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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-12-01 · 12 (Diciembre, 1958) · p. Seite 13

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
12 (Diciembre, 1958)
Date
1958-12-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Diciembre 1958 BOLETIN INFORMATIVO 13 Stichworte aus dem Reisetagebuch Von Hans Kaufmann Die Strecke von Tel Aviv bis Beer Scheba ist landschaftlich sehr schoen: braune Erde, gruene Felder, Baeume, Siedlungen. Sie sind vielleicht nicht so zahlreich wie in der Kuestenebene, nicht so schattig, nicht so ertragreich, aber sie sind da. Suedlich von Beer Scheba, der “Hauptstadt des Negew” beginnt dann, wie wir ihn uns vorgestellt haben, der “eigentliche” Negew. Die Erde wird grau. Und die graue Landstrasse bohrt sich weiter nach Sueden, bis Elath. Aber sie dient nur zum Durchfahren, nicht mehr zum Verweilen. Die Berge sind keine Berge mehr, sondern nackte Steinmassive, die der Wind von Jahrtausenden glattgekaemmt und zerklueftet hat. Die Taeler sind keine Taeler, sondern Krater und Schluchten. Mehr als die Sahara, muss diese Wueste einer Landschaft auf dem Mond gleichen. Das Leben, das hier einmal bluehte und von dem viele Ausgrabungen Zeugnis ablegen, muss Gott in einer Stunde des Zorns zerschmettert haben, Trostlos... Trostlos? Man verliert in Israel nicht so leicht Trost und Mut. Es ist noch nicht lange her, da sah die Gegend noerdlich von Beer Scheba, bis auf halbem Weg nach Tel Aviv, nicht besser aus. Dort, wo jetzt die Erde braun ist und die Felder gruen und wo Baeume wachsen und Siedler leben. Auch das war Wueste. Auch das ist Negew. Zwei Welten, aber Negew und Negew. Besucher sollten das Land vom Sueden her kennen lernen; am besten am ersten Tag mit einem Ausflug nach Elath beginnen. Sie wuerden erst durch den wuesten Negew fahren und das Land kennen, wie es war. Dann durch den gruenen Negew: das Land, wie es sein wird. Zukunftsvision Wie es sein wird! Wie es war! Ein Jeder spricht davon, von der Zukunft und von der Vergangenheit. Vielen hilft es, die oftmals harte Gegenwart durchzustehen. Man geht durch das Zentrum von Tel Aviv und bekommt erklaert: “Als ich ins Land kam, waren dort noch Sandduenen”. “Dort” ist heute eine zentrale Geschaeftsstrasse und fuenf Kilometer weiter beginnen erst die neuen Wohnviertel von Tel Aviv. Oder man sieht einen Weg mit jungen Baeumen und man hoert: “Warten Sie einmal, wie das in ein paar Jahren aussehen wird!”. Man nimmt sich vor wiederzukommen. Vor zehn Jahren standen die Aegypter in El Faluja, auf halber Strecke zwischen Beer Scheba und Tel Aviv. Bei der Oktober - Offensive 1948 wurden sie dort eingeschlossen und die gezaehlten israelischen Panzerwagen —mehr Wagen als Panzer— rollten nach Sueden. Es ging nicht nur um die Bedrohung von Tel Aviv, die es aufzuheben galt, es ging ebenso um die Befreiung des Negew. Um die Befreiung eines Negew, in dem es damals noch keinen Grashalm gab und an dessen Entwicklungsmoeglichkeiten nur Phantasten und Visionaere glauben konnten. Zum Glueck ist Israel voll von Phantasten und Visionaeren. Es wird sogar von solchen gefuehrt. Ben Gurion ist einer. Er war 70 Jahre alt, als er nach Sde Boker ging. Das liegt ungefaehr auf halber Strecke zwischen Beer Scheba und Elat, in einer Gegend, die schon in der Bibel als wuest beschrieben wird. Kfar Jerucham liegt dort und noch hie und da ein Kibbuz, abgeschnitten, vereinzelt, im Kampf mit der Natur und der Umwelt. Aber auch fuer Ben Gurion ist wohl nur massgebend, “wie das in ein paar Jahren aussehen wird”, vielleicht in 50 Jahren. Sprach nicht auch Herzl von einer Verwirklichung seiner Idee in einem Zeitraum von 50 Jahren? Professor Klausner Jerusalem liegt in einem aeussersten Zipfel des Staates. Der juedische Teil der Stadt ist auf drei Seiten von Jordanien umgrenzt. Dann gibt es noch drei Stadtteile: Talpioth, Arnona und Ramath Rachel, die bilden den aeussersten Zipfel von Jerusalem. In Arnona kamen im Vorjahre viele Menschen ums Leben, als jordanische Legionaere in den Archaeologen - Kongress hineinschossen. Nicht weit davon steht das Haeuschen von Prof. Klausner. Als wir in Jerusalem ankamen, war er gerade aus einem Sanatorium zurueckgekehrt. Als wir abfuhren, starb er. Prof. Klausner war der letzte ueberlebende Delegierte des 1. Zionisten - Kongress gewesen. Er hatte Herzls Aufruf zur Gruendung der Zionistischen Bewegung, zum Kampf fuer einen juedischen Staat gehoert und er hatte an der Debatte ueber Nordaus Bericht von der Lage der Juden in der Welt teilgenommen. Irgendwie hat man das Gefuehl, dass eine Epoche zu Grabe getragen wird. Andenken an Herzl tragen bereits geschichtlichen Charakter: sein Arbeitszimmer aus Wien ist in der Sochnuth (Jewish Agency) zu besichtigen und Herr Stern in der Mamilla Road hat Briefe aufbewahrt von ihm und den Tropenhelm, den Herzl bei seiner Begegnung mit dem Kaiser trug. Aber Prof. Klausner hat gestern noch gelebt. So Vieles ist in solch kurzer Zeit geschehen, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sich unmerklich die Hand reichen. Schliesslich hat es etwas Ruehrendes: wieviel Indifferenz, wieviel Feindschaft, wieviel Spott, wieviel Hass galt es vor sechzig, vor fuenfzig, vor zehn Jahren, gilt es noch heute zu ueberwinden? Und zu ueberwinden durch Hingabe, Idealismus, Glaube und Opferbereitschaft. Da waren die Protestrabbiner, die reichen Juden, die Englaender, die juedische Katastrophe im Zweiten Weltkrieg, die Araber und nicht zuletzt das schwere Land selbst. Und allen und allem zum Trotz fuehrt ein gerader Weg von Herzls Traum zu dem kleinen Militaerlager, das heute in Ramath Rachel einen Zipfel der langen Grenze Israels huetet. Nicht weit von der Stelle, wo Prof. Klausner, einer der ersten Anhaenger Herzls, wohnte. Ins Land zurueckgekehrt Die Offensive im Negew im Jahre 1948 folgte laengst verschuetteten und verwehten biblischen Heerstrassen. Im westlichen Galil, noerdlieh von Haifa, liegt ein Kibbuz, wo sich 50 Maenner und 2 Frauen im gleichen Jahre gegen eine arabische Uebermacht in den Ruinen einer Kreuzfahrerburg versc h a n z t hatten. So lebendig wird die Vergangenheit, die biblische und die mittelalterliche, dass man oft die Gegenwart nur gegen den geschichtlichen Hintergrund verstehen kann. Darum besteht auch in Israel eine wahre Passion fuer Archaeologie, vor allem fuer Funde und Ausgrabungen aus biblischer Zeit. Sie verstaerken das Gefuehl, dass wir nicht nur in das Land gekommen sind, sondern in Wirklichkeit zurueckgekehrt. Einer von den 52 Verteidigern von Jechiam, so heisst der Kibbuz, erzaehlt einiges aus der Geschichte der Belagerung. “Wir waren hier verschanzt. Die Araber dort”. So nahe? “Ja, etwa dreissig Meter. Aber wir schossen nur, wenn sie ganz nahe kamen und so hatten sie grosse Verluste und glaubten, wir seien viel mehr”. Wasser? “Ein Glas pro Person am Tag”. Wie lange? “Zwei Monate. Dann flohen sie”. Der Name Jechiam. “Nach Jechiam Weitz, einem Sohn von Josef Weitz vom Keren Kajemeth. Er kam mit achtzehn Jugendlichen aus Naharia, um uns Hilfe zu bringen. Sie kamen alle auf dem Weg in einem Hinterhalt ums Leben”. Wir hatten das Denkmal gesehen. Es gibt sehr viele solcher Denkmaeler in Israel, Soldatengraeber, auf dem Weg nach Jerusalem sogar noch zerschossene Lastwagen. Man soll nicht vergessen. “Wir schliefen in der Burgruine. Man holte sich dort Fieber, aber wir hatten keine Wahl. Das Wasser ist aus der Zisterne. Wir haben heute noch nicht genug, um die Felder zu bewaessern. Aber es geht vorwaerts”. Es sind 150 Chawerim, sowie 150 Kinder und Eltern. Die Eltern helfen beim Tabak - Sortieren, ein erstklassiger Virginia - Tabak. Ausserdem haben sie 20.000 Huehner, einen guten Kuh - Bestand. “Es geht vorwaerts”. Noch eine Frage: nach den eigenen Verlusten. “Wir haben acht Menschen dabei verloren. Aber der Punkt musste gehalten werden. Ausserdem waren wir ja umzingelt”. Die Abendsonne spiegelt sich golden in den Fenstern eines Kinderhauses. Davor sitzt ein Bub auf einem Schaukelpferd. Kfar Kana Es ist ein typisch arabisches Dorf. Man geraet hinein, wenn man von Tiberias nach Nazareth faehrt. Das ist keine Redensart: Drusendoerfer sieht man liegen oder man faehrt ein, aber in arabische Doerfer geraet man hinein. Die Behausungen sind aus dem gleichen grauen Stein und Lehm und die Daecher aus Stroh und grauem Lehm, wie die Umgebung. Und ueber allem liegt noch einmal eine feine graue Staubschicht. Das Gefuehl draengt sich auf: Tarnung. Frauen gehen verschleiert zum Brunnen, mit dem Krug auf dem Kopf. Kinder lungern auf der Strasse. Maenner hocken herum und schluerfen Kaffee. Irgend jemand bestellt sein Feld mit einem Kamel und einem hoelzernen Pflug. Diese Gegenden stehen unter Militaerverwaltung. Man kann ihnen noch nicht trauen. Spaeter wird man es vielleicht koennen, wenn man ihnen Schulen gebracht hat und Krankenhaeuser, und wenn alle Maenner arbeiten, mit Traktoren statt mit Kamelen. Vorerst aber trauen sie auch uns nicht. Die Bereinigung unserer Beziehungen zu den arabischen Nachbarstaaten wuerde dieses Vertrauen irgendwie begruenden. Man koennte die Kontrollen lockern. Die Nachbarstaaten wollen aber weder die Beziehungen bereinigen, noch haben sie Interesse daran, den relativen Wohlstand der Araber Israels —im Vergleich zu denen in Jordanien oder Aegypten— noch weiter zu foerdern. Ein circulus vitiosus. Jedenfalls befasst man sich ernsthaft mit diesem Problem der Minderheiten, wie man sich ueberhaupt mit allen Problemen befasst und nur ernsthaft. Das Urteil im Militaerprozess von Kfar Kassem, in dem die Angeklagten, zum Teil verdiente Veteranen vieler Kampagnen, zu langjaehrigen Freiheitsstrafen verurteilt wurden, legt davon ein Zeugnis ab. Ein weiteres Beispiel von dem Interesse, das die Oeffentlichkeit den Nichtjuden Israels entgegenbringt, liefern die ungezaehlten Menschenmengen, die sich die Ausstellung von den “Minderheiten Israels” im alten tuerkischen Bad von Akko ansehen. Manchmal scheint es wirklich wieder mehr tuerkisches Bad als Museum. Irgendwann werden auch einmal alle Minderheiten stolz auf Israel sein —einige, wie die Drusen, sind es schon heute— und Israel stolz auf seine Minderheiten. Wahrscheinlich, wenn die Kinder, die heute in Kfar Kana herumstrolchen, Fabrikarbeiter und Lehrer und Bauern sein werden. Das Konzert Geruehrt stand der schmaechtige Mann mit der weissen Maehne vor dem Saal, der ihm zujubelte. Immer wieder dankte er, mit Verbeugung und Gruss, mit Handkuss und mit ausgestreckten Armen, wie wenn er Alle umarmen wollte: Arthur Rubinstein. Das herrliche Frederick Mann - Auditorium von Tel Aviv, ausverkauft bis auf den letzten seiner mehr als 2.000 Sitzplaetze. Soldaten in Uniform, Chaluzim mit offenen weissen Hemden, hochelegante Abendkleider und eine Stimmung, wie sie harmonischer und feierlicher bei keiner Galavorstellung in keinem anderen Konzertsaal der Welt haette herrschen koennen. Rubinstein stiftet seine Gage zugunsten eines Fonds fuer junge Kuenstler, der seinen Namen traegt. Es ist seine Art, sich mit dem Lande zu verbinden, eine schoene und konstruktive Art, von der man Beispiele vorfindet, wohin man auch immer geht. Wieviele Stipendien, Hoersaele, Bibliotheken, Erholungsheime, Krankenhaeuser, Waelder und Schwimmbaeder tragen nicht die Namen der Mann, Rubinstein, Wix, Wolfsohn, Rothschild, Beilinsohn und wie sie alle heissen?! Wieviel Schoenheit und wieviel Werte lassen sich dem schnoeden Gelde abgewinnen! Nun wendet er, der grosse juedische Pianist aus Polen oder aus Amerika, sich dem Orchester zu, den Israel-Philharmonikern. Auch sie sollen den Dank, die Begeisterung des Publikums entgegennehmen. Es ist ja ein gemeinsames Unternehmen, ein solches Klavierkonzert. Und nicht nur das Konzert ist es. 71/I7TGB IT AmtJvlÜcfiMtt

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