Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1958)
- Date
- 1958-12-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 BOLETIN INFORMATIVO Diciembre 1958 DER Z AUBERKUE NSTLER ln einem Kabarett auf den Champs Elys6es steigt ein blonder junger Mann von der Buehne herab und spaziert unter dem Publikum umher. Er spricht ein paar nette Worte, etwas franzoesisch, etwas englisch, gestikuliert ein wenig dabei, fragt einige Herren, woher sie eigentlich kommen —aus Texas? aus Louisiana?, ach neinl; Nachrichten ueber die Foederation der Vereinigten Staaten scheinen so tief in den Sueden nicht gedrungen zu sein—, dann erzaehlt er noch einen Witz und mit einem Sprung ist er wieder oben. Die zwanzig Besitzer der ebensovielen Armbanduhren koennten sich dieselben dort wieder abholen, erklaert er freundlich laechelnd und stellt halb stolz, halb nachlaessig, die genannten Trophaeen zur Schau, lieberraschung, Lachen, Beifall; ein Jeder fuehlt nach seinem Puls. Die Texaner, Lousianer und sonstigen Opfer des Gauklers steigen hinan ins Rampenlicht. Entuhrt, aber keineswegs entehrt. Ein Sonderapplaus fuer sie alle. Und zurueck zu den Tischen. Der Zauberer begleitet sie sogleich, mit ein paar netten Worten, etwas franzoesisch, etwas englisch, ein wenig gestikulierend... Gedanken zwischen 2 und 3 Nein, mein Lieber, das waere ja gelacht: nun passen wir besser auf unsere Uhren auf. Einmal ist keinmal, aber jetzt sollte dir das schon schwer fallen. Ein Witz? Gut, wir hoeren, aber was die Uhren anbetrifft, mach’ dir lieber keine Illusionen, du Illusionist. Noch ein Witz... siehst du, die Sache geht nicht mehr so richtig vorwaerts! Man sieht es auch an der Art, wie er zur Buehne zurueckkehrt: vorhin sprang er foermlich, dagegen jetzt... jetzt zieht er gelassen zwanzig Krawatten aus der Tasche! Ueberraschung, Lachen, Beifall, Griff an den Hals und hinauf, ihr Herren aus Texas, Louisiana, Virginia. Es folgen einige weitere, zum Teil noch verblu effendere Tricks und natuerlich auch andere Vorfuehrungen, die vielleicht wesentlich brillanter, reichhaltiger oder neuartiger sind. Aber keine stimmt so nachdenklich, keine ist so bezeichnend fuer die Vorgaenge, die sich draussen abspielen, nicht weit davon, am Quai d’Orsay oder in Downing Street oder im Weissen Haus. Auch dort sitzen nette und feine Herren in noch netterer und feinerer Begleitung und passen auf ihre Uhren auf, waehrend man ihnen die Krawatten auszieht und halten die Krawatten fest, waehrend sie die Manschettenknoepfe gestohlen bekommen, und waehrend sie den Blick auf letztere fixieren, verschwindet der Taschenspieler aus Moskau mit der netten und feinen Begleitung. Mit dem Unterschied, dass er die Uhren, Krawatten, Manschettenknöpfe und Damen nicht mehr herausrueckt. Begann er nicht seine letzte Gauklernummer unlaengst, im Juni dieses Jahres? Bürgerkrieg im Libanon und Krise in Jordanien. Alle Welt schaute auf Libanon und Jordanien, der Zauberer stieg herab von der Weltbuehne in den Saal und kehrte im Juli zurueck: Umsturz im Irak. August stand im Zeichen der anglo-amerikanischen Landungen in Libanun und Jordanien und der Debatte, die im Saal —der U.N.— darueber abgehalten wurde und die mit dem Versprechen endete, beide Laender wieder zu raeumen. Der Umschwung im Libanon vollzog sich noch, bevor die Raeumung ueberhaupt begonnen hatte, aber der Zauberer liess sich dazu herab, diese Blamage zu beschoenigen, indem er September mit der Beschiessung der chinesischen Kuesteninseln begann. Foster Dulles stiess in die Kriegstrompete, die Beschiessung wurde eingestellt, Eisenhower desavouierte Foster Dulles, letzterer flog nach Formosa, die Beschiessung wurde wieder aufgenommen und so gelangte man in Washington zu der Einsicht, dass es notwendig sei, sich darueber klar zu werden, wie weit man zur Verteidigung von Matsu und Quemoy zu gehen bereit ist. Vielleicht haette man diesen Punkt auch geklaert, wenn nicht inzwischen —es war Oktober geworden— der Zauberkuenstler Zeter und Mordio ob angeblicher Kriegsvorbereitungen von seiten Israels gegen Jordanien geschrieen haette. Der blitzschnell unternommene Versuch die jordanischen Manschettenknoepfe su retten, indem man das ganze Hemd samt Koenig auf einer Schweizer Bank hinterlegte, scheiterte. Inzwischen errichtete General Ayub eine Militaerdiktatur in Pakistan und im November tat ein obskurer Ordenstraeger ein Gleiches im Sudan. Das wirklich kritische Thema des Monats November aber heisst wieder einmal: Berlin. Russland verkuendet seine Absicht, sich aus dem oestlichen Teil der geteilten Stadt zurueckzuziehen und den ostdeutschen Satelliten die Kontrolle zu ueberlassen. Das bedeutet das Ende aller Regelungen aufgrund des Paktes von Potsdam, den Beginn neuer und groesster Schwierigkeiten, die westliche Enklave zu behaupten und die praktische Unmoeglichkeit, die Regierung von Pankow auf die Dauer weiter zu ignorieren. Vielleicht bedeutet dieses Aufflackern einer neuen riesengrossen Gefahr in Berlin aber auch... einen bevorstehenden Angriff auf Jordanien! Ein Witz? Ein an den Haaren herbeigezogener Vergleich? Keineswegs. Man erinnere sich an die Machtpolitik des Irren von Braunau. Auch sie hatte ihren eigenen Stil und er bestand darin, den ganzen Druck der deutschen Armee, Politik, Propagandamaschine und Unterwuehlungsapparat immer nur an einem Punkt anzusetzen, einen nach dein anderen. Saar, Rheinland, Oesterreich, Memelland, Sudeten, “Rumpf”- Tschechoslowakei, Danzig. Wie man eine Artischoke verspeist, Blatt fuer Blatt. Stalins Stil war der des Enigmas. Immer wortkarg aber minutioes planend, langsam aber brutal, liess er staendig Alle im Unklaren ueber seine Plaene. Und Kruschevs Stil ist der des Gauklers: voll vodkaseliger Geschwaetzigkeit, gestikulierend, randalierend, immer in Bewegung, mal hier mal dort, und waehrend das Publikum gebannt in seine listig-verschlagenen Augen blickt, wendet er das Rezept des staendigen Ablenkens an. Es ist das altneue Geheimnis des Taschenspielers, fuer die Politik und Kabaretts unserer Zeit ebenso charakteristisch wie der Walzertanz fuer den Wiener Kongress und seine Epoche. ATSCHEKA. Der Typische Deutsche Wenn man einen typischen Bürger der deutschen Bundesrepublik konstru i e r e n könnte, eine Figur also, die alle kennzeichnenden Eigenschaften, äusserliche wie innerliche, den Stolz und die Vorurteile des modernen Westdeutschen in sich vereint, so müsste das Ergebnis ungefähr so aussehen: Ein jugendlich aussehender Mann mittleren Alters in dunklem Anzug mit grauer Krawatte, der zielbewusst einem firmeneigenen Mercedes entsteigt, um ein weiteres Stahlwerk zu verkaufen. Irgendwo in seiner modernen Düsseldorfer Wohnung, deren Ausstattung einer Espressobar ähnelt, hängt das Bild eines seiner Annen — zweifellos eines Grafen — und eine eingerahmte Karte von Schlesien oder eines anderen verlorenen Gebietes. In einer Schublade des phantastischen Sehr e i b t isches liegt — halbvergessen — ein Eisernes Kreuz. Er ist Mitglied der CDU, aber er liest das Nachrichten- Magazin DER SPIEGEL, um seine Illusionen zu kontrollieren. Die “Welt” informiert ihn über Kultur und Politik, aber dafür hat er kaum Zeit — schliesslich erwartet der Herr Oberdirektor von ihm, dass er den Auftrag für die Bessemer- Schmelzöfen hereinholt, ehe die britische Konkurrenz aufgetaucht ist. Er ist ein fester, wenn auch besorgter Anhänger der demokratischen Regierungsform, aber er nimmt an Regimentstreffen teil, um sich daran zu erinnern, wie sie beinahe Moskau und Alexandria erreicht hätten”. (Die Londoner “Times” in einem Artikel aus Anlass des Staatsbesuches des Bundespräsidenten, dem das Blatt allerdings bescheinigt, kein Deutscher dieser Art zu sein). Aus “Der Spiegel”, 28.10.58 Es ist geburtenstatistisch nachweisbar, dass es mehr weibliche als maennliche Wesen auf der Welt gibt. Das ist natuerlich gut so und aeusserst weise von der Schoepfung geplant. Sinnlos waere es, und ¡bedeute, den ausgefahrenen Weg der bequemen Gemeinplaetze betreten, wollte ich den immer noch Unueberzeugten beweisen, bestaetigen und bekraeftigen, dass das weibliche das staerkere, das wesentliche, das wichtigere Geschlecht ist. Es waere nur wieder ein Beweis dessen, wenn ein besonders Sturer immer noch an das Supremat der Maenner glaubt. Es soll ja sogar heute noch Dickkoepfe geben, die lieber bei Kerzenlicht sich die Augen verderben, statt sich der einleuchtenden Elektrizitaet zu bedienen. Na, denen ist eben noch kein Licht aufgegangen. Als Frau sehe und beurteile ich diese Dinge natuerlich sachlich und objetiv, wie das ja bekanntlich eine typisch weibliche Qualitaet vorschreibt. Deshalb muss ich mir heute einen langangestauten Aerger von der Seele tippen, eine Reklamation gegen eine grosse Ungerechtigkeit, einen alten Rueckstaendigkeitsfehler, der in der Sprache immer noch den Männern mehr Recht einraeumt, als uns Frauen. Sehen Sie sich z. B. einmal die Worte “Brude r” und “Schwester” an. Man ist “ein einig Volk von Bruedern”, von den Schwestern kommt nichts vor. Besitzt man etwas oder nichts, man ist “unter Bruedern etwas wert”; die Poeten anerkennen ihren “Bruder in Apoll”, und wo bleibt Courts Mahler, Lagerloeff oder Mistral? Wir goennen den Maennern ihre Penn- Tippei- Zech- und Kartell Brueder, “Bruder Lustig” und “Bruder Leichtfuss” sind sichtlich geschlechtsgebundene Erscheinungen der Sonntagslaune der Natur, dass “gleiche Brueder gleiche Kappen” tragen, muss nicht eine angenehme und nachahmens- Diamantenindustrie Israels Das Handels und Industrieministerium gibt bekannt, dass die Diamantenindustrie Israels die Weltmärkte für Diamanten mit 20% der geschliffenen Steine beliefert. Der Export brachte 32 Millionen Dollar ein, während für die Rohsteine rund 10 Millionen Pf. Sterling (etwa 28 Millionen Dollar) bezahlt wurden. Es werden in der Industrie ueber 3.000 Arbeiter beschäftigt. Das Ministerium ist interessiert neue Diamantenschleifereien in die entfernteren Entwicklungsgebiete zu überführen. Neue Siedlung in Adulam Der vierte Siedlungspunkt in dem Adulam - Entwicklungsgebiet wurde gegründet. Die Familien gründen eine Siedlung der Allgemeinen Zionisten und des Bauernverbandes. Es handelt sich um Bewohner der Maabara Benjamina und Beth Schaan. werte Kopfbedeckung bedeuten, nein, die Ungerechtigkeit liegt auf ganz anderem Gebiet. Warum spricht man nur vom “Bruder-Kuss”, der “Bruder- Liebe”, dem “Bruder - Herz”, dem “Bruder-Volk”. Kuessen, lieben, herzen und bevoelkem wir Frauen vielleicht weniger gut und gern? Wenn eine Frau zur andern sagt: “Es ist mir mies vor Sie, wir wollen Du sagen”, dann trinkt sie sinnloserweise mit ihr “Bruderschaft”. Es gibt natuerlich auch eine “Schwesternschaft”, aber das ist meistens eine ganz furchtbar heilige und zurueckgezogene Angelegenheit, die den wenigsten meiner Geschlechtsgenossinnen liegt. Hier in Chile gibt es sogar “Brueder der Kueste”. Das koennte den Maennem so passen, wenn sie alleine im Sommers nach Con- Con gehen koennten, und sich —auf die “Bruderschaft” berufend— dort ein Schwesterchen suchen duerften. Irgend etwas muesste ja nun geschehen gegen soviel unberechtigte Bevorzugung, nicht wahr, liebe Geschlechtsgenossinnen? Aber wie letzten Endes alles in der Natur, gibt es auch hier eine ausgleichende Gerechtigkeit, die uns Genugtuung verschafft. Und wenn sie sich auch noch so grosse Muehe geben, die verehrten Herren der Schoepfung, wenn sie tun und leisten, opfern und bitten, sie werden es nie erreichen, sie stehen an der Tuer und muessen bewundernd und anerkennend verzichten. Und was es bedeute, es zu sein, das habe ich mit Stolz und Ruehrung wieder einmal deutlich empfunden, als ich mitten unter “uns” sass, am 20. Geburtstag, am 27. Oktober, als Anerkennung, Enthusiasmus und Arbeitsfreude uns vereinte, uns Auftrieb gab fuer neue Leistung, uns innig verband als das, was jede juedische Frau sein soll, als Selbstverstaendlichstes, Weiblichstes, Zeit-und Naturgewolltes: Wizo-Schwes- Neue chemische Fabrik für Kargal Bei der Kargal-Kartonnagenf a b r i k in Ludd wurde der Grundstein zur Errichtung einer chemikalischen Fabrik gelegt, die Leim erzeugen soll und deren Produktion zu 50% von Kargal für ihre Kartonnagenfabrikation verwendet werden wird. An der Grundsteinlegung nahm auch Handelsu. Industrieminister Sapir teil. Der Betrieb, der der einzige seiner Art im Mittleren Osten sein wird, fabriziert die nötigen Grundstoffe aus Negew-Materialen. Vollendung Der grosse Staudamm bei Sde Boker, der die Gewässer des Flusses Boker während der Regenzeit sammeln soll, steht vor seiner Fertigstellung, mit der in etwa 14 Tagen gerechnet werden kann. Er kann ueber eine halbe Million Kubm, Wasser fassen. (CANFIT). ter. IN KUERZE: