Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 1 (Enero, 1959)
- Date
- 1959-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Enero 1959 BOLETIN INFORMATIVO 5 UMSTURZ IM SUDAN Von MEIR BRANDT Mit dem Umsturz im Sudan, durch den Generalstabschef Ibrahim el - Abud die Regierungsgewalt übernahm, hat eine weitere Pseudodemokratie im asiatisch - afrikanischen Raum aufgehört zu existieren. Mit Ausnahme der Philippinen im Osten und Israels im Westen gibt es in diesem ganzen Gebiet keine wirklich demokratischen Staaten mehr — denn die demokratischen Regime Indiens und der Türkei. Tunesiens und Libanons, Ghanas und Südafrikas können nur mit erheblichen Einschränkungen als solche gelten. Generäle oder Oberste haben in den letzten Jahren in Aegypten und Syrien, in Pakistan und Siam die Herrschaft, “an sich gerissen”, die ihnen meist wie eine reife Frucht in den Schoss fiel, nachdem eine Demokratie westlichen Vorbilds kläglich Schiffbruch erlitten und in einem Sumpf der Korruption, der Intrigen und der Unsicherheit geendet hatte. Der Sudan war zudem — wie alle Nachbarstaaten der VAR — von deren expansionistischen Tendenzen aufs schwerste bedroht gewesen. Nasser hatte den Umsturz nicht schlecht vorbereitet. Mit dem Führer der Oppositionspartei, der Partei der Nationalen Union, Ismal el-Ashari, hatte er seit langem verhandelt, ebenso aber auch mit dem Führer der kleineren “Demokratischen Volkspartei”, Ali Abd el-Rahmen, die der Regierungskoalition angehört, und durch einen Austritt aus ihr den Sturz der Regierung Abdalla Chalils, des Führers der Umma-Partei, hätte herbeiführen können. Die Intrige war gut eingefädelt, und zuletzt wurde Abdalla Chalil nach Kairo geladen — wie weiland Dr. Schuschnigg nach Berchtesgaden. Offiziell sollte es sich wohl um die Frage der Verteilung des Nilwassers handeln, eine Lebensfrage für den Sudan, die im Zusammenhang mit dem Projekt der Errichtung des Assuan Staudamms brennend akut geworden ist. In Wirklichkeit ging es um nichts anderes als die Unterjochung des Sudan, seine Eingliederung in den Herrschaftsraum Nassers und der VAR. Schon sah Abdalla Chalil sich gezwungen die Bildung einer “Regierung der nationalen Einheit” anzukündigen, die alle Parteien umfassen _ sollte und in der die entschiedenen Gegner der Unterwerfung unter das ägyptische Diktat in der Minderheit gewesen wären. Schon hatten sechs Minister der Umma-Partei ihren Rücktritt erklären müssen, um Mitgliedern der proägyptischen Partei der nationalen Union Platz zu machen. Die Kapitulation Abdalla Chalils war eine Frage von Tagen oder Stunden geworden. Die Parallele zum Eintritt Seiss - Inquardts in die Regierung Oesterreich drängt sich auf. Da erfolgte der Umsturz, der die Unabhängigkeit des Sudan zunächst rettete und deshalb in Kairo mit Missvergnügen, in den Hauptstädten des Westens mit Befriedigung verzeichnet wurde. Die Situation im Sudan ist damit nicht endgültig geklärt. In fast allen Staaten dieser Region ist die Armee heute zum stärksten stabilisierenden Faktor der Politik geworden, aber doch nicht zum einzigen. Der Umsturz im Sudan war das Werk der höchsten Ränge der Armee, der Generäle. Es kann angenommen werden, dass das einfache Volk, vor allem im Süden des Landes, wo Neger leben, die die Araber des Nordens und vor allem die Aegypter, noch als Sklavenhändler in unangenehmster Erinn e r u n g haben, dem neuen Regime mit Sympathie gegenüber stehen werden. Dies ist vor allem zu erwarten, nachdem auch die beiden Führer der machtvollen mohammedanisch - religiösen Sekten des Landes. Abd el- Rahman el-Mahdi und Sayed Ali el - Mirjani, sich für das neue Regime erklärt haben. Ungewiss aber bleibt die Haltung der Mittelschicht, der Offiziere und Colonels, die vor allem aus dem Norden des Landes stammen, wo der ägyptische pan - arabische Einfluss recht stark geworden ist. Die Negervölker Afrikas stehen in schwerem Abwehrkampf gegen die Expansions und Herrschaftsgelüste N a s s e r s. Die Aufgabe des Westens ist es, sie in diesem Kampf um ihre freie Zukunft mit allen, mit sehr reichlichen, Mitteln zu unterstützen, der Volks - arabischen Flut Dämme entgegenzusetzen. Die Umwälzung im Sudan gibt eine neue Chance dazu. Schon wieder ein Justizskandal in Deutschland! ZIND DURCHGEBRANNT! Noch haben sich die Wogen der Empoerung ob der Flucht des KZ - “Arztes” Eisele nach Aegypten, der Enthuellungen in den Prozessen gegen den Menschenschinder Martin Sommer und Gauleiter Erich Koch sowie des Rentenbescheids zugunsten der Witwe des Massenmoerders Heydrich noch nicht geglaettet, als bereits ein neuer Skandal dem Rest des Ansehens, das die Justiz der DBR noch geniesst, einen schweren Schlag versetzt: Am Samstag, den 25. November, stellte die Staatsanwaltschaft Offenburg fest, dass der Halunke Ludwig Pankraz Zind entwichen ist, vermutlich ins Ausland. Wie erinnerlich, wurde Zind “wegen schwerwiegender antisemitischer Aeusserungen und fortgesetzter Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener” zu sage und schreibe einem Jahr Gefaengnis verurteilt. Er strengte natuerlich ein Revisionsverfahren an, das ihm die Staatsanwaltschaft gestattete, auf freiem Fuss durchzufechten, mit dem Ergebnis, dass ihm die nunmehr gefaeilte Bestaetigung des Urteils nicht mehr zugestellt werden konnte. In den Fusstapfen Eiseies und, wie man allmaehlich Grund hat anzunehmen, mit Hilfe einer Organisation, die ihre Fuehler bis in die hoechsten Instanzen der deutschen Polizei und Justiz ausgestreckt haben muss, ist dieser Verbrecher nunmehr entflohen. Wir werden Gelegenheit nehmen, uns mit den skandaloesen Zustaenden, auf die der Fall Zind ein grelles Schlaglicht wirft, noch naeher auseinanderzusetzen. NERVENKRIEG Von B. TRANSJORDANIEN ELIAV Möglicherweise kann vom russischen Gesichtspunkt aus der laute Propaganda-Feldzug gegen Israels “aggressive Absichten” als Teil einer umfassenden psychologischen Offensive angesehen werden, die zusammen mit den Wamungsnoten und Drohungen an Iran und Italien eine Art “Bulganin” - Briefe” ohne Bulganin darstellt. Derartige Noten haben ganz einfach wegen ihrer Häufigkeit bereits aufgehört, irgendeine Wirkung auszuüben. Und es kann nicht einmal vorausgesetzt werden, dass Moskau dies nicht weiss. Sehr wahrscheinlich entspringt diese Gewohnheit, Wamungsbriefe auszuschicken, mehr einer inneren Notwendigkeit des Sowjet- Regimes als äusseren Gründen. Die ständige Spannung der Gefahr, von aussen angegriffen zu werden, rechtfertigt bis zum heutigen Tage den Mangel an bürgerlichen Freiheiten in den U. S. S. R., der gerade jetzt durch die Pasternak- Affaire so stark in Erscheinung getreten ist. Diese Spannung darf nicht einen Moment nachlassen, damit nicht die Flut der Forderungen von unten her anschwillt — von den Bauern, den schlecht bezahlten Arbeitern und von den Intellektuellen — Forderungen nach grösseren wirtschaftlichen, politischen und geistigen Freiheiten. und sich das Regime nicht vor die Entscheidung gestellt sieht, entweder zu den Methoden der physischen Unterdrückung wie zu Zeiten Stalins zurückzukehren oder dem Druck des Volkes nachzugeben. Es scheint dass für die Ausstreuung von Lügen gegen Israel noch ein anderer Grund massgebend ist, der Hand in Hand mit den dringenden Bedürfnissen Kairos geht: zu einer Zeit, da Nassers Prestige sehr gesunken ist, eine Beruhigung und Stabilisierung des Mittleren Ostens zu verhindern. Mit der Evakuierung der nordamerikanischen Streitk r ä f t e aus Libanon und der englischen Truppen aus Transjordanien haben sowohl Kairo wie Moskau einen greifbaren Vorwand zur Anklage gegen “imperialistisches Eindringen in den Mittleren Osten” verloren. An und für sich ist die Tür zu einer allgemeinen Beruhigung offen. In Libanon haben sich die beiden feindlichen Lager geeinigt; der Irak beschäftigt sich mit seiner inneren Reorganisierung, die geraume Zeit dauern wird, während Aegypten gerade jetzt eine Anleihe bekommen hat, um sein wirtschaftlich wichtigstes Projekt durchzuführen. Auch in Nordafrika, mit seinem zentralen Problem in Algier, hat ein neues Kapitel begonnen. Fühler werden von beiden Seiten ausgestreckt, um zu einer Unterbrechung des Kampfes und möglicherweise zu einer politischen Vereinbarung zu kommen. Ein gewisses Mass an Ruhe und Stabilität könnte nun auch dem “problematischen Kinde der Levante”, Transjordanien, zuteil werden. Mit etwas gutem Willen hätte dieses Reich seine Existenz sichern und der Status quo aufrecht erhalten werden können, bis die Zeit für eine friedliche Regelung seiner tief verwurzelten Probleme gekommen ist. Aber gerade dieser Zustand ist Kairo nicht erwünscht. Nicht nur ist Nasser selbst daran interessiert, dass die nationale Spannung bestehen bleibt, um seine Autorität zu sichern, sondern gerade heute, da sein Prestige mehr gesunken ist als je, kann er nicht zugeben, dass in dieser Gegend Ruhe eintritt. Wenn die algerischen Rebellenführer in Kairo es für notwendig halten, öffentlich die Tatsache zu unterstreichen, dass sie keinesfalls mit Nasser, sondern im Gegenteil “näher mit Bourguiba verbunden sind”, so ist das ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass der Mythos vom “Erlöser aller Araber” dahinschwindet. In diesem kritischen Zeitpunkt benötigt Nasser das allgemeine arabische Erwachen gegen einen gemeinsamen Feind, der die arabische Welt bedroht, und in dem nur der Zusammenschluss aller Kräfte, natürlich unter seiner Führung, das kommende Uebel abwenden kann. Daher lässt er alle seine Propagandatrommeln zur Warnung vor Israels Absichten gegen Transjordanien ertönen, und daher rühren die häufigen Besuche von Vertretern und Delegationen anderer arabischer Staaten in Kairo sowie die Tendenz, die Arabische Liga zu ausserordentlichen Besprechungen zusammenzurufen. Kairo weiss natürlich sehr genau, dass keine militärischen Vorbereitungen in Israel getroffen werden, dass keine allgemeine Mobilmachung oder Konzentration der Truppen an der Grenze erfolgt ist. Aber Af jf iten hofft, durch lautes Sch* eien das Vakuum zu füllen, das durch den Abzug der westlichen Streitkräfte aus Libanon und Transjordanien und somit durch den Wegfall der “anti-imperialistischen Spannung” entstanden ist, denn diese Spannung benötigt Kairo dringend, um das Diktatur-Regime, seine pro-sowjetische Politik und seine Ansprüche, als Führer aller Araber aufzutreten, vor der Welt zu rechtfertigen . mmi GENERAELE UND OBERSTE: "Aus dem Sumpf der Korruption., (Illustr.: TIME)