Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 9 (Septiebre, 1958)
- Date
- 1958-09-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 BOLETIN INFORMATIVO Septiembre 1958 ERINNERUNG AN DAS ERSTE JUEDISCHE SCHIFF "TEL-AVIV" (Auienthalt in Palaestina und Heimfahrt) ii Bevor ich die Heimreise mit der “Tel-Aviv” bes c h r e i b e, moechte ich aus meinen damaligen Aufzeichnungen einiges Wenige wiedergeben. Vorausschickend will ich bekennen, dass ich zu jener Zeit nicht Zionistin war, was aber nicht heissen sollte, ich waere “Nicht - Zionistin” gewesen... Man kann einer Idee etwas ferner stehen, und doch grosses Interesse an ihr nehmen. Und aus diesem Interesse heraus entstand ja auch unsere Fahrt mit der “Tel-Aviv” nach Palaestina. Es waren uns aus diversen Gruenden nur wenige Tage fuer den Aufenthalt im Lande vergoennt. Deshalb machten wir uns “selbststaendig”, d. h. wir hatten nicht wie die meisten anderen Mitpassagiere schon auf dem Dampfer die diversen Ausfluege ins Innere bezahlt, sondern wir fuhren —Plan in der Hand— mit ganz gewoehnlichen Omnibussen los. Auf einer solchen Fahrt, nach Tiberias, passierte uns etwas sehr Originelles. Unser Omnibus wurde ploetzlich von der Polizei angehalten. Fuer uns Fremde war es nicht leicht, den Grund hierfuer festzustellen, denn der Wagen war hauptsaechlich von eingesessenen Juden aus Tiberias besetzt, die in Haifa gerade ihren Rabbi abgeholt hatten, der aus New York zurueckgekehrt war. Weil wir sie nicht verstanden, beschimpften sie uns, aber es fand sich schliesslich doch Jemand, der uns erklaerte, dass wir gepfaendet seien. Regelrecht —wir und der Wagen—, denn sein Besitzer, der zugleich auch der Chauffeur war, hatte Schulden, die er nicht bezahlt hatte, was ja manchmal auch in anderen Laendern Vorkommen soll, aber der Glaeubiger wusste sich zu helfen. Es wurde gesammelt, alle gaben etwas und wir konnten weiterfahren. Uns war es das Geld wert! Auf dem Wege nach den “Hotsprings”, den wir ebenfalls zu Fuss machten, kam ein Stein aus dem Hinterhalt geflogen. Wir lernten, dass so etwas von uns nicht sehr gewogenen Arabern herruehre. Andererseits empfanden wir den Ton, den die Chauffeure ab und zu gegenueber den arabischen Fahrgaesten an den Tag legten, nicht immer sehr nett. Es waere heute ueberholt, wuerde ich alle meine Eindruecke, die ich von den Siedlungen z. B. aufnotierte, hier wiedergeben. Ich weiss nur, dass die Millionen Steine, die mit gebuecktem Ruecken entfernt werden mussten, bis eben diese Siedlungen —und so viele nach ihnen— entstanden, mich noch lange im Traume beschwerten. Uns verwirrte auch Tel-Aviv — die Stadt, die auf uns den Eindruck einer zu schnell aufgebauten Messestadt machte. Hypermoderne Bauten an teilweise ungepflasterten Strassen. Man moege mir diese Bemerkung nicht vernebeln. Es war damals! In Jerusalem zogen wir stilgerecht “per pedes” ein. Und das, weil unser Omnibus wiedermal ploetzlich nicht weiter wollte. Der Kuehler rauchte, er hatte zu wenig Wasser. Da wir aber in Jerusalem mit Schiffsfreunden verabredet waren, wollten wir moeglichst puenktlich sein. Ich fragte daher den Chauffeur, der sich etwas ratlos vor dem Kuehler zu schaffen machte, wie lange es wohl dauern wuerde? Er mass mich mit Blicken voller Ironie und meinte dann: “Nu? er werd sech abkihlen”. Da unsere Erfahrungen in Bezug auf heisse Kuehler auf dem Wege nach Jerusalem gleich null waren, beschlossen wir nicht zu warten, sondern holten unsere kleinen Handkoefferchen und wandelten also wie einst unsere Vaeter nach der Heiligen Stadt. Und ich empfinde noch heute das erhebende Gefuehl —wirklich ohne Scherz—, das wir beim Einzug hatten! Schon damals war der neue Teil Jerusalems fuer uns ueberwaeltigend. Gediegen, organisch aufgebaut, ganz anders als Tel - Aviv. Als Touristin aber bin ich heute noch froh, dass wir auch noch den alten Teil erleben durften und Aufnahmen machen konnten, die heute nicht mehr moeglich waeren, jene alte “Schul” z. B. neben deren Altar auch ein Bett stand. Dass uns dann eine in Jerusalem geborene nichtjuedische Dame durch den “richtigen Gang —nicht den, der sonst den Touristen gezeigt wuerde...”— fuehrte, durch den ihr Heiland einst das Kreuz getragen haben soll, hatte nicht solch tiefen Eindruck auf mich gemacht, wie jenes blinde Pferd, das in der Oelmuehle im Bazar das Rad drehte. Ach, so oft musste ich an jenes arme Tier denken, wenn ich irgendwann in spaeten Jahren sehr muede war und doch “das Rad weiter drehen musste...” Dass an der Klagemauer schon damals sehr viel englisches Militaer herum stand, reimte sich auch nicht ganz mit dem Bild zusammen, das wir uns von jenem Ort gemacht hatten. Dafuer entschaedigte uns ja aber so viel Anderes, das ich nicht aufzaehlen kann. Und dann waren wir wieder an Bord unseres Dampfers “Tel - Aviv”. Erfuellt von dem- Erlebnis, in Palaestina gewesen zu sein, erfuellt von allem Gesehenen und voller Zuversicht fuer die Zukunft unseres Landes, das es ja damals “de jure” noch nicht war. Wenn Menschen so viel bis jetzt geschaffen hatten —dachten wir—, so muss das Ganze gelingen, trotz der Englaender an der Klagemauer ... Unsere Rueckreise war dann nicht ganz so sturmlos. Ausgerechnet in der Naehe der ionischen Inseln merkten wir ploetzlich in der Nacht, dass unser Schiff “Stillstand”. So ganz ohne Maschinengeraeusch. Das Schiff taenzelte am Ort, und man hatte ein ausgesprochen aengstliches Gefuehl. Von dem ersten Maschinisten hoerten wir dann am naechsten Morgen —als der Schaden repariert war—, dass “nur” die Steuerkette gebrochen gewesen sei, und das so in Mitte der Inseln... und “ueberhaupt” meinte der Mann, “sei der ganze Kahn sowieso ein Abbruchstueck, billig erstanden und gut verkauft. “Da Herr und Frau Bernstein ebenfalls an Bord waren, wurde das nur gefluestert. Dafuer freute man sich dann, als der grosse Sturm loslegte, dass das Paar ihn mitgeniessen durfte, weil es nicht, wie anscheinend vorgehabt, in Brindisi von Bord gehen konnte. Boese Zungen behaupteten, Herr Bernstein habe dem Kahn nicht ganz getraut... Stuerme gehen manchmal vorueber, und wenn die gebrochenen Steuerketten rechtzeitig repa r i e r t wurden, kann man sie auch ueberleben. Aber schlimm war es doch. Und alles Geschirr im Speisesaal war abgeruestet. Dann freuten wir uns auf Athen! Ach, wie freuten wir uns alle. Ich glaube, es leben noch einige Zeugen hier in Santiago, die sich damals mit uns freuten... Aber da gab es wieder eine Ueberraschung, als uns in Piraeus ein vollkommen toter Hafen empfing. Ein Lotsenboot mit aufgeregten Beamten kam auf uns zugeschossen. Sie entzifferten dann unseren Funker das in der Nacht aufgefangene Telegramm, das er leider nicht ganz verstanden hatte. Es sollte uns warnen, den Hafen anzulaufen, da gerade eine Revolution ausgebrochen war, und wir also sehr leicht haetten beschossen werden koennen. Ich brauche wohl die Komentare der einzelnen Passagiere nicht zu wiederholen? Aber es war uebertrieben... Wir fuhren dann langsam rueckwaerts —allen viel zu langsam... —aus dem Hafen und legten spaeter als Trost, es war nicht vorgesehen, in Korfu an. Von dann an ging die Fahrt glatt von statten. Das heisst fuer uns und einige Andere mehr, die wir schon in Venedig von Bord gingen, anstatt wie eigentlich geplant und bezahlt, erst in Triest. Und das war gut. Denn jene, die weiterfuhren, hatten nochmals das Vergnuegen, die Folgen einer gebrochenen Steuerkette zu gemessen und kamen mit grosser Verspaetung in Triest an. Kinderkrankheiten der Juedischen Schiffahrt! Und sie wurde doch sooo gesund! MILREIS. KOSMETISCHE PROBLEME koennen alle geloest werden durch individuelle Behandlung. 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Rabbiner) in Berlin beendete, eine vermittelnde und ausgleichende Haltung ein. Geistig stand Sachs einem anderen wahrhaft Frommen jener Epoche, dem Breslauer Seminardirektor Rabbiner Zacharias Frankel nahe, dessen hoechste Sorge gleichfalls der juedischen Gesamtheit galt. Wie dieser, wollte auch Sachs jede Zersplitterung und Separation verhindern. Fuer ihn war das ganze geschichtlich - ueberlieferte Judentum ein heiliges Gut, und all sein Denken nahm von dieser Grundlage seinen Ausgang. Deshalb lehnte er jede radikale Reform ebenso sehr ab wie die Separatorthodoxie des gewiss frommen und gelehrten Rabbiner Hirsch, der soeben ebenfalls anlaesslich seines 150. Geburtstages geehrt worden ist. “Aussoehnung des Glaubens mit dem Leben” war der Grundsatz von Sachs, dem eine lebendige, religioese Entwicklung am Herzen lag. Des grosse Prediger war ein Wissenschaftler von Format, ein Kundiger des poetischen Gutes des juedischen Volkes. Seine Uebersetzungen der Heiligen Schrift (im Gesamt-Bibelwerke von Zunz), seine Verdeutschungen von Machsor und Siddur, setzten sich durch, auch innerhalb der Orthodoxie, die sonst naturgemaess Sachs ablehnen musste. Mit ihrem “Sachs” im Reisegepaeck traten auch unsere Menschen vor einem Vierteljahr hundert ihre Emigration an, und dieses Gebetbuch fuer die Feste ist den meisten von uns noch heute unentbehrlich. In einer Zeit von Losloesungstendenzen und Disharmonien hatte sich dieser seelenvolle Uebersetzer besonders bewaehrt. Vielleicht ist unsere Epoche, in der auch ein “Ausgleich” gesucht wird, eine solche, die dem juedischen Kulturtraeger Michael Sachs weit naeher sieht, als man im allgemeinen vermutet. C. W. BRUECKE ZU NEUEN UFERN (Schluss von Seite 1) “Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag”, sagt der Dichter, aber noch mehr vermag ein neues Jahr eine Bruecke zu schlagen von Mensch zu Mensch, von Gemeinschaft zu Gemeinschaft. Die Zahl der nicht juedischen Freunde Israels und des juedischen Volkes war nicht untaetig, und manch einer von ihnen sprach oeffentlieh aus, dass die Welt nicht nur ein zweitausendjaehriges Unrecht am juedischen Volke wiedergutzumachen habe, sondern dass sich jetzt eine einmalige Gelegenheit biete, sich besser als je zuvor kennen und verstehen zu lernen. Rosch Haschana, Bruecke zu neuen Ufern, wird in der gebildeten nichtjuedischen Welt Jahr um Jahr als Anfang einer neuen Epoche gegenseitigen Achtens und von Beziehungen betrachtet, die auf Gleichberechtigung und Duldung auf gebaut sind. Wir duerfen dies mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen und unsererseits Schluesse hieraus ziehen. Vom Schofarton, den wir am Neujahrsfeste vernehmen, wird ueberliefert, dass er auch das Symbol der messianischen Zeit dar stellt: “Und es wird geschehen an diesem Tage, da wird man in die grosse Posaune stossen”, lautet ein Vers der messiani- OBERHEMDEN REPARATUREN jeder Art. beste Ausfuehrung, puenktliche Lieferung. Auf Wunsch wird abgeholt. Margarita Pinkus NUEVA YORK 53 Oficina 61 — Tel. 61300 sehen Verheissung. Verbindet sich das irdische, reale, nuechterne Leben in Israel mit dem ewigen Zion, dann senkt sich das goettliche Himmelslicht auf jene Bruecke “zu neuen Ufern”. Diese Bruecke schwingt sich ueber den Abgrund des Schweigens, der Voelker voneinander trennte. Wir wollen in der Welt und mit der Welt leben! Unser Denken ist kulturbejahend, und wir glauben an den Fortschritt der Menschheit trotz allem, was in den letzten Jahrzehnten geschah. Uns darf das Leben der Menschheit in seinem Ablaufe nichts Mechanisches sein, sondern etwas, das wir aus der Kraft des uns gewordenen religioesen Geistes neu zu gestalten haben. Voller Vertrauen in die Zukunft des juedischen Staates und der diesen mit Liebe und Treue umgebenden Diaspora beginnen wir das neue Jahr, das ein Jahr des Segens werden moege fuer unser Volk und alle Menschen, die guten Willens sind! TT"U dem Volke, das den Schofarton versteht”, hoeren vv.x da uiesem Feste. Aber wir duerfen hinzufuegen: “Heil dem Volke, das den Ruf semer Geschichte, heil dem Volke, das die Stimme seines Gewissens vernimmt”. UHREN REPARATUREN Garantie — Economie SAL0 SPIEGEL 434 Mac Iver 434 FANTASIAS R E G A L O S