungen Kolonial-Volkes. Da kaempft ein Volk mit aeusserster Kraftanstrengung um sein Lebensrecht. Erschuetternder als alle Statistiken, Anklagen, Zahlen, waren die verhaengten, traurig - schwarzen Augen jener dunkelhaarigen jungen Damen, die in dem Israelischen Pavillon hinter den Tischen standen, zu freundlicher Auskunft bereit”. Im Pavillon des Vatikans wurde hauptsaechlich auf die Qual, auf verschuldetes und unverschuldetes Elend hingewiesen. Da wurden die Drohungen, denen Leib und Seele der Erdbewohner ausgesetzt sind, eindruecklich vorgefuehrt, Ob allerdings die excentrische, tatsaechlich sprungschanzenaehnliche Vatikan - Kirche ein ueberzeugendes Beispiel modernen Kirchenbaues bietet, sei dahingestellt. Wenn ich auch zugebe, dass mir der Bau grossartig gefallen hat, ist er doch international grossen Kontroversen unterlegen. Der Vatikan hat teils aus Eigenbesitz, teils geliehen von Museen und Kirchen der ganzen Welt eine kirchliche Kunstsammlung zusammengetragen, die fuer Liebhaber auf diesem Gebiet etwas Einmaliges darstellt. Frankreich, teuer... Frankreich gab sich ausserordentlich industriell. Im franzoesischen Pavillon, ueber dessen Aeusseres schon berichtet wurde, war auch ein algerischer Sektor, jedoch wurde eine herzliche Verbundenheit nicht uebermaessig betont. Frankreichs Beitrag liegt in einer, teil witzig, teils vollkommen ungeordnet, durcheinander konstruierten Warenmusterschau. Ueber den franzoesischen Lebensstil erfuhr man weniger als ueber Bahnhofskonstruktionen und Industrie-Erzeugnisse. Sehr schoene moderne Bilder und Aubusson- Teppiche nach Entwuerfen moderner Kuenstler versoehnen etwas. Das franzoesische Restaurant weder typisch franzoesisch noch besonders fein, dafuer aber, nach Pariser Stil, ganz besonders teuer. .. .und England, traditionell England hingegen beeindruckte mit einem historischen Eingangsteil eines durch Spitzkonen geformten Gebaeudes, in dem imposant dargebotene Kroenungsszenen, traditionelle Kostueme, etc., in blaeulich violettem Licht und von starken Scheinwerfern herausgehoben, dargestellt wurden. Man wird foermlich vor Ehrfurcht vor der beruehmten englischen Tradition ergriffen. Besonders, weil alles in aeusserst gepflegter und geschmackvoller Form aufgebaut wurde. Dann ging es in eine knapp beleuchtete Halle, wo England in bildlicher und filmischer Darstellung jedes seiner grundsaetzlichen Beitraege zur Entwicklung der modernsten Atom-Technik und Elektronik, Medizin und anderer Wissenschaften dem einfachsten Laien in knapper verstaendlicher Form vorfuehrt. Ein Wunderwerk an werbe-psychologischer Erfassung der zu erwartenden Laien- Besucher. Im uebrigen fuehlt man sich wie zu Gast bei einem hoeflichen, freundscha f 11 i c h aufgeschlossenen, seiner selbst sehr sicheren Inselvolk. Mozart ohne Mehlspeis' Die Oesterreicher stellten nicht nur Mozart aus, sondern liessen als besondere Atraktion auch eine Musikunterrichtsstunde vorfuehren. Man konnte zusehen, wie der Professor einem jungen Hornisten bei der Erarbeitung des Hornkonzertes von Mozart half. Das Weltausstellungs-Publikum schaute zu wie bei einer Dressur und hat darueber die besonders interessante Innenarchitektur sehr wenig bemerkt. Ein entzuekkender Kindergarten fuer die Kinder der Besucher war natuerlich sehr dankbare Propaganda. Dass jedoch das Land des “Kaffeehauses und der Schale”, so beilaeufig unterlassen hat, ein Kaffeehaus einzurichten fuer eine gute Mehlspeis’ mit einem Kapuziner oder Braunen oder Melange, ist eine unverzeihliche und mir vollkommen unverstaendliche Unterlassungssuende. Deshalb war ich schnell wieder draussen. Italien und Schweiz Merkwuerdig unlebendig war der italienische Pavillon. Er zeigte gewissermassen die Ausstellung eines Museeums. Man sah Kataloge (!) von Biennalen, Gesamtausgaben von Dichtern, auch das Modell des Olympia - Stadions von 1960 und eine Katakombe in der die besichtigenden Schul k i n d e r herrlich laermen konnten. Eine Enttäuschung fuer ein Land wie Italien. Einleuchtender praesentierte die Schweiz ihre Besonderheiten und Vorzuege: Die 4 Landessprachen, das Fehlen jeglichen Proletariats, Bergstrassen und modische Eleganz. Die ausgestellten Fotografien der schweizer Landschaft sind wohl das Schoenste, was es auf diesem Gebiet auf der Ausstellung gegeben hat. Der Pavillon atmet die ganze Prosperitaet und Gesundheit eines Landes, dem 2 schwere Weltkriege erspart geblieben sind und von denen es nur profitiert hat. Wenn auch die Form, gleich eines Bienenwabennestes etwas bizarr erscheint, so ist das Innere so schoen und ueber - sichtlich dargestellt, und so geleckt sauber, wie es eben nur die Schweiz ist. Die unglaublich geschmackvollen Mode-und Uhrenvitrinen stellen die an sich schon beruehmte Zuericher Bahnhofstrasse weit in den Schatten. Der einzige Mangel: es fehlt jegliche Kunstgattung. Ein "Raritaetenkabinett"? Schliesslich zu Westdeutschland. Ich nahm mir aeusserste Unbefangenheit vor und ging zunaechst zum deutschen Restaurant. Man kommentierte, dort dufte es nach Sauerkohl, die Preise seien hoch, die Bedienung streng. Ich wollte es anders finden — so etwas kann doch einfach nicht moeglich sein. Dennoch... es roch nach Sauerkohl, und zwar streng. fn Berlin starb, 67 Jahre alt, der juedische Theaterdirektor Theobald Tagger, der als Dramatiker grosse Erfolge erzielt hatte. Lange Zeit wusste im Deutschland vor 1933 niemand, dass Tagger mit dem Schriftsteller Bruckner identisch war, dessen Dramen “Krankheit der Jugend”, “Die Verbrecher”, “Elisabeth von England” grosse Buehnenerfolge waren. Besonders “Die Verbrecher” unter Hilperts Regie, standen lange Zeit auf dem Spielplan von Max Reinhardt’s “Deutschem Theater”; gegenwaertig werden sie vom Schiller - Theater zu Berlin, der repraesentativen Die Kellner hatten boese Gesichter. Und die Gaeste waren als Akademiker unschwer zu erkennen... Der Westdeutsche Pavillon rechtfertigt die strengen Kritiken nicht. Er ist zurückhaltend, ist nicht ueberfuellt, zeigt keine Gags, sondern informiert auf eine dezente, aber nicht einfallslose Art. Trotzdem bleibt es bemerkenswert, dass die deutsche Ausstellung im Inland nicht das annaehernde Lob erfahren hat, das ihr in der auslaendischen Presse zuteil wurde. Waehrend die Londoner Times ihn als den elegantesten Pavillon darstellt; urteilt eine deutsche Zeitschrift: “Verdammt sei, wer dieses Raritaetenkabinett ausgeheckt hat”. Tatsaechlich jedoch kam gerade der deutsche Pavillon dem gestellten Thema der Ausstellung am allernaechsten. Seine Gliederung in den 8 Glaskuben ist im Wesentlichen uebersichtlich, die Formgebung modern und leicht. Das Deutschland dieser Ausstellung trumpft nicht auf und es geht vielmehr darum, verstaendlich zu machen, wie und wo der technische Fortschritt dem Menschen ein besseres, sinnvolleres und freieres Leben ermoeglicht. Es fehlt in den Abteilungen jeglicher Wirtschaftswunder- Protz, es wird verzichtet auf eine Leistungsparade deutscher Tuechtigkeit. Nicht nur, dass, wie ich zuhoerte, ein Besucher aus Deutschland sich aergerte, weil er die Wurstmaschinen der Firma X nicht vorfand; andere moegen beleidigt gewesen sein, dass sie auf die Befriedigung ihres nationalen Stolzes dieses Mal verzichten mussten. Im deutschen Pavillon wird nicht um die Weltmeisterschaft Buehne des Westsektors, erfolgreich wiederaufgefuehrt. An seiner eigenen Buehne hatte Bruckner bezw. Tagger, in dem kleinen Renaissance- Theater zu Charlottenburg junge expressionistische Autoren gefoerdert, ohne die eigenen Stuecke je selbst herauszubringen. Auch nach 1933, im Auslande bewaehrte sich dieser Schriftsteller, Dramatiker und Regisseur. In Deutschland sah er vor einigen Jahren neue Moeglichkeiten; doch allzufrueh hat der Tod den Plaenen des hochbegabten Mannes ein Ziel gesetzt. Die Welt der Buehnendichtung ist aermer geworden. c. w. gespielt. Leider wird diese klare Sachlichkeit durch groteske Zuege getruebt. Man empfindet es doch als alberne Geschmacklosigkeit, wenn man weihevoll erlaeuternde Texte lesen muss, wie etwa: “Unmittelbar persoenlichen Ausdruck seines Wesens findet der Mensch in den intimen Zeilen seiner Briefe. In einem Akt von schoepferischem Geben und Nehmen fuehren sie seine Gedanken ueber den Alltag hinaus, Botschaften vom Ich zum Du. Briefe, moegen sie Traeume der Welt offenbaren oder Leidenschaften einem Herzen, im ueberreichen Schatz der deutschen Briefliteratur bleiben sie aufgehoben”. Und neben diesem unangebrachten Geschwafel stehen dann so sachlich-produktive Briefwechsel wie Strauss - Hofmannsthal oder George - Hofmannsthal. Selbst der Wintersport wird “besinnlich” erklaert: “Eis und Schnee verleiten zum Gleiten”. .. .und am 7. Tag Nach 6 Tagen intensivster Schwerarbeit (der Durchschnittsbesucher bleibt nur 3 Tage) benutzt man den 7. Tag, um seine Glieder auszustrekken. Man will nichts sehen, nichts hoeren, nichts fahren, nichts essen. Kein noch so gutes Pilsener Bier, russischer Kaviar, ungarischer Gulasch oder was es auf der Welt noch an Spezialitaeten gibt, reizt. Man will nur weg und das so weit wie moeglich. Bleibt der unvergessliche Eindruck einer Welt, die im Einzelnen schon viel weiter entwickelt und geplant ist, als Geist, Intelligenz und Kultur des Durchschnittsmenschen aufzunehmen und in sich zu verarbeiten faehig sind.. HELMUT HERZFELD. "FAMACO" «* Fábrica de Materiales de Construcción BENJAMIN ENGEL SPITZ Av. OSSA 1237 — FONO 493867 FABRICA DE BALDOSAS MARMOL RECONSTITUIDO TEJAS - PASTELONES LADRILLOS TUBOS PARA ALCANTARILLADO Distribuidor: REFRACTARIOS LOTA-GREEN S.A.