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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1959-01-01 · 1 (Enero, 1959) · p. Seite 6

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXI (1959)
Issue
1 (Enero, 1959)
Date
1959-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 BOLETIN INFORMATIVO Enero 1959 JUEDISCH - ARABISCHE FREUNDSCHAFT VOR 40 JAHREN (ZUM 3. JANUAR 1919) von CURT WILK In den letzten Wochen jaehrten sich zum 40. Male die Tage des Zusammenbruches der Mittelmaechte, welche den ersten Weltkrieg beendeten. Wie im Kriege selbst, so haben auch in den Monaten, die diesem folgten, die Juden mehr zu leiden gehabt als andere Voelker. Das Chaos, das auf dem Boden der alten oesterreichischungarischen Monarchie, in Polen und in der Ukraine entstanden war, loeste alle Ordnung und das erste Zeichen der Freude bei den unterdrueckten Voelkern Osteuropas ueber ihre Befreiung war der Pogrom. Grauenvoll wuetete dieser am 22. Nov. 1918 in Lemberg. Aber noch weit schlimmer sah es in der Ukraine aus. Der Kampf um deren Besitz zog sich jahrelang hin, und alle Armeen, welche diese durchzogen, mit Ausnahme der bolschewistischen, richteten furchtbare Blutbaeder unter den Juden an. Ungefaehr 150.000 Juden der Ukraine wurden damals getoetet, was von den westeuropaeischen Zeitungen groesstenteils verheimlicht wurde.. Entrechtungen waren die Folge der Pogrome, und nur bei den neuen juedischen Nationalraeten fanden die Juden Schutz. Waehrend des Jahreswechsels 1918/19 war die zionistische Leitung in London und Paris besonders aktiv. Dr. Chaim Weizmann, damals de lacto-Praesident der Zionistischen Weltorganisation, war im Juli 1918 nach Erez Israel gereist, um bei den wenigwohlwollend gesinnten britischen Militaerbehoerden, den einzigen Autoritaeten Palaestinas, zu intervenieren und Verstaendnis fuer die Bedeutung der “Balfourdeklaration” zu erlangen. Noch war diese nicht international verankert. Man bedurfte des Eingreifens der hoechsten Regierungsstellen in London, um englischen Behoerden im Heiligen Lande klarzumachen, dass eine neue Geschichtsepoche angebrochen sei. In jenem Stadium der Geschehnisse fanden Weizmann und seine Freunde eine verstaendnisvolle Haltung beim Emir Feisal, dem Oberhaupt des neuerstandenen Irak und Mesopotamien. Hierueber berichtet Chaim Weizmann in seinen Erinnerungen: “In den letzten Tagen des Weltkrieges war ich in Palaestina, und ich hatte eine Verabredung getroffen, mit Emir Feisal in Transjordanien zusammenzutreffen. Unter normalen Verhaeltnissen erfordert die Reise von dem Orte, wo ich mich aufhielt, nur fuenf Stunden. Damals griff aber die tuerkische Front noch auf das palaestinensische Gebiet ueber, und ich musste einen grossen Umweg machen, nach Sueden, nach Aegypten reisen, das Rote Meer durchqueren, um dann nach Transjordanien hinaufzureisen. 12 Tage war ich unterwegs, 5 Tage durch brennende Wueste, ueber den Sinai. Ich wandte mich nach Norden, und dem Emir wurde Botschaft gesandt, dass ich mich naehere. Da schickte er mir Diener entgegen mit Geschenken von Kamelen und Schafen, mit Brot und Salz. Und am letzten Tage meiner Reise ueberkam mich ein maerchenhaftes Gefuehl von dem Wunder meiner Reise. Wie der Stammvater Abraham naeherte ich mich dem Lande, das Gott seinem erwaehlten Volke versprochen. Und wie er kam ich durch das Land Moab, um Besitz zu ergreifen. Und zu meiner Begruessung kamen Diener des Emir, und sie bereiteten ein Zelt, um mich zu beherbergen, schlachteten ein Lamm, und sie meldeten mir, ihr Herr erwarte mich und freue sich, mir zu begegnen. Und damals versanken 2000, 3000, 4000 Jahre. Ich fuehlte, dass es erst gestern war, dass ich das Land besessen hatte, dass unser Urvater Abraham den Boden betreten unter der Fuehrung Gottes und seines Segens. Und damals empfand ich, dass all die Jahre unseres Exils, all die Leiden, die wir ertragen, nichts waren. Der Abgrund war ueberbrueckt; dies war das Heim, die Verheissung, die Erfuellung und die Gewissheit”. Der Emir Feisal, spaeter Koenig, konnte sich auf die Dauer der nationalistischen arabischen Propaganda, die Erez Israel fuer sich forderte, nicht widersetzen. Aus einem Freund wurde zwar kein Feind, aber die Begegnung vom 3. Januar 1919 mit Weizmann, irgendwo in der Wueste, hatte keine nachhaltigen Wirkungen. Doch Feisal hatte ihren tieferen Sinn verstanden, und, haetten die anderen arabischen Fuehrer gedacht wie er, waere die Entwicklung anders verlaufen. Die Bedeutung der historischen Zusammenkunft Weizmann - Feisal wird hierdurch nicht verkleinert, weil Feisal den Geist der “Balfourdeklaration”,, “Arabien den Arabern, Judaea den Juden” begriffen hatte. Der Koenig starb 1933 im Alter von fuenfzig Jahren. _ RUECKBLICK AUF DIE HUNDSTAGE von Schalom Ben — Chorin DIE ANZEIGEN ANNAHME FUER DAS BOLETIN INFORMATIVO ist taeglich von 9-1 u. 5 - 7 geoeffnet. NUEVA YORK 52 Oficina 605 — Teléfono 87765 Nenn es Chamsin, nenn es Scharaw oder nenne es mit der guten alten Bezeichnung “Hundstage” es bleibt sich gleich. Wenn ich jetzt in der relativen Kühle der ersten Früh-Herbst-Tage auf diese qualvollen Tage zurückblicke, so moechte ich mit Amos Chacham die Bibel zitierend sagen; “Das sind die Tage, von denen wir sagen: Sie gefallen uns nicht” (Prediger Salomonis 12, 1). Und da heute bei uns sogar der Finanzminister und die Anleihe-Damen aus Amerika die Bibel zitieren, will ich des Propheten Jona gedenken: “Als aber die Sonne aufgegangen war, verschaffte Gott einen dürren Ostwind und die Sonne stach Jona auf. den Kopf, dass er matt ward. Da wünschte er seiner Seele den Tod und sprach: Ich wollte lieber tot sein als leben”. (Jona 4, 8). Oh, Bruder Jona aus Ninive! Auch uns tat der Schaedel weh; wir wurden “matt” wie du es gewesen bist, nur hatten wir den Vorzug, dass wir nicht nur auf den Schatten einer Rizinus-Staude angewiesen waren (Rizinus ist übrigens bei Chamsin überflüssig, derselbe wirkt selbst sehr oft wie Rizinus), sondern uns z. B. in manchen Kinos der Luftkühlung erfreuen konnten. Zuhause oder gar im Büro ist allerdings von solchen Erleichterungen gar keine Rede, und wie Jona stoehnen und kloenen wir, wenn der Chamsin uns heimsucht und das Barometer und das Thermometer steigen, letzteres in Jerusalam auf 39 Grad im Schatten... aber wo ist schon Schatten? (Vielleicht in der Wetterwarte). In Jerusalem war es noch heisser als in Tel Aviv. Dennoch ist eine Flucht nach dort nicht zu empfehlen. Wiederum gemahnt es mich des Propheten Jona, der nach Tarschisch fliehen wollte und doch nach Ninive gelangte. Man kann weder vor seinem Schicksal noch vor dem Chamsin wirklich fliehen. Ist’s in Jerusalem auch an solchen Tagen noch heisser als in Tel Aviv, so ist es dafür trockener waehrend in Tel Aviv einem Tinte auf dem Papier zerfliesst, so feucht ist es. Feucht... froehlich moecht’ ich’s nicht nennen. Vor der Trockenheit flieht der Mensch ins Wasser. Und das kann er jetzt in Jerusalem, selbst wenn er kein Hotelgast des Hotels “President” oder ein Klub-Mitglied dortselbst ist. Auch als einfacher Bürger kann er im Volksbad Abkühlung suchen und bis zu einem gewissen Grade, naemlich 25 Grad, finden. Der Verkehr im Schwimmbade war weit reger als auf der Ben Jehuda Strasse. Meine Mitbürger traten mich im Bade mit Füssen, aber nicht aus gehaessiger Absicht, sondern weil sie hier in klassischzionistischer Situation einem “Volk ohne Raum” angehoerten. Kühne Springer landeten unweigerlich irgendwie auf dem Mitmenschen, aber schoen war’s doch, immerhin war’s feucht-kühl und feuchtfroehlich. Die Phantasie mancher Mitmenschen trieb seltsame Blüten. Eine Dame, die erfrischenden Kaffee den müden Pilgern ex officio am Mandelbaumtor offeriert und sich daher zunaechst dem Puls der Weltgeschichte fühlt, schwamm am heissesten Chamsin- Nachmittag im Volksbad auf mich zu und raunte mir ins Ohr, dass kommenden Tages kein Geringerer als der Generalsekretaer der UN Dag Hammarskjold in Jerusalem eintreffen werde... wovon gar keine Rede war. Aber ich hatte diesen “Dag” (Fisch) als “Solokarpfen” im Bade geangelt, wenn er sich... o Wunder der Natur, das nicht einmal der Graf Oerindur zu erklaeren vermag... auch in eine Ente” verwandelt hatte. Warum man diese heisse Zeit die Sauregurkenzeit nennt, weiss ich nicht. Mich gelüstet es mehr nach Glida, nach Eis, als nach sauren Gurken, und zum Einmachen derselben hatte ich auch keine Zeit, da der journalistische Hochbetrieb bei uns munter weitergeht. 350 Wirtschaftskapitaene, vorwiegend aus dem glühend-heissen New York, waren zur “International Mobilization Conference of Israel Bons” ins chamsinglühende Jerusalem geeilt, wo sie sich wie zuhause fühlten. Und um sich etwas abzukühlen, fuhren die Damen und Herren in den Negew, nach Beer Schewa und Dimona! Nun, gute Reise; ich konnte die Damen und Herren auf dieser Lustfahrt leider nicht begleiten, da ich im Jerusalemer Bade unabkoemmlich war. Obwohl unsichtbar über demselben noch immer der Bannfluch von Mea-Schearim schwebt, entkleidete sich neben mir ein braver Jerusalemer, der ein Arba-Kanfot trug, also zu den streng Observanten Juden gehoerte, Verwundert fragte ich ihn, wie er es mit dem Cherem halte, und mit entwaffnender Logik gab er mir zurück: “Nu, bei dem Chamsin...” Ein altes Sprichwort unserer Vaeter sagt: “Der Minhag bricht den Din” (Uebersetzung für Anfaenger in der Judentumskunde: Ein Volksbrauch bricht das Religions gesetz). Man koennte diesen Spruch unserer Vaeter modernisierend-variieren: “Ein Chamsin bricht jeden Cherem”. Allerdings muss es schon so ein faustdicker Chamsin sein, wie es der letzte (hoffentlich der letzte in diesem Jahre) gewesen ist. MAN AMU ESI ER T SICH IN ISRAEL Dr. Josef Burg, der ehemalige religioese Postminister, erklaerte gegenueber dem Polizeiminister Schitritt: “Ich bin mehr Sepharde, als Sie!” Schitritt wunderte sich: “W i e s o denn?” Antwortete Burg: “Weil ich auch spanisch spreche und Sie nicht und weil ich auf sephardische Art bete und Sie beten ueberhaupt nicht”. ☆' Ueber Minister Schitritt aeusserte sich auch Cherut- Fuehrer Menachem Begin, als er in seiner Parteikonferenz die Aufloesung des Polizeiministeriums vertrat: “Das Polizeiministerium hat einen angenehmen Minister, ist aber an und fuer sich uninteressant. Bei den uebrigen Ministerien ist es umgekehrt”. ☆ Die Schüler einer Tel Aviver Mittelschule wurden befragt, welche Fremdsprache sie zusätzlich zum Englisch noch lernen wollen. Die meisten entschlossen sich für Französisch und Arabisch. Nur einer wollte Russisch. Seine Begründung: er möchte Marx in der Originalsprache lesen... mmm\ 1 JERUSALEM Hier ist die Geschichte stehen geblieben (Foto: Keren Hayessod) 7I/I7TGBIT

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